Wer war Calvin Coolidge?

Ein beliebter und wortkarger amerikanischer Präsident

Calvin Coolidge am Schreibtisch, by National Photo Company [Public domain]
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Eines hatte Calvin Coolidge allen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika voraus – er war der einzige, der am Independence Day, dem Nationalfeiertag, geboren wurde. Genauer gesagt am 4. Juli 1872 in Plymouth Notch, einem hübschen Ort inmitten der Green Mountains im Bundesstaat Vermont. Im historischen Siedlungskern stand die Farm der Familie Coolidge, und noch immer sind die Bewohner von Plymouth stolz auf ihren berühmten Sohn, dem 30. Präsidenten in der Geschichte der USA. Calvin Coolidge hatte das Glück, sein Land durch rosa Zeiten zu führen. Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten florierte, doch der Präsident war während seiner sechsjährigen Amtszeit bemüht, die Amerikaner immer wieder an ihre moralischen Grundsätze zu erinnern und sie trotz allen Wohlstands zu einer gewissen Demut und Genügsamkeit anzuhalten.

Steckbrief: Calvin Coolidge

  • Name: Calvin Coolidge
  • Geburtsdatum: 4. Juli 1872
  • Geburtsort: Plymouth Notch, Plymouth, Vermont, Vereinigte Staaten
  • Ehepartnerin: Grace Coolidge (verh. 1905–1933)
  • Kinder: John Coolidge, Calvin Coolidge, Jr.
  • Eltern: John Calvin Coolidge Senior, Victoria Josephine Moor
  • Geschwister: Abigail Grace Coolidge
  • Sternzeichen: Krebs
  • Sterbedatum: 5. Januar 1933
  • Sterbeort: Northampton, Massachusetts, Vereinigte Staaten

Kindheit und Jugend

„Fleiß, Sparsamkeit und Selbstbeherrschung sind erstrebenswert“

Ein überliefertes Zitat ist prägend für die Gesinnung des Calvin Coolidge und könnte auch als philosophische Lebensschnur dieses amerikanischen Präsidenten dienen: „Fleiß, Sparsamkeit und Selbstbeherrschung sind erstrebenswerte Tugenden. Doch nicht etwa, weil sie Wohlstand schaffen, sondern weil sie den Charakter formen.“ Calvin war der einzige Sohn seiner Eltern John und Victoria. Die Vorfahren seines Vaters waren um 1630 in Amerika eingewandert. Der Vater führte in Plymouth Notch ein kleines Geschäft und handelte mit allem, was der karge Boden dieser Landschaft an Früchten und an Gemüse hergab. Calvin Coolidge wurde bereits in jungen Jahren angehalten, die Äpfel der Farm zu verkaufen. Außerdem waren seine Eltern bemüht, ihrem Sohn die puritanischen Tugenden zu vermitteln. Es waren Fleiß, Sparsamkeit, Ehrlichkeit und Frömmigkeit, die das Leben des jungen Coolidge bestimmten.

Ausbildung und Studium

Eine poetische Mutter und ein politisch engagierter Vater

Calvin Coolidge, by John Garo [Public domain]
Calvin Coolidge, by John Garo [Public domain]
Coolidges Mutter galt als Poetin in der Familie und neigte zu sentimentalen Stimmungen. Sie starb, ebenso wie Calvins Schwester Abigail, bereits in jungen Jahren. Diese frühen Schicksalsschläge waren für den späteren Präsidenten der USA schwer zu verdauen und trugen wohl dazu bei, dass ihn seine Klassenkameraden als stillschweigend skizzierten. Sein Vater John heiratete einige Jahre später Carrie A. Brown, die in Plymouth Notch die einzige Schullehrerin war. John war in der kleinen Gemeinde eine echte Persönlichkeit und geachtet von den meisten Einwohnern. Sein politisches Wirken brachte ihn als Abgeordneten ins Repräsentantenhaus von Vermont und dann sogar in den Senat. Nebenbei betätigte sich Coolidge Senior auch als Steuereintreiber der Gemeinde und schließlich als Friedensbeauftragter. Seine ruhige Art übertrug sich offenbar auf seinen Sohn Calvin, der nach dem Besuch der Grundschule die Aufnahme im renommierten Amherst College fand. Sein Studium schloss er im Jahr 1895 mit einer Auszeichnung ab.

