Was ist die Tornado Alley?

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Tornado Alley ist ein umgangssprachlicher Begriff, der einem Gebiet im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten gegeben wird, welches jedes Jahr eine hohe Frequenz von Tornados aufweist. Eine offizielle Definition, z.B. vom nationalen Wetterdienst der USA (National Weather Service) gibt es hingegen nicht. Nach der gängigsten Definition gehören alle Staaten der USA, in denen besonders häufig und besonders starke Tornados auftreten zum Tornado Alley.

Tornado Gebiete in den USA: Wo tritt der Tornado Alley auf?

Tornado Alley Gebiete USA
Tornado Alley Gebiete in den USA: By FEMA personnel [Public domain], via Wikimedia Commons
In den USA gibt es zwei Regionen mit einer überproportional hohen Anzahl von Tornados. Die eine Region ist Florida und die andere Region der sogenannte Tornado Alley in den südzentralen Vereinigten Staaten.

Die Tornado Alley beschränkt sich häufig auf den Mittleren Westen. Besonders stark betroffen von Tornados ist das Gebiet der Great Plains, welches zwischen den Appalachen und den Rocky Mountains liegt. Sogenannte Twister, aggressive Tornados, welche ganze Landstriche zerstören, bilden sich am häufigsten in Texas.

Starke bis heftige Tornados (EF-3 oder stärker auf der Enhanced Fujita Tornado Damage Intensity Scale) sind relativ selten und kommen normalerweise nicht außerhalb der Vereinigten Staaten vor. Obwohl die Grenzen der Tornado Alley strittig sind (abhängig davon, welche Kriterien verwendet werden – Zum Beispiel Häufigkeit, Intensität oder Ereignisse pro Flächeneinheit), ist die Region von Zentral-Texas, nördlich bis Nord-Iowa, und von Zentral-Kansas und Nebraska-Ost bis West-Ohio oft kollektiv als Tornado Alley bekannt. Meteorologisch gesehen ist die Region, die als Tornado Alley bekannt ist, ideal für die Bildung von Superzellengewittern, welche oft die Ursache bzw. Voraussetzung von heftigen Tornados darstellen.

Florida, als zweite Region in den USA mit einer hohen Anzahl an Tornados, weist zahlreiche Tornados aufgrund der hohen Frequenz von fast täglichen Gewittern auf. Darüber hinaus beeinflussen jedes Jahr mehrere tropische Stürme oder Hurrikane die Florida-Halbinsel. Wenn diese tropischen Systeme an Land ziehen, produzieren die eingebetteten konvektiven Stürme in den Regenbändern oft Tornados. Trotz der Natur eines tropischen Sturms oder Hurrikans tendieren die Tornados dazu, schwächer zu sein als die, die von nicht tropischen Gewittern produziert werden. Obwohl Florida die meisten Tornados in den USA verzeichnet, handelt es sich in der Regel um schwache Wirbelstürme, welche meist nur kurzlebig sind und selten für starke Verwüstung sorgen.

Die Wahrscheinlichkeit von Tornados ist im äußersten Nordwesten und Westen der Vereinigten Staaten am geringsten.

Wann treten Tornados auf?

Tornados in der Region des Tornado Alleys treten typischerweise im späten Frühling und gelegentlich im frühen Herbst auf. Das Gebiet der Golfküste hat ein eigenes Tornado-Maximum, das den Spitznamen „Dixie Alley“ trägt und im späten Herbst (Oktober bis Dezember) eine relativ hohe Frequenz an Tornados aufweist.

Dixie Alley USA
Dixie Alley in den USA – Durchschnittliche Anzahl an Tagen mit Tornados – Oktober bis Dezember © ncdc.noaa.gov

Am häufigsten tritt die Tornado Alley während der sogenannten Tornadosaison auf. Genau wie die Häufigkeit für Tornados variiert die Saison, in welcher sich Tornados bilden, von Region zu Region. Grundsätzlich bewegen sich die Tornados vom Südosten über den Mittleren Westen bis in den Norden. Im Winter bilden sich vor allem im Südosten mehrere Tornados, welche sich im Frühjahr zwischen März und Mai in den Mittleren Westen bewegen. Aufgrund der hohen Temperaturen während der Sommermonate leidet vor allem der Norden in dieser Zeit unter einer Tornadogefahr. In den Central Plains hingegen treten Tornados ganzjährig auf. Dies hängt unmittelbar mit den starken Temperaturschwankungen in dem Gebiet zusammen.

