Wer war Benjamin Harrison?

Im Schatten anderer – aber ein Präsident mit diplomatischem Geschick

Benjamin Harrison
0

Harrison – der Name hatte im Amerika des 19. Jahrhunderts einen guten Klang. Diese Familie zählte zu den einflussreichsten der Vereinigten Staaten, und bereits im Jahr 1841 zog ein Harrison als Präsident ins Weiße Haus ein. Allerdings war dies eine unglückliche Präsidentschaft, denn William Henry Harrison starb nur einen Monat nach seiner Amtseinführung, weil er bei seiner Antrittsrede versäumt hatte, sich gegen den Eisregen zu wappnen. Die Folge war eine Lungenentzündung, von der er sich nicht erholte. Doch die Erinnerung an den neunten Präsidenten der USA lebte, als sich Benjamin Harrison anschickte, als dessen Enkel in die Fußstapfen seines legendären Vorfahren zu treten. 

Steckbrief: Benjamin Harrison

  • Name: Benjamin Harrison
  • Geburtsdatum: 20. August 1833
  • Geburtsort: North Bend, Ohio, Vereinigte Staaten
  • Ehepartnerin: Mary Dimmick Harrison (verh. 1896–1901), Caroline Harrison (verh. 1853–1892)
  • Kinder: Mary Harrison McKee, Russell Benjamin Harrison, Elizabeth Harrison Walker
  • Eltern: John Scott Harrison, Elizabeth Ramsey Irwin
  • Geschwister: James Findlay Harrison, James Irwin Harrison, Carter Bassett Harrison, John Irwin Harrison, Elizabeth Short Harrison, John Scott Harrison, Sarah Lucretia Harrison, Mary Hellen Harrison, Anna Symmes Harrison, Mary Jane Harrison, Archibald Harrison, William Henry Harrison
  • Sternzeichen: Löwe
  • Sterbedatum: 13. März 1901
  • Sterbeort: Benjamin Harrison Presidential Site, Indianapolis, Indiana, Vereinigte Staaten

Kindheit und Jugend

„Niemand, außer Schurken, sollten die politische Arena betreten“

Nur wenigen Präsidenten in der Zeit nach dem Amerikanischen Bürgerkrieg war es vergönnt, auf eine unbeschwerte Kindheit zurückblicken zu können. Und auf eine Jugend, die von Wohlstand geprägt war. Benjamin Harrisons Vater, ein vermögender Farmer, ermöglichte seinem Sprössling eine gute Ausbildung und auch ein Studium an der Universität von Oxford im Bundesstaat Ohio. Er kam im Jahr 1833 in North Bend, einem kleinen Dorf am Ufer des Ohio River, zur Welt. Noch heute nennt sich dieser Ort im Großraum Cincinnati „Hamilton County“. Benjamins Vater John Scott Harrison brachte es später zu Sitz und Stimme im Repräsentantenhaus. Und das war eigentlich verwunderlich, denn als auch sein Sohn um ein öffentliches Amt kandidierte, behauptete er „niemand, außer Schurken, sollten jemals die politische Arena betreten…“

Unter den Vorfahren ein General, der ein Todesurteil unterschrieb

Dass einer seiner Vorfahren amerikanischer Präsident war, verschwieg der Vater von Benjamin Harrison geflissentlich. Hingegen ließ er nicht unerwähnt, dass ein gewisser Thomas Harrison, der ebenfalls aus seiner Familie stammte, nicht nur als General im Englischen Bürgerkrieg des 17. Jahrhunderts kämpfte, sondern sogar das Todesurteil für den verhassten Königs Karl I. unterschrieb. Dieser Urahn der Harrisons war ein bekennender Puritaner, und auch Benjamins Mutter Elizabeth war ein strenggläubiger Mensch, der sich allerdings zu den Presbyterianern hingezogen fühlte. Benjamin Harrison wuchs in einer großen Familie mit drei Brüdern und vier Schwestern auf, die ausnahmslos von einem Hauslehrer zum Lesen und zum Schreiben geführt wurden. Bereits in den Jahren, in denen er eine Vorbereitungsschule für ein anschließendes Studium in Cincinnati besuchte, bekam Benjamin Harrison einen Spitznamen. Seine Klassenkameraden nannten ihn „Little Ben“. Auch im Erwachsenen-Alter verfügte er lediglich über eine Körpergröße von 1,67 Metern.