Ein schwindelerregend steiler Aufstieg als Politiker der Republikaner

Im College blühte der junge Coolidge regelrecht auf und galt dort als talentierter Redner. Eine Auszeichnung erhielt er für einen Aufsatz mit dem Titel „Die Prinzipien, für die in der amerikanischen Revolution gekämpft wurde“. Nach seinem Studium konzentrierte er sich auf eine juristische Karriere. Er arbeitete in einer Kanzlei in Northampton im Bundesstaat Massachusetts, wurde im Jahr 1897 dort als Anwalt zugelassen und eröffnete seine eigene Kanzlei. Danach startete er einen schwindelerregenden Aufstieg als Politiker der Republikanischen Partei. Zunächst stieg er zum Stadtrat in Northampton auf und wurde 1909 zum Bürgermeister gewählt. Zwischen 1911 und 1915 folgte ein Sitz als Senator in der Regierung von Massachusetts, dem sich das Amt des Vize-Gouverneurs anschloss. Im Jahr 1918 wähnte sich Calvin Coolidge am Ziel seiner Wünsche, als er die Wahl zum Gouverneur für sich entschied.

Der Gouverneur – die Personifizierung von Recht und Ordnung

Normalerweise war das Amt eines Gouverneurs des Bundesstaates Massachusetts nicht dazu angetan, in den nationalen Blickpunkt zu rücken. Das änderte sich allerdings zu einem Zeitpunkt, als sich in den Vereinigten Staaten der Kommunismus immer mehr ausbreitete und es 1918 zur Bildung einer Polizeigewerkschaft kam. Als die Führer dieser Gewerkschaft Coolidge aufforderten, ihn bei ihrer Forderung zu unterstützen, die Wiedereinstellung von entlassenen Polizeibeamten zu betreiben, lehnte der Gouverneur ab. Er ließ die Gewerkschaft und damit die gesamte amerikanische Öffentlichkeit wissen: „Es gibt kein Recht, gegen die öffentliche Sicherheit zu streiken. Von jedem, überall und jederzeit…“ Durch diese Aussage und Coolidges Widerstand gegen die streikende Polizei in Boston wurde der Politiker in die Führungsriege der Republikanischen Partei katapultiert. Er war fortan für viele Amerikaner so etwas wie die Personifizierung von Recht und Ordnung in diesem Land.

Ehe und Kinder

Die Hochzeit mit seiner Frau Grace fand im Haus der Eltern statt

Während seiner Zeit als Gouverneur von Massachusetts unterstützte Calvin Coolidge die Erhöhung der Lebenshaltungskosten für Angestellte im öffentlichen Dienst. Außerdem setzte er sich dafür ein, dass die Arbeitswoche für Frauen und Kinder höchstens 48 Stunden dauern durfte. Seine Reformen wurden von vielen begrüßt. Auch, als er Maßnahmen zur Konsolidierung und zur Umstrukturierung der Landesregierung auf den Weg brachte, erhielt er eine breite Zustimmung. Mittlerweile war Calvin Coolidge in den Stand der Ehe getreten. Im Oktober 1905 hatte er Grace Anna Goodhue geheiratet. Sie war in Burlington im Bundesstaat Vermont aufgewachsen und studierte an der University of Vermont. Calvin Coolidge hatte sie in Northampton das erste Mal gesehen, als die örtliche Kongregationsgemeinde zu einer Bootstour mit anschließendem Picknick einlud. Die Hochzeit fand im Haus ihrer Eltern statt, und zwei Wochen vor der Geburt ihres ersten Sohnes zogen die beiden in eine Maisonette. Am politischen Aufstieg ihres Mannes nahm Grace regen Anteil, und Zeitzeugen schilderten sie als eine Mixtura aus Schüchternheit und aufgesetzter Freundlichkeit.

