Wer war Chester A. Arthur?

Die Gestalt eines Aristokraten und ein großes Geheimnis

Chester A. Arthur
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Chester A. Arthur – dieser Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika gab seinen Landsleuten und in späteren Jahren den Historikern einige Rätsel auf. Dabei war sein Äußeres geeignet, ihn für einen Aristokraten zu halten. Er wirkte würdevoll, war von stattlicher Gestalt, trat so gut wie nie ohne ein rasiertes Kinn vor die Öffentlichkeit und pflegte sein welliges Seitenhaar nach hinten zu kämmen. Schlicht: Chester A. Arthur war durch seine äußere Erscheinung zweifellos geeignet, die Rolle des mächtigsten Mannes der westlichen Welt zu bekleiden. Allerdings war der Rechtsanwalt aus New York City zwischen September 1881 und März 1885 nur selten in der Lage, sein Amt so auszufüllen, wie das von seinen amerikanischen Landsleuten erwartet wurde.

Steckbrief: Chester A. Arthur

  • Name: Chester A. Arthur
  • Geburtsdatum: 5. Oktober 1829
  • Geburtsort: Fairfield, Vermont, Vereinigte Staaten
  • Ehepartnerin: Ellen Arthur (verh. 1859–1880)
  • Kinder: Chester Alan Arthur II, Ellen Hansbrough Herndon Arthur, William Lewis Herndon Arthur
  • Eltern: William Arthur, Malvina Stone Arthur
  • Geschwister: Mary McElroy, William Arthur, Ann Eliza Arthur, Regina Arthur Caw, Jane Arthur, Almeda Arthur Masten, George Arthur, Malvina Arthur Haynesworth
  • Sternzeichen: Waage
  • Sterbedatum: 18. November 1886
  • Sterbeort: Chester A. Arthur Home, New York City, Vereinigte Staaten

Kindheit und Jugend

Die etwas zu großen Stiefel seines Vorgängers James A. Garfield

Sogar über das Jahr seiner Geburt rätselte das Volk. In manchen Quellen war von dem Jahr 1829 die Rede, in anderen von 1830. Das mag auch damit zusammenhängen, dass bis heute nicht gänzlich geklärt ist, ob Chester A. Arthur nach den Buchstaben der amerikanischen Verfassung überhaupt Präsident werden konnte. Er wurde es, weil James A. Garfield, sein Vorgänger im Amt, an einem sommerlichen Tag des Jahres 1881 von einem offenbar geistig verwirrten Attentäter auf dem Bahnhof der Baltimore and Potomac Railroad in Washington angeschossen wurde und einige Monate später verstarb. Chester A. Arthur wurde wenige Tage später als amerikanischer Vizepräsident in ein Amt gehoben, das für ihn offenbar eine Nummer zu groß war. Er war kaum in der Lage, die von seinem Vorgänger angedachten Reformen durchzusetzen. Die Stiefel des James A. Garfield waren ihm wohl eine Nummer zu groß.

Das Geheimnis über den Geburtsort des Chester A. Arthur

Chester war der Sohn des Baptistenpredigers William Arthur und dessen Frau Malvina Stone. Der offiziellen Version zufolge erblickte der Sprössling des Ehepaares in Fairfield, einer Kleinstadt zu Füßen der Green Mountains und unweit der Grenze zu Kanada im Bundesstaat Vermont, das Licht der Welt. Ob dies tatsächlich so war, gab bereits während der Präsidentschaft Arthurs Anlass zu Spekulationen. Nicht nur sein politischer Rivale Arthur P. Hinman äußerte die Vermutung, Chester A. Arthur sei jenseits der amerikanischen Grenzen geboren und deshalb ein sogenannter „Natural born Citizen“, dem es nach der Verfassung des Landes nicht möglich sein könne, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

In einem Buch verbreitete Hinman die These, Arthurs Geburtsort habe in Irland gelegen und damit in jenem Inselstaat, aus dem sein Vater William Arthur stammte. Anderen Quellen zufolge soll Kanada das Herkunftsland gewesen sein. Historiker brachten bei ihren Recherchen kein Licht ins Dunkel, und manche vermuteten hinter Hinmans Aussagen politisches Kalkül oder auch Verschwörungstheorien.

