Lincoln Memorial

Lincoln Memorial: Ein strenger Mahner aus Marmor

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Das Lincoln Memorial: Ein bisschen streng schaut er ja schon, gleichzeitig jedoch auch mahnend und weise, der Abraham Lincoln aus strahlend weißem Marmor an der National Mall in Washington D.C., umgeben vom weitläufigen Potomac Park.

Lincoln Memorial
Blick auf das Lincoln Memorial

Die National Mall befindet sich in direkter Nachbarschaft des Kapitols und des Weißen Hauses. Gemeinsam mit dem Lincoln Memorial ist die National Mall Teil des National Park & Memorial Parks. Die Prachtallee ist 4,8 Kilometer lang. In unmittelbarer Nähe wird zwei weiteren Präsidenten gedacht. Nach Thomas Jefferson und James Madison ist jeweils eine Straße benannt.

Weitere hier befindliche Denkmäler sind das Veterans Memorial, das National World War II Memorial, das Martin Luther King jr. National Memorial und das Korean War Veterans Memorial. Neun der vierzehn Smithonian Museen befinden sich gleichfalls entlang dieser Pracht- und Parkallee, darunter auch das weltbekannte Air and Space Museum.

Lincoln Memorial: Fakten

  • Eintritt: frei
  • Höhe: 5,8 m
  • Erbaut: 1912 – 1922
  • Fläche: 2.540 m²
  • Baustil: Greek Revival
  • Besucherzahl: 3.639.000 (2015)

Adresse und Öffnungszeiten

  • Lincoln Memorial
  • West Potomac Park
  • Washington D.C.
  • Öffnungszeiten: Durchgehend geöffnet

Lage des Lincoln Memorial

Baustil des Lincoln Memorials

Das Lincoln Memorial gehört zu den bekanntesten und meistbesuchten Attraktionen in Washington. Das Denkmal ehrt Abraham Lincoln, den 16. Präsidenten der USA, der in den Augen vieler Amerikaner neben George Washington, Thomas Jefferson und Franklin Delano Roosevelt als einer der bedeutendsten Präsidenten in der Geschichte der USA gilt.

Der Kongress genehmigte die Kosten für das Denkmal in 1910. Erbaut wurde es zwischen 1915 und 1922. Für den Entwurf zeichnete der Architekt Henry Bacon verantwortlich.

Das historische Bauwerk erinnert stark an die Akropolis in Athen, was jedoch kein Zufall ist, da für das Denkmal der sogenannte Architektur-Stil des Greek Rivals verwendet wurde. Es handelt sich um einen architekturhistorischen Baustil, der vorzugsweise im 18. und 19. Jahrhundert verwendet wurde, um die Architektur der griechischen Antike zu kopieren.

Das Lincoln Memorial erinnert stark an die Akropolis in Athen
Das Lincoln Memorial erinnert stark an die Akropolis in Athen

Das Lincoln Memorial ist geprägt durch 36 dorische Säulen, die die 36 Staaten symbolisieren, die zur Amtszeit Abrahams Lincolns von 1861 bis 1865 die Vereinigten Staaten von Amerika bildeten. Im Laufe der Zeit kamen noch 14 weitere Staaten hinzu. Diese Namen wurden in das Dach des Denkmals beziehungsweise in zwei Tafeln im Boden eingemeißelt. Hier stehen die Namen der beiden der Staatengemeinschaft zuletzt beigetretenen Staaten Alaska und Hawaii.

Zur Bauzeit bestand die Gegend rund um den Potomac-Fluss noch größtenteils aus Sumpfgelände. Daher steht das Bauwerk auf einem zwanzig Meter tiefen Betonfundament. An der Südseite ist Lincolns berühmte Gettysburg-Rede aus dem Jahr 1863, mit der er das demokratische Selbstverständnis der USA zusammenfasste in Stein geprägt. Sie gilt als rhetorisches Meisterwerk und befindet sich auf der linken Seite der Lincoln-Statue unter dem Wandgemälde „Emancipation“ von Jules Guerin.

