Rio Grande

Rio Grande – ein großer Fluss, der unterwegs versickert

Der Rio Grande River
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Wo sich die endlose Weite des amerikanischen Westens verliert, da stoßen Besucher unweigerlich auf den Rio Grande. Keine Frage: In dieser rauen Landschaft findet sich kein Platz für Visionäre, denn der große Strom der USA bildet unter anderem die Grenze zu Mexiko. Und damit prallen am vielbesungenen Rio Grande zwei Welten aufeinander: Die Zivilisation eines der wohlhabendsten Länder und die Armut eines Staates aus der sogenannten Dritten Welt.

Lage, Geografie und Flusslauf

Der Rio Grande ist der drittgrößte Fluss der USA. Der „Große Fluss“ fließt durch die US-Bundesstaaten Colorado, New Mexico und Texas. Außerdem fließt er als Rio Bravo del Norte (abgekürzt Rio Bravo) durch Mexiko.

  • Länge: 3.034 km
  • Quelle: Saguache County im Bundesstaat Colorado
  • Quellhöhe: 3600 m
  • Mündung: Bei Matamoros in den Golf von Mexiko
  • Mündungshöhe: 0 m
  • Abfluss: 160 m³/s
  • Großstädte: Albuquerque, Las Cruces, El Paso, Cludad Juarez, Nuevo Laredo, Laredo

Die letzte Barriere bei der Flucht in die Illegalität

Texas bildet seit jeher den Nährboden für Legenden aller Art, und die Menschen, die am amerikanischen Ufer des Rio Grande leben, sind davon überzeugt, dass der Stern dieses Bundesstaates heller scheint als alle übrigen.

Doch auch hier hat der Lauf der Geschichte manches verändert, und außerhalb von Texas ist so mancher Amerikaner davon überzeugt, dass dort nur noch der nunmehr verblasste Mythos von einst fest im Sattel der Cowboys sitzt.

Am Rio Grande scheiden sich die Geister, und hier enden tagtäglich die Träume vieler Mexikaner von einem Leben in einer besseren Welt. Dieser Fluss ist für viele die letzte Barriere bei ihrer Flucht in die Illegalität

Am Golf von Mexiko bleibt von dem „wilden Fluss“ nur ein Rinnsal

Rocky Mountains
Rocky Mountains

Der drittlängste Fluss der Vereinigten Staaten von Amerika entspringt dank der Schneeschmelze am östlichen Hang der Canby Mountain im Gunnison National Forest auf einer Höhe von 3.600 Metern in den Rocky Mountains. Ein Wanderweg, der Colorado Trail, führt in der Nähe des Stony Passes bei Silverton vorbei an einer historischen Goldmine.

Auf seinen 3.034 Kilometern bis zum Golf von Mexiko fließt der Rio Grande zunächst durch den Bundesstaat New Mexico in südlicher Richtung. Bei El Paso bildet er die Grenze zwischen Texas und Mexiko. Dabei passieren seine Fluten den Amistad-Stausee und den Falcon-Stausee. Aber weil er weite Flächen des Landes bewässert, verkümmert der einst wilde Fluss an einer Mündung in den Golf von Mexiko zu einem besseren Rinnsal. 

Geschichte des Rio Grande

Ein „Großer Fluss“ mit erstaunlich vielen Namen

Kaum ein anderer Fluss auf der Welt erfreut sich so vieler Namen wie der Rio Grande. „Großer Fluss“ nannten ihn die Ureinwohner. Es waren vor allem die Indianer von Stamm der Apachen, die dieses Land sehr früh besiedelten. Von den Comanchen erhielt der Rio Grande den Namen „Ocuebi“, und als die spanischen Entdecker im 16. Jahrhundert dessen Uferzonen erforschten, bekam der Fluss von ihnen den Namen „Rio de las Palmas“.

Die Bezeichnungen änderten sich im Laufe der Zeit permanent. Aus dem Rio Caudaloso, dem „wasserreichen Fluss“, wurde der Rio Turbio („trüber Fluss“) und schließlich der Rio de la Concepción („Fluss der Empfängnis“). An der Grenze zu Mexiko wird bis heute aus dem Rio Grande ganz offiziell der Rio Bravo, der „wilde Fluss“.

Der „wilde Fluss des Nordens“ wurde durch Dämme gezähmt

Rio Grande Ufer
Rio Grande Ufer

Trotz seines Namens als „wilder Fluss des Nordens“ verfügt der Rio Grande in seinen durchschnittlichen Werten lediglich über ein Fünftel jenes Wasser-Reservoirs, das einem seiner Nachbarn, dem Colorado River, zu eigen ist. Will Rogers, der populäre amerikanische Komiker, Schauspieler und Autor, bezeichnete nach einer seiner vielen Reisen durch Texas den Rio Grande einst als „den einzigen Fluss, den man wohl bewässern sollte“.

