Truman Doktrin

Eine Erklärung ändert die außenpolitische Ausrichtung der USA

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Die Truman-Doktrin ist eine Erklärung, die der 33. Präsident der USA Harry S. Truman am 12. März 1947 vor dem US-Kongress abgab.  Demnach sollte es zum außenpolitischen Grundsatz der USA werden, allen „freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen“.

Wie kam es zur Truman Doktrin?

Truman Doktrin
Harry S. Truman vor dem US-Kongress

Knapp zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges zeichnete sich bereits der Konflikt zwischen den beiden größten Militärmächten der Welt, der USA und der Sowjetunion ab. Während die Amerikaner mit ihren westlichen Bündnispartnern Frankreich und Großbritannien Westeuropa besetzt hielten, war der gesamte osteuropäische Teil bis zum Balkan unter die Einflusssphäre der Sowjetunion gefallen.

Es trafen jedoch nicht nur die zwei mächtigsten Militärmächte der Welt aufeinander, sondern auch zwei gegensätzliche Systeme. Während die Amerikaner als strikte Antikommunisten das kapitalistische System in ganz Europa einführen wollten, verfolgte die Sowjetunion genau das gegenteilige Ziel. Ganz Osteuropa sollte unter dem Vorwand der Demokratisierung und der endgültigen Beseitigung des Faschismus kommunistisch werden.

In der Zeit von 1944 bis 1948 veränderten die Sowjets die politische Landkarte in den Osteuropa. Die dort ansässigen Volksdemokratien entwickelten sich zu Satellitenstaaten nach sowjetischem Vorbild. Alle Regierungen in Osteuropa wurden von Moskau aus gesteuert und ausschließlich mit regimetreuen Mitgliedern besetzt.

Ein unsichtbarer Eiserner Vorhang teilt Europa

Deutschland war zwischen den Ost- und West-Alliierten aufgeteilt. Schon damals zeichnete sich die spätere Teilung Deutschlands ab. Einzig die damalige Hauptstadt Berlin wurde sowohl von den Westmächten als auch von der Sowjets besetzt. Es gab zwar noch keine physische Grenze wie die spätere Mauer zur DDR, dennoch zeichnete sich zu diesem Zeitpunkt bereits ein Konflikt zwischen den ehemaligen Verbündeten des Zweiten Weltkrieges ab.

Der Konflikt zwischen Kapitalismus und Kommunismus wurde immer größer. Bereits Ende der 1940er-Jahre führten beide Militärmächte geheime Atomwaffentests durch und begannen mit der Aufrüstung. Angesichts dieser Spaltung der Welt in West und Ost mit einem unsichtbaren Eisernen Vorhang, der sich quer durch Europa zog, sah sich US-Präsident Harry S. Truman dazu verpflichtet, eine Erklärung abzugeben, die als Truman-Doktrin in die Geschichtsbücher einging. Die Begriffe des Kalten Krieges und des Eisernen Vorhanges hatte zuerst der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill in einer Rede 1946 geprägt.

In den USA bestand die große Befürchtung, die Sowjetunion würde über West Berlin hinaus auch die weiteren Teile Deutschlands und Westeuropas unter ihren Einfluss bringen. Daher waren sich die West-Alliierten auch bereits kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges darüber einig, Deutschland in die Westmächte einzubinden. Ursprünglich bestand die Absicht, das ehemalige Dritte Reich komplett abzuwickeln und in einen reinen Agrarstaat umzuwandeln.

Man wollte eine Wiederbewaffnung Deutschlands verhindern und die Deutschen von jeder politischen Mitbestimmung ausschließen. Schon bald stellte sich jedoch die Einsicht ein, dass die in Ostdeutschland stehende Sowjetarmee zu nahe an den durch die West-Alliierten besetzen Gebieten dran waren. Auch befürchtete man, dass sich ein deutscher Agrarstaat dem Kommunismus zuwenden und so gleichfalls an die Sowjetunion fallen würde.

