Indianer der USA

Die Geschichte von Vertreibung und Erniedrigung

Symbolbild: Indianer der USA
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Wer die Indianer der USA durch die Brille des Karl May betrachtet, der läuft Gefahr, sich einer romantischen Verklärung hinzugeben. Die gemeinsamen Abenteuer des Old Shatterhand mit dem Indianerhäuptling Winnetou entsprangen allein der Phantasie des Schriftstellers. Als dieser sich im Jahr 1908 zur ersten und einzigen Amerikareise an Bord des Schnelldampfers „Kronprinzessin Cesilie“ begab, hatte Karl May bereits drei der vier Winnetou-Bände verfasst.

Sein Indianer-Bild kannte nur zwei Extreme: „Die grausamen Barbaren“ und die „edlen Wilden“. Damit bewegte er sich an der Schwelle zum 20. Jahrhundert vermutlich auf dem Wissensstand der meisten Europäer, denen alles Indianische eher fremd war. Doch die Geschichte der Ureinwohner Amerikas wurde mit Blut geschrieben und ist kein Ruhmesblatt der Vereinigten Staaten.

Die ersten Einwanderer Nordamerikas

Asien als Heimat der indianischen Urahnen?

Über einen sehr langen Zeitraum rätselten die Wissenschaftler, woher die Indianer kamen, bevor sie die weiten Steppen des amerikanischen Kontinents bevölkerten. Jüngeren Studien zufolge wird die Heimat der Urahnen infolge genetischer Ähnlichkeiten dem zentralasiatischen Altai-Gebirge im Grenzgebiet zwischen Russland, der Mongolei, China und Kasachstan zugeordnet.

Weit vor Christoph Kolumbus und auch weit vor der ersten Besiedelung Neuenglands durch die Europäer gab es offenbar am Ende der letzten Eiszeit eine erste Welle von Einwanderern über die heutige Beringstraße.

Toleranz zu Zeiten der legendären „Pilgerväter“

Als die indianischen Ureinwohner Amerikas ihre Lehmbauten zwischen Felswänden bezogen, trafen sie in den trockenen Prärien auf große Herden von Mammuts, Moschusochsen und Elchen. Sie bildeten mit den Bisons über Jahrhunderte die Lebensgrundlage der Indianer.

Die legendären „Pilgerväter“, die im Jahr 1620 mit der „Mayflower“ kamen und als erste Europäer amerikanischen Boden betraten, trafen sehr bald auf indianische Völker, und es ist Teil des amerikanischen Gründungs-Mythos, dass sich zu diesem Zeitpunkt Kolonisten und Indianer tolerierten und ein friedliches Miteinander pflegten.

Pilgerväter vor der Abreise nach Amerika
Pilgerväter vor der Abreise nach Amerika / Copyright: Robert W. Weir (photograph courtesy Architect of the Capitol) / Public domain

Doch als immer mehr Puritaner die Küstenregionen besiedelten, wurde das fruchtbare Land knapp und es entzündeten sich die ersten Konflikte. Aus diesen Scharmützeln entwickelte sich eine Saat, die schließlich aus der Sicht der Weißen nur ein Ziel kannte: Die Zerstörung der indianischen Kulturen.

Der unselige Einfluss der europäischen Missionare

Einen unseligen Einfluss auf den Lauf der Dinge hatte die Ankunft der christlichen Missionare in Amerika, die in den indianischen Völkern nichts anderes sahen, als ungebildete Heiden. Auch wenn diese Missionare nicht in ihren Glaubensrichtungen vereint waren, so waren sie sich einig in ihrem Bemühen, das Christentum notfalls mit Gewalt durchzusetzen.

Damit gingen intensive Eingriffe in die indianische Kultur einher, und die Ureinwohner Amerikas erkannten sehr bald, dass die mit den weißen Siedlern geschlossenen Verträge kaum von Wert waren. Immerhin florierte der Austausch von Waren zwischen den Stämmen und den Ankömmlingen, denn die Einwanderer hatten einen wachsenden Bedarf an Biberpelzen und Otterfellen.

Mit Pfeil und Bogen gegen Feuerwaffen

Aber auch unter den Stämmen der Indianer keimten neue Streitigkeiten auf. Fast immer ging es dabei um Landbesitz und es kam zu Vertreibungen aus angestammten Jagdgebieten. Darunter litten vor allem die Bewohner des östlichen nordamerikanischen Waldlandes, wo die Cheyenne und Lakota seit Generationen beheimatet waren.