Eine Familie von Baptisten und der Widerstand gegen die Sklaverei

Unbestritten ist, dass Chester A. Arthur als fünftes von acht Kindern des Baptistenpredigers zur Welt kam. Er hatte sechs Schwestern und einen älteren Bruder. Seine Eltern bekannten sich zum Abolitionismus. Darunter verstand man in den amerikanischen Nordstaaten in der Mitte des 19. Jahrhunderts den in den meisten Fällen religiös begründeten Widerstand gegen die Sklaverei. Nach den Mennoniten und Quäkern vertraten auch die Methodisten und Baptisten die Auffassung, dass der Handel mit Menschen und damit die Sklaverei eine Sünde sei. Die amerikanische Schriftstellerin Harriet Beecher Stowe, eine bekennende Presbyterianerin, fand mit ihrem Anti-Sklaven-Roman „Onkel Toms Hütte“ in den Vereinigten Staaten ein Millionenpublikum und gab dem Abolitionismus im Lande einen kräftigen Schub.

Ein frühes Schicksal des Vaters und die Weihe zum Priester

Chesters Vater wechselte in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts häufiger seinen Wohn- und Wirkungssitz innerhalb der Bundesstaaten Vermont und New York. Er stammte aus dem nordirischen Ballymena und musste bereits in Kindesalter einen Schicksalsschlag ertragen, als ihm eine eingestürzte Mauer auf die Füße fiel. Seither war bei ihm ein Bein kürzer als das andere, was ihn sein Leben lang hinken ließ. Im Jahr 1818 erreichte er dann mit einem Segelboot die kanadische Küste und wirkte bei Quebec als Lehrer der griechischen, lateinischen und hebräischen Sprache. Ein paar Jahre später fühlte sich William Arthur von Gott berufen und wurde zum Priester geweiht. Er soll vor Freude getanzt und geweint haben, als sein Sohn Chester zur Welt kam. Seine Baptistengemeinde war überschaubar – in Fairfield gab es zu diesem Zeitpunkt genau 46 Mitglieder.

Ausbildung und Studium

Nach sechsmaligem Wohnsitzwechsel ein Studium in Schenectady

William Arthur war es auch, der seinem Sohn Chester das Lesen und das Schreiben beibrachte und ihn in Union Village, dem heutigen Greenwich im Bundesstaat New York, in einer Schule anmeldete. Obwohl die Familie bis zum 14. Lebensjahr ihres Sohnes sechsmal den Wohnsitz wechselte, genoss Chester eine gute Ausbildung. Im Jahr 1844 landeten die Arthurs in Schenectady an der Einmündung des Mohawk Rivers in den Hudson River. In einem College, inmitten dieser hügeligen Landschaft, begann Chester Arthur ein dreijähriges Studium, das ihn nach dem Abschluss berechtigte, als Lehrer zu arbeiten. Um sich fortzubilden, beschäftigte er sich in dieser Zeit mit rechtswissenschaftlichen Studien und verfolgte das Ziel, in eine juristische Kanzlei einzutreten. Ab 1854 praktizierte er in der Kanzlei des Erastus Dean Culver in New York.

Beruf als Anwalt

Der Erfolg als junger Anwalt im legendären „Fall Lemmon“

Chester A. Arthur als Anwalt, by Rufus Anson (active 1851-1867) operated a studio in New York City [Public domain]
Chester A. Arthur als Anwalt, by Rufus Anson (active 1851-1867) operated a studio in New York City [Public domain]
Chester A. Arthur träumte von einem Leben in einer angenehmen Atmosphäre und von einem gewissen Wohlstand. Sein Vater hatte ihm die Tür zur Kanzlei des bekannten Anwalts Culver geöffnet, der der Whig Party angehörte und Mitte des 19. Jahrhunderts für zwei Jahre den Bundesstaat New York im amerikanischen Repräsentantenhaus vertrat. Arthur wurde über die Grenzen der Stadt bekannt, als er als Verteidiger im legendären „Fall Lemmon“ fungierte. Dabei schützte er Sklaven vor der Einweisung in ein Gefängnis. Diese waren auf dem Transport von Virginia nach Texas in New York gelandet und sollten ursprünglich ausgeliefert werden.

