Wer war Harry S. Truman?

Ein Präsident mit Sehschwäche und Durchhaltevermögen

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Harry S. Truman war der 33. Präsident der Vereinigten Staaten und zuvor Vizepräsident unter Franklin D. Roosevelt. In seine Amtszeit fallen unter anderem die Atombombenwürfe auf Japan und der Beginn des Kalten Krieges mit der Sowjetunion.

Harry S. Truman
Steckbrief: Harry S. Truman

Steckbrief: Harry S. Truman

  • Name: Harry S. Truman
  • Geburtsdatum: Donnerstag, 8. Mai 1884
  • Geburtsort: Lamar, Missouri, USA
  • Eltern: John Anderson Truman (Farmer), Martha Ellen Young Truman (Hausfrau)
  • Ehefrau: Bess Wallace (1885 – 1982)
  • Kinder: Mary Margaret Truman Daniel (1924 – 2008)
  • Todesdatum: Dienstag, 26. Dezember 1972
  • Sterbeort: Kansas City, Missouri, USA
  • Grabstätte: Harry S. Truman Library and Museum, Independence, Missouri, USA
  • Sternzeichen: Stier

Wofür steht das „S“ in Harry S. Truman?

Das „S“ in Harry S. Truman steht nicht für einen zweiten Vornamen, sondern als Initial für die Vornamen seiner beiden Großväter Anderson Shipp Truman und Solomon Young. Zu dieser Zeit war es insbesondere im Süden der USA üblich, mit einem zweiten Vornamen seinen Vorfahren zu gedenken. Die Eltern von Harry S. Truman konnten sich allerdings nicht für „Shipp“ oder „Solomon“ entscheiden, womit sie dem jungen Harry lediglich das Initial S. gaben.

Geburt und frühe Jahre

Der 33. Präsident der USA, Harry S. Truman, lebte schon als kleiner Junge im Weißen Haus. Allerdings war dieses Haus nicht der weltberühmte Amtssitz aller US-Präsidenten in Washington, sondern eine kleines weißes Farmhaus in Lamar, Missouri, wo er 1884 in einfache Verhältnisse hineingeboren wurde. Nichts schien zu diesem Zeitpunkt darauf hinzudeuten, dass diesem kleinen Jungen, der noch dazu unter extremer Kurzsichtigkeit litt, einmal zum mächtigsten Politiker der Welt aufsteigen würde.

Harry S. Truman als 13-jähriger Junge (ca. 1897), Hare Studios of Independence, Missouri [Public domain], via Wikimedia Commons
1890 zogen die Trumans nach Independence, Missouri. Harrys Vater war Farmer und seine Mutter Hausfrau. In seiner neuen Heimat besuchte der junge Harry die Highschool, die er 1901 erfolgreich abschloss. Sein Markenzeichen war die runde, randlose Brille, die er aufgrund einer starken Fehlsichtigkeit tragen musste.

Durch dieses Handicap wurde der junge Truman schnell zum Außenseiter, denn er konnte nicht so mit den anderen Jungen herumraufen, wie er das gerne getan hätte. So fiel es ihm schwer, Freundschaften zu schließen und er war aus Sicht der anderen Jungen etwas seltsam. Seine Mutter ermutigte ihn jedoch, seine Sehschwäche zu akzeptieren und sich Beschäftigungen zuzuwenden, die er auch mit einer Brille ausüben konnte.

So entwickelte Harry S. Truman eine große Leidenschaft für das Lesen und die Musik. Nach einiger Zeit verkündete er stolz, jedes Buch in der Independence Public Library gelesen zu haben. Ferner zeigte sich sein musikalisches Talent und schon bald lerne der Junge, Piano zu spielen. Diese kulturelle und musische Beschäftigung war für die ländliche, hart arbeitende Bevölkerung eher untypisch.

Seine frühe Leidenschaft für das Lesen und die Musik sollte sich jedoch als positiver Wegweiser herausstellen, denn Harry S. Truman war ein exzellenter Schüler. Nach seinem Schulabschluss 1901 besuchte er zunächst eine kaufmännische Schule, denn ein College, das viele gleichaltrige Jungen besuchten, konnten sich die Trumans für ihren Sohn nicht leisten. Eine andere Option wäre ein staatliches Stipendium für die renommierte Militärakademie Westpoint gewesen, das Truman aufgrund seiner guten Noten sicherlich bekommen hätte. Seine starke Fehlsichtigkeit hinderte ihn jedoch daran, diese Laufbahn einzuschlagen.

