Wer war Walt Disney?

Walt Disney – als die Mäuse das laufen lernten

Portrait von Walt Disney aus dem Jahr 1938, by New York World-Telegram and the Sun staff photographer: Fisher, Alan, photographer. / Public domain
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Dieser Mann war mehr als nur ein Geschichtenerzähler. Er war der Schöpfer einer Zauberwelt, ein genialer Pionier des Comics und vor allem ein erfinderischer Geist. Walt Disney, in dessen Pass sein bürgerlicher Name als Walter Elias Disney stand, war besessen von der Idee, der Welt etwas nie Dagewesenes und deshalb Einmaliges zu schenken. Und so wurde Walt Disney der Vater vieler unsterblicher Figuren. Ohne die Fülle und ohne die selten erlahmende Kraft seiner Phantasien wären Bambi und Mickey Maus wohl nie erfunden worden.

Steckbrief von Walt Disney

Portrait von Walt Disney aus dem Jahr 1938
Portrait von Walt Disney aus dem Jahr 1938, by New York World-Telegram and the Sun staff photographer: Fisher, Alan, photographer. / Public domain
  • Name: Walt Elias Disney
  • Geburtsdatum: 5. Dezember 1901
  • Geburtsort: Hermosa, Chicago, Illinois, Vereinigte Staaten
  • Eltern: Elias Disney (Vater), Flora Call (Mutter)
  • Ehepartnerin: Lillian Marie Bounds
  • Kinder: Diane Marie Disney, Sharon Mae Disney
  • Todesdatum: 15. Dezember 1966
  • Sterbeort: Providence Saint Joseph Medical Center – Burbank, Burbank, Kalifornien, Vereinigte Staaten
  • Grabstätte: Forest Lawn emorial Park, Glendale, Kalifornien
  • Sternzeichen: Schütze

Familie, Kindheit und Jugend

Eine kanadisch-amerikanische Familie mit adligen Vorfahren

Walt Disney war Amerikaner aus Leidenschaft. Er liebte dieses große Land, fühlte sich ihm verpflichtet und war seiner Heimat stets eng verbunden. In der Millionenstadt Chicago, am Ufer des Michigan Sees, wurde er am 5. Dezember 1901 als Viertes von fünf Kindern einer kanadisch-amerikanischen Familie geboren. Sein Vater Elias hatte irische Wurzeln und einige adlige Vorfahren, die einst im französischen Isigny-sur-Mer beheimatet waren. Walt Disneys Vater dirigierte seine Familie mit patriarchalischer Härte und versuchte sein Glück in diversen Berufen. Mal arbeitete Elias Disney als Unternehmer, dann als Zimmermann und auch als eigenständiger Farmer auf einer Plantage mit Zitrusfrüchten im kleinen Ort Marceline am Missouri.

Mit dem Erlös seiner Plantage erwarben die Disneys eine Zeitung

Elias Disneys Frau Flora Call stammte aus dem Bundesstaat Ohio, wo sie ihren Mann kennen lernte und diesen im Jahr 1888 im sonnigen Florida heiratete. Bevor Walt Disney das Licht der Welt erblickte, hatte seine Familie bereits einige Male einen Ortswechsel vollzogen. Schon in deren sehr jungen Jahren erwartete der strenge Vater von seinen Söhnen, dass sie auf der Plantage kräftig mit anpackten. Doch der Anbau von Obst war in dieser Zeit nicht sonderlich ertragreich. Nach wenigen Jahren gab die Familie Disney ihre Farm auf und verkaufte sie für sechstausend amerikanische Dollar. Worauf alle weiter zogen und schließlich in Kansas City eine Firma erstanden, die eine Zeitung, den Kansas City Star, herausgab.

