Rust Belt

Der ehemalige Manufacturing Belt der USA

Der Rust Belt der USA verläuft vom Nordosten der USA bis zum Mittleren Westen.
0

Der Rust Belt („Rostgürtel“), ehemals Manufacturing Belt, ist eine Region, die sich durch Teile des Mittleren Westens und Nordostens der USA erstreckt. Rust Belt bezeichnet die älteste und ehemals größte Industrieregion der USA (früher Manufacturing Belt). Der Begriff gewann Ende der 1970er Jahre in den USA an Popularität.


Der Rust Belt der USA
Der Rust Belt der USA verläuft vom Nordosten der USA bis zum Mittleren Westen.

Key Takeaways:

  • Der Rust Belt („Rostgürtel“) bezieht sich auf die geographische Region vom Bundesstaat New York bis zum Mittleren Westen, die einst von der Industrie dominiert wurde.
  • Die Region erhielt den Namen Rust Belt in den späten 1970er Jahren, nachdem ein starker Rückgang der Industriearbeit zu verlassenen Fabriken führte. Dies führte an den Fabriken zu vermehrter Bildung von Rost durch Witterungseinflüsse, woher der Rust Belt seinen Namen erhielt.
  • Der Rust Belt (ehemals Manufacturing Belt) beherbergte Tausende von Arbeitern in Kohlekraftwerken, in der Stahlproduktion sowie in der Automobil-, Autoteile- und Waffenindustrie.

Was ist der Rust Belt?

Der Rust Belt ist eine Region in den USA, die von seiner rückläufigen Fertigungsindustrie dominiert wird. Der wirtschaftliche Niedergang, der Bevölkerungsrückgang und der Verfall der Städte sorgte für eine tiefgehende Krise des einst boomenden Gebietes.

Betroffene Städte und Regionen zeichnen sich in der Regel durch folgende Faktoren aus:

  • Hohe Arbeitslosigkeit
  • Abnehmende Bevölkerung
  • Sinkende Realeinkommen
  • Soziale Probleme im Zusammenhang mit struktureller Arbeitslosigkeit

Der Rust Belt war einst bekannt für seine blühende Eisen- und Stahlindustrie. Er hat seinen Namen von den verlassenen Fabriken und dem städtischen Verfall erhalten, die die Region seit den 1970er Jahren geprägt haben.

Vor diesem Niedergang im 20. Jahrhundert stand das Gebiet im Mittelpunkt der amerikanischen industriellen Entwicklung und wurde als „Manufacturing Belt“ oder „Factory Belt“ bekannt.

Warum heißt es Rust Belt?

Der Begriff „Rust Belt“ bezieht sich auf die heute verlassenen Fabriken in diesem Gebiet. Der Begriff „Rost Gürtel“ wird oft in einem abwertenden Sinn verwendet, um Teile des Landes zu beschreiben, die einen (drastischen) wirtschaftlichen Rückgang erlebt haben.

Verfallene Fabrik im Rust Belt ("Rost Gürtel")
Verfallene Fabrik im Rust Belt („Rost Gürtel“)

Was bedeutet Manufacturing Belt?

Mit „Manufacturing Belt“ wird die größte und älteste Industrieregion der USA bezeichnet. Der Name Manufacturing Belt ist heute allerdings veraltet. Die Industrieregion wird heute als Rust Belt („Rostgürtel“) bezeichnet.

Wo ist der Rust Belt?

Der Rust Belt erstreckt sich über einen Abschnitt im Nordosten der USA. Das Gebiet reicht vom Osten des Bundesstaates New York über Pennsylvania, Ohio und Michigan bis nach Nord-Indiana und Ost-Illinois sowie Wisconsin.

Der Rust Belt der USA
Der Rust Belt der USA verläuft vom Nordosten der USA bis zum Mittleren Westen.
Hinweis: Es gibt keine genaue Grenze des Rust Belts. Er umfasst in etwa das Gebiet von New York bis zum Mittleren Westen.

Welche Staaten gehören zum Rust Belt?

Der Rust Belt umfasst die Staaten Illinois, Indiana, Michigan, Missouri, New York, Ohio, Pennsylvania, West Virginia und Wisconsin.

