Wer war Thomas Jefferson?

Ein Gründervater und Präsident zwischen politischem Anspruch und Wirklichkeit

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Thomas Jefferson war nicht nur amerikanischer Staatstheoretiker, Rechtsanwalt und dritter Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, sondern als Universalgelehrter auch auf den Gebieten der Natur- und Geisteswissenschaften umfassend gebildet.

Das größte Erbe Thomas Jeffersons besteht jedoch darin, dass er einer der Gründerväter Amerikas und hauptsächlicher Verfasser der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung von 1776 war. Ganz nebenbei war er auch noch Botschafter in Paris und einer der Mitbegründer der Demokratischen Partei. Eine demokratische Staatsform war für ihn unabdingbar, denn diese war eng verbunden mit der Unabhängigkeit des jungen Amerikas vom englischen Mutterland.

Hineingeboren in die Zeit der Kolonialisierung Amerikas durch Großbritannien und Frankreich, blieb er bis zu seinem Lebensende ein überzeugter Demokrat. Von ihm kam das weise Zitat „Wenn die Regierung das Volk fürchtet, herrscht Demokratie, wenn das Volk dagegen die Regierung fürchtet, Tyrannei“.

Eine Parallele der Geschichte ist, dass der Todestag von Thomas Jefferson auf den 4. Juli 1826 fiel, ein symbolträchtiges Datum, denn die Unabhängigkeitserklärung fiel gleichfalls auf einen 4. Juli, im Jahr 1776.

Steckbrief: Thomas Jefferson

  • Thomas Jefferson
    Steckbrief: Thomas Jefferson – Rembrandt Peale [Public domain]
    Name: Thomas Jefferson
  • Geburtsdatum: 13. April 1743
  • Geburtsort: Shadwell bei Charlottesville, Virginia, USA
  • Beruf: Rechtsanwalt
  • Eltern: Jane Randolph Jefferson, Peter Jefferson (Plantagenbesitzer)
  • Ehefrau: Martha Wayles Skelton Jefferson
  • Kinder: Martha Jefferson Randolph, Madison Hemings, Eston Hemings, Mary Jefferson Eppes, Harriet Hemings, Lucy Elizabeth Jefferson, Peter Jefferson, Jane Jefferson
  • Todesdatum: Dienstag, 4. Juli 1826
  • Sterbeort: Monticello bei Charlottesville, Virginia, USA
  • Grabstätte: Monticello Graveyard, Jefferson’s Monticello Estate, Charlottesville, Virginia, USA
  • Sternzeichen: Widder

1743 – 1770 – Geburt, Jugend und frühe Berufsjahre

Thomas Jefferson stammte aus einer alteingesessenen Pflanzer-Familie in Virginia und wurde in am 2. April 1743 in denkbar beste Verhältnisse hineingeboren. Während die Familie seines Vaters schon seit mehreren Jahrzehnten wohlhabende Plantagenbesitzer waren, stammte seine Mutter aus der einflussreichen Familie Randolph. Peyton Randolph war der erste Präsident des Kontinentalkongresses.

Neben Thomas hatte das Ehepaar Jefferson acht weitere Kinder, von denen zwei jedoch verstarben. Privatunterricht Zuhause und Privatschulen waren eine gute Ausgangslage für seinen späteren Werdegang. Seine Ausbildung in dem renommierten College Mary & William in Williamsburg, das viele junge Männer wohlhabender Familien besuchten, schloss er 1762 mit Bestnoten ab.

Anschließend studierte Thomas Jefferson Jura und praktizierte nach seinem Abschluss einige Jahre als Rechtsanwalt. Die Jahre ab 1770 markierten einen Wendepunkt im Leben des jungen Mannes, sowohl beruflich als auch privat. Schon bald machte Jefferson als brillanter Anwalt von sich Reden und verfasste einige politische Streitschriften.

1772 – 1782: Heirat, Unabhängigkeitserklärung und Tod der Ehefrau

Ab 1774 befasste er sich aktiv mit der Unabhängigkeit der jungen amerikanischen Nation vom britischen Mutterland. Mit seiner Streitschrift „A Summary View of the Rights of British America“ gilt er als einer der frühen Vordenker der amerikanischen Unabhängigkeit. Unter anderem wandte sich sein politisches Manifest gegen die übermäßige Besteuerung durch das britische Mutterland.