Geschichte der USA: Indianer
Indianische Völker lebten weit verstreut in ganz Nordamerika

Doch sie waren den indianischen Nachbarn, die von der Hudson Bay nach Süden drangen, weit unterlegen. Denn in deren Händen befanden sich Feuerwaffen, die sie gegen Pelze bei den Siedlern eingetauscht hatten. Aber die Angehörigen von den Stämmen der Cheyenne und Lakota waren wegen ihres Mutes geachtet, und als viele Jahre später US-Truppen im Kampf gegen die Indianer eingesetzt wurden, errangen sie erstaunliche Siege dank ihres Geschicks mit Pfeil und Bogen.

Eine Grenze zwischen weißen Siedlern und Indianern

Die Unterwerfung der Indianer war im Laufe der Jahre das erklärte Ziel der Politik der Vereinigten Staaten. Noch bevor das Land offiziell gegründet wurde, gab es im Jahr 1763 ein erstes separates Territorium für Indianer. Im Rahmen dieses „Proclamation Acts“ wurde den Stämmen ein Gebiet zugewiesen, der die Weißen von den Indianern trennte.

Bisonherde in Nordamerika
Die Indianer ernährten sich u.a. durch die zahlreichen Bisonherden

Die Wasserscheide der Appalachen sollte die Grenze sein. In ihrem neuen Refugium waren die Indianer aber abgeschnitten von ihren ursprünglichen Jagdgründen und den Weiden der Bisonherden. Denn die ernährten die Ureinwohner der USA und sie lieferten Häute für die Zelte und Felle für die Kleidung. Aber es waren auch die weißen Siedler, die die einst riesigen Bisonherden stark dezimierten.

Die „weiße Walze“ war nicht aufzuhalten

Der Strom der Neuankömmlinge aus Europa riss niemals ab, und durch Landkäufe breiteten sich die Vereinigten Staaten immer mehr gen Westen aus. Im Jahr 1800 zählte man rund fünf Millionen weiße Siedler in der Neuen Welt. Hundert Jahre später waren es bereits 75 Millionen. Im gleichen Maße schrumpfte der indianische Anteil an der Gesamtbevölkerung.

Die Zahl der sogenannten „Native Americans“ betrug nach zehn Millionen Menschen im Jahr 1492 nunmehr nur noch 237.000. Die Ureinwohner des Landes verloren mehr und mehr ihre blutigen Konflikte, und sie scheiterten in ihrem Bemühen, den „Siedler-Kolonismus“ zu stoppen. Der „weißen Walze“ hatten die Indianer kaum etwas entgegen zu setzen.

Die Umsiedelung indianischer Stämme

Mississippi
Präsident Andrew Jackson siedelte die Indianer von der Ostseite des Mississippi auf die Westseite des großen Stroms um

Für die indianische Bevölkerung der Vereinigten Staaten von Amerika war das Jahr 1830 von besonderer Bedeutung. Und zwar in negativer Hinsicht, denn ein Gesetz namens „Indian Removal Act“ autorisierte den amtierenden Präsidenten Andrew Jackson, die indianischen Stämme umzusiedeln. Und zwar aus dem Osten des Mississippi auf die Westseite des großen Stroms. Aus der Umsetzung dieses Plans und der Vertreibung der Indianer aus ihrer angestammten Heimat bezog Präsident Jackson einen Teil seiner Popularität unter den Siedlern.

Viele Opfer auf dem „Pfad der Tränen

Die Ureinwohner des Landes verloren ihre Heimat, und da nicht alle der Aufforderung folgten, in das sogenannte „Indianerterritorium“ zu ziehen, verschärfte Jacksons Nachfolger Martin van Buren das Gesetz und zwang die Indianer vom Stamm der Cherokee mit zunehmender Gewalt zur Umsiedlung. Bei diesem Treck, der als „Pfad der Tränen“ in die Geschichte der USA Einzug hielt, verloren rund viertausend der ursprünglich zehntausend Cherokeesen ihr Leben. Einige Stämme begaben sich auf den Kriegspfad, um sich gegen die Umsiedelung zur Wehr zu setzen.

Dabei kam es im Jahr 1832 zum „Black Hawk Krieg“, der nach dem Häuptling der Fox- und Sauk-Indianer so benannt wurde. Diese Stämme traten nach den verlorenen kriegerischen Auseinandersetzungen ihr angestammtes Land im heutigen Bundesstaat Illinois an die Siedler ab und erhielten eine Abfindung in Höhe von umgerechnet 640.000 amerikanische Dollar. Am 1. Mai 1843 mussten die Indianer schließlich ihre Heimat verlassen und zogen von Iowa nach Kansas.

