Geschichte von Chicago

Die Geschichte Chicagos geht bis in die 1770er Jahre zurück.

Der große Brand von Chicago 1871, by John R. Chapin, died 1907 / Public domain
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Eine der bedeutendsten Städte in den USA ist Chicago. Wer Chicago besuchen möchte, sollte sich vorher mit der Geschichte von Chicago vertraut machen. Die Stadt entstand auf einem Gebiet, auf dem früher Zwiebeln wuchsen. Die Zwiebeln wurden jedoch nicht gezielt angebaut, sondern es waren wilde Sumpfzwiebeln. Zuerst war das Gebiet von Indianern besiedelt.

Chicago hat eine schöne Lage, am Michigan See. Ein großer Teil des Seeufers befindet sich in Chicago. Der Michigan See ist eng mit der Geschichte von Chicago verbunden. Da der See im Laufe der Zeit verunreinigt wurde und es zu verschiedenen gefährlichen Krankheiten in der Stadt kam, musste der Chicago River umgeleitet werden.

Chicago hat sich zur drittgrößten Stadt in den USA entwickelt. Dabei handelt es sich noch um eine ziemlich junge Stadt, denn die Geschichte Chicagos beginnt erst in den 1770er Jahren.

Blick auf die Skyline von Chicago Loop vom Lake Michigan
Blick auf die Skyline von Chicago Loop vom Lake Michigan aus, by J. Crocker / Attribution

1770er Jahre: Die erste Besiedlung

Der Name Chicago bedeutet „Ort, wo Zwiebeln wachsen“, „wilde Zwiebel“ oder „Stinktier“. Dieser Name ist eng mit der Vergangenheit der drittgrößten Metropole der USA verbunden. Der Name der Stadt stammt aus der Sprache der Potawatomi-Indianer.

Die Indianer gaben dem Gebiet seinen Namen, da dort stinkende Sumpfzwiebeln wuchsen.

Die Grundlage für die erste Besiedlung wurde durch eine Expedition im Jahr 1673 geschaffen, als die Franzosen Jolliet und Marquette in dieses Gebiet kamen. Francois Pinet hatte bereits 1669 eine Mission gegründet, die er aber 1700 schon wieder aufgab.

Zu dieser Zeit bewohnten die Potawatomi-Indianer das Gebiet. In den 1770er Jahren kamen die ersten nicht-indianischen Siedler an den Chicago River, um sich dort niederzulassen. Der erste Siedler war Jean Baptiste Point du Sable, ein Haitianer mit afrikanischen Wurzeln.

Du Sable errichtete 1779 seinen ersten Handelsposten am Nordufer des Lake Michigan. Die verkehrsgünstige Lage sorgte dafür, dass der Handel in den folgenden Jahren florieren konnte.

Um den Handelsposten zu schützen, wurde mit Fort Dearborn 1803 eine Armee-Befestigung am Ufer des Chicago River errichtet. Das Fort wurde im Krieg gegen die Engländer von 1812 bis 1815 zum Kriegsschauplatz.

Ein trauriger Tag in der Geschichte von Chicago ist das Fort Dearborn Massaker, bei dem die Potawatomi 52 US-amerikanische Siedler töteten. Die Potawatomi waren mit den Engländern verbunden. Das Fort wurde dabei vollständig zerstört. Der größte Teil der Potawatomi wurde aus dem Gebiet vertrieben, als die US-amerikanischen Soldaten zurückkehrten. Seit dieser Zeit waren die Stammesstrukturen der Indianer weitgehend zerschlagen. Die Indianer konnten sich in diesem Gebiet nie wieder ansiedeln.

Der Handelsposten am Chicago River entwickelte sich nach dem Krieg zum wichtigsten Umschlagplatz für Rohstoffe in diesem Gebiet. Daher kamen immer mehr Siedler. Aus dem Handelsposten entstand ein Dorf.

Stadtgründung, Aufbau, Zerstörung und Wiederaufbau

Die offizielle Gründung von Chicago erfolgte am 12. August 1833. Damals lebten im Dorf etwa 350 Menschen. Die attraktiven wirtschaftlichen Bedingungen führten zu einem beachtlichen Bevölkerungswachstum. In den Folgejahren wuchs die Bevölkerung auf mehr als 4.000 Einwohner.

Stadtrechte erhielt Chicago am 04. März 1837. Die Stadt erlebte einen beachtlichen Wirtschaftsboom. Die Wasserstraßen konnten ausgebaut werden. Der Illinois-Michigan-Kanal wurde 1848 eröffnet. Er ermöglichte fortan den Transport von Waren von den Großen Seen über die Stadt und den Mississippi, bis hinunter zum Golf von Mexiko.