Geschichte des Rust Belts

Der nordamerikanische Produktionsgürtel (Manufacturing Belt) entstand zwischen 1830 und 1880. Bis weit in die 1970er Jahre hinein dominierte die in diesem Gebiet angesiedelte Industrie die Beschäftigung im verarbeitenden Gewerbe auf dem Kontinent. Dies machte den Gürtel zu einer von vier Industrieregionen, die zusammen während des größten Teils des 20. Jahrhunderts die weltweite Industrieproduktion dominierten. (Quelle 1)

Bevor das Gebiet unter dem Namen Rust Belt bekannt wurde, war es als Fabrik, Stahl- oder Produktionsgürtel (Factory, Steel oder Manufacturing Belt) des Landes bekannt. Dieses Gebiet war einst ein boomendes Zentrum wirtschaftlicher Aktivitäten und stellte einen großen Teil des industriellen Wachstums und der Entwicklung der USA dar.

Foto von Minenarbeitern der Tamarack Mine in Michigan um 1905
Foto von Minenarbeitern der Tamarack Mine in Michigan um 1905

Die natürlichen Ressourcen, die in diesem Gebiet gefunden wurden, führten zu seinem Wohlstand – nämlich Kohle und Eisenerz. Der Manufacturing Belt wurde darüber hinaus aufgrund seiner Nähe zu den Großen Seen, Kanälen und Flüssen zu einem industriellen Zentrum. Unternehmen erhielten Zugang zu Rohstoffen und einfache Transportmöglichkeiten über die zahlreichen Wasserwege.

Dies führte zum Aufschwung der Kohle- und Stahlwerke, die später die Waffen-, Automobil- und Autoteileindustrie hervorbrachten. Menschen, die Arbeit suchten, zogen in das Gebiet, das sowohl von der Kohle- als auch von der Stahlindustrie beherrscht wurde. Die Schwerindustrie veränderte die Landschaft der Region maßgeblich.

Vom Manufacturing Belt zum Rust Belt

Der Rust Belt (früher Manufacturing Belt) war die Heimat einiger der bedeutendsten Industriezweige Amerikas, wie zum Beispiel der Stahlproduktion und der Automobilherstellung. Die Region war einst als industrielles Kernland bekannt. In den letzten Jahrzehnten hat sie jedoch aufgrund der gestiegenen Kosten für inländische Arbeitskräfte und der kapitalintensiven Fertigung einen starken Rückgang erlebt.

Die meisten Untersuchungen deuten darauf hin, dass der Rust Belt in den späten 1970er Jahren ins Stocken geriet. Die Krise könnte aber auch schon früher begonnen haben. Insbesondere in den 1950er Jahren, als die dominierenden Industrien der Region einem minimalen Wettbewerb ausgesetzt waren. (Quelle 2)

Mächtige Gewerkschaften in der Automobil- und Stahlindustrie sorgten dafür, dass der Arbeitswettbewerb auf ein Minimum beschränkt blieb. Infolgedessen hatten viele der etablierten Unternehmen nur sehr wenige Anreize für Innovationen oder Produktivitätssteigerungen. Dies fiel auf die Region zurück, als sich die Vereinigten Staaten für den Überseehandel öffnete und die Produktion in den Süden verlagerte.

Alte Industrieanlage in Lansing, Michigan
Alte Industrieanlage in Lansing, Michigan

Viele Hersteller verwendeten noch immer teure und veraltete Anlagen und Maschinen und hatten mit den hohen Kosten für einheimische Arbeitskräfte und Materialien zu kämpfen. Um dies auszugleichen, begann ein Großteil von ihnen, sich anderswo nach billigerem Stahl und Arbeitskräften – nämlich aus ausländischen Quellen – umzusehen. Dies führte letztlich zum Zusammenbruch der Region.

Arbeiterjobs sind zunehmend ins Ausland verlagert worden. Die Kommunen wurden gezwungen sich nach neuen Wirtschaftszweigen umzusehen, die für die Region erfolgsversprechender sind. Während es einigen Städten gelang, neue Technologien einzuführen, haben andere noch immer mit steigender Armut und Bevölkerungsrückgang zu kämpfen.

Welche Rolle spielte die Globalisierung?