Ein Auftritt in Unterwäsche und ein Hutträger bei der Rasur

Im Jahr 1908 kam nach John ein zweiter Sohn namens Calvin Junior zur Welt, und im Hinterhof ihres Domizils brachte Grace ihren beiden Jungen das Baseballspiel bei. Auch als Calvin Coolidge zum Gouverneur aufstieg, verzichtete seine Familie auf eine größere Wohnung. Der Politiker mietete sich für wenig Geld ein Zimmer in Boston und kam erst zum Wochenende nach Hause. Als Gattin des amerikanischen Präsidenten war Grace so etwas wie das Vorbild künftiger First Ladies. Sie wurde sehr bald der Mittelpunkt der feinen Washingtoner Gesellschaft und bezauberte mit ihrer natürlichen Freude am Leben häufiger die Gäste im Weißen Haus. Hin und wieder schilderte sie den Umstand einer besonderen Begegnung aus früheren Zeiten mit ihrem späteren Mann. Sie erblickte ihn durch ein offenes Fenster und stellte fest, dass er beim Rasieren lediglich mit Unterwäsche bekleidet war und dabei einen Hut trug. Da sie diesen Auftritt ziemlich lächerlich fand, soll sie schallend gelacht haben. Das muss wohl so eine Art Schlüsselerlebnis in ihrer Beziehung gewesen sein. Calvins Heiratsantrag war etwas ungewöhnlich, denn er sagte dabei zu seiner späteren Frau nur dieses: „Ich werde bald mit dir verheiratet sein…“

Politischer Aufstieg

Harding und Coolidge – ein Gespann voller Gegensätze

Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen des Jahres 1920 befanden sich die Republikaner in den Vereinigten Staaten in einer euphorischen Stimmung. Bereits in den Tagen ihres Konvents zur Nominierung ihrer Kandidaten waren sie sich des Sieges sicher. Während der achtjährigen Präsidentschaft Woodrow Wilsons hatten sich – nicht zuletzt wegen des Ersten Weltkriegs – im Amerika erhebliche wirtschaftliche Probleme eingestellt. Und mit der Einführung des landesweiten Alkoholverbots sank die Popularität des Demokraten Wilson noch weiter in den Keller. Die Republikaner nominierten Warren G. Harding zu ihrem Kandidaten für das höchste Amt im Staat. Vizepräsident sollte Calvin Coolidge werden. Dies war ein Gespann voller Gegensätze. Hier der gesellige Harding, dort der eher schweigsame und in sich gekehrte Coolidge. Allerdings befanden sich beide auf der gleichen politischen Wellenlänge und zählten zur sogenannten „Alten Garde“ der Republikaner. Darunter verstand man den konservativen Teil der Partei.

Die Nacht zum 3. August 1923 sollte sein Leben verändern

Harding hatte den Wählern die Rückkehr zur Normalität ihres Lebens versprochen – Coolidge kam im Vorfeld der Abstimmung kaum zu Wort. Beide erzielten einen Erdrutschsieg, denn ihre Gegenspieler James Cox und Franklin Delano Roosevelt hatten nicht den Hauch einer Chance. Dabei hatte sich James Cox, der Gouverneur des Bundesstaates Ohio, in der vorangegangenen Kampagne mächtig ins Zeug gelegt, war 22.000 Meilen kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten gereist und hatte vor immerhin zwei Millionen Menschen gesprochen. Calvin Coolidge legte seinen Amtseid als Vizepräsident der USA am 4. März 1921 ab und verschwand dann zunächst einmal für längere Zeit von der politischen Bühne. Hin und wieder nahm er an Kabinettssitzungen teil, doch auf die Politik des neuen Präsidenten Harding nahm er keinerlei Einfluss. Aber dann sollte der 3. August 1923 sein Leben verändern. Gegen 2.30 Uhr in der Nacht wurde er im Haus seines Sohnes und dessen Familie in Plymouth Notch geweckt. Man teilte Calvin Coolidge den überraschenden Tod des Präsidenten Harding mit. Der war während einer längeren Reise durch Alaska und durch den Westen der USA im Palace Hotel von San Francisco einem Herzinfarkt erlegen. Coolidge sank nach der Todesnachricht auf die Knie, betete und begab sich ins Erdgeschoss des Hauses.