Statue im Lincoln Memorial
Die Statue im Lincoln Memorial zeigt den 16. Präsidenten der Vereinigten Staaten Abraham Lincoln

Die Statue, die den auf einem Stuhl sitzenden Präsidenten abbildet, ist 5,80 Meter hoch, 175 Tonnen schwer und besteht aus 28 Einzelteilen. Die Hände des Präsidenten ruhen auf einem Fascis, dem Amtssymbol höchster Machthaber im Römischen Reich. Es stellt ein Rutenbündel dar, in dem ein Beil steckt. Auch die Amerikaner übernahmen dieses Symbol als Zeichen staatlicher Gewalt.

Die Nordseite zeigt die Antrittsrede anlässlich Lincolns zweiter Inauguration. An dieser Stelle ist ein weiteres Gemälde von Jules Guerin mit dem Titel „Reunion“ zu sehen. Die Figur besteht aus weißem Marmor. Diese sollte ursprünglich aus Bronze gefertigt werden und drei Meter hoch sein.

Der verantwortliche Bildhauer David Chester French erkannte jedoch schnell, dass diese Figur unter dem von Säulen getragenen Dach der National Hall regelrecht verschwinden würde. Daher entschied man sich für eine 5,80 Meter große Figur aus weißem Marmor, die zudem optisch zu dem weißen Beton der National Hall passte.

Über dem Kopf des Präsidenten ist eine Widmung in Stein gemeißelt, die seine Verdienste um den Amerikanischen Bürgerkrieg und den Sieg der Unionsstaaten würdigt. Die Inschrift lautet:

IN THIS TEMPLE
AS IN THE HEARTS OF THE PEOPLE
FOR WHOM HE SAVED THE UNION
THE MEMORY OF ABRAHAM LINCOLN
IS ENSHRINED FOREVER

Warum ist Abraham Lincoln so wichtig für Amerika?

Abraham Lincoln im Porträt
Abraham Lincoln im Porträt

1860 wurde Abraham Lincoln als 16. Präsident der USA vereidigt. Zu diesem Zeitpunkt war die politische Lage im Land alles andere als entspannt. Schon seit einigen Jahren schwelte der Konflikt um die Sklavenfrage zwischen den Unionsstaaten im Norden und den demokratischen Staaten im Süden.

Während die Nordstaaten die Sklaverei endgültig abschaffen wollten, bestanden die Südstaaten auf die Beibehaltung ihres Status-Quo. Die Plantagenbesitzer in den Südstaaten konnten ihr Geschäftsmodell nur dank der billigen Arbeitskraft der Sklaven aufrechterhalten.

Eines der bedeutendsten Exportprodukte war Baumwolle und die wurde unter schlechten Arbeitsbedingungen von den Sklaven gepflückt. Den Plantagenbesitzern war bewusst, dass mit Abschaffung der Sklaverei und mit Einführung der Lohnarbeit ihre Existenz gefährdet sein würde.

Viele der großen Plantagen waren prächtige Herrenhäuser und die Pflanzerfamilien führten einen aufwendigen Lebensstil. Im Vergleich zu den Nordstaaten war der Süden der USA recht rückständig, denn hier gab es neben den großen Plantagenbesitzern zahlreiche kleine Farmer, die gleichfalls auf die Arbeit von Sklaven angewiesen waren, um überhaupt über die Runden zu kommen.

Neben diesen beiden Gruppen gab es noch Handwerker und kleinere Händler. Insgesamt gesehen waren die Südstaaten im Vergleich zu den industriell geprägten Nordstaaten vergleichsweise rückständig, da sie sich alleine auf landwirtschaftliche Produkte und Sklavenarbeit sowie einen aristokratischen Lebensstil verließen.

Mit Antritt Abraham Lincolns als 16. US-Präsident fand die heftig diskutierte Frage der Sklavenhaltung zum ersten Mal ihren Weg auf die große politische Bühne. Zuerst galt der neue Präsident als gemäßigter Gegner der Sklaverei, der diesbezügliche Änderungen nicht um jeden Preis durchführen wollte.