Zeitungsausträger zu früher Stunde und ein geschenkter Zeichenblock

Für die Kinder aus dem Hause Disney änderte sich allerdings wenig. Zwar schufteten sie von nun an nicht mehr auf den kargen Feldern unter Orangen- und Zitronenbäumen, doch der Patriarch der Familie erwartete von den jüngsten Mitgliedern seiner Familie, dass sie bei Wind und Wetter zu sehr früher Stunde die druckfrischen Exemplare des Kansas City Stars zu den Lesern transportierten. Zu diesem Zeitpunkt hatte Walter Elias Disney längst das in ihm schlummernde Talent und wohl auch eine künstlerische Ader entdeckt. Aus seiner später veröffentlichten Vita ist zu entnehmen, dass es eine Tante war, die ihm eines Tages zum Geburtstag einen Zeichenblock schenkte und damit bei Walt Disney das Interesse am Malen weckte.

Für Auftritte in einem Kabarett gab es zwei Dollar pro Abend

Im Hause des Verlegers Disney war es nicht üblich, Kinder mit Taschengeld zu beglücken, und da es auch für das Austragen der Zeitungen keinen Lohn gab, suchte sich der junge Walt Disney den ein oder anderen Nebenjob. Als dreizehnjähriger Steppke trat er mit seinem Freund Walt Pfeiffer in einem Kabarett auf und erhielt dafür pro Abend zwei Dollar. Aber diese Engagements waren von kurzer Dauer, denn sein Vater hatte mittlerweile seine Sympathien für den Kansas City Star verloren und zog wieder nach Chicago, wo er Anteile an einer Marmeladenfabrik erwarb. Sein Sohn blieb zunächst in Kansas, um dort das Schuljahr zu beenden.

Walt Disney fälschte für den Militär-Eintritt sein Geburtsdatum

Die neu gewonnene Freiheit und die Unabhängigkeit von seinem unerbittlich strengen Vater nutzte Walt Disney auf seine Art. Er nahm an Kursen in einer Kunstschule in Kansas City teil und arbeitete als Verkäufer von Limonaden und Süßigkeiten aller Art, um die Kurse bezahlen zu können. Als er im Herbst 1916 zu seiner Familie nach Chicago zog, bewarb er sich erfolgreich in der dort ansässigen Kunstakademie. Aber in Europa tobte zu dieser Zeit der Erste Weltkrieg, und Walts Bruder Roy diente bereits in der amerikanischen Armee. Eigentlich war Walt Disney zu jung für den Eintritt in den Militärdienst, doch nach einer Fälschung seines Geburtsdatums nahm man ihn auf und setzte ihn als Ambulanzfahrer des Roten Kreuzes in Frankreich ein.

Beginn der Zeichenstudios

Schicksalhafte Begegnung mit einem Zeichner aus Ostfriesland

Im Herbst des Jahres 1919 kehrte Walt Disney in die Vereinigten Staaten zurück. Er hatte die Wirren des Weltkriegs unbeschadet überstanden und war in seinem Willen gefestigt, die Ausbildung zum Zeichenkünstler fortzusetzen. Er bot sich unter anderem beim Kansas City Star als Zeichner an, und versuchte eines Tages sein Glück in einem Filmstudio. Dieser Schritt sollte sein junges Leben verändern und seinem späteren Leben den Stempel aufdrücken. Denn in einem dieser Studios lernte er Ub Iwerks kennen. Der Mann mit dem merkwürdigen Namen stammte aus Ostfriesland und hatte sich schon sehr früh in den USA einen Namen als Trickfilmzeichner gemacht. Um visuelle Effekte zu ermöglichen, tüftelte Ub Iwerks immer wieder an Kameras. Er sollte später einer der wichtigsten Mitarbeiter im Walt Disney-Imperium werden.