Mit einem Trick an die Kriegsfront nach Europa

Nachdem sich Truman Senior mit einem Spekulationsgeschäft mit Weizen übernommen hatte, war das bescheidene Kapital, das die Familie besaß, verloren. Sein Sohn kehrte auf die elterliche Farm zurück, um seinen Vater in dieser krisenbehafteten Zeit zu unterstützen.

In den Jahren 1903 bis 1906 arbeitete Truman als Bankangestellter, unterstützte seinen Vater jedoch weiterhin bei der Farmarbeit. Parallel trat er 1905 der Nationalgarde bei, denn er hoffte, über diesen Umweg doch noch auf eine militärische Laufbahn. Allerdings stand ihm auch hier seine starke Fehlsichtigkeit im Wege, denn schon bald wurde er ausgemustert.

In den kommenden Jahren versuchte sich Truman an mehreren Geschäftsmodellen, die sich jedoch als wenig erfolgreich erwiesen. Nach dem Tod seines Vaters 1914 übernahm Harry S. Truman die elterliche Farm. Seine Arbeit als Farmer erwies sich als erfolgreicher als seine vorherigen Versuche, Geld zu verdienen.

Mit der landwirtschaftlichen Arbeit konnte der junge Farmer ein bescheidenes Einkommen erwirtschaften. Auch zu diesem Zeitpunkt sah es so aus, als wäre diesem jungen Mann mit der charakteristischen Brille keine große Zukunft beschieden.

Amerika tritt in den Ersten Weltkrieg ein

Diese Annahme sollte sich ändern, denn eine militärische Laufbahn rückte nun doch noch wieder in den Mittelpunkt seines Lebens. Zum ersten Mal sollte ihn seine Fehlsichtigkeit nicht mehr darin hindern, die Uniform der US-Army zu tragen. 1917 tobte der Erste Weltkrieg noch mit voller Wucht in vielen Teilen Europas, allen voran an der Westfront in Frankreich. In diesem Jahr griffen die USA in das Kriegsgeschehen auf der anderen Seite des Atlantiks ein.

Zu diesem Zeitpunkt war Amerika zwar noch nicht die wichtige zentrale Weltmacht wie 25 Jahre später zu Zeiten des Zweiten Weltkrieges, dennoch markierte der Eingriff in diesen Waffengang eine entscheidende Wendung auf den Schlachtfeldern. Erst 1917 konnte Präsident Woodrow Wilson dem Kongress eine Mehrheit abringen, um dem wilhelminischen Deutschland den Krieg zu erklären.

Bis dahin hatte sich Amerika hauptsächlich mit sich selbst beschäftigt und die meisten Bürger standen aufseiten der sogenannten Isolationisten. Sie lehnten eine Einmischung in das Kriegsgeschehen im fernen Europa ab, weil mehrheitlich die Meinung bestand, dieser Konflikt gehe sie nichts an.

Verschiedene Aktivitäten Deutschlands, die auf der großen diplomatischen Weltbühne auf Ablehnung stießen, ließen die Stimmung der amerikanischen Bevölkerung und der Kongressabgeordneten jedoch kippen. Präsident Wilson bekam seine Mehrheit und erklärte Deutschland den Krieg.

Freiwilliger Kriegseinsatz 1917

Harry S. Truman im Ersten Weltkrieg
Harry S. Truman im Ersten Weltkrieg, None listed, unknown [Public domain], via Wikimedia Commons
Der junge Harry S. Truman sah nun seine Chance gekommen und meldete sich freiwillig zum Kriegseinsatz. Allerdings wunderten sich nicht wenige Zeitgenossen darüber, wie er es schaffte, trotz seiner starken Fehlsichtigkeit zum Kriegseinsatz in Europa herangezogen zu werden. Mit einem Trick bestand er den Sehtest, den er vor die Aufnahme in die US-Army absolvieren musste. Ohne Wissen des Prüfers beschaffte er sich die Buchstaben, die er auf der Tafel ablesen musste und lernte die Reihenfolge auswendig.

