Steubenparade in New York

Folklore und viel Prominenz - die Steubenparade in New York City

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New York – das ist Manhattan, die Brooklyn Bridge und der Broadway. New York City ist aber auch die Steubenparade. Sie findet alljährlich in den Straßenschluchten der Metropole statt – und zwar am dritten Samstag im September. Wer zum berühmten „Summer in the City“ nach New York kommt, der kann dann diese Atmosphäre noch ein wenig schnuppern, auch wenn die heißen Tage vorbei sind.

Die Amerikaner pflegen ihre Traditionen, und zu ihnen zählt die Steubenparade, bei der die Einwanderer aus Deutschland sich und ihre Kultur präsentieren. An diesem Wochenende steht New York ganz im Zeichen der Völkerverständigung und der deutsch-amerikanischen Freundschaft.

Was ist die German-American Steuben Parade?

Alljährlich stellen sich zahlreiche Touristen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zu diesem ganz besonderen Event ein – und für so manchen ist die Steubenparade allein schon ein Anlass, die Weltstadt auf der anderen Seite des Atlantiks zu besuchen. Nun ist New York keine historische Schönheit wie Venedig, doch den Menschen in dieser Stadt sagt man nach, sie seien eigentlich immer in Feierlaune.

Und wenn sie sich auch nicht unbedingt einreihen in den Tross der Trachtengruppen und der Sportvereine, so stehen sie doch an diesem Tag im September Spalier, wenn sich zwischen 12 und 14 Uhr die Steubenparade auf der Fifth Avenue von der 65. zur 86. Straße bewegt.

Die Fifth Avenue – „German Boulevard“

Und da dieser Umzug seit nunmehr einem halben Jahrhundert ein fester Bestandteil im Kalender der Stadt New York ist und unter den Organisatoren niemand auf die Idee kommen würde, einen anderen Aufmarschplatz zu wählen, sprechen die Einwohner von New York inzwischen vom „German Boulevard“, wenn sie die Fifth Avenue meinen.

In der 86. Straße befand sich bis 1970 das Deutsch-Amerikanische Zentrum. Dass die Einwohner von New York ein intensives Verhältnis zum deutschen Brauchtum pflegen, hat einen triftigen Grund. Immerhin leben rund 500.000 Menschen mit deutscher Herkunft in der City. In den Vereinigten Staaten schätzt man den Anteil der Amerikaner mit deutschen Wurzeln auf etwa fünfzehn Prozent.

Von Steuben und die Parade

Ein Preuße kam zu der Ehre des Namensstifters dieser traditionsreichen Parade in New York. Friedrich Wilhelm von Steuben, der zwischen 1730 und 1794 lebte, war ein reisefreudiger Mensch. In ganz jungen Jahren begleitete er seinen Vater, einen Hauptmann in preußischen Diensten, nach Russland, und im Zweiten Schlesischen Krieg meldete er sich freiwillig, als die Stadt Prag belagert wurde. Später ernannte ihn Friedrich der Große ebenfalls zum Hauptmann.

Auf Empfehlung des amerikanischen Botschafters in Paris beteiligte sich von Steuben als Mitglied der Kontinentalarmee am Unabhängigkeitskrieg, war ein Weggefährte des Generals George Washington und unterstützte diesen beim Aufbau einer schlagkräftigen Armee.

Als Farmer in Oneida County

So war ein Deutscher daran beteiligt, dass die amerikanischen Truppen in einer für das Land richtungsweisenden Epoche dank preußischer Disziplin den Sieg über die Briten feiern durften. Diese Erfolge im Freiheitskrieg waren für die Deutsch-Amerikaner einer späteren Generation Grund genug, ihren Landsmann zu feiern.

Steuben blieb im übrigen in Amerika, erwarb eine Farm in Oneida County und starb dort am 28. November 1794 an den Folgen eines Schlaganfalls. Der Ort Steuben County im Bundesstaat New York wurde nach dem Baron von Steuben benannt, und am 7. Dezember 1920 wurde im Lafayette Park in Washington dessen Bronzestatue enthüllt. Eine Kopie erhielt der deutsche Kaiser Wilhelm II. Sie wurde im April 1945 in Potsdam bei einem Bombenangriff zerstört.

