Wer war James Buchanan?

Ein Präsident am Abgrund des Amerikanischen Bürgerkrieges

James Buchanan
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James Buchanan, der 15. Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten, wird von den Historikern als Mann mit einer stattlichen Figur beschrieben. Er diente seinem Land zwischen 1857 und 1861, und er war davon überzeugt, dass er als Nachfolger eines wenig erfolgreichen Präsidenten Franklin Pierce in der Lage sei, die Nation aus der Krise zu führen. Denn am amerikanischen Himmel waren dunkle politische Wolken aufgezogen und es drohte ein verheerender Bürgerkrieg zwischen den aus den Vereinigten Staaten ausgetretenen und in der Konföderation vereinigten Südstaaten und den in der Union verbliebenen Nordstaaten. James Buchanan, ein altgedientes Mitglied des Repräsentantenhauses, hatte sich bei seinem Amtsantritt die Aufgabe gestellt, sein Volk davon zu überzeugen, das Verfassungsrecht so zu akzeptieren, wie es der Oberste Gerichtshof auslegte. Doch die Spaltung dieses Landes konnte auch dieser Präsident nicht verhindern.

Steckbrief: James Buchanan

  • James Buchanan, by Brady daguerreotype (Mathew Brady,1822-1896) [Public domain]
    James Buchanan, by Brady daguerreotype (Mathew Brady,1822-1896) [Public domain]
    Name: James Buchanan
  • Geburtsdatum: 23. April 1791
  • Geburtsort: Cove Gap, Pennsylvania, Vereinigte Staaten
  • Eltern: James Buchanan Sr., Elizabeth Spear
  • Geschwister: George Washington Buchanan, William Speer Buchanan, John Buchanan, Elizabeth E. Buchanan, Harriet E. Buchanan, Mary Buchanan, Jane Ann Buchanan, Sarah Buchanan, Edward Young Buchanan, Maria Buchanan
  • Sternzeichen: Stier
  • Sterbedatum: 1. Juni 1868
  • Sterbeort: President James Buchanan’s Wheatland, Pennsylvania, Vereinigte Staaten

Kindheit und Jugend

Aufgewachsen in einer Blockhütte im Kreis zahlreicher Geschwister

In einem Blockhaus im kleinen Flecken Peters Township in Pennsylvania kam James Buchanan am 23. April 1791 zur Welt. Das Leben in Blockhäusern war im ausklingenden 18. Jahrhundert in Amerika eher die Regel als die Ausnahme. Die Siedler hatten sich zunächst die Watt- und Daubhütten von den Indianern abgeschaut, ehe sie sich für hölzerne Konstruktionen entschieden. Und da die Blockhütte ein Symbol des amerikanischen Pioniers und Grenzlebens war, wird es für die Familie Buchanan selbstverständlich gewesen sein, in den Allegheny Mountains eine solche zu bauen. James Buchanan war das zweite von elf Kindern, die in dieser Blockhütte das Licht der Welt erblickten. Er wuchs im Kreis von sechs Schwestern und vier Brüdern auf. Sein Vater James Senior hatte seine Wurzeln auf der britischen Insel und war 1783 aus dem County Donegal zugewandert. „Ulster Schotten“ nannte man die Siedler aus den schottischen Highlands, die in ihrer Heimat als Presbyterianer unter religiösen Verfolgungen litten.

Mutter Elizabeth zitierte aus den Werken von Shakespeare und Milton

James Buchanan Senior hatte es nie bereut, in den Vereinigten Staaten sein Glück zu suchen. Er war ein erfolgreicher Kaufmann und baute sich in Mercersburg im südlichen Teil von Pennsylvania einen neuen Lebensmittelpunkt auf. Die Kleinstadt südwestlich von Harrisburg wurde im Volksmund „Black Town“ genannt. Eine Anspielung auf den hohen Anteil an Afroamerikanern in dieser Region. Der Vater von James Buchanan hatte einige Zeit in New York gelebt und sich in Mercersburg niedergelassen, um dort seine Frau Elizabeth Speer zu heiraten. Auch sie war bekennende Presbyterianerin und konzentrierte sich auf ihre Aufgabe, den Kindern die Grundlagen der Bildung zu verschaffen. Später erinnerte sich James Buchanan, dass ihn seine Mutter bereits in sehr jungen Jahren behutsam an politische Themen herangeführt habe. Außerdem zitierte Mutter Elizabeth häufiger aus den Schriften der angelsächsischen Dichter William Shakespeare und John Milton.

