Was ist der New Deal?

Roosevelts Visionen in einer Weltwirtschaftskrise

Hoover und Roosevelt auf dem Weg zur Amtseinführung, by Photograph from Architect of the Capitol, AOC no. 18241 [Public domain]
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Franklin Delano Roosevelt – dieser amerikanische Politiker war zweifellos ein ebenso unbeugsamer wie unverbesserlicher Optimist. Denn er übernahm am 4. März 1933 das Amt des US-Präsidenten in einer Zeit, als sich sein Land in einer verheerenden wirtschaftlichen Notlage befand. Die Amerikaner waren auf der Suche nach einem Wunderheiler und fanden in Roosevelt einen Mann mit Visionen. Als nicht wenige seiner Landsleute ihre Zweifel am Fortbestand des kapitalistischen Wirtschaftssystems hegten, erblickte Roosevelt einen rosaroten Schimmer am dunklen Horizont. Sein Reform-Programm nannte er „New Deal“, und damit schrieb der amerikanische Präsident Geschichte.

 

Entwicklung des New Deals

„Diese große Nation wird weiter bestehen, aufblühen und gedeihen“

An jenem kühlen März-Tag des Jahres 1933 lauschten Hundertausende vor dem Kapitol in Washington der Antrittsrede ihres neuen Präsidenten. Millionen hielten an den Radiogeräten den Atem an, als Franklin D. Roosevelt ihnen allen Mut zusprach. „Diese große Nation wird weiter bestehen wie bisher. Sie wird aufblühen und gedeihen“. Dies waren Worte, die den in der Finanzkrise notleidenden Menschen unter die Haut gingen. Und der neue mächtige Mann im Weißen Haus sagte auch: „Das Glück besteht nicht im bloßen Geldbesitz. Es besteht im Stolz auf das Geleistete und in der Freude an kreativer Tätigkeit.“ Roosevelt ermunterte die Amerikaner, dass sie in ihrer „hektischen Jagd nach dem vergänglichen Gewinn“ nicht die Freude an ihrer Arbeit verlieren sollten.

First New Deal (1933-1934)

Der größte Umbruch in der Geschichte der Vereinigten Staaten

Franklin Delano Roosevelt war bemüht, Antworten auf die grassierende Weltwirtschaftskrise zu finden. Nach der Amtsübernahme verkündete er seinen engsten Mitarbeitern, sie sollten sich auf ein Hundert-Tage-Programm vorbereiten. In dieser Zeit wollte der Präsident zahlreiche Sozial- und Wirtschaftsprogramme ins Leben rufen, und er war sich offenbar vom ersten Tag seines Bemühens an bewusst, dass dieser „New Deal“ gleichbedeutend mit dem größten Umbruch sein würde, den die Vereinigten Staaten jemals in ihrer Geschichte erlebten. Alle Maßnahmen hatten das Ziel, die lahmende Wirtschaft des Landes zu beflügeln, die Finanzmärkte zu stabilisieren und Sozialversicherungen ins Leben zu rufen. Dies alles war zweifellos eine Herkules-Aufgabe.

Roosevelt – der erhoffte Heilsbringer in der „Großen Depression“

Die Finanzkrise Amerikas und die zunehmende Lethargie, die sich unter den Bürgern des Landes verbreitete, hatte ihren Ausgang durch die dramatischen Kurseinbrüche des 25. Oktober 1929 gefunden. An diesem „Schwarzen Freitag“ kollabierte der Börsenhandel an der Wall Street in New York, und die Probleme nahmen nach und nach globale Ausmaße an. Die „Große Depression“ war in den meisten Ländern der Welt spürbar, und die Amerikaner sahen in ihrem neuen Präsidenten Roosevelt so etwas wie den ersehnten Heilsbringer. Das gesamte Wirtschaftsleben der Vereinigten Staaten war ins Wanken geraten. Banken verkündeten ihre Zahlungsunfähigkeit, ein Viertel der arbeitsfähigen Menschen des Landes war arbeitslos und die Firmenzusammenbrüche nahmen in den USA kein Ende.