Nach Arthur’s Überzeugung vom geltenden Recht, waren die Sklaven als frei anzusehen, weil sie sich in New York befanden und damit in einem Bundesstaat, der die Sklaverei ablehnte. Das Urteil des Supreme Court ging als „Habeas Corpus“ und damit als ein Instrument in die Geschichte der amerikanischen Justiz ein, womit die Freilassung von Personen aus rechtswidriger Haft ermöglicht wird.

Die ersten Kontakte zu Sympathisanten der Republikanischen Partei

Im Laufe der Jahre war es für Chester A. Arthur zum Alltag geworden, vor dem Obersten Gerichtshof von New York in der Landeshauptstadt Albany zu streiten. Dort führte er nicht nur interessante Gespräche mit Persönlichkeiten der amerikanischen Justiz sondern auch mit Politikern. Das Fugitive Slave Law von 1850, das per Bundesgesetz die Exekutive der amerikanischen Nordstaaten zwang, entlaufene Sklaven ihren Besitzern aus den Südstaaten zu übergeben, beschäftigte nach dem von Arthur erreichten Freispruch immer wieder die Gerichte. Auch in anderen Bundesstaaten gab es Solidaritätsbekundungen für die unfreien Menschen Amerikas, und dank seiner Präsenz im Supreme Court bekam Arthur Kontakte zu Sympathisanten der Republikanischen Partei. Es waren Begegnungen, die sein Leben nachhaltig beeinflussen sollten.

Ehe und Kinder

Hochzeit mit Ellen und ein Empfang mit Champagner und Hummer

Wie die meisten jungen Männer, die fernab ihrer Familien in New York ihren Beruf ausübten, wohnte auch Chester A. Arthur in einem der zahlreichen „Familienhotels“ zur Untermiete. Dort war ein junger Medizinstudent aus Virginia namens Dabney Herndon ein häufiger Wegbegleiter des Juristen.

Eines Tages begleitete er den Freund bei einem Besuch der Verwandten nach Saratoga und lernte dort Herndorns Cousine Ellen Lewis kennen. Sie war 22 Jahre alt und die Tochter eines Marine-Kommandeurs aus Virginia, der zu einem besonderen Ruhm gelangte, als er im Rahmen einer Expedition den Amazonas erkundete und nach 327 an Entbehrungen reichen Tagen einen viel beachteten Bericht für den amerikanischen Kongress ablieferte. Dessen Tochter hinterließ offenbar nach einer ersten Begegnung einen bleibenden Eindruck bei Chester A. Arthur. Die Hochzeit fand am 29. Oktober 1859 in der Calvary Protestant Episcopal Church in New York statt und vom Empfang des jungen Paares wurde ermittelt, dass er sehr pompös ausfiel und dass die Gäste mit Champagner und Hummer bewirtet wurden.

Ein Buntglasfenster für die Kirche als Erinnerung an „Nell“

Aus der Ehe der Arthurs gingen drei Kinder hervor. Ellen Lewis Arthur wurde von Geschichtsschreibern als eine Frau mit einer außergewöhnlich schönen Altstimme beschrieben. Sie trat im Chor jener Kirche am New Yorker Lafayette Square auf, in der sie getraut wurde. Ihr Vater hatte die Hochzeit nicht erlebt. Er starb, als ein Postdampfer in einem Sturm vor Kap Hatteras, dem südöstlichsten Punkt der USA im Bundesstaat North Carolina, in einem Sturm sank. William Lewis Herndon war Kommandant dieses Schiffes und blieb mit seiner Besatzung an Bord, während sich Passagiere in Rettungsbooten in Sicherheit brachten. Er wurde später posthum mit Ehrungen überhäuft.

