Missouri River

Der „Big Muddy” im Mittleren Westen der USA

Missouri River
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Schreibt die Region an den Ufern des großen Stroms allein ein wichtiges Kapitel der amerikanischen Geschichte? Oder sind die Mythen, die man über Jahrhunderte am Missouri River gewebt hat, noch allgegenwärtig? Diese Fragen stellen sich manche Besucher vor ihrer Reise in den Mittleren Westen der USA.

Die meisten Gäste aus einer anderen Welt, die die Bundesstaaten am großen Fluss bereisen, kehren dann mit der Überzeugung zurück, dass ihnen an den Ufern des Missouri River Menschen begegneten, die sich mit unverhohlenem Stolz dazu bekennen, im Grunde ihrer Seele Südstaatler zu sein – auch wenn das geographisch nicht so ganz stimmt. Der Lauf der Geschichte hat auch diesen amerikanischen Fluss verändert, doch geblieben ist die Magie einer einzigartigen Landschaft im Herzen der Vereinigten Staaten.

Lage, Geografie und Flusslauf

Der Missouri River ist ein 4.087 km langer Fluss, der durch die Bundesstaaten Montana, North Dakota, South Dakota, Nebraska, Iowa, Kansas und Missouri fließt. Aufgrund seines hohen Schlammanteils wird er auch „Big Muddy“ genannt.

  • Länge: 4.087 km
  • Quelle: Jefferson, Madison bei Three Forks in Montana
  • Quellhöhe: 1232 m
  • Mündung: Mississippi bei St. Louis
  • Mündungshöhe: 123 m
  • Schiffbar: Bis Sioux City
  • Großstädte: Omaha, Kansas City, St. Louis

Ein großer Strom als Transporteur von fruchtbarem Schlamm

Missouri River Montana
Missouri River, Montana

„Big Muddy“ nennen die Amerikaner den Missouri River, und das ist alles andere als eine Floskel, denn dieser Fluss befördert nun mal eine Menge Schlamm aus den Ausläufern der Berge des südwestlichen Montana zu seiner Mündung in den Mississippi. Doch dieser Schlamm bildet den Nährboden der fruchtbaren Zonen zu beiden Ufern des Missouri.

Gleich drei Quellen leistet sich der Missouri River in den Rocky Mountains. Und zwar im Westen der kleinen Stadt Bozeman im Gallatin County im Bundesstaat Montana. Dort gibt es einen Zusammenfluss von Gallatin, Jefferson und Madison als Wiege dieses Flusses. Was als kleiner Bach beginnt wird immer mächtiger und bildet schließlich einen Entwässerungs-Giganten für weitere Teile des Mittleren Westens.

Der Lake Sakakawea – gepriesen als „Wasser-Wunderland“

Gemeinsam mit dem Mississippi ist dies das viertlängste Fluss-System der Welt. Über 2.300 Meilen legt der Missouri River zurück, ehe er sich mit dem Mississippi bei St. Louis verbündet. Eine Wiege des Missouri befindet sich in unmittelbarer Nähe der Wasserscheide zwischen dem Pazifischen und dem Atlantischen Ozean. Ein zweiter Quellfluss entspringt im Yellowstone-Nationalpark und ein dritter ist der Gallatin River.

Yellowstone, River
Ein zweiter Quellfluss des Missouri RIvers entspringt im Yellowstone-Nationalpark

Diese drei Flüsse werden unweit der kleinen Ortschaft Three Forks in Montana zum Missouri. Die Grenze zum Bundesstaat North Dakota überquert der Missouri beim Lake Sakakawea, einem Stausee, den die Amerikaner als „Wasser-Wunderland“ preisen, weil dort die Freizeitaktivitäten breit gefächert sind.

Mehrtägige Kanu-Touren auf einem „ruhigen“ Strom

Ein Sechstel des gesamten Territoriums der Vereinigten Staaten wird durch den Missouri entwässert, und mit seinen zahlreichen Nebenflüssen beherrscht er die Landschaft und ist auch in den zumeist trockenen Prärien die Lebensader für Menschen, Tiere und Pflanzen. Fast immer zieht er lautlose seine Bahn, und weil er ein eher „ruhiger“ Strom ist, sind hier Kanu-Touren über mehrere Tage möglich.

Wenn sich der Missouri durch die Great Plains schlängelt, durchquert er weite und abgelegene Ebenen, und wer diese Landschaft in vollen Zügen in sich aufnimmt, der gewahrt am Ufer des Flusses zuweilen große Bisonherden. So mancher Besucher wähnt sich hier im historischen Wilden Westen, und in der Tat befindet er sich in einem geschichtlich bedeutenden Teil der USA.

Geschichte des Missouri River

Präsident Thomas Jefferson und das „gekaufte Land“

Die ersten weißen Siedler zogen im 19. Jahrhundert vom Missouri aus weiter nach Westen. Der amerikanische Präsident Thomas Jefferson hatte dem französischen Kaiser Napoleon im Jahr 1803 dieses Territorium abgekauft und zwei mutige Männer beauftragt, Wege vom Mississippi zum Pazifik zu finden.

Die „Lewis and Clark Expedition“ ging in die Geschichte der amerikanischen Pionierzeit ein. Das Abenteuer dauerte zwei Jahre, vier Monate und neun Tage. Der Erfolg der Erkundungsfahrt war aber gleichzeitig ein Auslöser der dann folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen den Siedlern, die immer weiter nach Westen vordrangen und und keine Gegenliebe bei den indianischen Ureinwohnern fanden.