Studium und Ehe

Die Tochter eines Professors und deren „tanzende braune Augen“

Benjamin Harrison studierte an der Miami University von Oxford/Ohio genau das, was für mehrere amerikanische Präsidenten das Sprungbrett zu ihrer Karriere wurde: Rechtswissenschaft. Er war lernbegierig und schloss das Studium im Jahr 1852 als einer der Besten seines Jahrgangs ab. Zu diesem Zeitpunkt hatte er sich bereits in die Tochter eines Professors seiner Universität verliebt. An Caroline Lavinia Scott faszinierten ihn deren „tanzende braune Augen“. Er nannte sie „Carrie“ und ließ sich von ihr bereitwillig zum Tanzen ausführen, obwohl er Freizeitgestaltungen dieser Art eigentlich nicht mochte. Benjamin Harrisons Auserwählte war eine unbeschwerte und humorvolle Persönlichkeit, die von Zeitgenossen aber auch als sentimental beschrieben wurde. Allerdings litt Caroline bereits in jungen Jahren unter Problemen mit den oberen Atemwegen. Am 20. Oktober 1853 heiratete das Paar.

Indianapolis wurde zum Mittelpunkt des Lebens der Harrisons

Aus der glücklichen Ehe der Harrisons gingen zwei Kinder hervor: Russell Lord, der sich später Russell Benjamin nannte und Mary Scott. Eine zweite Tochter kam im Juni 1861 tot zur Welt. Seine Lehrjahre beendete Benjamin Harrison in Ohio, wo er in der Anwaltspraxis Storer & Gwynne seinen letzten juristischen Schliff bekam und 1854 erfolgreich die Prüfung zum Anwalt ablegte. Danach ließ er sich mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn in Indianapolis im Bundesstaat Indiana nieder, wo er als Anwalt in einer eigenen Praxis arbeitete. Dort wurde auch sein Interesse an der Politik geweckt, und er bekannte sich zu den Ideen der noch jungen Republikanischen Partei. Indianapolis, die Stadt im Mittleren Westen der USA, war schon damals die Kornkammer Amerikas und entstand nach dem Vorbild Washingtons mit Straßen, die zum Monument Circle, dem zentralen Ort, führten. Diese lebhafte Metropole sollte für alle Zeiten der Lebensmittelpunkt des Benjamin Harrison sein – abgesehen von den Jahren seiner Präsidentschaft im Weißen Haus.

Politischer Aufstieg

Unterstützer der Präsidentschafts-Kandidaten und Lincolns Wahl

Benjamin Harrison
Benjamin Harrison

Als im Jahr 1856 in den Vereinigten Staaten wieder einmal Präsidentschaftswahlen anstanden, engagierte sich Benjamin Harrison für den republikanischen Kandidaten John Charles Frémont, einem noch jugendlichen Entdecker und Offizier, der dann aber bei der Wahl gegen James Buchanan unterlag. Doch Harrison hatte sich inzwischen in Indianapolis und in seiner Partei einen guten Namen gemacht und wurde Sekretär des Zentralausschusses der Republikaner von Indiana.

Und nachdem er sich vor der Präsidentschaftswahl des Jahres 1860 für Abraham Lincoln erfolgreich ins Zeug gelegt hatte, beauftragte ihn der Supreme Court von Indiana zum Berichterstatter. Doch mit der Wahl Lincolns verfinsterte sich der amerikanische Horizont und dessen Präsidentschaft war geprägt vom Bürgerkrieg der Union mit den Konföderierten. Lincoln war angetreten mit dem Vorsatz, die Sklaverei auf dem Boden Amerikas zu beenden. Das brachte die glühende Lunte zur Explosion, weil sich die Staaten des Südens gegen diesen Präsidenten wehrten und die Sklaverei beibehalten wollten.