Chester A. Arthur führte eine harmonische Ehe, nannte seine Frau stets nur „Nell“ und trauerte um sie, als sie am 12. Januar 1880 an einer Lungenentzündung starb. Während seiner Präsidentschaft verzichtete er darauf, eine „First Lady“ zu ernennen und bat seine Schwester Mary, für ihn die sozialen Pflichten zu übernehmen. Der Kirche, in der er getraut wurde, schenkte Arthur ein Buntglasfenster. Es zeigte Engel der Auferstehung. Das Fenster wurde im südlichen Querschiff platziert, damit der Präsident es nachts vom Weißen Haus sehen konnte, wenn in der Kirche die Kerzen brannten.

Politischer Aufstieg

Ein zuverlässiger Quartiermeister für Soldaten im Bürgerkrieg

Im Jahr 1860 startete Chester A. Arthur seine eigentliche politische Karriere. Er legte sich für die Wiederwahl von Edwin D. Morgan, dem Gouverneur von New York, mächtig ins Zeug. Ein Jahr später verfinsterte sich der politische Horizont der Vereinigten Staaten, denn der Amerikanische Bürgerkrieg war offenbar unabwendbar und sollte vielen Soldaten das Leben kosten. Arthur meldete sich bei den Truppen der Union und bot dort seine Dienste an. Sehr schnell war er für die Ausbildung von nicht weniger als 120.000 Soldaten zuständig. Es gelang ihm binnen weniger Monate als Brigadegeneral und Quartiermeister, in New York eine starke Miliz aufzubauen.

Gleichzeitig erwarb er den Ruf, effizient und zuverlässig zu sein. Ursprünglich war er auch bereit, sich auf einem der Schlachtfelder zu positionieren, doch seine Frau „Nell“ konnte aus religiösen Gründen die Vorstellung kaum ertragen, dass ihr Mann Waffen tragen werde. So kam es für Arthur nicht zu einem Einsatz an den diversen Fronten dieses Krieges, das die Union gegen die Heere der abtrünnigen Konföderation führte.

Der Weg in die High Society zum Zollbeamten im New Yorker Hafen

Während sich der Amerikanische Bürgerkrieg seinem grausamen Höhepunkt näherte, arbeitete Chester A. Arthur wieder in seiner Anwaltskanzlei. Dort vertrat er häufiger Mandanten, die wegen ihrer erlittenen Schäden während des Krieges Erstattungen vom Staat einforderten. Das Geschäft mit den juristischen Auseinandersetzungen florierte und machte den Anwalt reich. Der bewegte sich nun im Kreis der High Society seiner Stadt und betätigte sich als Wahlkämpfer für Ulysses S. Grant, der sich als Oberbefehlshaber des Heeres im Bürgerkrieg verdient gemacht hatte und 1869 als 18. Präsident der Vereinigten Staaten ins Weiße Haus einzog.

Chester A. Arthur hatte es geschafft, den Fuß in die Tür zur großen Politik zu bekommen. Der Anwalt, der sich in jungen Jahren in New York für die Sklaven engagiert und vielen von ihnen den Weg in die Freiheit geebnet hatte, wurde nun Vorsitzender der Executive im New York State Committee der Republikaner. Das verhalf ihm dann zum Job des Obersten Zolleinnehmers des großen Hafens seiner Stadt, und dies war eine der profitabelsten Aufgaben, die New York zu vergeben hatte.

Ein Jahresgehalt von 50.000 Dollar für den Job in der Hafenbehörde

In den Jahren seiner Tätigkeit als Zoll-Chef im Hafen von New York beaufsichtigte Arthur immerhin fast 1.300 Agenten. Er verdiente um die 50.000 Dollar pro Jahr und damit etwa so viel wie der Präsident der Vereinigten Staaten. Allerdings war der Jurist nicht bestechlich – und das unterschied ihn von vielen anderen, die sich in den Häfen des Landes von Importeuren und Schiffsunternehmen schwarze Gelder zustecken ließen. Arthur behielt auch seine weiße Weste, nachdem Präsident Rutherford B. Hayes eine Sonderkommission einsetzte, um eine mögliche Korruption im New Yorker Zollamt aufzudecken. Allerdings war diese präsidiale Einflussnahme offensichtlich politisch motiviert, denn Chester A. Arthur war inzwischen ein einflussreicher Mann. Die Kommission des Präsidenten beschuldigte schließlich die Hafenbehörde, personell überbesetzt zu sein. Was wohl auch so stimmte.