Wie entstehen Tornados?

Tornados sind kleinräumige, aber oft verheerende Wirbelstürme, die besonders häufig im Landesinneren der Vereinigten Staaten auftreten. Damit ein Tornado entsteht wird feucht-warme Luft am Boden und kalte Luft in den höheren Schichten benötigt. Unter einer Gewitterwolke steigt diese feucht-warme Luft spiralenförmig nach oben, wobei die Drehbewegungen im Laufe der Zeit immer schneller werden. Wenn diese nach oben strömenden Luftmassen sehr schnell werden, entsteht ein Unterdruck, der weitere Luft ansaugt. Es entsteht ein Sog im Inneren des Tornados.

An der Unterseite der Gewitterwolke wird dann durch Wasserdampf der typische Schlauch, auch „Rüssel“ sichtbar. Durch die Rotation und den Unterdruck bildet sich ein Wirbel, der bis zum Erdboden reicht. Der Schlauch zeichnet sich durch eine hohe Windgeschwindigkeit (bis zu 500 Stundenkilometer) und Rotation im Inneren aus, der alles in die Höhe reißt, was ihm in den Weg kommt. Typischerweise verbreitert sich der Schlauch nach oben hin zu einem Trichter. Wenn sich der Tornado abschwächt, stürzt alles wieder zu Boden.

Gibt es auch in Deutschland eine Tornado Alley?

Auch in Deutschland treten des öfteren heftige Stürmen oder gar Wirbelstürmen auf. Inzwischen verzeichnet Deutschland dutzende Wirbelstürme pro Jahr, welche in der Regel harmloser ausfallen. Dennoch sind Tornados in Deutschland ebenso in der Lage Landschaft und Städte zu beschädigen. Eine Tornado Alley, wie sie in den USA existiert, besteht in Deutschland allerdings nicht. Vielmehr ist Deutschland Teil der Tornado Alley Europas. Die europäische Tornadogasse beginnt in Südengland und reicht über Nord- sowie Ostdeutschland bis nach Polen. Folglich sind vor allem der Osten und Norden Deutschlands vermehrt von Wirbelstürmen in verschiedener Stärke betroffen, welche unter dem Begriff Tornado Alley zusammengefasst werden könnten.

Genau wie die USA leidet auch Deutschland nicht ganzjährig unter den starken Wirbelstürmen. Vor allem aufgrund der hohen sommerlichen Temperaturen gepaart mit Gewitter erhalten Tornados in Deutschland während der Sommermonate eine gute Basis. Durchschnittlich zehn der sommerlichen Wirbelstürme verfügen über eine größere Zerstörungskraft, welche für erhebliche Verwüstungen und teilweise Tote sorgt. Insgesamt treten in Deutschland natürlich deutlich weniger Tornados als in den USA auf.

„Tornado Alley“ in modernen Medien

Tornados als besonderes Wetterphänomen faszinieren zahlreiche Menschen, welche sich auf die Jagd nach den Wirbelstürmen begeben. Der Film „Tornado Alley“ dokumentiert beispielsweise die Vorgehensweise eines „Storm Hunter“ Teams rund um Sean Casey. Der Zuschauer erhält durch die Dokumentation genaue Einblicke in den Mythos Tornado Alley mitsamt Theorien und der Wissenschaft hinter den tödlichen Wettererscheinungen. Der Film beginnt mit dem Entstehen eines Wirbelsturms und führt den Betrachter in das Auge des Sturms. Die Storm Hunter verfolgen mit dem Film allerdings nicht nur das Vorhaben, Tornados aus nächster Nähe zu betrachten. Wesentliches Ziel der Crew stellt die Sammlung von Wetterdaten dar, welche für die Erforschung der Wirbelstürme und folglich dem Entstehen der Tornado Alley verwendet werden können.

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