Als General in vielen Schlachten des Amerikanischen Bürgerkrieges

Nach Ausbruch des Bürgerkrieges war es für Benjamin Harrison offenbar eine Sache der Ehre, sich als Freiwilliger bei der Armee zu melden. Vom Jahr 1862 an diente er zunächst als Second Lieutenant im 70. Indiana Infanterieregiment der Union. Als Brigade-General führte er seine Soldaten in die Schlachten von Resaca, Cassville, New Hope Church, Lost Mountain, Kennesaw Mountain, Marietta, Peachtree Creek, Atlanta und Nashville. Der legendäre General, Bankier, Schriftsteller und Rechtsanwalt William Tecumseh Sherman beschrieb Harrison während des Atlanta-Feldzuges als einen „disziplinierten und vorausschauenden Soldaten“. Die Einnahme Atlantas und das anschließende Vorrücken der Armee nach Savannah ging als „Shermans Marsch zum Meer“ in die Geschichte Amerikas ein. Als General im Brevet-Rang beendete Benjamin Harrison den Bürgerkrieg. Er hatte die zahlreichen Schlachten unverletzt überstanden und unterstützte nun die Wiederaufbau-Politik der Republikaner.

Erfolglose Kandidaturen und eine Berufung durch den Präsidenten

Als Anwalt nahm Benjamin Harrison seine Arbeit wieder auf und bewarb sich im Jahr 1872 bei den Republikanern erfolglos um die Kandidatur eines Gouverneurs-Postens von Indiana. Vier Jahre später konnte er sich zwar bei den Vorwahlen seiner Partei behaupten, unterlag aber dann seinem demokratischen Mitbewerber James Douglas Williams. Doch fast gleichzeitig erreichten ihn Signale aus Washington, wo sich Präsident Rutherford B. Hayes für Harrisons Unterstützung bei seiner eigenen Wahl bedankte und den Anwalt aus Indianapolis in die Mississippi River Commission berief. Dieser Ausschuss wurde durch den Kongress damit beauftragt, den Zustand des großen Flusses zu überprüfen, die Verhältnisse für die Schifffahrt zu verbessern und die Ufer vor Überschwemmungen zu schützen.

Als Mitglied des Senats auf der Seite der amerikanischen Ureinwohner

Benjamin Harrison sah in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts seine Hauptaufgabe darin, sich politisch für die Präsidentschafts-Kandidaturen zu engagieren. 1880 unterstützte er die Bewerbung des weitgehend unbekannten Politikers James A. Garfield. Ein Jahr später gelang ihm der Sprung in den Senat der Vereinigten Staaten, wo er sich als Senator vor allem den Interessen der Heimbewohner und der amerikanischen Ureinwohner widmete. Er unterstützte die Indianer bei ihrer Verteidigung, wenn es vor Gericht um deren Rechtsansprüche gegen die mächtigen Eisenbahn-Gesellschaften ging. Außerdem gehörte er zu denen, die sich im Senat bemühten, den ehemaligen Soldaten des Bürgerkrieges großzügige Renten zu sichern. Sein Kampf galt aber auch einer Reform des öffentlichen Dienstes. Benjamin Harrison galt in jenen Jahren als ein umgänglicher und freundlicher Mann mit starken Prinzipien, einem klaren Verstand und einem erstaunlichen Gedächtnis.

Ein Redner, der fesselte und seine Gegner mit Spott überzog

Der nunmehr knapp fünfzigjährige Politiker aus Indianapolis erfreute sich der Gabe, frei reden zu können. Häufig fesselte er sein Publikum, während er seine Gegner zuweilen mit einem herben Spott überzog. Hin und wieder beklagte er aber bei seinen Reden die Tatsache, dass der Fanatismus der politischen Landschaft nicht halt mache vor der, wie er sagte, „geheiligten Schwelle des Privatlebens“. Und ein Satz ist von Harrison überliefert und gibt Aufschluss über sein Innenleben: „Wenn Du wissen willst, welch ein schlechter Kerl Du bist, so lasse Dich für ein Amt in Vorschlag bringen.“ Das sagte einer, von dem die amerikanische Geschichte berichtet, dass gegen seine persönliche Ehrenhaftigkeit und Unantastbarkeit nie ein Wort von seinen Gegnern laut wurde. Er war und blieb ein zutiefst religiöser Mensch und war seit vier Jahrzehnten Mitglied der presbyterianischen Kirche. Seine Wegbegleiter feierten ihn schon vor der Präsidentschaft als „Mann des moralischen Mutes“.