Innerparteiliche Konfrontationen führten zur Vizepräsidentschaft

Arthur durfte sich der politischen Unterstützung eines alten Weggefährten und juristischen Kollegen sicher sein. Roscoe Conkling war nicht nur ein langjähriges Mitglied des Repräsentantenhauses und im Senat sondern auch Chef der Republikanischen Partei in New York. Conkling hielt längere Zeit seine schützende Hand über Arthur, doch der widerstand dem politischen Gegenwind aus dem Weißen Haus nur bis Juli 1978. Der Ex-Zoll-Chef war nun wieder Anwalt und intensivierte gleichzeitig seine eigenen politischen Ambitionen.

Der Nationalkonvent der Republikaner im Jahr 1880 war für ihn ein Ziel, doch mit ihm verband Arthur keine persönlichen Hoffnungen auf ein hohes Amt. Nach einem langen politischen Gerangel setzte sich bei den Republikanern mit James A. Garfield ein Kandidat durch, dem man die Fortsetzung von Reformen zutraute. Dabei kam es zu erheblichen innerparteilichen Konfrontationen, die dazu führten, dass Arthur als Vizepräsident an der Seite Garfields aufgeboten wurde. Dies war eine Nominierung, die breite Teile der amerikanischen Öffentlichkeit nicht verstanden. Etliche hielten den ehemaligen Chef des Zollhauses nicht für qualifiziert, um das zweithöchste Amt der Vereinigten Staaten zu bekleiden.

Präsidentschaft (1881-1885)

Der Name des Präsidenten: First Gentleman oft the Land…

Chester A. Arthur bei seiner Vereidigung zum Präsidenten, by Frank Leslie's illustrated newspaper, v. 53, October 8, 1881 p. 81 [Public domain]
Chester A. Arthur bei seiner Vereidigung zum Präsidenten, by Frank Leslie’s illustrated newspaper, v. 53, October 8, 1881 p. 81 [Public domain]
Zwischen Präsident James Abram Garfield und seinem „Running Mate“, dem Vizepräsidenten Chester A. Arthur, herrschte selten ein Klima der Übereinstimmung. Vielmehr lehnten sich beide gegenseitig ab. Als Garfield nach wenigen Monaten seiner Amtszeit von einem verwirrten Attentäter angeschossen wurde und am 19. September 1881 verstarb, übernahm Arthur Würde und Bürde des Präsidenten. Sehr zum Argwohn zahlreicher Parteifreunde und der amerikanischen Wähler. Kaum jemand traute diesem Mann zu, die Geschicke des großen Landes zu leiten.

Arthur legte den Amtseid auf die Verfassung der Vereinigten Staaten in seiner Privatwohnung in Manhattan ab, um die Zeremonie zwei Tage später am Kapitol zu wiederholen. Auch wenn die meisten Amerikaner diesen Präsidenten nicht schätzten, so gaben sie ihm doch einen ungewöhnlichen Namen: First Gentleman of the Land! Das bezog sich unweigerlich auf das gepflegte Äußere dieses Mannes.

Entscheidungen unabhängig vom Dogma der Republikaner

Sein neues Kabinett beließ er so, wie sich das sein Vorgänger Garfield vorgestellt hatte. Mit einer Ausnahme: Die Position des Kriegsministers legte er in die Hände von Robert Todd Lincoln, einem Sohn des früheren Präsidenten Abraham Lincoln, der wie Garfield ebenfalls das Opfer eines Attentats wurde. In seiner Amtszeit verunsicherte Arthur unter anderem seine eigenen Parteifreunde, denn er ließ keinen Zweifel daran, dass er seine Entscheidungen keineswegs abhängig machen wollte vom Dogma der Republikaner. Vielmehr nahm er sich den nach seiner Meinung angestaubten Machtapparat vor, trat den Versuch an, die Zollsätze zu senken und befürwortete bei der Einstellung von öffentlichen Amtsträgern ein „klassifiziertes System“. Wer eine solche Position anstrebte, musste sich während der Amtszeit des Chester A. Arthur einer schriftlichen Prüfung unterziehen. Aber das von dem Präsidenten abgesegnete Gesetz schützte die Mitarbeiter auch vor Entlassungen aus politischen Gründen.