Präsidentschaft (1923-1929)

Vater John nahm dem neuen Präsidenten den Eid auf die Verfassung ab

Calvin Coolidge am Schreibtisch, by National Photo Company [Public domain]
Calvin Coolidge am Schreibtisch, by National Photo Company [Public domain]
Im Haus seines Sohnes gab es kein Telefon, doch der Aufenthaltsort des Vizepräsidenten Calvin Coolidge blieb der Presse nicht verborgen. Bereits in den Morgenstunden wurde das Anwesen von Journalisten belagert. Zu diesem Zeitpunkt hatte der neue amerikanische Präsident schon den Eid auf die Verfassung mit der Hand auf der Familienbibel geleistet. Und zwar in Ermangelung von Strom im Licht einer Petroleumlampe und in Anwesenheit seines Vaters John, der als Friedensrichter ermächtigt war, diesen Amtseid abzunehmen. Calvin Coolidge ist bis heute der einzige Präsident der Vereinigten Staaten, der von seinem Vater vereidigt wurde. Normalerweise ist es in Amerika üblich, dass dem Chief Justice, also dem obersten Richter des Landes, diese Ehre bei der Amtseinführung eines neuen Präsidenten zuteil wird. Am nächsten Tag reiste Coolidge nach Washington, wo ihn am 21. August 1923 der Bundesrichter des District of Columbia ein zweites Mal einschwor. Inzwischen hatten sich die Juristen der USA mit der Frage befasst, ob der Notar eines Bundesstaates befugt sei, einem Präsidenten den Eid abzunehmen.

Der Rundfunk steigerte die Popularität des Mannes im Weißen Haus

Der vom Vizepräsidenten ins höchste Amt der Vereinigten Staaten aufgestiegene Politiker aus Vermont behielt einige der von seinem Vorgänger Harding berufenen Minister in seinem Kabinett. Er konnte sich sehr bald sicher sein, dass er in der Popularitäts-Skala der amerikanischen Präsidenten sehr weit oben angesiedelt war. Einer der Gründe für seine Beliebtheit waren seine landesweit übertragenen Ansprachen mit dem neuen Medium des Rundfunks. Die Amerikaner hatten damit das Gefühl, diesem Mann im Weißen Haus sehr nahe zu sein, denn seine Ansprachen waren ruhig und überzeugend. Calvin Coolidge galt als stiller Zeitgenosse, dem ein Smalltalk nicht behagte und der sich an Debatten nur in Ausnahmsituationen beteiligte. Die Amerikaner verpassten ihm deshalb einen Spitznamen: „Silent Cal“. In seiner Antrittsrede schwor er seine Landsleute auf eine neue Zeit ein und sprach vom „Zustand einer seltenen Zufriedenheit“ im Lande. In der Folgezeit legte er nur zweimal ein Veto gegen Entlastungsgesetze für landwirtschaftliche Betriebe ein. Außerdem lehnte er sich gegen Pläne auf, die die Erzeugung preiswerten Stroms vom Tennessee River ursprünglich zum Ziel hatten.

Ein Erdrutschsieg der Republikaner bei der Wahl des Jahres 1924

Mit dem Slogan „Keep Cool with Coolidge” gingen die Republikaner im Jahr 1924 in ihren nächsten Präsidenten-Wahlkampf. Der Konvent der Partei hatte Calvin Coolidge einstimmig zum Kandidaten bestimmt. Es folgte ein Erdrutschsieg gegen den als konservativ bekannten Demokraten John W. Davis und gegen Robert La Follette von der Progressiven Partei. Im Wahlkollegium brachte der alte und neue amerikanische Präsident 382 der 531 Stimmen des Electoral College auf seine Seite. In seiner zweiten Antrittsrede in diesem hohen Amt ließ er seine Landsleute wissen, dass sich die Vereinigten Staaten auf ihre neue und wichtigere Rolle in der Weltpolitik vorbereiten müsse. Aber er sagte auch, dass es für ihn von hoher Bedeutung sei, die Wirtschaft Amerikas auf einem hohen Niveau anzusiedeln. „Das Hauptgeschäft des amerikanischen Volkes ist das Geschäft“, war eine seiner Kernbotschaften. Und seine Wähler verstanden ihn auf Anhieb.