Schon nach wenigen Jahren zeigte sich die erfolgreiche Einbindung Deutschlands in das System der Westmächte. Obwohl es hier immer noch viele Anhänger des Nationalsozialismus gab, entwickelten sich die Deutschen zu Vorzeigedemokraten und echten wirtschaftlichen Leistungsträgern. In den kommenden Jahrzehnten wurde West-Deutschland daher auch als Ausgangspunkt für die Stationierung zahlreicher Mittel- und Langstreckenraketen genutzt.

Die Welt am Rande des atomaren Abgrunds

In seiner Rede vor dem amerikanischen Kongress am 12. März 1947 griff US-Präsident Harry S. Truman diese politische und militärische Situation auf. Das erste Mal erklärten sich die Vereinigten Staaten von Amerika praktisch zum Weltpolizisten, zum Beschützer anderer politischer Staaten.

Der neue außenpolitische Grundsatz der USA besagte, dass „die Vereinigten Staaten von Amerika freien Völkern beistehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder äußeren Druck widersetzen“. Auch im eigenen Interesse wollte Truman die Befriedung Europas durch militärische und wirtschaftliche Stärkung erreichen. Mit der Truman-Doktrin wollten die Amerikaner die Ausbreitung des Kommunismus durch die Sowjetunion zumindest in der westlichen Hemisphäre verhindern. So wurden die USA zur Schutzmacht für die Staaten, die sich zunehmend sowjetischem Druck ausgesetzt sahen.

Die durch die Sowjetunion besetzten Gebiete in Osteuropa waren für die West-Alliierten bereits verloren, denn hier regierten die Sowjets mit eiserner Hand. Eine weitere Ausbreitung des Kommunismus konnte jedoch in Griechenland und der Türkei verhindert werden. Die wirtschaftlichen und militärischen Hilfen für diese beiden Länder beliefen sich auf eine Gesamtsumme in Höhe von 400 Millionen US-Dollar.

In Italien und Frankreich erfreute sich die kommunistische Idee gleichfalls großer Beliebtheit. Auch hier konnten die USA durch Wirtschaftshilfen eine weitere Ausbreitung des Kommunismus bis in höchste Regierungskreise verhindern. Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass der ursprünglich nach der Befriedung Europas geplante Abzug der militärischen Großmächte aus Europa nicht mehr möglich sein würde. Ganz im Gegenteil, in den kommenden Jahrzehnten verstärkten sowohl die Amerikaner als auch die Sowjets die Militärpräsenz in den von ihnen besetzten Gebieten und Deutschland wurde mehr als einmal zum Spielball beider Staaten.

Der Konflikt zwischen West und Ost, Kapitalismus und Kommunismus brachte die Welt mehr als einmal an den Rand des atomaren Abgrunds.

Die Monroe Doktrin: „Amerika den Amerikanern“

Die im Zuge der Truman-Doktrin durchgeführte Politik wurde als Eindämmungspolitik bezeichnet, zu der auch der Marshallplan Ende der 1940er-Jahre zum Wiederaufbau des kriegszerstörten Europas und der Koreakrieg Anfang der 1950er-Jahre gehörten.

Die Truman-Doktrin legte den Grundstein für den Kalten Krieg, der die Welt über für die kommenden vier Jahrzehnte beherrschen sollte. Mit seiner Erklärung wandte sich US-Präsident Harry S. Truman endgültig von der Monroe-Doktrin ab, die einen strikten Kurs des Isolationismus verfolgt hatte.

Der 5. US-Präsident James Monroe
Der 5. US-Präsident James Monroe

Auch dieser außenpolitische Kurs ging auf einen amerikanischen Präsidenten, James Monroe, von 2. Dezember 1823 zurück. Dieser entwarf eine außenpolitische Vision des strikten Isolationismus. Die USA sollten unabhängig von der Alten Welt, also von Europa sein. Damit bestärkte Monroe das, was seit dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bereits Fakt war. Die amerikanischen Kolonien hatten sich vom Britischen Königreich losgesagt und bereits am 4. Juli 1776 ihre Unabhängigkeitserklärung verfasst.