Der neue Präsident sagte den „Geldwechslern“ den Kampf an

Denkbar knapp und doch anschaulich erklärte Franklin D. Roosevelt den Menschen seine Pläne. Der aus der amerikanischen Aristokratie stammende Politiker hatte selbst ein schweres Los zu tragen. Als Folge einer Kinderlähmung konnte er sich seit einigen Jahren nicht mehr ohne fremde Hilfe fortbewegen. Als Nachfolger des glücklosen Herbert Hoover, der in dieser Wirtschaftskrise auf das falsche Pferd gesetzt hatte und dessen Pläne keinerlei Erfolge brachten, sagte nun Roosevelt den sogenannten „Geldwechslern“ den Kampf an. Und damit jenen Glücksrittern, die aus der Not ihrer Landsleute Kapital schlugen und sich durch leichtfertige Spekulationen an der Krise bereicherten. Roosevelt proklamierte eine strenge Kontrolle des gesamten amerikanischen Finanzsektors und hoffte in einem überschaubaren Zeitfenster die ersten Erfolge erzielen zu können. Insbesondere wollte er mit den Maßnahmen seines „New Deals“ den Arbeitsmarkt beleben und die Arbeitslosigkeit bekämpfen.

Frances Perkins, die erste Amerikanerin im Rang einer Ministerin

Roosevelt war sich bewusst, dass er nur dann mit seinen Reformen Erfolg haben würde, wenn es ihm mit seiner Regierung gelänge, den Arbeitern das Gefühl zu verschaffen, dass ihre Leistungen einen Wertzuwachs erzielten. Für ihn war die Klasse der Arbeiter ein wichtiges Element der amerikanischen Gesellschaft. Der neue Präsident stürzte sich mit großer Energie in seine Aufgabe und nahm dabei mit Wohlwollen zur Kenntnis, dass ihm die Politiker seines Landes folgten.

Kaum ein Gesetz, das er zur Abstimmung vorlegte, traf auf Widerstand im Kabinett. Nie zuvor in der Geschichte der Vereinigten Staaten hatte ein Präsident in den ersten hundert Tagen seiner Amtszeit so viele Gesetze auf den Weg gebracht, wie Franklin D. Roosevelt. Und so ganz nebenbei erregte er Aufsehen, als er erstmals in der US-Historie einer Frau ein Ministeramt übergab. Frances Perkins aus Boston rückte ins Arbeitsministerium. Zur Popularität des Präsidenten trug auch seine Ehefrau Eleanor bei, die sich als First Lady Amerikas zu einem „sozialen Feminismus“ bekannte.

Neun Millionen Amerikaner hatten ihre Ersparnisse verloren

In der Zeit nach der verheerenden Bankenkrise hatten nicht weniger als neun Millionen Amerikaner ihre gesamten Ersparnisse verloren. Um das Vertrauen in das Finanzwesen wiederherzustellen, setzte sich Roosevelt im Rahmen seines „New Deal“ folgende Schwerpunkte: Die Industrie und die Landwirtschaft erhielten einen Anschub durch Fördermaßnahmen. Das Bank- und Finanzwesen sollte von Grund auf neu geordnet und vor allem reglementiert werden. Zudem sagte der Präsident der Arbeitslosigkeit den Kampf an. Bereits wenige Wochen nach seiner Amtseinführung legte der Präsident der Regierung das „Emergency Relief Banking-Gesetz“ vor. Damit verschaffte er seinem Finanzministerium größere Befugnisse. Schließlich beruhigten sich auch die Finanzmärkte, weil das „Glass-Steagall Banking Gesetz“ von nun an die Anlagegeschäfte von allen sonstigen Bankgeschäften trennte und eine Versicherung der Bankeinlagen eingerichtet wurde.