Die Büste des Sitting Bull und das Massaker am Wounded Knee

Sitting Bull, legendärer Häuptling der Sioux
Sitting Bull, legendärer Häuptling der Sioux | by National Archives at College Park / Public domain

Wer heute die Region am Missouri River bereist, der wandelt auf den Spuren eines legendären Indianer-Stamms. Es waren die Sioux, die hier lebten, jagten und schließlich untergingen. Sitting Bull war einer der Häuptlinge dieses Stammes. Die Landschaft am Missouri und die Weiten der Prärie hatten ihn geprägt.

Im Bundesstaat South Dakota erinnert in Mobridge, der sogenannten „Over-the-River-Town“, eine Büste auf einem Grabstein an diesen Widerstandskämpfer. Der war der Organisator der legendären Schlacht am Little Bighorn, in der die amerikanische Armee im Jahr 1876 eine schwere Niederlage erlitt.

Dieser blutigen Auseinandersetzung folgte vierzehn Jahre später am Missouri das Massaker am Wounded Knee in der Pine Ridge Reservation von South Dakota. Dort wurden dreihundert wehrlose Sioux von Soldaten eines Regiments der 7. US-Kavallerie getötet. Dieses Ereignis beeinflusst die Kultur und das Leben der Indianer in ihren Reservaten noch immer.

Seeadler kreisen über gigantische Felsen in Montana

Die Sioux gaben dem großen Fluss, der sich in vielen Windungen durch die Prärie schlängelt, ihren Namen. Lange Zeit wurde Missouri mit „schlammiges Wasser“ übersetzt, doch in jüngerer Zeit einigten sich die Wissenschaftler nach ausgiebigen Studien darauf, dass die exakte Bedeutung weniger die Beschaffenheit des Missouri River betraf sondern einen der geheimen Plätze der Indianer.

„Stadt der großen Kanus“ lautet nunmehr der Name des Flusses in der Sprache der Sioux. Zwei Jahrhunderte nach der Besiedelung des Mittleren Westens durch europäische Einwanderer genießen Urlauber bei ihren Kanutouren vor allem die Stille des Missouri River. Über den Felsen an den Ufern Montanas kreist häufig das Wappentier der USA, der Seeadler.

Flora und Fauna

Eine reichhaltige Flora und Fauna in den nahen Uferzonen

Bäume, Büsche und wilde Gräser säumen die Uferzonen des Missouri River, doch die verschiedenen klimatischen Zonen dieses mächtigen Stroms haben dort eine recht unterschiedliche Flora und Fauna gedeihen lassen.

Weißdornblüte
die Weißdornblüte; Missouris Staatsblume

Missouris Staatsblume ist die Blüte des Weißdorns, und unter den scharlachroten Eichen, Pappeln, Zypressen, Zedern und der Hartriegel blühen die Wiesenrosen und der weiße Frauenschuh. Zu den charakteristischen Amphibien der schlammigen Uferzonen zählt vor allem der Leopardenfrosch, der über eine enorme Sprungkraft verfügt.

Zahlreiche indigene Arten von Säugetieren sind in den Sümpfen anzutreffen. Unter anderem ist dies der Lebensraum der Bisamratte, des Baumwollschwanz sowie von grauen und roten Füchsen. Seltener sind Wölfe und Weißwedelhirsche anzutreffen.

Aktivitäten und Sehenswertes

Kansas City – die meisten Springbrunnen auf der Welt

Die beliebte „Route 66“ passiert über fast fünfhundert Kilometer die Landstriche an den Ufern des Missouri River. Einst führte die legendäre Fernstraße auch über die Chain of Rocks Bridge, doch die ist inzwischen in die Jahre gekommen und nur noch für Fußgänger und Radfahrer passierbar. Die Brücke überquert den Fluss bei St. Louis, wo der Missouri in den Mississippi mündet.

Jefferson City ist mit rund 43.000 Einwohnern beileibe keine Großstadt, doch dank ihrer zentralen Lage wurde sie im Jahr 1821 zur Hauptstadt von Missouri ernannt. Sie erinnert an Thomas Jefferson, den dritten Präsidenten in der Geschichte der Vereinigten Staaten und ist wegen der zahlreichen historischen Häuser bei Besuchern ein beliebtes Ziel.

Jefferson City
Jefferson City, die Hauptstadt von Missouri

Die Kleinstadt Branson, im Süden des Bundesstaates, hat sich wegen ihrer Showveranstaltungen den Ruf des „familienfreundlichen Las Vegas“ erworben. Kansas City überzeugt mit schattigen Boulevards und den meisten Springbrunnen weltweit.

Die unberührte Natur im Missouri National Recreational River

Wer die Region am Missouri bereist, der wird sehr bald feststellen, dass der große Fluss an vielen Stellen mit Dämmen und Deichen versehen wurde, um sich gegen die Gefahr des Hochwassers zu schützen. Dort, wo der Missouri frei fließt, haben die Umweltbehörden Nationalparks eingerichtet.

Gavins Point Dam
der Gavins Point Dam

Einer der größten ist ein Park namens Missouri National Recreational River zwischen dem Ponca State Park in Nebraska und dem Gavins Point Dam. Hier ist die Natur noch weitgehend unberührt mit vielen Inseln und morastigen Baumstümpfen, die niemand entsorgt. Hier stoßen die Besucher auch auf die historischen Ruinen des Fort Randall sowie auf etliche kulturellen Erinnerungen, die der indianischen Urbevölkerung viel bedeuten.

Häufige Fragen und Antworten

Wie tief ist der Missouri River?

Die maximale Tiefe beträgt 61 Meter.

Wie lang ist der Missouri River?

Von seinen Quellen bis zur Mündung in den Mississippi ist der Fluss 4.087 Kilometer lang.

Wo entspringt der Missouri River?

Drei Quellen speisen den Missouri River. Der Jefferson entspringt in den Bergen im Süden Montanas, der Madison im Yellowstone Nationalpark und der Gallatin in Wyoming.

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