Ausbildung und Studium

Der junge Buchanan genoss abseits der Familie das neue Leben

Ölportrait von James Buchanan, by Smithsonian American Art Museum [Public domain]
Ölportrait von James Buchanan, by Smithsonian American Art Museum [Public domain]
Fast zeitgleich mit der Geburt ihres Sohnes James vollzog sich für die Familie Buchanan ein wirtschaftlicher Quantensprung. Sie bezog eine größere Farm in der Umgebung, und aus dem hölzernen Blockhaus wurde für die immer größer werdende Gemeinschaft nunmehr ein zweistöckiges Wohnhaus aus Backsteinen. Das Oberhaupt der Familie war auf gutem Wege, zu den einflussreichsten und wohlhabendsten Bürgern dieser kleinen Stadt aufzusteigen. James besuchte eine örtliche Schule und wechselte im Alter von 16 Jahren auf das Dickinson College in Carlisle im Cumberland County. Das College zählte zu den ältesten in den Vereinigten Staaten, hatte eine private Trägerschaft und trug den Namen von John Dickinson, des Präsidenten von Pennsylvania. James Buchanan nutzte offenbar seine neuen Freiheiten – siebzig Meilen entfernt von seiner Familie – und genoss das Leben.

Anwaltstätigkeit

Auf dem Weg zur Anwaltsprüfung Selbstgespräche bei Spaziergängen

Wiederholt fiel der Teenager in den Tavernen von Carlisle durch feuchtfröhliche Trinkgelage auf. Wegen nächtlicher Ruhestörungen in der Begleitung seiner Kommilitonen und wegen diverser anderer Auswüchse schrammte Buchanan mehrfach an einem Schulverweis vorbei. Später bekannte er, dass es ihm während seines Aufenthalts im College vor allem darum ging, sich gegenüber seinen Mitschülern als besonders mutig darzustellen. Letztlich verdankte er es seinem Rektor, einem Presbyterianer, dass er auf der Schule verbleiben konnte. Ein Jahr nach diesen Vorkommnissen schloss er sein Studium erfolgreich ab. Im Gleichklang mit der Mehrzahl der jungen Männer, die sich für eine spätere politische Laufbahn empfehlen wollten, entschied sich auch James Buchanan für die Ausbildung zum Anwalt. Er bekam eine Chance in der Kanzlei des bekannten Juristen James Clemson Hopkins in Lancaster, der einstigen Hauptstadt Pennsylvanias. Dort schärfte er seine für ihn in späteren Jahren charakteristische Gedankenführung in zivilen Streitfällen. Um sich eine geschliffene Sprache anzueignen, sah man ihn häufiger bei einsamen Spaziergängen in den Parks von Lancaster. Dort führte er dann immer mal wieder Selbstgespräche.

Patriotische Pflichten und die Konzentration auf die Politik

Als James Buchanan im Jahre 1812 als Anwalt zugelassen wurde, fiel dieses Ereignis in eine unruhige Zeit. Am 18. Juni 1812 entbrannte der Britisch-Amerikanische Krieg. Die jahrelangen Spannungen zwischen beiden Staaten mündeten in Schlachten auf dem Meer und zu Lande – insbesondere an der Grenze zu Kanada. Präsident James Madison rechtfertigte seine Kriegserklärung unter anderem mit der Zwangsrekrutierung amerikanischer Matrosen in die Royal Navy sowie mit der britischen Blockade amerikanischer Häfen, um den Handel der Vereinigten Staaten mit dem von Napoleon besetzten Europa zu unterbinden. Zwei Jahre sollte dieser Krieg dauern, und er endete Heiligabend 1814 mit dem legendären Frieden von Gent, der unter Vermittlung Russlands zustande kam. James Buchanan glaubte, seiner patriotischen Pflicht folgen zu müssen und meldete sich bei einem Regiment. Doch dort hatte man für ihn keine Verwendung, und so konzentrierte er sich weiter auf seinen Job als Anwalt und auf eine mögliche politische Karriere.