Eine Niederlage bei der Abstimmung des Chinese Exclusion Acts

Zwischen 1881 und 1887 bekleidete Benjamin Harrison das Amt eines Senators für Indiana im amerikanischen Kongress. Schwerpunkte setzte er in diesen Jahren, als es um die Anerkennung von Dakota als Bundesstaat ging und als die Marine modernisiert werden sollte. Von der Doktrin seiner eigenen Partei verabschiedete er sich unter anderem mit seiner Ablehnung des Chinese Exclusion Acts von 1882. Um die 300.000 Chinesen waren in dieser Zeit an den Küsten Kaliforniens gelandet und in die Vereinigten Staaten eingewandert. Sie fanden Beschäftigung in den Goldminen und bei den Eisenbahn-Gesellschaften. Am 6. Mai 1882 stimmte dann der Kongress mehrheitlich für ein Gesetz, das diese chinesische Einwanderungswelle zunächst für ein Jahrzehnt stoppen sollte. Es wurde später mehrfach verlängert, und Harrison erlitt mit seiner ablehnenden Haltung gegen dieses umstrittene Gesetz eine herbe Niederlage im Kongress.

Der krasse Außenseiter beim Wahlkongress der Republikaner

Auf dem Wahlkongress der Republikaner 1888 in Chicago schlug dann die große Stunde des Anwalts und Politikers aus Indianapolis. Seine Partei nominierte ihn als Kandidat für die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen. Allerdings galt er lediglich als krasser Außenseiter, denn seine Rivalen waren politische Schwergewichte. Einer der Favoriten war James G. Blaine, der Sohn eines vermögenden Grundbesitzers und Urenkel des legendären Ephraim Blaine, der im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg eine wichtige Rolle spielte. James G. Blaine hatte sich schon vor vier Jahren um die Präsidentschaft beworben und war dann an Grover Cleveland gescheitert. Nun wagte er den zweiten Anlauf und hatte sich insbesondere mit John Sherman beim Nominierungs-Kongress der Republikaner auseinander zu setzen. Sherman war ein gewiefter Politiker und der Bruder jenes Generals William T. Sherman, der sich im Bürgerkrieg so lobend über Benjamin Harrison geäußert hatte. Harrison blieb bei diesem Kongress in Chicago zunächst nur eine Art Nebenrolle.

Präsidentschaft (1889-1893)

Als Blaine scheiterte schlug die große Stunde des Benjamin Harrison

Benjamin Harrison, by Joseph Gray Kitchell (1862–1945) [Public domain]
Benjamin Harrison, by Joseph Gray Kitchell (1862–1945) [Public domain]
Das sollte sich aber im Verlaufe dieser Wahl-Prozedur entscheidend ändern, denn als sich der eigentliche Favorit James G. Blaine nicht die notwendigen Stimmen sichern konnte, unterstützte er in weiteren Wahlgängen mit seiner Gruppe nicht Sherman sondern Harrison. Im achten Durchgang hatte dieser tatsächlich und zur Überraschung vieler sein Ziel erreicht. Zum Vizepräsidenten bestimmte der Kongress Levi P. Morton, einen Neffen des ersten amerikanischen Missionars in Palästina. Benjamin Harrison, der bei der amerikanischen Wahl gegen Grover Cleveland knapp gewann, hatte sich für seine Präsidentschaft einen besonderen Slogan ausgedacht. Er wollte sich in den kommenden vier Jahren für einen „verjüngten Republikanismus“ einsetzen. Aber er konzentrierte sich außerdem auf eine innovative Außenpolitik – auch deshalb, weil der amerikanische Einfluss in vielen Ländern der Welt einen ordentlichen Schub erhalten hatte.