Die Patrioten dieser jungen Nation waren dagegen, dass die von ihnen erwirtschafteten Gelder direkt über den Atlantik in den Geldbeutel Großbritanniens wanderten, anstatt hier vor Ort für strukturelle Entwicklung und Wohlstand zu sorgen. 1774 wurde Thomas Jefferson zum Abgesandten Virginias für den Kontinentalkongress ernannt. Dieser beauftragte den außergewöhnlich gut gebildeten jungen Anwalt mit der Verfassung eines ersten Entwurfes der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

John Adams, später der zweite Präsident der USA und damit Amtsvorgänger von Thomas Jefferson, brachte einige bedeutende Verbesserungsvorschläge in den Entwurf ein. Auch Benjamin Franklin gehört zu den bedeutenden Gründervätern Amerikas, dessen Handschrift gleichfalls in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung zu finden ist. Er war zwar nie Präsident, jedoch ein bedeutender Staatsmann, Verleger, Drucker, Erfinder und Naturwissenschaftler. Wie Thomas Jefferson, zeichneten sich auch John Adams und Benjamin Franklin durch ihre außergewöhnlich gute Bildung aus. Alle drei Männer waren ihrer Zeit intellektuell um einiges voraus.

Die Unabhängigkeitserklärung entfaltete eine explosive Sprengkraft für die weitere Entwicklung der Vereinigten Staaten von Amerika, die aus dem siegreichen Unabhängigkeitskrieg gegen Großbritannien hervorgingen und nur 150 Jahre später zur Weltmacht aufstiegen.

Der Kongress beschloss noch einige Änderungen, bevor die Unabhängigkeitserklärung schließlich den Senat passierte und zu einem verbindlichen Dokument für die Verfassung der Vereinigten Staaten von Amerika wurde. An der Formulierung dieses Dokumentes war Jefferson jedoch nicht beteiligt, da er zu diesem Zeitpunkt Botschafter in Paris war.

Ab 1776 war Jefferson Abgeordneter im Bürgerhaus von Virginia, wo er eine Vielzahl von Gesetzesinitiativen ausarbeitete und in drei Jahren nicht weniger als 126 Entwürfe formulierte. In diese Zeit fiel der Beginn des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, der bis zum Sieg der amerikanischen Kolonien über das britische Mutterland 1783 dauerte.

1772 heiratete er Martha Wayles Skelton, mit der er fünf Kinder hatte, von denen jedoch nur zwei das Erwachsenenalter erreichten. Mit Martha lebte er auf einem prächtigen Plantagenanwesen mit dem Namen Monticello, dessen Bau er selbst entworfen hatte.

Bei der Geburt des fünften Kindes 1782 starb seine Frau. Sie wurde nur 33 Jahre alt. Sie bat Thomas, nicht wieder zu heiraten, da sie selbst kein gutes Verhältnis zu ihrer Stiefmutter hatte. Thomas Jefferson kam diesem Wunsch nach, zeugte mit seiner Haussklavin Sally Hemmings jedoch mindestens fünf weitere Kinder, wie DNA-Analysen von Historikern später feststellten.

1785 – 1789 – Botschafter in Paris und Französische Revolution

Die Zeit von 1785 bis 1789 verbrachte Thomas Jefferson als Botschafter in Paris. In dieser Zeit bereiste er einige europäische Länder wie Italien und Deutschland, um deren herausragende Architektur zu studieren. Obwohl er Diplomat war, unterstützte er die Akteure der Französischen Revolution. Er war dabei behilflich, einen Entwurf der Menschen- und Bürgerrechte zu formulieren, musste sich jedoch mit weiteren Aktivitäten zurückhalten.

Ab 1790 diente Jefferson als Außenminister unter dem ersten Präsidenten der USA, George Washington. Ein weiterer wichtiger Berater des Präsidenten war Finanzminister Alexander Hamilton. Allerdings vertraten Jefferson und Hamilton häufig unterschiedliche Ansichten und so kam es zur Gründung der Vorläufer der heutigen demokratischen und republikanischen Partei.