Mit Erfolg, denn schon kurze Zeit später befand er sich im Fronteinsatz in Europa. Bis zum Waffenstillstand am 11. November 1918 blieb er im Einsatz und verließ die Armee ein Jahr später im Rang eines Hauptmannes. Im Sommer 1919 heiratete er Bess Wallace, die er schon seit seiner Jugendzeit kannte. Aus dieser Ehe ging 1924 eine Tochter, Margaret, hervor. Nach seiner militärischen Laufbahn versuchte er sich erneut als Geschäftsmann und eröffnete zusammen mit einem Freund ein Herrenbekleidungsgeschäft, das jedoch nicht erfolgreich war. 

Politische Anfänge und erfolgreiche Entwicklung

Er war ein großer Anhänger der fortschrittlichen Politik von Präsident Woodrow Wilson, die ihn auch zum freiwilligen Kriegseinsatz bewogen hatte. Trumans Weg führte ihn schon bald zur demokratischen Partei, wo er durch das einflussreiche Senatsmitglied Tom Pendergast gefördert wurde. Von 1922 bis 1929 trat er aktiv in das politische Geschehen ein und wurde zum Presiding Judge von Jackson County gewählt. Es handelte sich dabei jedoch nicht um die juristische Tätigkeit eines Richters, sondern um das Amt eines kommissarischen Verwalters, das ungefähr dem Amt des deutschen Landrates entspricht. Da die Mittel für den Ausbau der ländlichen Infrastruktur aufgrund des Ausbruchs der Weltwirtschaftskrise 1929 letztendlich begrenzt waren, endete Trumans Amtszeit in diesem Jahr.

1933 kreuzten sich die Wege von Harry S. Truman und Präsident Franklin D. Roosevelt zum ersten Mal. Schon ein Jahr vorher hatte sich Truman als loyaler Unterstützer des neu gewählten Präsidenten und seinem erfolgreichen politischen Programm des New Deal erwiesen.

Als Geschäftsmann war Truman wenig erfolgreich, in politischen Ämtern erwies er sich jedoch stets als richtiger Mann am richtigen Ort. 1932 hatte er einem maßgeblichen Anteil an dem Erfolg der demokratischen Partei, dessen Kandidat schließlich zum neuen Präsidenten der USA gewählt wurde.

Nach einigen erfolgreichen politischen Tätigkeiten wurde Truman 1935 mit 50 Jahren als Senator in den US-Kongress gewählt. Auf der politischen Bühne in Washington wurde er zunächst mit Misstrauen betrachtet, denn er hatte den Beinamen „Senator von Pendergast“. Die politische Laufbahn des ehemals einflussreichen Pendergast war mittlerweile aufgrund von Steuerhinterziehung und Verbindungen zur Mafia beendet.

Diese unschöne Entwicklung schwächte Truman vorübergehend. Dennoch schaffte er es, sich bei den entsprechenden Wahlen wiederholt gegen seine Widersacher durchzusetzen. Er trat entschieden für die Regierungspolitik des New Deal von Präsident Roosevelt ein, bis 1940 seine Wahl in den US-Senat erfolgte. Obwohl er sich stets als loyaler Unterstützer Roosevelts zeigte, gehörte er jedoch nie zum engsten Kreis der Vertrauten des Präsidenten.

Amerika entwickelt sich zur Weltmacht

Bei Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wandte sich Truman verstärkt den außenpolitischen Problemen zu und übernahm den Vorsitz im Senat. Mit seinem New Deal-Programm hatte Roosevelt Amerika recht erfolgreich durch die schwere Zeit der sogenannten Great Depression, der großen Depression, geleitet. Der Mann im Rollstuhl schaffte es immer wieder, eine positive Grundstimmung in der amerikanischen Bevölkerung zu schaffen. Er war so beliebt, dass er bis heute der einzige Präsident mit mehr als den obligatorischen zwei Amtszeiten von je vier Jahren ist. Er absolvierte volle drei Amtsperioden mit einer Zeit von 12 Jahren.

Im Januar 1945 begann Roosevelts vierte Amtszeit. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Amerika zu einer Weltmacht entwickelt, die massiv von dem Kriegsgeschehen in Europa, Afrika und einigen asiatischen Ländern profitierte. Die amerikanische Kriegsmaschinerie war im vollen Gang, denn die USA lieferten Kriegsgüter im Wert vieler Milliarden Dollar an seine Kriegsverbündeten, allen voran an Großbritannien. Die einstige Weltmacht zur See war längst nicht mehr so einflussreich wie noch vor wenigen Jahren. Auch finanziell war Großbritannien durch den Krieg arg gebeutelt.