Die sich bewegenden Figuren begeisterten das Publikum

Aus der Zufallsbegegnung wurde ein Duo fürs Leben, und bereits während seiner Zeit beim Kansas Art Institute, wo Walt Disney in den Genuss eines Stipendiums gekommen war, arbeitete er mit Ub Iwerks für eine Theaterkette. Beide kreierten werbliche Kurzfilme, die sie „Laugh-O-Grams“ nannten. Diese Streifen wurden zu einem Hit und zu unterhaltsamen Pausenfüllern in den Theatern und Kinos des Unternehmens Paul Newman. In einem dieser frühen filmischen Cartoons wurde für Damenstrümpfe einer ortsansässigen Boutique geworben. Die sich bewegenden Figuren begeisterten das Publikum, und Disney und Iwerks gründeten eine Firma namens Iwerks-Disney Commercial Artists, die später durch das Unternehmen Laugh-O-Gram Films erweitert wurde.

Die „Helden der Leinwand“ sollten keine Pausenfüller sein

Walt Disney war von der Idee besessen, seine Zeichentrickfilme qualitativ zu verbessern. Ihm reichten die einfachen Striche nicht mehr. Vielmehr sollten die von ihm geschaffenen Figuren quicklebendig sein und nicht mehr allein als „Helden der Leinwand“ als Pausenfüller dienen. Nächtelang experimentierte Disney mit seinem Partner Iwerks, um die Bewegungsabläufe so zu gestalten, dass sie dem normalen Leben möglichst nahekamen. Disney vergrub sich in literarische Vorlagen und kam eines Tages auf die Idee, Kurzfilme nach den Inhalten von Märchen zu erstellen. Es entstanden die „Bremer Stadtmusikanten“, „Rotkäppchen“ und „Aschenputtel“. Auch der Stummfilm „Alice’s Wonderland“ überzeugte die meisten Kritiker, doch Aufwand und Ertrag standen in einem krassen Missverhältnis. Und so waren die Firmen der jungen Zeichner in Kansas City nicht von der Pleite zu retten.

Hollywood und Durchbruch

Um die Zugfahrt zu finanzieren, verkaufte er seine Kamera

Es war die Zeit des Umbruchs, und die Verbindung der beiden genialen Künstler fand eine Fortsetzung in Los Angeles. Um die Fahrt mit der Eisenbahn von Kansas City an die Küste des Pazifiks zu finanzieren, verkaufte Walt Disney seine Kamera. Als er in der neuen beruflichen Heimat eintraf, waren nur noch ganze vierzig Dollar in seiner Tasche. Mittlerweile hatte sich jedoch das Talent dieses Duos bis nach Hollywood herumgesprochen. Aber, wie so oft, war auch dieser Anfang mit wirtschaftlichen Problemen verbunden. Dem Duo aus Kansas City fehlten die Anschubmittel für ihr Unternehmen, und das änderte sich auch nicht, nachdem Walt Disneys Bruder Roy als Finanzchef in die neue Firma eingestiegen war. Das Unternehmen hatte vom 16. Oktober 1923 an seinen Sitz im kalifornischen Städtchen Burbank an den Ausläufern der Santa Monica Mountains.

Verkaufsgespräch im geliehenen Anzug und in alten Schuhen

Die Einkünfte blieben allerdings bescheiden, und um jeden Dollar zu sparen, wohnte Walt Disney einige Zeit bei seinem Onkel. Ein erster Lichtblick flackerte am wirtschaftlichen Horizont des jungen Unternehmers, als er auf die Ideen kam, seine in Kansas City produzierten Filme an eine Kinokette zu verkaufen. Mit einem geliehenen Anzug und in ausgetretenen Schuhen kreuzte Walt Disney eines Tages bei dem Inhaber einer Verleihfirma auf und hatte Erfolg. Walt Disney, der häufiger in seiner Garage schlief, die er zu einem Studio umfunktioniert hatte und wo er hin und wieder auch Baby-Fotos für betuchte Familien anfertigte, verkaufte nicht nur einen sondern auf einem Schlag zahlreiche Clips. Es waren zwar immer noch Pausenfüller, doch seine kleinen gezeichneten Figuren hatten die Lacher des Publikums auf ihrer Seite.