Die schwarzen Farmer des Südens gingen zumeist leer aus

Protest eines Landwirts gegen Staatshilfe, by Arthur Rothstein [Public domain]
Protest eines Landwirts gegen Staatshilfe, by Arthur Rothstein [Public domain]
Zu einer weiteren Belebung des amerikanischen Arbeitsmarktes führten die zinsgünstigen Kredite, die den Farmern neue Chancen eröffneten. Dadurch wurden offenbar zahlreiche Zwangsversteigerungen landwirtschaftlicher Güter abgewendet. Da jedoch die Verteilung der Mittel den Bundesstaaten der USA zufiel, profitierten vor allem die größeren Betriebe von diesen wirtschaftlichen Zuwendungen. Es waren insbesondere die Kleinbauern und die schwarzen Pächter der Südstaaten, die zumeist leer ausgingen. Die Diskriminierung der Rassen war in den Vereinigten Staaten der dreißiger Jahre an der Tagesordnung, und auch Roosevelt vermied es, dagegen anzugehen. Die Farmer in den lokalen Organisationen waren seine angestammten Wähler und Unterstützer bei diesem politischen Kraftakt. Gleichzeitig sagte Roosevelt aber ruinösen Wettbewerben durch illegale Preisabsprachen den Kampf an.

Verbot der Kinderarbeit und ein freiwilliger Arbeitsdienst

Verbot von Goldbesitz um 1933, by U.S. Government Printing Office [Public domain]
Verbot von Goldbesitz um 1933, by U.S. Government Printing Office [Public domain]
Die amerikanischen Gewerkschaften forderten im Rahmen des „New Deal“ einige Zugeständnisse. Sie wurden durch Roosevelt gewährt. So gab es eine Vereinbarung über Mindestlöhne und über landesweit geltende Grenzen der Arbeitszeit. Außerdem wurde die Kinderarbeit in den Vereinigten Staaten verboten und das Recht auf freie Tarifverhandlungen verbrieft. Die Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen waren für den Präsidenten von überragender Bedeutung. So fanden im Winter 1933/34 durch die „Civil Works Administration“ einige Zeit um die vier Millionen Amerikaner Beschäftigung. Eine dauerhafte Lösung entwickelte das „Civilian Conservation Corps“, das sich als ein freiwilliger Arbeitsdienst für junge Männer verstand. Am Tennessee River gab es in dieser Zeit viel zu tun. Hier wurden Dämme und Schleusen gebaut sowie Stromleitungen für Elektrizitätswerke gelegt. Auch das entlastete den Arbeitsmarkt in den Vereinigten Staaten und war ein wichtiger Baustein des „New Deal“.

Second New Deal (1935-1938)

Kritik am „New Deal“ als Gefährdung des Verfassungssystems

Franklin Delano Roosevelt konnte sich vor allem in den ersten Jahren seiner Präsidentschaft der Unterstützung durch seine amerikanischen Wähler sicher sein. Doch allmählich mehrten sich die Kritiker, und die konservativen Mitglieder der „American Liberty League“ witterten sogar so etwas wie einen nationalen Verrat und erblickten in der staatlichen Einflussnahme im Rahmen des „New Deal“ sogar einen ersten Schritt hin zu einem kommunistischen Regime. Der Oberste Gerichtshof der USA befasste sich im Mai 1935 mit einer Klage und ließ in einem Urteil durchblicken, dass die von Roosevelt ins Leben gerufenen Maßnahmen eventuell das amerikanische Verfassungssystem gefährden könnten. Für Roosevelt war dies aber eher ein Ansporn, seinen Reformkurs beizubehalten und ihn in einigen Passagen sogar zu verschärfen. Er sprach vom „zweiten New Deal“ und intensivierte die Arbeitsbeschaffung. Roosevelt war auf der Suche nach langfristigen Lösungen. Die Wirtschaft hatte sich erholt und die Vorwürfe eines drohenden Extremismus waren verpufft.