Politischer Aufstieg

Nächtliche Pferde-Diebstähle für die United States Army

Aquarellmalerei von James Buchanan, by John Henry Brown [Public domain]
Aquarellmalerei von James Buchanan, by John Henry Brown [Public domain]
Buchanans Gewandtheit bei der freien Rede stand im Widerspruch zu seinem Mangel an jeglicher Form des Humors. Auf seine Umgebung wirkte er in diesen Jahren wie eine knorrige Eiche. Bei seinen Mandaten war er nicht wählerisch – er nahm jeden Fall der juristischen Streitigkeiten an. Zeitzeugen beschrieben ihn bei den Gerichtsverhandlungen als überaus gradlinig in seinen Argumentationen – aber auch als reichlich phantasielos. Allerdings verfügte er schon bald über ein stattliches Vermögen, denn er profitierte unter anderem von der Bekanntschaft etlicher Prominenter und Politiker in der Region. Im Alter von 23 Jahren zog James Buchanan als Mitglied der Föderalistischen Partei ins Repräsentantenhaus von Pennsylvania ein und war dort fünf Jahre lang tätig. Inzwischen war er außerdem ein aktives Mitglied der Freimaurerloge, die ihn in späteren Jahren zum Meister vom Stuhl wählte. Eine Episode am Rande: Während des Krieges und der britischen Besatzung schloss sich Buchanan einer Gruppe junger Leute an, die in der Nacht regelmäßig die Pferde der Engländer stahl und sie an die United States Army lieferte. Darin sah er seinen sehr persönlichen Beitrag in diesem Krieg.

„Ich habe das Gefühl, dass das Glück für immer vor mir geflohen ist“

Historiker waren sich bei der Beschreibung des Lebens des späteren Präsidenten der Vereinigten Staaten über die sexuellen Neigungen des James Buchanan uneinig. Tatsache ist, dass dieser während seiner Zeit als Anwalt in Lancaster eine Liebesbeziehung zu einer gewissen Ann Coleman unterhielt. Deren Vater stammte ebenfalls aus Irland, war Presbyterianer und gelangte als Eisenfabrikant zu einem stattlichen Reichtum. James Buchanan und Ann Coleman waren verlobt, doch diese Verbindung ging in die Brüche. Ann Coleman warf ihrem Verlobten vor, er habe nur an ihrem Geld Interesse. Das Schicksal wollte es, dass sie wenige Tage nach ihrem Abschiedsbrief – offenbar an den Folgen eines Anfalls – starb. Worauf die Familie Coleman dem ehemaligen Verlobten ihrer Tochter die Schuld an deren Ableben gab und ihm untersagte, an der Beerdigung teilzunehmen. James Buchanan schrieb darauf einen Brief mit den Worten: „Ich mag den Schock ihres Todes ertragen, aber ich habe das Gefühl, dass das Glück für immer vor mir geflohen ist.“

Ein Paket mit Briefen sollte nach dem Testament verbrannt werden

Ein Briefpaket seiner Verlobten trug James Buchanan fortan stets bei sich, und in seinem Testament verfügte er, dass die Vollstrecker seines letzten Willens diese Schriftstücke verbrennen sollten, ohne sie vorher gelesen zu haben. Die Originalverpackung blieb jedoch erhalten und wurde bei der Historical Society of Pennsylvania hinterlegt. Nach den tragischen Ereignissen des Jahres 1819 stürzte sich Buchanan in seine Arbeit, strebte einen Sitz im amerikanischen Repräsentantenhaus an und musste kurz vor seiner Wahl den Verlust seines Vaters verkraften, der nach einem Unfall mit seiner Kutsche verstarb. Politisch näherte er sich mehr und mehr den Modernen Demokraten um Andrew Jackson. Im Repräsentantenhaus gab es bereits Abgeordnete, die ihm nicht mehr vertrauten und ihn unverhohlen aufforderten, einen Parteiwechsel zu vollziehen. Doch Jackson, der charismatische Held der Schlacht von Orleans im Britisch-Amerikanischen Krieg, blieb sein Vorbild. Allerdings waren diese Sympathien zunächst ziemlich einseitig, da Andrew Jackson vermutete, Buchanan habe ihm 1824 als Mitglied eines einflussreichen „korrupten Haufens“ den Einzug ins Weiße Haus gekostet. Vier Jahre später konnte sich Buchanan revanchieren, denn nicht zuletzt dank der Wähler in Pennsylvania wurde Jackson Präsident der Vereinigten Staaten.