Erstes Filmstudio von Walt Disney
Erstes Filmstudio von Walt Disney, by Iknowthegoods at English Wikipedia / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Durchbruch auf einem weiten Weg – ein Vertrag aus New York

Und das erregte die Aufmerksamkeit einer gewissen Margaret Winkler im fernen New York. Dort betrieb auch sie eine florierende Filmvermietung. Und so flatterte in dem bis dahin stets klammen Disney-Büro ein interessantes Angebot auf den Tisch. 1.500 Dollar sollte Walt Disney für jede neue Filmrolle erhalten. Der Jung-Unternehmer überlegte nicht lange und gab spontan seine Zusage. Ohne allerdings zu bedenken, dass die Produktion Geld kosten würde. Doch da waren sein Bruder Roy und mehrere Verwandte die Helfer in der Not. Walt Disney war nunmehr in der Lage, für 35 Euro pro Monat ein kleines Büro zu mieten, und er erfüllte sich den Traum von einer neuerlichen Firmengründung. Er nannte das Unternehmen von nun an „Walt Disney Company“.

„Oswald the Lucky Rabbit“ und der Betrug an Aufführungsrechten

Ausschlaggebend für den Durchbruch auf seinem Weg in Hollywood war für Walt Disney die Tatsache, dass ihm der Vertrag mit dem New Yorker Unternehmen die Abnahme von insgesamt zwölf Filmen seiner Reihe „Alice’s Wonderland“ zusicherte. Doch in den nächsten Jahren klebte ihm das Pech förmlich an den Fingern. In einer Produktion spielte ein lustiger Held namens „Oswald the Lucky Rabbit“ eine Rolle. Disney verkaufte dazu die Aufführungsrechte, doch das „Glücks-Kaninchen“ bescherte ihm kein Glück. Er wurde von seinen Geschäftspartnern betrogen. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde ihm wohl bewusst, dass es auf Dauer nicht ausreichte, ein guter Zeichner zu sein. Von nun an legte er großen Wert auf die Absicherung seiner Rechte.

Die Hochphase der Walt Disney Company

„Es macht mir eine große Freude, das Unmögliche zu wagen“

Doch in der Film-Branche von Hollywood, die zunächst die Art seiner Produktionen eher kritisch beäugte, war Walt Disney Mitte der zwanziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts bereits zu einer Größe erwachsen. Und dies mit gerade einmal 25 Jahren. Als Trickfilmzeichner forderte er die technischen Möglichkeiten seiner Zeit heraus. Manche Beobachter sprachen sogar davon, dass dieser junge Mann die Grenzen des filmischen Schaffens neu definiert habe. „Es macht mir eine große Freude, das Unmögliche zu wagen“, sagte Walt Disney einmal und öffnete für sich und für Millionen Menschen rund um den Globus die Türen zu einer Traumwelt. Er war ein besessener Arbeiter und sich nicht zu schade, für die neue Filmreihe „Alice in Cartoonland“ so eine Art All-Round-Worker zu sein. Regie, den Zeichentrick und die Kameraführung gab er für diese Clips nicht aus der Hand. Als Produzent war er von der Idee eingenommen, sich von Film zu Film qualitativ zu steigern.

Nach dem beruflichen Erfolg fand Disney auch sein privates Glück

Inzwischen war auch sein alter Freund und beruflicher Weggefährte Ub Iwerks nach Hollywood gezogen, um bei Walt Disney zu arbeiten. Die Verträge mit dem Winkler-Filmverleih wurden noch zweimal verlängert, und in den Konten des Unternehmens wurden aus den roten nun schwarze Zahlen. Außerdem fand Walt Disney im Juli 1925 sein privates Glück. Er heiratete Lillian Marie Bounds, die im Indianerreservat Nez Perce in Spalding/Idaho aufgewachsen und die Tochter eines früh verstorbenen Schmieds war. Walt Disney hatte seine Frau als Mitarbeiterin seines eigenen Studios kennen- und lieben gelernt. Lillian Marie Bounds schenkte ihrem Mann nach achtjähriger Ehe die Tochter Diane Marie. Drei Jahre später adoptierte das Paar die Tochter Sharon Mae. Lillian Marie bezeichnete ihren Mann als „liebevollen und verspielten Vater“.