Die Geschichte hatte sich nun umgekehrt, denn nun war es Amerika, das dem ehemaligen Mutterland, gegen das es noch zweihundert Jahre zuvor einen blutigen Unabhängigkeitskrieg geführt hatte, finanziell und materiell unter die Arme griff und ab 1944 schließlich aktiv in das Kriegsgeschehen in Europa eingriff.

Ohne diese Hilfeleistung und die Anlandung der amerikanischen Streitkräfte in der französischen Normandie am sogenannten D-Day wäre Großbritannien nicht mehr lange in der Lage gewesen, sich gegen Hitler-Deutschland und dessen Kriegsverbündeten durchzusetzen. Zumindest hätte der Krieg jedoch wesentlich länger gedauert als bis Anfang Mai 1945, als zumindest in Europa ein Waffenstillstand geschlossen wurde und Hitler-Deutschland besiegt war.

Roosevelt Truman Wahlplakat 1944
Wahlplakat der Demokraten von 1944 mit Roosevelt und Truman, Ianlopez12 [Public domain], from Wikimedia Commons
Im Zuge dieser Entwicklungen wurde auch Trumans Tätigkeit im Senat immer wichtiger. Seinen Ruf als Senator von Pendergasts Gnaden hatte er mittlerweile abgelegt. 1944 entschied die Demokratische Partei Harry S. Truman als „Running Mater“ Roosevelts in den nächsten Präsidentschaftswahlkampf zu schicken. Bisheriger Vizekanzler war Henry A. Wallace, der Roosevelt auch persönlich nahestand. Ihn wollte Roosevelt auch für die nächste Amtsperiode in dieser Position sehen. Wallace erfreute sich jedoch nicht gerade einer großen Beliebtheit in der demokratischen Partei, denn seine Amtsführung galt als zu linkslastig und zu nachgiebig gegenüber dem Diktator der Sowjetunion, Joseph Stalin.

Roosevelt musste dem Druck seiner Partei schließlich nachgeben und Truman als seinen Running Mate akzeptieren. Das Verhältnis der beiden Männer blieb höflich, aber distanziert. Als Truman schließlich Vizepräsident unter Roosevelt wurde, hätte sich dieses Verhältnis zumindest im Rahmen der Amtsführung ändern müssen. Roosevelt war jedoch ein Machtmensch, der nicht daran dachte, seinen Vizepräsidenten in seine Amtsgeschäfte einzuweihen. So kam es, dass Truman selbst über die wichtigsten Gegebenheiten wie zum Beispiel das streng geheime Manhattan-Projekt zur Entwicklung der Atombombe, nicht Bescheid wusste.

Tod Roosevelts und erste Amtszeit

Als Präsident Roosevelt 82 Tage nach Übernahme seiner vierten Amtszeit nach längeren gesundheitlichen Beschwerden Anfang April 1945 starb, wurde Harry S. Truman der 33. Präsident der USA. Als ihm seine Frau über den Tod des Präsidenten informierte, bekannte er später, habe er sich gefühlt wie auf dem Mond, da er über die Amtsgeschäfte praktisch keinerlei Informationen hatte. Hinzu kam der große Schatten Roosevelts, der Amerika recht erfolgreich und sozialverträglich durch die schwierigen Jahre der Weltwirtschaftskrise und des Zweiten Weltkrieges geführt hatte.

Harry S. Truman Amtseid 1945
Harry S. Truman beim Amtseid am 12. April 1945, National Archives and Records Administration [Public domain]
Truman musste sich das Vertrauen der amerikanischen Bevölkerung und der politischen Elite in Washington erst noch erarbeiten. Auf der anderen Seite galt er jedoch als hart arbeitender und ehrlicher Mann, dem man bereit war, eine Chance zu geben. Es gelang Truman schließlich, sich in die Amtsgeschäfte einzuarbeiten, die ihm während der Zeit Roosevelts verborgen geblieben waren. Trumans Präsidentschaft war geprägt durch die Neuordnung Europas nach dem Zweiten Weltkrieg, denn nun galt es, zu entscheiden, wie mit dem ehemaligen Hitler-Deutschland und mit der Sowjetunion umzugehen war.