Der wenig geliebte Job eines Gesandten im Russischen Kaiserreich

Während seiner Zeit im Kongress spielte der „Missouri-Kompromiss“, der die Sklaverei nördlich des 36. Breitengrades verbot, noch immer eine wichtige Rolle bei den Debatten. Im Jahr 1830 äußerte sich auch Buchanan zu diesem Thema. Dabei vertrat er die Auffassung, dass die Praxis der „Peculiar Institution“, also die sogenannte „Besondere Situation“, ein politisches und auch moralisches Übel sei. Doch bei einer Befreiung der Sklaven würde es zu einem „Massaker an der edelgesinnten und ritterlichen Männerklasse des Südens“ kommen. Das sollte einer seiner vielbeachteten Auftritte sein. Präsident Andrew Jackson hatte zunächst James Buchanan für die Position des Vizepräsidenten vorgesehen, entschied sich dann aber für Martin van Buren. Anstelle des „Running Mate“ nahm Buchanan Ende des Jahres 1831 den Job eines Gesandten im Russischen Kaiserreich an. Allerdings nur widerstrebend, denn in seinen Augen war dieser Posten in St. Petersburg so etwas wie ein politisches Asyl. Außerdem beherrschte er nicht die französische Sprache, die auf dem diplomatischen Parkett üblich war.

Eine Audienz beim Zaren und die Rückkehr nach Amerika

Eineinhalb Jahre verblieb James Buchanan in St. Petersburg, und er ließ keine Gelegenheit aus, darauf zu verweisen, dass ihm seine Anwaltstätigkeit in Amerika fehle. Immerhin gelang es ihm, in Russland einen Schifffahrts- und Handelsvertrag für sein Land abzuschließen. Ansonsten genoss er das gesellschaftliche Leben an der Mündung der Newa, lernte in seiner Freizeit französisch und wurde per Audienz von Zar Nikolaus I. empfangen. Während seiner diplomatischen Tätigkeit in Russland starben zu Hause seine Mutter und einer seiner Brüder. Ende 1833 kehrte James Buchanan zurück nach Amerika. Dort erhielt er einen Sitz im Senat, den er bis März 1845 erfolgreich verteidigte und die Delegierten einige Male verwirrte, weil er sich in seinem Verhalten bei Abstimmungen nicht an die Beiträge in eigenen Reden hielt. Inzwischen war James Buchanan in eine Wohngemeinschaft mit dem Alabama-Senator William R. King eingetreten, und da er nach seiner Verbindung mit Ann Coleman keine Ehe eingegangen war, verdichteten sich die Spekulationen über eine mögliche homosexuelle Veranlagung der beiden Politiker.

Größter territorialer Zuwachs in der Geschichte Amerikas

Zwar hoffte James Buchanan, bei der Präsidentschaftswahl des Jahres 1844 zu den aussichtsreichsten Kandidaten seiner Partei zu zählen, doch die entschied sich für James Knox Polk. Der war Gouverneur in Tennessee und Sprecher des Repräsentantenhauses. Polk ernannte nach seiner Wahl Buchanan zu seinem Staatssekretär und holte ihn schließlich als Außenminister in sein Kabinett. Während seiner Amtszeit verzeichneten die Vereinigten Staaten einen enormen Gebietszuwachs – es entstanden nicht weniger als 22 neue Bundesstaaten. Größtenteils war dies darauf zurück zu führen, weil es im Mexikanisch-Amerikanischen Krieg territoriale Gewinne gab. Nach einigen parteiinternen Konflikten erklärten sich Polk und sein Außenminister Buchanan schließlich bereit, in der Auseinandersetzung um Oregon den 49. Breitengrad als Grenze des pazifischen Nordwestens zu markieren. In der Sorge, dass es zu einem Krieg mit europäischen Nationen kommen könne, riet Buchanan seinen Präsidenten zunächst davon ab, als neue Grenze den 22. Breitengrad als Grenze zu Mexiko zu beanspruchen, korrigierte aber einige Zeit später seine Meinung.