Geschichte und Organisation der Steubenparade

Der „Cannstätter Volksfest Verein“

Die Steubenparade in den Straßen von New York ist für die in dieser Stadt und im Umkreis lebenden Einwohner, die einst aus Europa auswanderten, eine gute Gelegenheit, das Kulturgut und die Sitten ihrer einstigen Heimat zu präsentieren.

Ihr überliefertes Brauchtum offenbart sich auch in einigen der traditionsreichen Vereine New Yorks. Unter anderem im „United Bavarians“, im „Volksfest Verein von Brooklyn“ sowie im „Cannstätter Volksfest Verein“.

Szenen einer historischen Begegnung

Verantwortlich für die Organisation der Parade ist das „German-American-Steuben Parade Commitee“. Die Schauwagen sind bei dieser Veranstaltung so etwas wie das Spiegelbild der Geschichte. Deren nachgestellte Szenen erinnern unter anderem an die ersten Siedlungen, die deutsche Einwanderer in Übersee errichteten – aber auch an die Geschichte der Raumfahrt.

Einer der Wagen zeigt die historische Begegnung zwischen George Washington und von Steuben während des Unabhängigkeitskrieges. Mit unverkennbarem Stolz erinnern die Organisatoren aber auch an die zahlreichen Deutschen, die zum Aufbau der USA ihren Beitrag leisteten – von Henry Kissinger über Albert Einstein bis hin zu Levi Strauss.

Eine Brücke zur Völkerverständigung

Die erste Steubenparade fand übrigens im Jahr 1957 noch im benachbarten New Yorker Stadtteil Queens statt. Historische Uniformen, Blaskapellen, Schuhplattler aus Bayern, kostümierte Karnevalisten, Repräsentanten der Schützen- und Sportvereine – bei der Steubenparade zeigen sich alle Facetten des typisch deutschen Brauchtums.

Auf einem der Wagen nimmt dann auch die „Miss German America“ Platz, die bereits Anfang Mai gekürt wird und die ein silbernes Diadem, verziert mit Kornblumen, trägt. Am Ende des Tages der Steubenparade treffen sich Teilnehmer und Zuschauer im Central Park beim Oktoberfest. Brücken zur Völkerverständigung möchten die Organisatoren dieses deutsch-amerikanischen Festes bauen – und dazu lassen sie ein Deutschland auferstehen, das es in dieser Form eigentlich kaum noch gibt.

Grand Marshall und Guest of Honor

Die politische Prominenz aus Deutschland gab sich hin und wieder bei der Steubenparade ein Stelldichein. So die Bundespräsidenten Walter Scheel, Karl Carstens, Richard von Weizsäcker und Johannes Rau sowie Außenminister Hans-Dietrich Genscher. Sie alle hatten bei der Steubenparade den Status des „Guest of Honor“.

Angeführt wird der Zug vom sogenannten „Grand Marshal“. In der Regel ist dies ein bekannter Deutsch-Amerikaner. Zu dieser Ehre gelangten unter anderem die Zauberer Siegfried und Roy sowie der Schauspieler Ralf Möller. Unter den Teilnehmern wurde auch schon die frühere Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katharina Witt entdeckt.

Eindrücke von der Steubenparade im Video

Häufige Fragen und Antworten

Wer war Namensgeber der Steubenparade?

Die Parade findet in Erinnerung und zu Ehren von Friedrich Wilhelm von Steuben statt, der im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg an der Seite von George Washington kämpfte.

Wo beginnt die Steubenparade?

Traditionell beginnt die Steubenparade an der Ecke der 65. Straße zur Fifth Avenue.

Was kann man nach der Steubenparade noch machen?

Die Veranstaltung findet ihren Ausklang beim Oktoberfest im Central Park.

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