Eine weitere Herausforderung war die Beendigung des Zweiten Weltkrieges im Pazifikraum und der Waffenstillstand mit dem unterlegenen japanischen Gegner. Truman legte dem Kongress ein neues Sozialprogramm vor, dass weit über die Grenzen des New Deals hinausging. Er wollte soziale Errungenschaften und Verbesserungen für die ganze amerikanische Gesellschaft, scheiterte jedoch an dem Widerstand der Republikaner im Kongress und Senat. Dieses Programm der Civil Rights verfolgte er jedoch über die nächsten Jahre. Er erlitt einige Rückschläge, da er sich erneut nicht durchsetzen konnte.

Harry S. Truman Kapitulation Japan
Am 14. August 1945 gibt der Präsident im Oval Office die Kapitulation Japans bekannt, National Archives and Records Administration [Public domain]
Das nächste Problem war, die Kriegsmaschinerie zurückzubauen und die zivile Produktion wieder anzukurbeln. Dieses Vorhaben erwies sich jedoch als schwierig, denn über die ersten Jahre nach Kriegsende waren Konsumgüter des alltäglichen Lebens praktisch nicht verfügbar und die amerikanische Industrie musste auf die Milliardeneinnahmen aus der Kriegsproduktion verzichten.

Ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung musste den sprichwörtlichen Gürtel enger schnallen. Der Frust über diese Entwicklung entlud sich auch über Präsident Truman, dem plötzlich die Fähigkeit, das Land erfolgreich durch diese Krise zu führen, abgesprochen wurde. Truman erwies jedoch Durchhaltevermögen und ließ sich nicht von seinem Weg abbringen. Nach wie vor war er der stärkste Befürworter des Sozialprogramms des New Deals, was er auch in verschiedenen öffentlichen Reden kundtat.

Trotzdem verschlechterte sich die wirtschaftliche Situation Amerikas, das noch durch die Jahre der Vollbeschäftigung während des Krieges und dem damit verbundenen Wirtschaftswachstum verwöhnt war. Massenhafte Streiks führten zu Versorgungsengpässen und eine rasch steigende Inflation führte auch nicht gerade zu einer Verbesserung des politischen Klimas. Eine seiner wegweisenden Entscheidungen war die Unterzeichnung der Executive Order zur Aufhebung der Rassentrennung in den amerikanischen Streitkräften.

Die zweite Amtszeit

Da er lediglich aufgrund von Roosevelts Tod in das Amt des Präsidenten gekommen war, trat er 1948 für die Wahl einer zweiten Amtszeit an, denn er wollte die Legitimation der Wähler einholen. Kaum einer traute ihm zu, die Präsidentschaftswahlen aufgrund seiner sinkenden Popularitätswerte zu gewinnen.

Schließlich wurde er von der Demokratischen Partei jedoch als Präsidentschaftskandidat nominiert. Er bereiste praktisch das ganze Land und hielt mehr als 200 Wahlkampfreden, die jedoch als Zweckoptimismus abgetan wurden. Dennoch setzte er sich in den Wahlen überraschend gegen seinen Mitbewerber mit einer knappen Mehrheit von vier Prozent durch.

Harry S. Truman Rede zweite Amtszeit
20. Januar 1949: Harry S. Truman bei seiner Rede nach der Eidesleistung vor dem Kapitol, UnknownUnknown author [Public domain], via Wikimedia Commons
Trumans zweite Amtszeit war geprägt durch das Wettrüsten des Kalten Krieges mit der Sowjetunion, den Wiederaufbau Westeuropas und Deutschlands durch den Marshallplan, die Neuordnung der Welt und durch den Koreakrieg. Innenpolitisch verfolgte er weiter das Sozialprogramm des New Deals, das er nun als Fair Deal bezeichnete. Er war der Wegbereiter für eine faire Sozialpolitik, die jedoch erst in den 1960er-Jahren durch seine Amtsnachfolger John F. Kennedy und Lyndon B. Johnson verwirklicht werden konnten.

Eine unerfreuliche Entwicklung war die sogenannte McCarthy-Ära. Der erzkonservative Senator Joseph McCarthy eröffnete eine regelrechte Hexenjagd auf Kommunisten und vermeintliche Kommunisten, die sich durch alle Gesellschaftsschichten zog und zahlreiche berufliche und private Existenzen vernichtete. Obwohl Harry S. Truman sich öffentlich gegen diese Entwicklung aussprach, wurde ihm dennoch angelastet, zu wenig dagegen zu tun.