Ein Relikt der Urgeschichte und ein Ersatzvater für sieben Waisen

Seine Hoffnung, endlich als Kandidat für die amerikanische Präsidentschaft auserkoren zu werden, erfüllte sich auch im Jahr 1848 nicht. Bei der Wahl unterlag dabei der Demokrat Lewis Cass gegen Zachary Taylor von den Whigs. Die Öffentlichkeit verfolgte mit Interesse das vergebliche Bemühen des Politikers Buchanan, und weil sich dieser wie eh und je in einem altmodischen Stil kleidete, bekam er den Spitznamen „Old Public Functionary“ – „Alter öffentlicher Beamter“. Auch bei den Gegnern der Sklaverei in den amerikanischen Nordstaaten sah man in dem gealterten Kandidaten so etwas wie ein Relikt aus der Urgeschichte. Mittlerweile hatte sich James Buchanan auf seinen neuen Landsitz „Wheatland“ an der Peripherie von Lancaster zurückgezogen. Seine dortige Residenz umfasste immerhin 22 Zimmer und war für ihn als Junggesellen mindestens eine Nummer zu groß. Allerdings bekam er dort häufiger Besuch von seinen insgesamt 22 Neffen und Nichten. Da es auch sieben Waisen in seiner Familie gab, übernahm Buchanan für sie die Vormundschaft. Die größte Sympathie empfand er für seine Nichte Harriet Lane, der später im Weißen Haus die Rolle der „First Lady“ übernehmen sollte.

Eine weitere gescheiterte Kandidatur auf dem Weg ins Weiße Haus

Da der Ort Lancaster inzwischen über einen Bahnhof an der neuen Eisenbahnlinie verfügte, empfing James Buchanan während seiner selbstgewählten Isolation auf seinem Landsitz häufiger Gäste aus der Politik. Im Frühjahr 1852 bereiteten sich die Vereinigten Staaten auf eine weitere Präsidentenwahl vor – und Buchanan galt schon wieder als einer der aussichtsreichen Bewerber. Doch der Parteitag Pennsylvanias votierte auch diesmal nicht einstimmig für Buchanan sondern ließ es zu, dass fast drei Dutzend Delegierte gegen ihn eine Protestnote verfassten. Sie verübelten ihm die Konzessionen gegenüber den Südstaaten in der Frage der Sklaverei. Bei der entscheidenden Abstimmung fehlten Buchanan letztlich die Stimmen aus den Regionen entlang der Mason-Dixon-Linie, der Grenze zwischen den Nord- und den Südstaaten. Ein Außenseiter wurde neuer Präsident Amerikas: Franklin Pierce aus New Hampshire. Der wünschte sich zwar James Buchanan als seinen Vizepräsidenten, doch der winkte ab und verabschiedete sich ganz offiziell aus der Politik. Dann aber ließ er sich überreden, als Gesandter der Vereinigten Staaten nach Großbritannien und Irland zu wechseln.

Zum Dinner bei Königin Victoria kam Buchanan mit einem Schwert

Buchanan war gut informiert und profitierte von den Erfahrungen seiner früheren Mission in St. Petersburg. Der britische Außenminister George Villiers, der 4. Earl of Clarendon, wurde sein ständiger Gesprächspartner. Mit ihm traf sich der Diplomat aus Amerika nicht weniger als 150mal. Zwischen beiden entwickelte sich sogar so etwas wie eine Freundschaft. Ein Problem entstand für James Buchanan bei der Eröffnung des britischen Parlaments. Er war eingeladen, legte aber Wert darauf, sich alltäglich und damit schlicht zu kleiden. Da dies dem britischen Hofstaat nicht gefiel, verzichtete Buchanan auf eine Teilnahme, was ihm in Amerika bei seinen Landsleuten Sympathien einbrachte aber in England als Affront aufgefasst wurde. Bei einem Dinner bei Königin Victoria besann sich Buchanan und trug zu seiner normalen Kluft ein Schwert. Damit war er sich des Beifalls im Königreich sicher. Es folgten Treffen mit seinen Amtskollegen aus Spanien und Frankreich im belgischen Seebad Ostende und in Aachen. Dabei ging es um ein Konzept für den beabsichtigten amerikanischen Kauf der Insel Kuba, die die Amerikaner als natürliches geographisches Anhängsel ihres Territoriums betrachteten. Zu diesem Kauf sollte es allerdings nicht kommen.