Während einer Zugreise schlug die Geburtsstunde der Mickey Mouse

Eine gemeinsame Zugreise von New York nach Los Angeles sollte das Leben der Disneys noch einmal entscheidend verändern. Walt Disney soll während der langen Fahrt eine Maus auf ein Blatt Papier gekritzelt haben. Er schlug vor, das kleine Tier künftig in seinen Filmen zum Leben zu erwecken und wollte es „Mortimer the Mouse“ nennen. Doch seine Frau Lillian Marie hatte eine andere Idee. „Sie sollte Mickey Mouse heißen…“ Dies war die Geburtsstunde eines Welterfolgs, denn auf seinem Weg zu einem filmischen Denkmal beschäftigte sich Walt Disney intensiv mit dieser neuen Figur. Er verlieh seiner „Mickey Mouse“ eine Art Persönlichkeit und bastelte erfolgreich am Charakter dieser neuen kleinen Heldin.

Disneyland in Los Angeles mit Mickey Mouse
Disneyland in Los Angeles mit Mickey Mouse

Tonfilme mit neuen Techniken und musikalischen Effekten

Walt Disneys Partner Ub Iwerk nahm sich der visuellen Umsetzung der Mickey-Mouse-Filme an, und der erste Streifen namens „Plane Crazy“ wurde nach der Premiere am 15. Mai 1928 zu einem vollen Erfolg. Nachdem in Hollywood durch das Unternehmen Warner-Brothers-Pictures mit „The Jazz Singer“ der erste Tonfilm im Vitaphone-Verfahren auf den Markt kam, war auch Walt Disney bemüht, seine gezeichneten Bilder vor allem durch musikalische Effekte zu ergänzen. Die Suche nach einer völlig neuen Animationstechnik führte mit der Filmreihe „Silly Symphonies“ schließlich zum Erfolg, und von diesem Zeitpunkt an war Walt Disney einer der bekanntesten Filmproduzenten nicht nur in Hollywood. Mit seiner „Micky Mouse“ setzte ein Triumphzug durch die Kinosäle der Welt ein.

Neue Figuren entstanden: Goofy, Kater Karlo und Minnie Mouse

Aber der kometenhafte Aufstieg seines Unternehmens stieg Walt Disney nicht zu Kopf. Er sah sich eher in den Startlöchern seiner Visionen und ruhte sich so gut wie nie auf seinen jungen Lorbeeren aus. Seine Leidenschaft, immer besser und immer erfolgreicher zu werden, trieb ihn an. Und es entstanden in seiner Ideenschmiede weitere Trickfilm-Figuren: Goofy, Kater Karlo, Pluto, Bambi, Minnie Mouse und vor allem Donald Duck. Die ersten Auszeichnungen ließen nicht lange auf sich warten und nach der Produktion von „Flowers and Trees“ gewann Walt Disney seinen ersten „Academy Award“. Längst waren seine lustigen Comic-Figuren auch in den großen amerikanischen Zeitungen für viele Leser die Unterhaltungs-Lektüre beim Frühstück.

Die Idee für die Figur des Donald Duck entstand an einem Ententeich

Für seine Erfindung der „Micky Mouse“ erhielt der Unternehmer und Künstler im Jahr 1932 sogar einen Ehren-„Oscar“. Dass er die Familie Duck erfand, verdankt sein Publikum im übrigen einem Zufall. Es soll im Jahr 1937 gewesen sein, dass Walt Disney auf einer Bank an einem Teich saß und sich beim Schnattern der Enten neue Ideen holte. Daraufhin verpasst er seinem häufig ungeschickten Donald Duck den Rock eines Matrosen und traf einmal mehr damit ins Schwarze. Es war ihm mit den ersten abendfüllenden Filmen in den Kinos gelungen, alle Generationen zu begeistern. Die Eltern folgten ihren Kindern und sahen das Märchen „Schneewittchen und die sieben Zwerge“. Dieser Erfolg überzeugte auch seine letzten Kritiker, die ihn mit dem ersten von insgesamt 26 Oscars auszeichneten. Das ist in der Film-Branche ein Rekord für die Ewigkeit. Allerdings verschlang der Film Produktionskosten in Höhe von 1,75 Millionen Dollar.