Moralisch gesehen verabscheute Lincoln die Sklaverei zwar, trat jedoch lange Zeit dafür ein, sich unbedingt an Recht und Gesetz zu halten. Und das war auf Seiten der Südstaatler, denen das Recht auf Sklavenhaltung verfassungsrechtlich zustand.

Eine Ausdehnung auf weitere Staaten wollte Lincoln jedoch verhindern, da er der Meinung war, diese widerspreche dem freiheitlichen Geist und Prinzipien der amerikanischen Revolution in Form des Unabhängigkeitskrieges von der britischen Krone.

Nach den demokratischen Vorgängern aus der Generation der Gründerväter war Abraham Lincoln der erste Präsident aus den Reihen der Republikaner. Ein Jahr nach Lincolns Amtsantritt brach der Amerikanische Bürgerkrieg aus, denn die Sklavenfrage hatte sich mittlerweile so weit zugespitzt, dass nach und nach alle sklavenhaltenden Südstaaten aus der amerikanischen Union ausgetreten waren.

Während es den Südstaaten einzig und allein um die Beibehaltung der Sklaverei ging, hatten die Nordstaatler das erklärte Ziel, die Union, also die nationale Einheit, zu bewahren.

Daher war Lincoln recht pragmatisch ausgerichtet und sagte selbst, er werde keine Anstrengungen scheuen, um die Union zu retten, selbst, wenn das die Beibehaltung der Sklaverei bedeuten würde. Jetzt lautete die Frage dahingehend, ob einzelne Staaten das Recht hatten, aus der Union auszutreten, was die Südstaaten bejahten, denn schließlich sei man dem Staatenbund ja auch freiwillig beigetreten. Weitere Themen betrafen demokratische und Freiheitsrechte, die Lincoln in seiner im Lincoln Memorial verewigten Gettysburg-Rede im Jahr 1863 ansprach.

Nachstellung des Sezessionskrieges
Nachstellung des Sezessionskrieges

Wie der Krieg ausging, ist weitgehend bekannt. Der Präsident führte die Nordstaaten erfolgreich durch den Sezessionskrieg und setzte die Wiederherstellung der Union bei gleichzeitiger Abschaffung der Sklaverei durch. Der Krieg endete im Juni 1865 zugunsten der Nordstaaten.

Diesen endgültigen Erfolg sollte Lincoln allerdings nicht mehr erleben, denn nur weniger Wochen vorher, am 14. April 1865 fiel er während eines Theaterbesuchs mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar dem Attentat eines fanatischen Anhängers der Südstaaten namens John Wilkes Booth zum Opfer.

Dieser erschoss den Präsidenten aus nächster Nähe von hinten in seiner Theaterloge. Der Schuss ging in den Hinterkopf, die Kugel konnte nicht entfernt werden. Einen Tag später erlag der Präsident seiner schweren Schussverletzung.

Seine Präsidentschaft gilt eine der bedeutendsten der amerikanischen Geschichte, denn seine Regierung machte den Weg frei zum modernen, zentral regierten Industriestaat als Basis für den Aufstieg zur Weltmacht des 20. Jahrhunderts.

Der lange Weg zum Lincoln Memorial

Seine erfolgreiche Präsidentschaft, der gewonnene Krieg, die Wiederherstellung der Union, die Abschaffung der Sklaverei und seine außergewöhnlich guten Reden machten Lincoln zum Helden und Vorbild für viele Amerikaner. Durch seinen gewaltsamen Tod wurde er endgültig zur Legende. Da war der Weg zu einem eigenen Denkmal nicht weit. Bis es jedoch soweit war, sollten noch einige Jahrzehnte vergehen.

Im Jahr 1910 wurden die Planungen für die Errichtung eines Lincoln-Denkmals konkret. Die Kongressmänner Joseph G. Gannon und Shelby M. Cullom waren die ersten, die sich für dieses Thema einsetzen und schließlich die Gründung einer entsprechenden Kommission durchsetzten.