Jefferson und seine Vertrauten gründeten zunächst eine republikanische Partei, die später unter dem Namen Demokratisch-Republikanische Partei geführt wurde, aus der die heutigen Demokraten hervorgingen.

Alexander Hamilton und seine Vertrauten gründeten die Föderalistische Partei, den Vorläufer der heutigen Republikaner. Durch diese Parteigründungen verminderten sich die Konflikte jedoch nicht, sondern nahmen weitere zu. Auch die Vermittlungsversuche Jeffersons scheiterten.

1793 zog er sich zeitweise aus der Politik zurück. Thomas Jefferson war zu diesem Zeitpunkt jedoch bereits zu bedeutend, als dass dieser Rückzug von langer Dauer hätte sein können. Drei Jahre beschäftigte er sich mit dem Ausbau seines Anwesens Monticello.

Das Anwesen Thomas Jeffersons Monticello
Das Anwesen Thomas Jeffersons Monticello

1796 – 1880 – Vizepräsident

1796 wurde John Adams Nachfolger von George Washington im Amt des US-Präsidenten. Thomas Jefferson wurde sein Vizepräsident. Auch diese Zeit zeichnete sich durch politische Differenzen zwischen den beiden Parteilagern aus. Während der Amtszeit von John Adams verschlechterten sich die Beziehungen zu Frankreich, da der Präsident eine restriktive Ausländerpolitik vertrat.

Die Alien and Sedition Acts erlaubten die Abschiebung von Ausländern aus feindlich gesinnten Staaten beziehungsweise aus Staaten, die als gefährlich eingestuft wurden. Die größte Uneinigkeit bestand jedoch hinsichtlich eines neuen Gesetzes, mit dem „falsche, schändliche und bösartige Schreiben gegen die Regierung und ihre Beamten“ zum verbrecherischen Akt erklärt wurden.

Die Republikaner um Thomas Jefferson stuften dieses Gesetz als Akt gegen die Freiheit des Einzelnen sowie als Einschränkung der Presse- und Meinungsfreiheit ein. Während die Föderalisten um Alexander Hamilton den gesellschaftlichen Status-Quo nicht verändern wollten, arbeiteten Jefferson und seine Anhänger zwei Parlamentsbeschlüsse für Kentucky und Virginia aus, die Kentucky und Virginia Resolutions, die jedoch von keinem Staat außer Kentucky ratifiziert wurden.

1801 – 1809 – Präsidentschaft

Der nächste Präsidentschaftswahlkampf 1880 wurde zwischen den beiden politischen Lagern außerordentlich aggressiv geführt, denn beide überzogen sich mit gegenseitigen Vorwürfen. Da Thomas Jefferson eine sehr gute Ausgangslage hatte, unternahmen die Föderalisten einiges, um seine Wahl zum Präsidenten zu verhindern.

Durch ein bestimmtes Wahlverfahren verfehlte Jefferson jedes Mal die Mehrheit um einige Stimmen. Mehrere Wahlverfahren verursachten eine Pattsituation und einen damit verbundenen Stillstand, der neue Präsident war immer noch nicht gewählt worden. Dem letzten Wahlgang blieben die Föderalisten schließlich fern. Sie wollten diesen Regierungsstillstand beenden, jedoch nicht an der Wahl Jeffersons zum Präsidenten beteiligt sein.

Ohne die Föderalisten gewann Thomas Jefferson schließlich die Wahl und wurde dritter Präsident der USA. Sein Vizepräsident wurde ausgerechnet der zuvor von den Föderalisten unterstützte Aaron Burr. Dementsprechend schlecht war das Verhältnis der beiden Männer, obwohl Burr gleichfalls der Republikanischen Partei Jeffersons angehörte. Die beiden Männer misstrauten sich gegenseitig. 1804 wurde Aaron Burr nicht mehr als Vizepräsident nominiert.

Kauf von Louisiana

Das wichtigste Ereignis in Jeffersons erster Amtsperiode war der Kauf von Louisiana, das zu diesem Zeitpunkt noch französische Kolonie war. Allerdings boten die Franzosen den Amerikanern nicht nur die Stadt New Orleans zum Kauf an, sondern das gesamte Staatsgebiet. Dieses war groß und unerschlossen und so schickte Thomas Jefferson den Offizier William Clark und seinen ehemaligen Privatsekretär Meriwether Lewis auf eine Expedition, die in die Geschichtsbücher eingehen sollte.