Die aufgezeichnete Rede mit Edisons genialer „Sprechmaschine“

Als Benjamin Harrison im März 1889 als Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt wurde, war dies ein Jubiläum. Es war exakt ein Jahrhundert her, dass man George Washington in sein Amt einführte. Der neue Chef im Weißen Haus beließ es bei einer kurzen ersten Rede und beschwor dabei die Hoffnung auf Wachstum der amerikanischen Wirtschaft und betonte die Wichtigkeit von Religion und Bildung. Seine Antrittsrede verknüpfte er auch mit der Verpflichtung, sich für den internationalen Frieden einzusetzen und sich in die inneren Angelegenheiten ausländischer Staaten nicht einzumischen. Erstmals in der Geschichte der USA wurde die Ansprache eines neuen Präsidenten mittels eines Phonographen aufgezeichnet und blieb somit der Nachwelt erhalten. Der geniale Erfinder Thomas Adam Edison hatte sein Gerät zur akustisch-mechanischen Aufnahme und Wiedergabe als „Sprechmaschine“ einige Jahre vorher als Patent angemeldet.

Rentenzahlungen für ehemalige Soldaten schmälerten die Kasse

Der Mann, der ihn mit seinen Stimmen zur Kandidatur um die Präsidentschaft verholfen hatte, ging während der Amtszeit von Harrison nicht leer aus. James G. Blaine übernahm den Vorsitz der Ersten Internationalen Konferenz amerikanischer Staaten im Washington. Das war die Geburtsstunde der späteren „Panamerikanischen Union“, die sich den Austausch kultureller und wissenschaftlicher Erkenntnisse zum Ziel setzte. Blaine verhandelte im Auftrag seines Präsidenten außerdem mit Großbritannien über einen Vertrag, der die Jagd auf Robben in der Beringsee regulieren sollte. Als Harrison sein Amt übernahm, wies die amerikanische Staatskasse einen erfreulichen Überschuss aus. Doch das sollte sich während der Präsidentschaft Harrisons ändern, und in der Öffentlichkeit seines Landes war schon bald vom „Milliarden-Dollar-Kongress“ die Rede. Die Renten für ehemalige Soldaten verschlangen große Summen.

Eine Porzellansammlung und Spenden für die Hopkins Universität

Benjamin Harrison ging aber auch noch aus einem anderen Grund in die Geschichte Amerikas ein. Er war der letzte Präsident, der einen Vollbart trug. In den Jahren seiner Amtszeit wurde das Weiße Haus renoviert und elektrifiziert. Der Garten wurde zur Heimstatt zahlreicher Tiere – unter anderem graste hier ein Ziegenbock namens „Old Whisker“. Harrisons Frau Caroline war eine gute Gastgeberin und hatte sich zu einer ausgezeichneten Pianistin gemausert. Sie gründete im Weißen Haus eine Porzellansammlung und arbeitete für diverse lokale Wohltätigkeits-Organisationen. Unter anderem sammelte sie Spenden für die renommierte Johns Hopkins Universität und verknüpfte damit die Bedingung, dass dort fortan auch Frauen aufgenommen werden mussten. Sie rief eine Nationale Gesellschaft der Töchter der amerikanischen Revolution ins Leben und war dort die erste Generalpräsidentin.

Zweite Ehe

Abschied von seiner Frau Caroline und eine zweite Eheschließung

Doch in den Jahren ihrer langen Ehe mit Benjamin Harrison wurde Caroline immer wieder von gesundheitlichen Problemen heimgesucht. Die First Lady, die sich bei ihren eleganten Empfängen und Abendessen im Weißen Haus nicht anmerken ließ, starb im Oktober 1892 an den Folgen einer Tuberkulose. Sie hatte den Sommer in den Höhen der Adirondack Mountains verbracht, doch nach ihrer Rückkehr verschlechterten sich ihre Werte rapide. Nach ihrem Tod bat Harrison einen kleinen Kreis in den East Room des Weißen Hauses zum Gottesdienst. Der Leichnam der Präsidentengattin wurde zur Bestattung nach Indianapolis gebracht. Nach dem Ende der offiziellen Trauerzeit übernahm Harrisons Tochter Mary McKee für einige Monate die Aufgaben im Weißen Haus. Benjamin Harrison heiratete vier Jahre später noch einmal – die 25 Jahre jüngere Nichte und einstige Sekretärin seiner verstorbenen Frau, die verwitwete Mary Scott Dimmick. Harrisons erwachsene Kinder lehnten diese Eheschließung ab und blieben der Hochzeit fern.