Zwei Millionen Dollar wurden bereitgestellt, eine weitere Million sollte bei Fertigstellung folgen. Zahlreiche Ideen wurden besprochen. Sie reichten von einem Highway über eine Pyramide bis zu einer Bronzefigur. Schließlich entschied man sich für die heutige Form.

Überblick über das Lincoln Memorial in Washington D.C.
Überblick über das Lincoln Memorial in Washington D.C.

Die Einweihungsfeier

57 Jahre nach dem Tod des legendären Präsidenten wurde 1915 der Grundstein für das Lincoln Memorial gelegt. Eine kleine Ironie brachte diese ganze Geschichte dann doch mit sich. Mit diesem Denkmal und der damit verbundenen Einweihungsfeier wurde ein Mann geehrt, dessen Name und Präsidentschaft auf immer und ewig für die Sklavenbefreiung und damit auch mit der Gleichberechtigung aller Menschen, ganz gleich, welcher Hautfarbe, steht.

Gleichzeitig wurde einem der Redner, dem Präsidenten des Tuskegee Instituts afroamerikanischer Herkunft ein Platz unter den weißen Ehrengästen verwehrt. Er musste in dem eigens für schwarze Teilnehmer reservierten Bereich Platz nehmen. Diese kleine, heute längst vergessene Anekdote zeigt, das Abraham Lincoln zwar den Weg der Schwarzen aus der Sklaverei in die Freiheit geebnet hat, gleichberechtigt gegenüber der weißen Mehrheit waren sie jedoch längst nicht.

Auch wenn sich die Situation von Menschen afroamerikanischer Herkunft in den USA in vielen Bereichen inzwischen deutlich zum Besseren geändert hat, so sind Rassismus und die damit verbundenen Nachteile für die Betroffenen immer noch weit verbreitet. Daher ist der Abraham Lincoln aus strahlend weißem Marmor auch immer wieder Zeuge historischer Ereignisse der Bürgerrechtsbewegung geworden.

Ganz gezielt wählte Martin Luther King das Lincoln Memorial als Veranstaltungsort für seine weltberühmte, emotionale Rede „I have a dream“, während des Marschs auf Washington am 28. August 1963, an dem viele weiße und schwarze Prominente teilnahmen. Denn dieser Tag war gleichzeitig der 100. Jahrestag der Emanzipations-Proklamation.

Martin Luther King Gedenktafel: Marsch auf Washington
Eine Gedenktafel für den Marsch auf Washington vor dem Washington Monument

Das Lincoln Memorial heute

Auch eine unsterbliche Legende kommt mit der Zeit jedoch in die Jahre, zumindest, wenn sie in Marmor verewigt wurde. Das Lincoln Memorial wird Dank einer Spende eines amerikanischen Millionärs in Hohe von 18,5 Millionen US-Dollar in den nächsten Jahren saniert, um die ersten Alterserscheinungen zu kaschieren.

Blick auf das Lincoln Memorial heute
Blick auf das Lincoln Memorial heute

Der mit dem Lincoln Denkmal verbundene Buchladen und die Ausstellungsfläche sollen vergrößert werden. Die zwanzig Meter tiefen Betonfundamente sollen zudem so offengelegt werden, dass sie den Besuchern erstmals zugänglich sein werden. Diese Absicht hat einen historischen Grund, denn Lincolns Gäste würden zum Mal Kohlezeichnungen sehen, die Arbeiter während der siebenjährigen Bauzeit angefertigt haben und dort, wahrscheinlich einfach aus einer guten Laune heraus, dort hinterlassen haben.

Diese Zeichnungen enthalten auch Karikaturen des damaligen Präsidenten Howard Taft und des Architekten Henry Bacon. Besucher finden den majestätisch wirkenden Abraham Lincoln aus Marmor am westlichen Ende der National Mall. Damit untersteht das Denkmal dem National Park Service, dessen Mitarbeiter täglich in der Zeit von 09:30 bis 22:00 im Einsatz sind.

Quellen:

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