Die Sorgen Amerikas während der „Großen Depression“

Seit seiner frühesten Jugend war Walt Disney darauf bedacht, die große Welt der Tiere zu den Figuren seiner Filmwelt zu machen. Der Pionier des Zeichentricks schwamm nun auf einer Welle des Erfolgs, und sein Unternehmen war wie eine sprudelnde Quelle der Lebensfreude. Als die USA nach dem Crash der New Yorker Börse in den dreißiger Jahren von der sogenannten „Großen Depression“ gepeinigt wurden und die Wirtschaft zu erlahmen drohte, war Walt Disney mit seinen Filmen bemüht, den Amerikanern für eine kurze Kinozeit die Sorgen des Alltags zu nehmen. Zwar gingen auch die Erträge seiner Company zurück, doch inzwischen erzielte Disney Gewinne durch ein weltweites Merchandising-Netz. Das Unternehmen scheffelte Millionen.

Zweiter Weltkrieg und Nachkriegsjahre

1935 kaufte Disney in München nicht weniger als 149 Bücher

Das sollte sich mit Beginn des Zweiten Weltkriegs ändern, denn den europäischen Markt konnte Walt Disney nun für einige Jahre nicht mehr bedienen. Einige Zeit wurden bis zu siebenhundert Mitarbeiter der amerikanischen Flugabwehr in den Disney-Studios untergebracht, und die Firma produzierte unter anderen Informationsfilme zu Propaganda-Zwecken. Mit diesen Lehrfilmen hielt sich das Unternehmen einige Jahre über Wasser. Im Jahr 1935 war Walt Disney mit seinem Bruder Roy an Bord des Überseeliners „Normandie“ zu einer Europa-Reise gestartet. Unter anderem hielt sich das Brüderpaar in Baden-Baden, im Schwarzwald und in München auf. An der Isar erwarb er in einer Buchhandlung nicht weniger als 149 Bücher. Die Geschichte hat nie geklärt, ob ein Abstecher nach Berlin geplant war, denn Adolf Hitler galt als ausgesprochener Disney-Fan.

Ein „deutscher Film“ und ein ermordeter jüdischer Regisseur

Zu einem Treffen mit dem italienischen Außenminister Graf Ciano kam es aber bei einem anschließenden Besuch in Rom. Nach der Rückkehr in die USA plante Walt Disney einen abendfüllenden „deutschen Film“. Er nannte den Streifen „Snow White and the Seven Dwarfs“. Hitler soll sich in seiner Residenz auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden diesen Film mehrfach angesehen haben. Dabei gab es bereits Jahre vorher eine deutsch-synchronisierte Fassung, die Disney in Amsterdam in Auftrag gegeben hatte. Regie führte Kurt Gerron, der aus einer wohlhabenden jüdischen Kaufmannsfamilie stammte und 1944 von den Nazis im Konzentrationslager Auschwitz ermordet wurde. Im Jahr 1941 bereiste Walt Disney auf Ersuchen des amerikanischen State Departments einige Länder Südamerikas.