Er muss sich bei dieser Beobachtung wohl im Mündungsdelta des Stroms am Golf von Mexiko befunden haben, wo er durch Dämme und Bewässerungsumleitungen sein einstiges Aussehen bis heute komplett verändert. In den ersten Jahren des 21. Jahrhunderts passierte es in regenarmen Zeiten, dass kein Tropfen des Rio Grande das eigentliche Ziel im Golf erreichte.

Bei der Überquerung des Flusses ertranken zwei Stuntmen

Als im Jahr 1950 der US-amerikanische Western „Rio Grande“ über die Filmleinwände in aller Welt flimmerte, fieberten die Besucher der Kinos mit den Hauptdarstellern John Wayne und Maureen O’Hara. Der Streifen berichtete von den Kämpfen der weißen Siedler und der amerikanischen Kavallerie gegen die Apachen.

Kaum jemand wusste damals, dass bei den Dreharbeiten zwei Stuntmen während der Überquerung des Rio Grande ertranken. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Abschnitte des Flusses noch nicht begradigt und durch Dämme gezähmt. Heute versorgt der Rio Grande die Großstädte an seinen Ufern mit Wasser und hält die landwirtschaftlichen Flächen am Leben. Dadurch verliert der Fluss allerdings nicht weniger als 95 Prozent seines ursprünglichen Wasservolumens. 

Aktivitäten und Sehenswertes

Das „wilde Wasser“ im Canyon des Nationalparks

Einige Passagen des Rio Grande zählen dennoch zu den eindrucksvollsten und spektakulärsten in den Vereinigten Staaten. Nachdem der Fluss seinen Weg durch etliche der besten Forellen-Gründe im südlichen Colorado gefunden hat, stürzen sich seine Wassermassen in einen Canyon aus dem vulkanischen Gestein des Taos Pueblo in New Mexiko.

Rafting auf dem Rio Grande
Rafting auf dem Rio Grande

Besucher dieser Region schätzen die landschaftliche Vielfalt des National Wild & Scenic River. In den Box-Canyons des Rio Grande del Norte National Monuments, die im Jahr 2013 der Öffentlichkeit zugängig gemacht wurden, präsentiert sich der Rio Grande in seiner dramatischen Version. Erfahrene Rafting-Sportler finden hier ihr Eldorado, denn das wilde Wasser erstreckt sich über 74 Meilen. Der Fluss ist umgeben von einer wildreichen Landschaft und einem Vogelschutzgebiet.

Die „große Schleife“ – eine grüne Oase an beiden Uferseiten

Obwohl der Rio Grande auf seinem Weg entlang der texanischen Grenze zu Mexiko über weite Strecken umgeleitet und zur Wasserentnahme genutzt wird, bevor er El Paso erreicht, zeigt er sich dort noch in seiner stattlichen Größe. Ausschlaggebend dafür ist die Einmündung des Rio Conchos.

Rio Grande River mit seinen Felsen aus Kalkstein
Rio Grande River mit seinen Felsen aus Kalkstein

Diese Landschaft wird geprägt von steil aufragenden Felsen aus Kalkstein. Sie erheben sich 1.500 Fuß hoch und sind ein beliebtes Ziel von Besuchern aus aller Welt. Big Bend (große Schleife) nennt sich dieser Abschnitt des Rio Grande, der sich in einem fotogenen Bogen im südwestlichen Texas durch die Wüste windet und dabei eine grüne Oase an beiden Uferseiten bildet. 

Flora und Fauna

Biologische Vielfalt des Big Bend als Ziel für Ornithologen

Diverse Schildkröten-Arten und der Knochenhecht machen die Region des Big Bend für Naturliebhaber interessant. Diese Geschöpfe haben einen urzeitlichen Charakter und erinnern an Zeiten, als diese Gegend noch eine fruchtbare und sumpfige Savanne war. Hier trifft man immer wieder bei einer Kanu-Tour auf die hölzernen Burgen fleißiger Biber und auf zahlreiche andere Lebewesen, die sich diesen grünen Gürtel als ihre Heimat ausgesucht haben.

Die biologische Vielfalt des Big Bend bietet erstklassige Gelegenheiten für Ornithologen, denn hier sind etliche farbenfrohe Vögel beheimatet. Unter anderem der Scharlachfliegenschnäpper, der Kardinal und ein mit den Meisen verwandter Vogel namens „Piranga rubra“. Auf den Sandbänken hüpfen Regenpfeifer, Flußuferläufer und Felsenschwalben.

Ein bedrohter Kleinfisch steht für die Probleme des Flusses

Ein bedrohter Kleinfisch, die Elritze, steht für die Sorgen der Naturschützer. Der silberne Bewohner des Flusses ist vor allem im Rio Grande in New Mexico beheimatet und wurde durch die Errichtung von Dämmen und Umleitungen auf nur noch fünf Prozent seines ehemaligen Vorkommens reduziert.

Bei anhaltenden Dürreperioden ist der Zeitpunkt nahe, dass die letzten Überlebenden dieser Gattung in der Umgebung von Albuquerque bald ausgestorben sind. Die Internationale Grenz- und Wasserkommission sah sich unlängst gezwungen, die Tore des Elephant Butte-Damms nur noch während einer kurzen Bewässerungs-Periode zu öffnen.