Die Amerikanisierung der Ureinwohner

Der bewaffnete Widerstand der Indianer gegen Vertreibung und Erniedrigung und gegen die Maschinerie der Amerikanisierung durch die Behörden kam im Laufe der Zeit immer mehr zum Erliegen. Die Vereinigten Staaten waren inzwischen in der Lage, das Land zwischen Pazifik und Atlantik zu kontrollieren, und die indianische Bevölkerung wurde ein Mündel der Regierung.

Zu den behördlich angeordneten menschenunwürdigen Verfehlungen dieser Zeit zählte ein Umerziehungsprogramm, das dazu führte, dass Eltern ihre Kinder verloren. Diese wurden, weit weg von ihrer einstigen Heimat, in Internate gesteckt. Nach den verlorenen Schlachten mit Pfeil und Bogen sollten nun die Herzen und die Köpfe der Ureinwohner amerikanisiert werden.

Der legendäre Sioux-Häuptling Sitting Bull

Sitting Bull, legendärer Häuptling der Sioux
Sitting Bull, legendärer Häuptling der Sioux | by National Archives at College Park / Public domain

Sitting Bull, der legendäre Häuptling der Indianer vom Stamm der Hunkpapa Sioux, der mit richtigem Namen Tatanka Iyotanka (Sitzender Büffelstier) hieß, wurde am 15. Dezember 1890 von einem Polizisten am Grand River in North Dakota erschossen. Zu Lebzeiten gewann er dank Charisma und seiner Gabe, mit Reden zu überzeugen, die Sympathien verschiedener Stämme.

Im Jahr 1874 war in den Black Hills, inmitten des Indianer-Territoriums zwischen Wyoming und South Dakota, Gold gefunden worden. Der Goldrausch lockte viele Glücksritter an, was dazu führte, dass die Ureinwohner des Landes immer mehr isoliert wurden.

Die Niederlage der Kavallerie am Little Bighorn

Ulysses S. Grant im Januar 1864
Ulysses S. Grant im Januar 1864

Sitting Bull vereinte die Stämme um lockte am 25. Juni 1876 mit 2.500 Kriegern die 7. US-Kavallerie am Little Bighorn in Montana in eine Falle. Unter der Leitung von Oberstleutnant George Armstrong Custer wurden die Soldaten vernichtet – niemand überlebte diesen Angriff. Der Gegenschlag ließ nicht lange auf sich warten. Er wurde von Präsident Ulysses S. Grant höchstpersönlich befohlen. Sitting Bull floh daraufhin mit einigen tausend seiner indianischen Gefolgsleute ins benachbarte Kanada.

Als er fünf Jahre später zurückkehrte, gründete er die sogenannte „Geistertanz-Bewegung“. Dieser Tanz hatte seine Wurzeln in überlieferten Beschwörungs-Ritualen und war seit jeher ein fester Bestandteil der indianischen Religion. Daraus entwickelte sich eine Massenbewegung der in den Reservaten unter schlechten Bedingungen lebenden Indianer.

„Ein kalter Hauch blies durch die Ebenen…“

Sitting Bull ahnte den Untergang der indianischen Stämme und den Verlust ihrer Traditionen. Der Ausrottung der Bisonherden folgte der Eisenbahnbau und mit ihm der Verlust der angestammten Heimat der Ureinwohner Amerikas. „Ein kalter Hauch blies durch die Ebenen, als der letzte Büffel fiel. Es war der Todeswind für mein Volk“, sagte der Führer der Indianer.

Da die Beschwörung der Ahnen im „Geistertanz“ dem amerikanischen Militär nicht geheuer war, ordnete Präsident Benjamin Harrison eine Untersuchung durch die Armee an. Gegen alle nicht mit dem Militär kooperierenden Indianer wurden die Essens-Rationen gekürzt. Das führte zu enormen Spannungen und mündete schließlich im Massaker von Wounded Knee.

Das Massaker am Wounded Knee

Nach der Erschießung von Sitting Bull flüchteten zahlreiche „Geistertänzer“ vom Stamm der Lakota aus dem Reservat Standing Rock. Ihr Ziel lag zweihundert Kilometer südwestlich bei Pine Ridge, wo sich alle eine imaginäre Sicherheit erhofften. Sie folgten dabei ihrem Häuptling Spottet Elk, der in die Historie der Indianer als „Big Foot“ Einzug hielt.