Das diplomatische Geschick nach dem „Baltimore-Zwischenfall“

Kurz vor dem Ende seiner Präsidentschaft sah sich Harrison mit einigen ungewöhnlichen Problemen konfrontiert. So gab es Streit mit den kanadischen Nachbarn um die Fischgründe um den Aleuten-Archipel bei Alaska und mit dem Deutschen Reich, das amerikanisches Schweinefleisch aus hygienischen Gründen mit einem Embargo belegte. In eine Schräglage gerieten auch die Beziehungen zu Chile. Nach dem sogenannten „Baltimore-Zwischenfall“ und der Gefangenschaft von amerikanischen Seeleuten standen Amerika und Chile am Rande eines Krieges. Gemeinsam mit seinem Außenminister Blaine wurde der Streit beigelegt. Das wurde ihm später als diplomatisches Meisterstück bescheinigt. Auch durch Theodore Roosevelt, einem seiner Nachfolger im Amt des amerikanischen Präsidenten.

Amtsende und Lebensabend

Schlichter in einem Grenzstreit und Vorlesungen an der Universität

Grab der Harrisons, by Shadow2700 [Public domain]
Grab der Harrisons, by Shadow2700 [Public domain]
Eine zweite Amtszeit kam für Benjamin Harrison nicht in Frage, und so zog er sich mit 62 Jahren in seine Anwaltskanzlei nach Indianapolis zurück. Dort kam seine Tochter Elizabeth zur Welt, die in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts Gründerin und Herausgeberin von „Cues on the News“, einem Investment-Newsletter für Frauen, wurde und einen Großneffen von Außenminister Blaine heiratete.

Die Harrisons hatten nun Zeit, endlich auf Reisen zu gehen. In Venezuela schlichtete er einen Grenzstreit mit Britisch-Guayana und in Den Haag war er Teilnehmer an einer Friedenskonferenz. Offensichtlich fühlte er sich wohl in seiner Rolle als Elder Statesman, der befreit war vom Druck des höchsten Amtes, das die Vereinigten Staaten zu vergeben haben. Häufig erlebte man den Ex-Präsidenten auch bei Vorlesungen über das Verfassungsrecht an der Stanford University. Benjamin Harrison starb am 13. März 1901 in seinem Haus in Indianapolis an den Folgen einer Lungenentzündung. Er wurde neben seiner ersten Frau auf dem Crown Hill National Cemetery in Indianapolis begraben.

Harrisons Witwe verkaufte das Haus an eine Musikschule

Da die Vereinigten Staaten von Amerika um die Jahrhundertwende von heftigen wirtschaftlichen Sorgen gepeinigt wurden, verblasste im Lande sehr schnell die Erinnerung an den 23. Präsidenten. Er stand zu lange im Schatten anderer Politiker, doch während seiner vierjährigen Amtszeit setzte er einige außenpolitische Akzente. Historiker erinnerten später an Benjamin Harrisons Eintreten für die Bürgerrechte und an seine Erfolge in den panamerikanischen Beziehungen. Sein Konterfei zierte die amerikanische Ein-Dollar-Münze von 2012. Das Haus im historischen Viertel Old Northside in Indianapolis steht mit seinen 16 Zimmern im viktorianischen Stil der Öffentlichkeit für Besichtigungen offen. Seine Witwe hatte die Villa im Jahr 1939 an eine Musikschule mit der Maßgabe verkauft, dass sie stets die Erinnerung an den Präsidenten der USA wachhalten sollte. Inzwischen ist das Gebäude im Besitz der Benjamin Harrison Foundation.

Häufige Fragen und Antworten

Wann wurde Benjamin Harrison geboren?

Am 20. August 1833.

Wann war Benjamin Harrison Präsident der USA?

Zwischen 1889 und 1893.

Wann ist Benjamin Harrison gestorben?

Am 13. März 1901.

Erhalte Updates direkt auf dein Endgerät, melde dich jetzt an.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.