Das „unbewohnte Land“ der spanischen Entdecker

Von den ersten spanischen Entdeckern wurde die Region des Big Bend Nationalparks als „El Despoblado“ getauft. Für sie war diese Kombination aus einer kargen Wüste, den Gebirgen in der Ferne und dem damals noch mächtigen Rio Grande schlichtweg ein „unbewohntes Land“.

Heute besteht der überwiegende Bereich des Nationalparks aus der Chihuahua Wüste, die sich über die Grenze bis nach Mexiko erstreckt. Diese von drei Seiten mit Bergen umrankte Wüste ist mit etwa achttausend Jahren relativ jung. Regen fällt hier lediglich in den Monaten des Sommers. Dann aber wird die Wüste zum Leben erweckt, und die Besucher kommen in Scharen. 

Fossilien-Funde in den Chisos-Bergen des Nationalparks

Chisos Berge im Big Bend Nationalpark
Chisos Berge im Big Bend Nationalpark

Wer sich diesen Teil der Chihuahua Wüste anschauen möchte, der sollte sich dort im Winter einfinden, denn während viele Teile der Umgebung im Schnee versinken, herrschen hier milde Temperaturen. Die Chisos Berge des Nationalparks sind vulkanischen Ursprungs und vor allem ein beliebtes Ziel für Mineralogen.

Immer wieder findet man hier in den Felsformationen interessante Fossilien. Den Wanderern stehen in diesem Gebiet des Parks Wege über rund zweihundert Kilometer zur Verfügung. Die gesamte Fläche des Nationalparks beträgt mehr als 3.200 Quadratkilometer.

Berglöwen und Luchse in der grünen Orilla Recreation Area

Seit Jahrhunderten ist der Rio Grande für viele Amerikaner eine Art Sehnsuchtsort im weiten und einstmals wilden Westen. Bereits vierhundert Jahre vor der Ankunft der Spanier besiedelten hier die Indianer vom Stamm der Laguna Pueblo diese Region.

Der Fluss war stets die Lebensader der Menschen zu beiden Uferseiten, und sie waren nicht nur Jäger sondern sie bestellten auch ihre Felder. In Urzeiten hatten die Tewa-Indianer dort gewohnt. Sie hinterließen auf den Felsen der Schluchten ihre Zeichnungen. 

Stelldichein von 20.000 Kranichen im San Luis Valley in Colorado

Stromaufwärts treffen die Besucher heute in der Orilla Recreation Area nicht nur auf grüne Ufer sondern auch auf Rehe und Dickhornschafe. Zuweilen lassen sich sogar Berglöwen und Luchse sehen.

Zu einem besonderen Ereignis kommen im Frühling viele Menschen ins San Luis Valley nach Colorado, wenn dort bis zu 20.000 Sandhill-Kraniche Station machen und jährlich ein „Crane Fest“ gefeiert wird. Der Schutz von Landschaft und Natur ist vielen Bewohnern dieser Gegend am Rio Grande heilig.

Illegale Grenzgänger auf dem Weg in die Wohlstandsgesellschaft

Grenze Mexiko - USA
Grenze Mexiko – USA

Dort, wo der Strom über eine Distanz von 2.000 Kilometern die Grenze zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko bildet, spielen sich seit vielen Jahren immer wieder menschliche Dramen ab. Etliche Hoffnungen der Menschen, die hier bei ihrem Massenexodus am Fluss scheitern, landen in amerikanischen Internierungslagern.

Doch bisher konnte weder die Technik noch Zäune verhindern, dass Menschen auf ihrem Weg in eine vermeintliche Wohlstandsgesellschaft, Risiken in Kauf nehmen. Wer es geschafft hatte, den Rio Grande zu passieren, arbeitet in aller Regel fortan illegal auf den Hirsefeldern, Zuckerrohrplantagen oder in den Obstgärten der Amerikaner in Grenznähe. Denn nach den Gesetzen der USA ist es nicht untersagt, illegale Einwanderer zu beschäftigen. 

Häufige Fragen und Antworten

Wie tief ist der Rio Grande?

An seiner tiefsten Stelle ist der Rio Grande 18 Meter tief.

Wie breit ist der Rio Grande?

Ein amerikanisches Bundesgesetz regelt die Breite des Rio Grande. Er darf danach an keiner Stelle breiter als 182 Meter sein.

Welcher Fluss bildet die Grenze zwischen den USA und Mexiko?

Über etwa zweitausend Kilometer bildet der Rio Grande die natürliche Grenze zwischen diesen beiden Ländern. 

Wie lang ist der Rio Grande?

Der drittlängste Fluss der USA erstreckt sich über 3.034 Kilometern.

Wo ist die Quelle des Rio Grande?

Der Fluss entspringt in den Rocky Mountains in einer Höhe von 3.600 Metern.

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