Präsidentschaft (1857-1861)

Karikaturisten zeichneten einen alten Mann in Frauenkleidern

Offizielles Portrait im Weißen Haus von James Buchanan, by George Peter Alexander Healy [Public domain]
Offizielles Portrait im Weißen Haus von James Buchanan, by George Peter Alexander Healy [Public domain]
Als der amtierende Präsident Pierce keine zweite Amtszeit anstrebte, rückte Buchanan im Jahr 1856 erneut in den Fokus und wurde als ein aussichtsreicher Kandidat gehandelt. Beim Nominierungsparteitag erhielt er in der 18. Abstimmungsrunde die nötige Zweidrittelmehrheit. Sein Kontrahent bei der eigentlichen Präsidentschaftswahl war Millard Fillmore von der antikatholisch ausgerichteten Know-Nothing-Party. Einige amerikanische Karikaturisten hatten James Buchanan als pingeligen und in die Jahre gekommenen Mann in Frauenkleidern dargestellt, doch der vereinte beim Popular Vote die Mehrzahl der Stimmen auf sich. Nun zog er als erfahrenster Politiker seit John Quincy Adams ins Weiße Haus ein. Allerdings war er bei seinem Amtsantritt bereits 67 Jahre alt. Ursprünglich hatte er sich vorgenommen, die historischen Unstimmigkeiten zwischen den Nord- und den Südstaaten in der Sklavenfrage beizulegen, doch auf dem Weg zu einem Kompromiss erlitt er immer wieder Rückschläge.

Amerikas Sklaven waren die rechtlosen Eigentümer ihrer Besitzer

Größere Probleme hatte Buchanan nach der Wahl seiner Minister, denn in seinem Kabinett gab es vier Männer aus den Südstaaten, die stets im großen Stil Sklavenhalter waren. Und die erhielten die Unterstützung durch die amerikanischen Gerichte. So teilte Roger B. Taney, der Vorsitzende des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten, dem soeben gewählten Präsidenten nur zwei Tage nach dessen Amtseinführung mit, dass Sklaven für alle Zeiten rechtloses Eigentum ihrer Besitzer seien. Außerdem könnten Afroamerikaner keine Bürgerrechte erlangen. Als die Republikaner die Entscheidung Taneys als ein Fehlurteil betrachteten, gab Buchanan ihnen die Schuld für das sich abzeichnende Auseinanderbrechen des nationalen Zusammenhalts. Historiker kamen nach der Amtszeit Buchanans außerdem zu dem Ergebnis, dass diese vier Jahre die korruptesten in der Geschichte Amerikas waren. Die Sklaverei verdunkelte die Präsidentschaft dieses Mannes, dem schließlich sogar ein Amtsenthebungsverfahren drohte. Zuletzt verschlechterte sich auch noch sein Verhältnis zum Kongress und zur eigenen Partei. Danach kam für James Buchanan eine weitere Kandidatur nicht mehr infrage.

Unmittelbar nach der Amtszeit begann der Amerikanische Bürgerkrieg

James Buchanan war fortan Privatier. Er zog sich aufs Altenteil in seine Residenz „Wheatland“ zurück und verbrachte dort viel Zeit in seinem Studierzimmer. Einen Monat nach Ende seiner Amtszeit begann der amerikanische Bürgerkrieg mit dem Angriff auf Fort Sumter. Aus Gesprächen mit Buchanan ging in jenen Jahren hervor, dass er einen Friedensschluss mit den Südstaaten ablehnte und die Einführung einer allgemeinen Wehrpflicht in den Nordstaaten durch seinen Nachfolger Abraham Lincoln unterstützte. James Buchanan starb am 1. Juni 1868 in Lancaster an den Folgen einer Lungenentzündung. Erhalten blieben ein umfangreicher Teil seiner Korrespondenz und seiner privaten Aufzeichnungen. Drei Countys tragen in den Vereinigten Staaten seinen Namen und der Wohnsitz „Wheatland“ erhielt den Status eines National Historic Landmarks.

Häufige Fragen und Antworten

Wie alt wurde James Buchanan?

Er wurde 77 Jahre alt.

Wann wurde James Buchanan geboren?

Am 23. April 1791.

Wo wurde James Buchanan geboren?

In Peters Township/Franklin County im Bundesstaat Pennsylvania.

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