Ein Präsident als Meister in der Genügsamkeit seiner Worte

Porträt von Coolidge, by Charles Sydney Hopkinson [Public domain]
Porträt von Coolidge, by Charles Sydney Hopkinson [Public domain]
Doch dieser Präsident war und blieb wortkarg. So ist eine Episode überliefert, die die Amerikaner schmunzeln ließ. Bei einem Empfang im Weißen Haus sagte eine Bekannte aus Washington zu Coolidge: „Sie müssen mit mir sprechen, Mister President. Ich habe heute gewettet, das ich mehr als zwei Wort aus dir herausholen könnte.“ Coolidge antwortete trocken und mit seinem unverwechselbaren hintergründigen Humor: „Du verlierst…“ Nur seine besten Freunde und Familienmitglieder wussten, dass dieser Mann hin und wieder auch einen Sinn für Witze hatte. Längst erkannten seine Landsleute, dass man diesem Präsidenten vertrauen konnte. Der war so etwas wie das Gegenstück zu seinem Vorgänger Harding, dem vor und während der Präsidentschaft zahlreiche Affären und Skandale nachgesagt wurden. Coolidge galt als ein politisches Genie, und in späteren Jahren hieß es in einer Biographie zu seiner Amtszeit: „Seine aktive Inaktivität passte bewundernswert zur Stimmung und zu den Bedürfnissen Amerikas in dieser Zeit.“ Dieser Präsident war ein Meister in der Genügsamkeit seiner Worte, und seine lakonischen und vieldeutigen Aussagen pflasterten seinen Weg. Als Charles Lindbergh nach dem historischen Transatlantikflug an Bord eines Schiffes der US-Navy in Washington landete, überreichte ihm Coolidge die Ehrenmedaille der Vereinigten Staaten.

Die Wirtschaft boomte und die Arbeitslosigkeit nahm immer mehr ab

Während der Präsidentschaft Coolidges stieg der Dow Jones, der seit Jahren um die hundert Punkte verharrte, stark an. Denn die amerikanische Wirtschaft boomte und die Arbeitslosigkeit nahm immer mehr ab. Aufgrund von Haushaltsüberschüssen wurden die Steuern wiederholt gesenkt, und die im Ersten Weltkrieg entstandenen Staatsschulden verringerten sich deutlich. Zeitzeugen lobten die Politik des Präsidenten als „Inbegriff eines konservativen Laissez-faire zugunsten eines freien Unternehmertums in Amerika“. In seiner zweiten Amtszeit mehrten sich allerdings die Vetos gegen Beschlüsse des Kongresses. Hingegen unterstützte er eine Beschränkung der Immigration und forderte gleichzeitig, dass die Vereinigten Staaten bemüht sein müssten, Einreisende aus anderen Ländern aufzunehmen und zu integrieren. Er teilte auch nicht die Vorbehalte des Ku-Klux-Klan gegenüber den Einwanderern aus Irland und gegenüber dem Katholizismus.

Die Flut am Mississippi und eine erste Frau als Bundesrichterin

Kritik hagelte es gegen Calvin Coolidge allerdings im Jahr 1927 als der Mississippi außer Kontrolle geriet und zahlreiche Menschen bei einer Jahrhundertflut ihr Leben ließen. 70.000 Quadratmeter Land wurden dabei überflutet und 700.000 Anwohner in den Bundesstaaten Arkansas, Illinois, Kentucky, Louisiana, Missouri und Tennessee evakuiert. Coolidge besuchte nicht die von dieser Tragödie heimgesuchte Region, machte sich aber später verdient um eine private Spendenaktion. Ein Jahr nach der großen Flut setzte der amerikanische Präsident ein Signal. Mit Genevieve R. Cline ernannte er die erste Frau zu einer Bundesrichterin. Dieses Amt bekleidete sie bis zu ihrer Pensionierung 25 Jahre lang. In der geschichtlichen Rückschau unterlief der Coolidge-Administration außenpolitisch ein herber Fehler, als das faschistische Italien mit Hilfe des Bankhauses J. P. Morganoffen finanziell unterstützt wurde. Dabei spielte auch der amerikanische Botschafter in Italien, Richard Washburn Child, eine unrühmliche Rolle. Später war der Diplomat sogar Ghostwriter der Autobiographie von Benito Mussolini.