In den 1980er Jahren sah sich der Rust Belt einem Wettbewerbsdruck im In- und Ausland ausgesetzt und musste Löhne und Preise nach unten drücken. Die lange Zeit der Monopolstellung, spielte beim Untergang des Rust Belt eine entscheidende Rolle. Dies zeigt, dass der Wettbewerbsdruck auf den Produktivitäts- und Arbeitsmärkten wichtig ist, um Unternehmen zu Innovationen zu veranlassen. Wenn diese Anreize schwach sind, wie im Rust Belt, kann dies Ressourcen und Innovationen in wohlhabendere Regionen des Landes treiben.

Einige Wirtschaftswissenschaftler argumentieren, dass Freihandel und Globalisierung den Prozess der „schöpferischen Zerstörung“ beschleunigen. Unternehmen haben es leichter, ihre Produktion weltweit in Gebiete mit niedrigeren Arbeitskosten und größerer Wettbewerbsfähigkeit zu verlagern. Während des Rückgangs der US-Produktion kam es zu einem Anstieg der Importe aus China und Japan, was zu einer geringeren Inlandsnachfrage führte.

Der US-Verbraucher fand billigere Alternativen zu in den USA hergestellten Waren. Die Globalisierung führte auch zu verstärkten Kapitalströmen auf den US-Kapitalmärkten (Aktienmärkte, Staatsanleihen). Dies kam dem US-Dienstleistungssektor zugute, trug jedoch zu einem höheren Dollar und weniger wettbewerbsfähigen US-Industrien bei.

Abwanderung aus der Region

Auch die Bevölkerung der Region ging rasch zurück. Der Rust Belt war einst ein Knotenpunkt für Einwanderer aus dem Rest des Landes und aus dem Ausland war. Die zunehmende Krise führte im Laufe der Zeit zu einer Abwanderung von Menschen aus der Region. Tausende von gutbezahlten Arbeiterjobs wurden abgeschafft, was die Menschen zwang, auf der Suche nach Arbeit und besseren Lebensbedingungen wegzuziehen.

Wieso wurde der Manufacturing Belt zum Rust Belt?

  • Verschiebung des komparativen Vorteils: Mit steigenden Reallöhnen in der Nachkriegszeit wurde die arbeitsintensive Fertigungsindustrie im Vergleich zu den neuen Industrienationen in Asien weniger wettbewerbsfähig. Die Textilindustrie befand sich bereits lange vor den 1970er Jahren in Schwierigkeiten. Der Rückgang des verarbeitenden Gewerbes spiegelt sich in anderen westlichen Ländern, wie zum Beispiel Großbritannien, wider. Die US-Wirtschaft verzeichnete einen Rückgang des Anteils des verarbeitenden Gewerbes am BIP, aber einen Anstieg des Dienstleistungssektors.
  • Verschiebung innerhalb der USA: Während der Rust Belt Arbeitsplätze verlor, verlagerten sich einige Arbeitsplätze im verarbeitenden Gewerbe der USA in den Süden. Ein Grund für diese Verlagerung innerhalb der USA waren vergleichbare Arbeitskosten. Im Nordwesten der USA waren die Löhne tendenziell höher. Dies ist zum Teil auf eine größere gewerkschaftliche Präsenz und eine größere Verfügbarkeit von billigen Arbeitskräften im Süden zurückzuführen.
  • Wechselkursfaktoren: In den 1970er und 1980er Jahren wurde der US-Dollar aufgrund hoher Zinssätze und dem Wunsch von Ausländern, Geld in den US-Finanzsektor zu investieren, zunehmend aufgewertet. Diese Kombination aus attraktiven Zinssätzen und Kapitalgewinnen auf dem Aktienmarkt führte zu einem Anstieg des US-Dollars im Vergleich zu anderen Ländern. Die Aufwertung des Dollars machte die US-Exporte im Vergleich zu anderen Ländern relativ weniger wettbewerbsfähig. Auch Deutschland und Japan hatten beide starke Wechselkurse, aber nicht den gleichen Rückgang im verarbeitenden Gewerbe. Der starke Dollar verschärfte die grundlegenden Probleme der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit.
  • Negativer regionaler Multiplikatoreffekt: Wenn große Stahl- oder Kohlekraftwerke geschlossen werden, hat dies Auswirkungen auf die übrige lokale Wirtschaft. Mit einem Anstieg der Arbeitslosigkeit sinkt die Nachfrage nach lokalen Dienstleistungen – Transport, Nahrungsmittel, Unterhaltung. Viele lokale Arbeitsplätze waren indirekt mit den großen Arbeitgebern des verarbeitenden Gewerbes verbunden. Mit sinkenden Einkommen, steigender Arbeitslosigkeit und Pessimismus bezüglich der Aussichten verließen die Einheimischen oft die betroffenen Städte, um anderswo Arbeit zu suchen. Diese Flucht junger, qualifizierter Arbeitskräfte führte jedoch dazu, dass sich der negative regionale Multiplikatoreffekt noch verstärkte. Zwischen 2000 und 2016 verzeichnete beispielsweise Detroit einen Bevölkerungsrückgang von fast 30%. (Quelle 3)
  • Soziale Probleme: Der Rückgang des verarbeitenden Gewerbes und ein Anstieg der strukturellen Arbeitslosigkeit korrespondierten mit steigenden sozialen Problemen, wie Drogenkonsum und höhere Kriminalitätsraten. Dies führte zu einer weiteren Verringerung der Attraktivität der Gebiete und zu mehr Gründen für die Abwanderung der Menschen.
  • Lokale Finanzen: Der Rückgang der Arbeitsplätze und der Industrie wirkte sich auch auf die kommunalen Finanzen aus. Bei sinkenden Einkommen und Umsätzen gingen die Steuereinnahmen der Kommunen zurück. Die Staaten hatten weniger Mittel für Investitionen und den Aufbau neuer Infrastruktur zur Verfügung.