Zweite Amtszeit und der Beginn innenpolitischer Probleme

Es bereitete Roosevelt allerdings zunehmend Sorge, dass sich die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten weiterhin auf einem beachtlich hohen Niveau befand. Im Jahr 1938 waren mehr als zehn Millionen Amerikaner arbeitslos, was einer Quote von 19 Prozent entsprach. Nachdem Zuständigkeit und Verantwortung für die Geldpolitik der USA auf eine nationale Ebene gehoben wurden, verringerte sich gleichzeitig die Steuerlast für viele Amerikaner. Insbesondere die unteren Einkommensschichten profitierten von dieser Entwicklung. Die Amerikaner dankten es ihrem Präsidenten im Jahr 1936. Roosevelt besiegte bei der Wahl seinen republikanischen Herausforderer Alfred M. Landon deutlich. Zu diesem Zeitpunkt ahnte der wiedergewählte Präsident allerdings noch nicht, dass ihm seine zweite Amtszeit einige innenpolitische Probleme bereiten würde. Es war für ihn ein schlechtes Zeichen, als der Kongress ihm mit seiner parteiübergreifenden Koalition die Gefolgschaft versagte. Denn die hatte Roosevelt den „New Deal“ ermöglicht.

Kriege in Europa und Asien überlagerten innenpolitische Querelen

Roosevelt lag inzwischen im Clinch mit dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten. In seinen Augen hatten die Urteile dieses Gremiums einen starken konservativen Anstrich. Als sich der Präsident zu einem verbalen Generalangriff gegenüber den obersten Juristen seines Landes ermutigt fühlte, sprachen einige seiner Weggefährten aus dem Lager der liberalen Demokraten sogar von „diktatorischen Anwandlungen“ ihres Präsidenten. Doch dann bauten sich am politischen Horizont andere Gefahren auf. In Europa und Asien drohten Kriege und überlagerten alle innenpolitischen Querelen in den Vereinigten Staaten. Historiker sind sich inzwischen einig, dass Roosevelts New Deal zwar wichtig war, dass aber die Reformen die Ungleichgewichte in der amerikanischen Gesellschaft nur unzureichend veränderten. Doch die konservativen Politiker der USA sahen in den staatlichen Eingriffen in die Wirtschaft einen elementaren „Sündenfall“.

Nachwirkungen des New Deals

Die wirtschaftliche Erholung beflügelte sogar den Weltmarkt

Unter Volkswirten herrscht heute die Meinung vor, dass der New Deal dank Roosevelt die Große Depression in Amerika erfolgreich bekämpft hat. Vor allem veränderte der psychologische Effekt die Stimmung im Lande. Mit dem politischen Wechsel in den Vereinigten Staaten ging auch die Abkehr vom Dogma des Goldstandards einher. Die Erwartungen der Amerikaner, Rezession und Deflation zu überwinden, wurden nicht enttäuscht. Die wirtschaftliche Erholung beflügelte auch den Weltmarkt, und die Reformen retteten die Marktwirtschaft in den USA. Diese neue Wirtschaftsordnung überstand durch den Nachhall des „New Deals“ sogar den Zweiten Weltkrieg und schließlich auch die Wahlerfolge durch die Republikaner. Die unternahmen nach Roosevelts Tod am 12. April 1945 keine Anstalten, um das Reformkonzept des legendären amerikanischen Präsidenten zu korrigieren.

Häufige Fragen und Antworten

Was ist der New Deal?

Ein durch den amerikanischen Präsidenten Franklin D. Roosevelt proklamierter und durchgeführter Reformplan nach den Depressionen durch die globale Wirtschaftskrise.

Wer erfand den New Deal?

Präsident Franklin D. Roosevelt nach seiner Wahl im Jahre 1933.

Was ist der Green New Deal?

Darunter bezeichnet man Konzepte mit dem Ziel einer ökologischen Wende und den Abschied aus einer Industriegesellschaft.

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