Nach Kriegsende war Disney mit vier Millionen Dollar verschuldet

Bereits während des Zweiten Weltkriegs geriet das Disney-Imperium in eine wirtschaftliche Notlage. Auch deshalb, weil in den vierziger Jahren ein wochenlanger Streik die Studios lahmgelegt hatte. Nach Kriegsende war Disney mit vier Millionen Dollar verschuldet, und die Unternehmensleitung war von nun an bemüht, die Produktionskosten so weit wie möglich zu drosseln. So entstanden unter anderem die Abenteuerfilme „Die Schatzinsel“ und „20.000 Meilen unter dem Meer“. Im Jahr 1953 wurde der Streifen „Peter Pan“ zum ersten großen Nachkriegserfolg. Das galt auch für den ersten abendfüllenden Dokumentarfilm „Die Wüste lebt“. Walt Disneys Unternehmen bewegte sich nun wieder in einem wirtschaftlich stillen Fahrwasser.

Walt Disney in den 1950er Jahren

Schon bald kannte fast jeder Amerikaner sein Gesicht

Mit dem wirtschaftlichen Erfolg betrieb Walt Disney schließlich den Einstieg in einen eigenen Filmverleih. Jetzt genoss er endlich jene Freiheiten, nach denen er sich als Unternehmer ein Leben lang gesehnt hatte. Als das auch in Amerika noch in den Kinderschuhen steckende Fernsehen auf den medialen Markt drängte, war Walt Disney einer der ersten, die nach den Rechten Ausschau hielten. Er schloss mit dem Sender ABC-Paramount Verträge für eine TV-Show mit den Namen „Disneyland“. Walt Disney war bald auf vielen Kanälen zu Hause und sein Gesicht kannte so gut wie jeder in Amerikaner. Er stellte die neuesten Filme vor und erklärte die hohe Kunst der filmischen Animation.

Wernher von Braun und Heinz Haber als Mitarbeiter

Bahnbrechend waren in den fünfziger Jahren auch Walt Disneys Beiträge zur Raumfahrt. Dazu vereinbarte er Zusammenkünfte mit dem aus Deutschland stammenden Pionier Wernher von Braun, der die Filme fachlich begleitete. Außerdem gewann Disney die Mitarbeit des deutschen Physikers Heinz Haber, der das Fernseh-Special „Unser Freund das Atom“ gestaltete. Einer der wichtigsten Schritte nach dem Zweiten Weltkrieg war allerdings die Eröffnung des ersten Disney-Vergnügungsparks in Anaheim bei Los Angeles. Damit erfüllte sich Walt Disney am 17. Juli 1955 einen weiteren lange gehegten Traum. Die Mitarbeiter der Disney Company schätzten vor allem den familiären Geist des Unternehmens und das von seinem Gründer ausgestrahlte besondere Flair.

Die Disneyland Themenparks

Walt Disney öffnete mit seinen Parks die Tore zur Phantasie

Der Disney-Konzern zählte auf dem Höhepunkt seiner Entwicklung mit zweihunderttausend Mitarbeitern zu den vier größten Medienkonzernen der Welt, und nach dem „Disneyland“ in Kalifornien entstand zehn Jahre später das Walt Disney World Resort in Orlando. Im dort angegliederten Themenpark Epcot erleben die Besucher auf engstem Raum eine Welt, die sie sonst vermutlich niemals finden würden. Walt Disney unterstrich dabei häufiger seine soziale Ader, denn er ermöglichte kinderreichen Familien den Zugang zu seinen Freizeitparks. Die gab es dann auch in Paris und in Tokio. Wie in seinen Filmen öffnet Walt Disney in diesen Parks das Tor zu einer Welt der Phantasie.

Schloss im Disneyland in Orlando.
Schloss im Disneyland in Orlando.