Wieso ist der Rust Belt heute so wichtig?

Mehrere politische Swing States gehören zum Rust Belt (Pennsylvania, Ohio und Michigan). Daher ist der Rust Belt häufig Thema in der Politik der USA (zuletzt bei den Wahlen 2016 zwischen Donald Trump und Hillary Clinton). Die durch Industriearbeiter geprägte Bevölkerungsstruktur gilt als Hochburg der Demokraten und ist Teil der sogenannten „blauen Wand“.

Die Bewohner der Rust Belt-Staaten spielen bei Präsidentschaftswahlen oft eine entscheidende Rolle. Die Finanzdebatten der Region waren seit den 1980er Jahren ein regelmäßiges und wichtiges Wahlkampfthema. Das war auch bei der Wahl 2016 zwischen Trump und Clinton nicht anders. Der Wahlsieg Donald Trumps wurde von Wahlforschern unter anderem darauf zurück geführt, dass es ihm gelang die „blaue Wand“ durch Wahlerfolge zu durchbrechen. (Quelle 4)

Rust Belt: Trump vs. Clinton 2016

US-Präsident Donald TrumpOhio hat beispielsweise bei den letzten 11 Wahlen den späteren Siegerkandidaten gewählt. Donald Trump gewann hier 2016 mit 51,3 % vor Hillary Clinton 43,2% und wurde letztlich zum 45. Präsidenten der USA gewählt. (Quelle 5) Ein zentraler Punkt war die scheiternde Region des Rust Belts wieder zum Erfolg zu führen.

Weiße Männer aus der Arbeiterklasse sind die wichtigsten Unterstützer von Donald Trump und gleichzeitig die größte Wählergruppe in dieser Region. Und genau an diese Einwohner des Rust Belts appellierte Trump mit seinem Wahl Slogan „Make America Great Again“. Er gewann letztlich in allen drei Swing States Pennsylvania, Ohio und Michigan sowie Indiana und Wisconsin. Lediglich Illinois mit der demokratischen Hochburg Chicago ging an Hillary Clinton.

Quellen:

  1. Midwestern Industrialization and the American Manufacturing Belt in the Nineteenth Century, David R. Meyer in The Journal of Economic History Vol. 49, No. 4 (Dec. 1989), pp 921 – 937
  2. The Domestic Steel Industries Competitiveness Problems
  3. Population Detroit, Michigan Census
  4. The revolt of the Rust Belt: place and politics in the age of anger
  5. Ohio Wahlergebnisse 2016

Erhalte Updates direkt auf dein Endgerät, melde dich jetzt an.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.