Das erste Einwanderungsgesetz und ein gut gehütetes Geheimnis

Offizielles Porträt im Weißen Haus von Chester A. Arthur, by Daniel Huntington [Public domain]
Offizielles Porträt im Weißen Haus von Chester A. Arthur, by Daniel Huntington [Public domain]
Sehr bald spürten jene, die ihn zu diesem Amt verhalfen, dass sie sich in Arthur getäuscht hatten. Denn der erweckte zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, dass er sich in seine Entscheidungen hineinreden lassen werde. Seine Administration erließ in dieser Zeit das erste allgemeine Einwanderungsgesetz der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Kongress wiederum setzte die Einwanderung aus China für ein Jahrzehnt aus.

Während seiner nur kurzen Amtszeit machte er die in die Jahre gekommene Marine seines Landes flott und schuf damit die Basis für den späteren Sieg der Staaten im Spanisch-Amerikanischen Krieg. Dieser Präsident sorgte einige Male für Überraschungen, blieb aber selbst für die Menschen aus seinem engsten Umfeld eine nicht einzuordnende Person. Für die meisten war er unberechenbar. Und ein Geheimnis hütete er während seiner gesamten Präsidentschaft: Er wollte sich auf keinen Fall um eine zweite Amtszeit bewerben. Auch deshalb nicht, weil er unter Nierenbeschwerden, der Bright-Krankheit litt, die ihm später den Tod brachte, weil sie zu diesem Zeitpunkt als unheilbar galt.

Amtsende und Lebensabend

„…doch mein Privatleben geht niemanden etwas an“

Um den Anschein zu erwecken, dass er alles andere als amtsmüde sei, stellte er sich beim Nominierungsparteitag der Republikaner im Juni 1884 in Chicago zur Wahl, und er wird insgeheim froh gewesen sein, dass nicht er sondern der einstige Außenminister James G. Blaine im vierten Wahlgang die meisten Stimmen auf sich vereinte. Der aber unterlag bei der Präsidentenwahl dem Demokraten Grover Cleveland. Chester A. Arthur überlebte seine Demission als amerikanischer Präsident nur kurz. Er starb am 18. November 1886 – ohne nach seinem Abtritt noch einmal politische Aktivitäten zu entfalten. Wegen anhaltender Beschwerden verzichtete er auch auf ausgedehnte Angel-Touren, seiner größten privaten Leidenschaft. Arthurs Kinder und Schwestern waren in der Nähe, als er für immer die Augen schloss. Einer seiner überlieferten Sprüche während seiner Amtszeit lautete: „Ich mag Präsident der Vereinigten Staat sein, doch mein Privatleben geht niemanden etwas an.“

Ein Baustein des Aufbaus nach den Turbulenzen des Bürgerkrieges

Die Regierung Arthur markierte letztlich eine Übergangsperiode in der Politik der Vereinigten Staaten. Dieser Mann musste ein Amt übernehmen, das er eigentlich nie wollte und an das er sich auch nicht klammerte, als seine Zeit vorüber war. Arthur verstand sich wohl auch als Schlichter und Mahner in der Ära der Wiedervereinigung seiner Nation. Er war so etwas wie ein Baustein des Aufbaus nach den Turbulenzen des amerikanischen Bürgerkriegs. Historiker bescheinigten ihm, dass er versucht habe, das Beste für sein Land zu erreichen. Im Jahr 1898 wurde eine fast fünf Meter hohe Arthur-Gedenksäule aus Bronze vor dem Madison Square in New York von seiner Schwester Mary enthüllt. Sein Leichnam wurde auf dem Albany Rural Cemetery in Menands/New York beigesetzt. Das Union College verlieh ihm posthum den Ehrentitel eines „Legum Doctors“.

Häufige Fragen und Antworten

Wann wurde Chester A. Arthur geboren?

Am 5. Oktober 1829.

Wann war Chester A. Arthur Präsident der USA?

Zwischen dem 20. September 1881 und dem 4. März 1885.

Wann ist Chester A. Arthur gestorben?

Am 18. November 1886.

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