Louisiana Purchase 1803
Die 1803 im Louisiana Purchase verkaufte Kolonie Louisiana

Dank dieser Forschungsreise gewannen die noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika umfangreiche Kenntnisse über die geografischen Bedingungen des neuen Gebietes, das man den Franzosen schließlich abkaufte.

Als innenpolitisches Ziel verfolgte Thomas Jefferson den Abbau der Staatsschulden. Dank seines fähigen Finanzministers Albert Gallatin konnte dieses Ziel in die Realität umgesetzt werden. Die Staatsschulden halbierten sich.

Die Fehde zwischen Republikanern und Föderalisten geht weiter

Für eine weitere Fehde zwischen Republikanern und Föderalisten im Kongress sorgte ein von letzteren eingebrachtes Richtergesetz. Die Föderalisten hatten nicht nur die Mehrheit im Kongress inne, sondern kontrollieren mit 42 entsandten Richtern auch die landesweiten Gerichte. Diese wurden jedoch kurz vor der Amtseinführung Jeffersons ernannt, hatten jedoch noch keine Ernennungsurkunden erhalten.

Jefferson weigerte sich, diese Ernennungsurkunden auszustellen und so ging der Streit schließlich bis vor den Obersten Gerichtshof. Mit seiner Verweigerungshaltung wollte Jefferson zumindest eine Mehrheit der Föderalisten an den Gerichten verhindern, wenn er diese schon im Kongress hinnehmen musste. Jeffersons Regierung wurde daraufhin von den Föderalisten des Rechtsbruchs bezichtigt.

1804 wurde Thomas Jefferson zum zweiten Mal zum US-Präsidenten gewählt. Sein Vizepräsident war George Clinton. Aaron Burr war nicht nur wegen persönlicher Differenzen mit Jefferson aus dem Amt des Vizepräsidenten ausgeschieden. In einem Duell hatte er Jeffersons ehemaligen Widersacher und Finanzminister Alexander Hamilton tödlich verletzt und wurde nun von mehreren Bundesstaaten gesucht und des Mordes für schuldig befunden.

Er entzog sich jedoch jeder Gerichtsbarkeit und flüchtete in die noch unerschlossenen westlichen Gebiete. Dort machte er mit einigen zweifelhaften Umtrieben von sich reden und schon bald kam ein Gerücht auf, Burr plane den Umsturz der Regierung Jefferson.

Erst 1807 gelang die Festnahme Aaron Burrs, der daraufhin aufgrund von Landesverrat vor Gericht gestellt wurde, jedoch für nicht schuldig befunden wurde, da man ihm diesbezügliche Absichten nicht zweifelsfrei nachweisen konnte.

Außenpolitisch verfolgte Jefferson den Kurs der strikten Nichteinmischung in europäische Kriege. Während seiner Amtszeit verzichtete Thomas Jefferson auf den Gebrauch des Vetorechts, das jeder Präsident hat. Auf diese Weise kann er vom Gesetz eingebrachte Gesetze verhindern, sofern er nicht von einer Mehrheit der Kongressabgeordneten über stimmt wird. Er unterzeichnete alle ihm vorgelegten Gesetze. Lediglich sechs weitere Präsidenten zeichneten sich durch eine ähnliche Amtsführung aus.

Die Indianer sah er durchaus als intelligente und ebenbürtige Menschen an und drängte sie, sich der Zivilisation anzuschließen, da sie ansonsten untergehen würden. Friedensverträge und Handelsabkommen mit den Ureinwohnern Amerikas unterstütze Jefferson daher prinzipiell.

Nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit zog er sich auf seinen Sitz Monticello zurück. Allerdings hatte er schon bald mit finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen, da er den großzügigen Lebensstil vieler Südstaatler seiner Zeit pflegte und über seine Verhältnisse lebte. Einen großen Teil seines Geldes hatte er in den Ausbau von Monticello gesteckt.