Sein Wahlspruch lautete: „Wer aufgibt, hat verloren…“

Zweifellos sind die unternehmerischen Ziele des Walt Disney aufgegangen, doch seine Hoffnung auf ein tragfähiges Modell seiner umfangreichen Geschäfte war stets trügerisch. So gesehen war der Märchenerzähler von einst auch so etwas wie ein Glücksritter und ein Mann, der mit seinen Erfolgen immer wieder den Konzern vor dem Abgrund rettete. Als er wieder einmal mit seinen Visionen am Boden lag, soll er bei nahezu dreihundert Banken angeklopft haben, um für ein Projekt eine Anschubhilfe zu erhalten. Der Legende zufolge sagte dann eine Bank zu und ermöglichte so Millionen Besuchern den Eintritt in eine imaginäre Welt. „Wer aufgibt, hat verloren“, soll Walt Disney einmal gesagt haben. Ein Spruch, der wohl als Leitfaden seines Lebens diente.

Walt Disney und die Politik

War Disney ein Zulieferer des Kommunisten-Jägers McCarthy?

Walt Disney verstand sich nach eigenem Bekunden als amerikanischer Patriot und als ein Mensch, der den Kommunismus verabscheute. Zu den in Hollywood immer einflussreicher werdenden Gewerkschaften hatte der Kettenraucher ein gestörtes Verhältnis. Spätestens von dem Zeitpunkt an, als ihm seine Mitarbeiter in den frühen vierziger Jahren den Rücken kehrten und seine Studios bestreikten. Weitgehend ungeklärt ist auch die These, wonach Walt Disney in den fünfziger Jahren als Informant für das FBI und des Kommunisten-Jägers Joseph McCarthy gearbeitet habe. Politisch stand Walt Disney zweifellos rechts. Er unterstützte die Republikanische Partei und 1966 bei den Gouverneurswahlen seinen alten Freund Ronald Reagan.

Den Erfolg des „Dschungelbuchs“ erlebte er nicht mehr

Das Projekt „Dschungelbuch“ sollte für Walt Disney eine Art Abschiedsgeschenk an seine zahlreichen Anhänger in aller Welt sein.

Er arbeitete mit großer Akribie an den Zeichnungen, wohlwissend, dass das Ende seiner Jahre nahe sei. Er war an Lungenkrebs erkrankt und starb am 15. Dezember 1966 in Burbank. Und damit in jenem kalifornischen Städtchen im San Fernando Valley, wo alles begann. Er hinterließ ein Milliarden-Vermögen, und sein Konzern befindet sich noch immer auf einer Woge des Erfolgs. Im Jahr 2018 stieg der Gewinn auf 12,5 Milliarden Dollar. Den Siegeszug des „Dschungelbuchs“ sollte Walt Disney nicht mehr erleben. Er wurde im Forest Lawn Memorial Park in Kalifornien beigesetzt. Seine Frau Lillian Marie machte sich als Schirmherrin um zahlreiche gemeinnützige Projekte verdient und trug zur Gründung des „California Institute of the Arts“ bei. Sie starb 1997 im hohen Alter von 98 Jahren und wurde an der Seite ihres Mannes beigesetzt.

Häufige Fragen und Antworten

Wie viel Geld hat Walt Disney verdient?

Es begann bescheiden mit wenigen Dollars – am Ende baute Walt Disney mit seinem Imperium ein Riesen-Vermögen auf. 2018 stieg der Gewinn des Unternehmens auf 12,5 Milliarden Dollar.

Wie viele Geschwister hatte Walt Disney?

Walt Disney hatte vier Geschwister – eine Schwester und drei Brüder.

Was bleibt von Walt Disneys Vision?

Als Leitfaden diente ihm der Satz „Wer aufgibt, hat verloren“. Walt Disney hat die Kunst des Trickfilms revolutioniert und viele Menschen mit seinen Filmen und Figuren beglückt.

Wie viele Filme gibt es von Walt Disney?

Bis März 2019 gab es in den Kinos 49 Zeichentrickfilme. 38 stammten als sogenannte „Meisterwerke“ aus der Produktion der Walt Disney Animation Studios, elf aus anderen Abteilungen des Unternehmens.

Wann ist Walt Disney geboren?

Er wurde am 5. Dezember 1901 in Chicago/Illinos als Sohn eines Kanadiers mit irischer Abstammung und dessen Frau Lillian Marie geboren.

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