Ende der zweiten Amtszeit und Privatleben

1952 endete seine zweite Amtszeit. Wie Roosevelt, hätte er als letzter Präsident noch eine dritte Amtszeit anstreben können, bevor diese auf zwei Amtsperioden begrenzt wurde. Er entschied sich jedoch dagegen und zog sich ins Privatleben zurück. Er verfasste seine Memoiren und widmete sich dem Aufbau der Harry S. Truman Presidential Library and Museum. Er war der erste Präsident, der für seine Tätigkeit als Staatsoberhaupt der USA eine Pension erhielt. Dieses neue Gesetz wurde mit dem Former Presidents Act geschaffen, nachdem die angespannte finanzielle Lage Trumans bekannt wurde.

Politisch trat er nicht mehr häufig in Erscheinung. Im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen 1960 äußerte sich jedoch kritisch gegenüber der Kandidatur John F. Kennedys, den er für jung und unerfahren für dieses Amt hielt. Nach Kennedys Wahl zum Präsidenten unterstützte er jedoch dessen liberale Politik, die sich mit seiner eigenen politischen Ausrichtung deckte.

Politisches Erbe und Nachleben

Als er sich 1952 von der politischen Bühne verabschiedete, galt er als einer der unbeliebtesten Präsidenten der amerikanischen Geschichte. Einige Jahre nach Beendigung seiner politischen Laufbahn und nach seinem Tod 1972 änderte sich diese Auffassung jedoch. Mit dem Abstand von einigen Jahren war Amerika wieder bereit, Harry S. Truman objektiv zu beurteilen.

Auch außerhalb Amerikas wurde ihm Anerkennung zuteil. Er war maßgeblich am Wiederaufbau Westeuropas und speziell Deutschlands beteiligt. Ohne politische Programme wie dem Marshall-Plan wäre das beträchtliche Wirtschaftswachstum jenseits des Atlantiks nicht möglich gewesen. Die Verwirklichung dieses Wiederaufbauprogramms erfolgte aufgrund der Truman-Doktrin, mit der er den Grundsatz der amerikanischen Außenpolitik festlegte, dass sich Amerika in der Pflicht sah, allen freien Völkern weltweit im Fall der Unterdrückung durch Waffengewalt und anderen äußeren Einflüssen beizustehen.

Innenpolitisch erfahren insbesondere seine ausdauernden Bemühungen um die Bürgerrechte (Civil Rights) Anerkennung. Historisch bedeutsam ist sein unerwarteter Wahlsieg bei den Präsidentschaftswahlen 1948. Kontrovers diskutiert wird dagegen seine Entscheidung für den Abwurf der beiden Atombomben über Japan.

Zu Ehren Trumans wurde der achte Flugzeugträger der Nimitz Klasse der US-Navy nach ihm benannt. Der USS Harry S. Truman wurde am 29. November 1993 auf Kiel gelegt und am 7. September 1996 getauft.

Zitate von Harry S. Truman

Wenn man erfolgreich ist, dann überschlagen sich die Freunde, aber erst wenn man Misserfolg hat, dann freuen sie sich wirklich.

– Harry S. Truman

 

Amerika wurde nicht, aus Angst erbaut. Amerika wurde, aus Mut, Vorstellungskraft und aus einer unschlagbaren Entschlossenheit, den Job von Hand, zu erledigen, erbaut.

– Harry S. Truman

 

Meine Familie und ich können auch ohne dieses große weiße Gefängnis, genannt Weißes Haus, glücklich sein.

– Harry S. Truman

 

Wann immer man eine effiziente Regierung hat, ist es eine Diktatur.

– Harry S. Truman

 

Wir werden sie weiter benutzen, bis wir Japans Macht, Krieg zu führen, vollständig zerstört haben.

– Harry S. Truman

 

Die Erfahrung hat gezeigt, wie tief die Samen des Krieges in ökonomischen Rivalitäten und sozialer Ungerechtigkeit verwurzelt sind.

– Harry S. Truman

 

Ein Pessimist, ist jemand der Schwierigkeiten, aus seinen Gelegenheiten, macht und ein Optimist, ist jemand, der Gelegenheiten, aus seinen Schwierigkeiten macht.

– Harry S. Truman

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