Der Tod des Calvin Junior nach einem Tennisspiel am Weißen Haus

Als Calvin Coolidge im August 1927 öffentlich seinen Entschluss verkündete, nicht für eine weitere Amtszeit kandidieren zu wollen, waren die meisten seiner Landsleute überrascht. An der Popularität dieses Präsidenten hatte sich kaum etwas geändert, doch der Mann im Weißen Haus war amtsmüde und sehnte sich nach einem Comeback ins Privatleben. Allerdings spielte bei dieser Demission wohl auch ein persönlicher Schicksalsschlag eine große Rolle. Einige Jahre vorher, an einem sommerlichen Tag des Jahres 1924, hatte sich sein erst 16 Jahre alter Sohn Calvin Junior beim Tennisspielen im Rose Garden des Weißen Hauses eine kleine Blase an einem seiner Zehen am rechten Fuß eingehandelt. Dabei zog er sich eine Blutvergiftung zu und verstarb nur wenig später. Es hatte sich bei dem Sohn des Präsidenten eine Sepsis ergeben, und es war das Pech des Teenagers, dass der britische Mediziner und Bakteriologe Alexander Fleming sein Penicillin erst vier Jahre später erfand. Dieser Tod veränderte den Präsidenten, der fortan seinen Arbeitseifer stark reduzierte und häufig unter Depressionen litt.

Amtsende und Lebensabend

„Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr in diese Zeiten passe“

Calvin Coolidge schied turnusgemäß am 4. März 1929 aus seinem Amt aus und lebte fortan in einem großen Haus in Northampton. Das Ehepaar Coolidge hatte dieses Anwesen auf den Namen „The Beeches“ getauft. In den letzten Jahren seines Lebens verfasste der Ex-Präsident seine Autobiographie und unterstützte in öffentlichen Auftritten die Partei der Republikaner. Mit einigem Abstand zur großen Politik genoss er seinen Ruhestand und verfolgte den katastrophalen Absturz seines Landes in die Weltwirtschaftskrise. Eine Freund vertraute er kurz vor seinem Tod an: „Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr in diese Zeiten passe.“ Seinen Nachfolger Herbert Hoover, den Coolidge als Handelsminister in sein Kabinett geholt hatte, unterstützte er aus Gründen der Sympathie für die Republikaner. Allerdings mochte er diesen Präsidenten nicht und bezeichnete ihn zuweilen als „Wonder Boy“. Dennoch bedauerte er Hoovers Wahlniederlage gegen Franklin D. Roosevelt im Jahr 1932. Am 5. Januar 1933 verstarb Coolidge in seinem Haus in Northampton an den Folgen eines Herzinfarkts.

Noch zu Lebzeiten eine Sondermünze mit dem Porträt Coolidges

Calvin Coolidge fand auf dem Friedhof in Plymouth Notch eine letzte Ruhestätte. Das in der Nähe gelegene Haus „The Beeches“, das seine Frau Grace nach seinem Tod verkaufte, ist heute der Mittelpunkt des Calvin Coolidge Homestead Districts. Der Bundesstaat Vermont weihte am 4. Juli 1972 zur Wiederkehr des hundertsten Geburtstages des Ex-Präsidenten in Plymouth Notch ein neues Besucherzentrum ein. Coolidge war im Übrigen der einzige amerikanische Präsident, dem die Ehre zuteil wurde, schon zu Lebzeiten auf einer amerikanischen Sondermünze abgebildet zu werden. Anlass dieser Münzprägung war das 200. Jubiläum der Amerikanischen Unabhängigkeit im Jahr 1926. Zwölf Jahre später erschien in den USA eine Briefmarke mit dem Porträt des Calvin Coolidge.

Häufige Fragen und Antworten

Wann war Calvin Coolidge Präsident der USA?

Zwischen 1923 und 1929.

Wann wurde Calvin Coolidge geboren?

Am 4. Juli 1872 in Plymouth Notch/Vermont.

Wann ist Calvin Coolidge gestorben?

Am 5. Januar 1933 in Northampton/Massachusetts.

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