Als sie am Wounded Knee, einem Nebenfluss des White River, lagerten, wurden sich von der 7. US-Kavallerie aufgespürt. Die meisten Indianer kamen der Aufforderung der Soldaten nach, ihre Waffen abzugeben. Dann löste sich nach einer Leibesvisitation und dem angedeuteten Geistertanz des Medizinmannes Yellowbird ein Schuss, der das Massaker von Wounded Knee auslöste. Dreihundert wehrlose Angehörige vom Stamm der Sioux verloren ihr Leben.

Sioux Indianer auf der Jagd mit Pferden
Sioux Indianer auf der Jagd mit Pferden.

Seit 1924 Staatsbürger der USA

Diese Niederlage am Wounded Knee brach endgültig den Widerstand der indigenen Bevölkerung und beeinflusst bis heute die Kultur und den Lebensstil der Indianer Amerikas. Die Entwicklung jenseits des Atlantiks wurde in Europa nur sporadisch registriert. In der „Alten Welt“ galten die Ureinwohner Amerikas als „Wilde“ und „Heiden“.

Außerdem hatte sich bei vielen Menschen die Überzeugung gefestigt, man müsse die Mitglieder der diversen indianischen Völker christianisieren, um sie auf einen besseren Weg zu führen. Als alle Stämme ihre Kriegsbeile begraben hatten, verloren die meisten amerikanischen Siedler ihr Interesse an den Indianern. Bis zum Jahr 1924 hatten diese in den USA den Status von „Ausländern“, ehe Präsident Calvin Coolidge seine Unterschrift unter ein Gesetz namens „Indian Citizenship Act“ setzte. Von nun an waren die Indianer Staatsbürger der USA.

Indianer in den USA heute

Eine Milliarde Dollar als Entschädigung

Das Gesetz hatte allerdings nicht zur Folge, dass von nun an alle Indianer im Lande gleichberechtigt waren, und auch die amerikanische Regierung misstraute den Ureinwohnern bis in die Gegenwart hinein. Einige Bundesstaaten leisteten es sich, der indianischen Bevölkerung noch einige Jahrzehnte lang das Wahlrecht zu verweigern.

Doch mit der Staatsbürgerschaft im Rücken wurden die Indianer mutiger und forderten ihre Rechte ein. In Schadenersatzklagen erreichten Juristen für einige Gruppen Steuerfreiheit und Lizenzen für Betriebe. 41 Indianerstämme erhielten von der amerikanischen Regierung eine Entschädigung für den Verlust ihres heimatlichen Bodens, der Erniedrigung und der Ausrottung ihrer kulturellen Integrität. Ihnen wurde eine Milliarde Dollar zugesprochen.

Kaum jemand bekannte sich zum „Way of Life“

Die Amerikanisierung der Ureinwohner führte schließlich dazu, dass das Geld auch die Welt der Indianer regierte. Heute gibt es in den Vereinigten Staaten noch immer fünfhundert anerkannte Stämme der Indianer, und zweihundert von ihnen betreiben seit einiger Zeit Vergnügungsparks, Shopping Malls oder Hotels.

Indianer Casinos und das Glücksspiel helfen amerikanischen Ureinwohnern und ihren Reservaten.
Casinos und das Glücksspiel helfen amerikanischen Ureinwohnern und ihren Reservaten.

Nunmehr sind es die Weißen in der Bevölkerung, die ihr Geld an den Spielautomaten und an den Black-Jack-Tischen der Spielcasinos verlieren. Aber der Gemeinschaftssinn ist vielen Indianerstämmen trotz ihres Reichtums nicht verloren gegangen, und aus den Einnahmen finanzieren sie Schulen, Altenheime und Krankenhäuser. Aber mit dem viel besungenen amerikanischen „Way of Life“ haben sich die Indianer in ihrer Mehrzahl nicht anfreunden können. Nicht wenige verstehen sich als Angehörige ihres Stammes – als Hopi, Navajo oder Cherokee.

Häufige Fragen und Antworten

Wer gilt als Indianer?

Indianer ist die in Europa gebräuchliche Sammelbezeichnung für die indigenen Völker der USA.

Wo leben Indianer in den USA?

Die meisten leben in den Bundesstaaten Kalifornien, Oklahoma und Arizona.

Wie viele Indianer gibt es heute in den USA?

Man schätzt deren Zahl auf 2,5 Millionen.

Wie ging es mit der Bevölkerung der Indianer in den USA weiter?

Sie wurden Staatsbürger der USA und viele von ihnen wurden entschädigt.

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