1826: Politisches Erbe und Nachleben

Bis heute wird Thomas Jefferson als Politiker der Aufklärung und Begründer von Demokratie und Menschenrechten gewürdigt. Sein größtes politisches Erbe ist die Verfassung der Unabhängigkeitserklärung von 1776, deren Kernelement die Gleichstellung aller Menschen ist. Neben seiner großen Schaffenskraft auf politischer Ebene bleibt vor allem sein Einsatz für das Vorantreiben der Menschen- und Bürgerrechte.

Allerdings diskutierten bereits einige seiner Zeitgenossen und Nachfolger im Präsidentenamt über die Frage, ob der von Jefferson geforderte Gleichstellungsgrundsatz nur für die weißen Amerikaner galt oder auch für die Afroamerikaner, die bis zum Ende des Sezessionskrieges als Sklaven lebten und keinerlei Bürgerrechte hatten. Diese Frage verschärfte sich Mitte des 19. Jahrhunderts zunehmend, als immer mehr Nordstaaten die Abschaffung der Sklaverei befürworteten. Jeffersons Haltung zu dieser Problematik war zwiespältig.

In der Unabhängigkeitserklärung forderte er einerseits das Recht des einzelnen Menschen auf „Leben, Freiheit und Glück“, andererseits war er selbst Sklavenhalter. Die Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Handeln und den politisch-sozialen Ansprüchen war jedoch durchaus nicht ungewöhnlich, denn Farbige galten als Angehörige minderwertiger Rassen und damit als nicht vollwertige Menschen. In dieser Tradition bewegten sich viele der hochverehrten Gründerväter, so auch George Washington, Benjamin Franklin und James Madison.

Mit seiner Sklavin Sally Hemmings zeugte Thomas Jefferson mindestens fünf Kinder. Brisant dabei war, dass Sally Hemmings ursprünglich die Sklavin seiner Frau und wahrscheinlich sogar deren Halbschwester war. Jeffersons Schwiegervater hatte gleichfalls Kinder mit einer Sklavin gezeugt, so auch mit der Mutter Sally Hemmings.

Über einen langen Zeitraum von mehr als 150 Jahren wurde dieser Aspekt im Leben des hochgeachteten Gründervaters und Präsidenten der USA totgeschwiegen beziehungsweise nur am Rand angesprochen. So genau wollte man es gar nicht wissen. Der krasse Widerspruch zwischen dem politischen Idealbild Thomas Jeffersons und der Realität auf Monticello verursachte bereits vielen Zeitgenossen ein schlechtes Gewissen, die ehrfürchtig die hervorragende Architektur und ihren charismatischen Gastgeber bewunderten, angesichts der vielen Sklaven jedoch lieber in die andere Richtung schauten.

Die noch erhaltenden Notizen einer Besucherin von Monticello beschreiben die Unterkünfte der Sklaven als „ärmliche Gasse der Tränen, aber wohl nur für einen Besucher mit nördlichen Gefühlen“. Viele Schriftstücke aus der privaten Sammlung des Gründervaters aber auch Dokumente aus dritten Quellen, die eine andere Seite Jeffersons zeigen, wurden über Jahrzehnte aus den offiziell zugänglichen Schriftsammlungen herausgehalten. So zum Beispiel die pragmatische Rechnung, dass jedes neu geborene Negerkind einen Profit von vier Prozent einbringt und so den Unterhalt der Familie Jefferson sicherstellte.

Die menschenverachtende Einrichtung der Sklaverei ist eng mit der Biografie des Gründervaters Thomas Jefferson verbunden und wird bis heute dennoch gerne bei jeder Gelegenheit ausgelassen beziehungsweise nur kurz, ohne in die Tiefe zu gehen, angesprochen. Lieber schmückt man sich mit Thomas Jefferson als Gründervater, Autor der Unabhängigkeitserklärung, beliebten Präsidenten und Verfechter von Demokratie und Menschenrechten.

Rex Ellis ist einer der Direktoren des National Museum of African American History. Er fasst die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit so zusammen: „Es war ein Sklave, der Thomas Jefferson auf einem Kissen zu seinem Vater brachte, als er geboren war; und es waren Sklaven, die sein Kopfkissen zurechtrückten, als er am 4. Juli 1826 auf Monticello starb“.

Quellen:

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