Ferner wurde das Prinzip der strikten Nicht-Einmischung der noch jungen Vereinigten Staaten von Amerika in europäische Konflikte beschlossen. Zusätzlich fordere Monroe das Ende aller europäischen Kolonialisierungsbestrebungen, gegen die die USA umgehend vorgehen würden, sollten die Europäer dieser Forderung nicht nachkommen. Verkürzt lautet die Monroe Doktrin: „Amerika den Amerikanern“.

Die Stellvertreterkriege

120 Jahre später hatte sich die Weltordnung jedoch komplett geändert. Durch das Eingreifen in den Zweiten Weltkrieg konnten die USA das politische System des Isolationismus nicht mehr aufrechterhalten. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Vormachtstellung und Unterstützung zahlreicher Länder während des Zweiten Weltkrieges und danach wurden die USA automatisch zum Weltpolizisten und Bewahrer demokratischer Grundwerte in Westeuropa.

Mit der unter den Grundsätzen der Truman Doktrin ausgeführten Politik nahmen die USA die Rolle einer globalen Ordnungsmacht ein. In den kommenden Jahrzehnten bis zum Ende des Kalten Kriegs mit dem Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 mischten sich die USA noch in zahlreiche weitere innere Konflikte anderer Länder ein. In Vietnam und Afghanistan wurden sogenannte Stellvertreterkriege der beiden Großmächte geführt.

Diese Politik der Einmischung und Eindämmung erfreute sich vor allem in den ersten zwei Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg großer Akzeptanz in vielen betroffenen Ländern. Je mächtiger die USA jedoch wurden und je offensichtlicher die Amerikaner ihre eigenen Interessen vertraten, so im Vietnamkrieg und während der beiden Irak-Kriege, desto mehr Kritik erfuhr diese politische Ausrichtung.

Derzeit besteht in vielen Ländern weltweit ein erneuter Trend des Isolationismus. Viele Regierungen und Staatslenker betonen wieder, sich alleine auf das Wohlergehen ihres eigenen Landes konzentrieren zu wollen, notfalls auch zulasten anderer Staaten.

Rede zur Truman Doktrin im Wortlaut

Auszug aus der Rede von US-Präsident Harry S. Truman am 12. März 1947 vor dem US-Kongress:

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Weltgeschichte muss fast jede Nation zwischen alternativen Lebensformen wählen. Nur zu oft ist diese Wahl nicht frei. Die eine Lebensform gründet sich auf den Willen der Mehrheit und ist gekennzeichnet durch freie Institutionen, repräsentative Regierungsform, freie Wahlen, Garantien für die persönliche Freiheit, Rede- und Religionsfreiheit und Freiheit von politischer Unterdrückung. Die andere Lebensform gründet sich auf den Willen einer Minderheit, den diese der Mehrheit gewaltsam aufzwingt. Sie stützt sich auf Terror und Unterdrückung, auf die Zensur von Presse und Rundfunk, auf manipulierte Wahlen und auf den Entzug der persönlichen Freiheiten. Ich glaube, es muss die Politik der Vereinigten Staaten sein, freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen. Ich glaube, wir müssen allen freien Völkern helfen, damit sie ihre Geschicke auf ihre Weise selbst bestimmen können. Unter einem solchen Beistand verstehe ich vor allem wirtschaftliche und finanzielle Hilfe, die die Grundlage für wirtschaftliche Stabilität und geordnete politische Verhältnisse bildet. Die Welt ist nicht statisch und der Status quo ist nicht heilig. Aber wir können keine Veränderungen des status quo erlauben, die durch Zwangsmethoden oder Tricks wie der politischen Infiltration unter Verletzung der Charta der Vereinten Nationen erfolgen. Wenn sie freien und unabhängigen Nationen helfen, ihre Freiheit zu bewahren, verwirklichen die Vereinigten Staaten die Prinzipien der Vereinten Nationen. Die freien Völker der Welt rechnen auf unsere Unterstützung in ihrem Kampf um die Freiheit. Wenn wir in unserer Führungsrolle zaudern, gefährden wir den Frieden der Welt – und wir schaden mit Sicherheit der Wohlfahrt unserer eigenen Nation. […]“

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Truman-Doktrin#Wortlaut_(Auszug)

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