Auch eine Verbindung von Chicago mit der Eisenbahn erfolgte 1848. Schnell konnte sich Chicago zum wichtigsten Verkehrsknotenpunkt in den USA entwickeln. Das ganze Land konnte von dort aus mit Waren und Rohstoffen versorgt werden.

Chicago erlebte ein ungebrochenes Bevölkerungswachstum. Schon 1857 konnte die Stadt mehr als 90.000 Einwohner verzeichnen. Zu den Einwohnern zählten viele Europäer, von denen Iren und Deutsche den größten Teil ausmachten.

Der Große Brand von Chicago

Der große Brand von Chicago 1871
Der große Brand von Chicago 1871, by John R. Chapin, died 1907 / Public domain

Das Great Chicago Fire, das große Feuer von Chicago, brach am 08. Oktober 1871 aus und ging in die Geschichte von Chicago ein. Da die Stadt vorwiegend aus Holz errichtet wurde, fiel die Stadt zum größten Teil den Flammen zum Opfer. Durch das Feuer wurden über 100.000 Menschen obdachlos, 300 Menschen starben. Das Feuer zerstörte Schätzungen zufolge ungefähr 18.000 Gebäude.

Architekten konnten mit dem Neubau des völlig zerstörten Chicagos viele neue Möglichkeiten ausschöpfen. Die neue Stadt konnte in die Höhe wachsen und wurde aus Stein erbaut. Schon damals entstanden Wohnhäuser mit bis zu 18 Stockwerken. Sie verfügten über massive Stahlrahmenkonstruktionen und bildeten die Grundlage für die modernen Wolkenkratzer, die auch andere US-amerikanische Städte berühmt gemacht haben.

Auf dem Gebiet der modernen Architektur nimmt Chicago bis heute eine Pionierrolle ein. Schnell konnte sich die Stadt vom Brand erholen. Schon 1880 wuchs die Bevölkerungszahl wieder auf mehr als 500.000 Einwohner. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich in nur zehn Jahren auf eine Million.

Zum Ende des 19. Jahrhunderts führten der wirtschaftliche Aufschwung und die damit verbundene fortschreitende Industrialisierung zu sozialen Problemen. Die Geschichte von Chicago wird wesentlich durch die Industriearbeiterschaft geprägt. Sie war größtenteils verarmt und setzte sich für soziale Rechte ein. Die Arbeiter streikten am 01. Mai 1886 für eine Herabsetzung der täglichen Arbeitszeit von ursprünglich zwölf auf nur noch acht Stunden. Die Proteste wurden als Haymarket Riots bezeichnet. Die Polizei musste hart durchgreifen. Dieses Ereignis war der Ausgangspunkt, durch den der 1. Mai zum internationalen Kampftag der Arbeiterschaft wurde.

Chicago wurde in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts von weiteren Arbeiterunruhen geprägt. Es wurde zu einem Zentrum der Arbeiterbewegung.

Großen Einfluss auf die Architektur hatte die Weltausstellung, die 1893 in Chicago stattfand.

Chicago im 20. Jahrhundert

Chicago hatte zur Jahrhundertwende schon knapp 1,7 Millionen Einwohner. Aufgrund der zahlreichen Industriekomplexe und der rasch wachsenden Bevölkerung war der Lake Michigan stark verschmutzt. Tunnel wurden zu Frischwasser-Quellen gegraben. Ein Abwassersystem-Komplex wurde errichtet. Die Umkehr der Fließrichtung des Chicago River war damals eine Meisterleistung.

Heruntergekommene Arbeitersiedlungen für die große Zahl der Arbeitskräfte sowie große Schlachthäuser prägten in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts das Bild der Stadt.

Aus den Südstaaten wanderten nach dem Ersten Weltkrieg zahlreiche schwarze Arbeiter als billige Arbeitskräfte ein. Sie arbeiteten in den Schlachthäusern und wohnten in der South Side, die sie entscheidend prägten.

Chicago verfügte aufgrund der deutschen und irischen Einwanderer über eine ausgeprägte Bier- und Whiskeykultur. Das Alkoholverbot wurde daher kaum beachtet. Illegale Geschäfte wurden toleriert.

Stadt der Gangster

Chicago wurde während der Prohibition von 1920 bis 1935 zur Stadt der Gangster. Für korrupte Politiker, kriminelle Banden und Schwarzhändler wurde der Schmuggel von Alkohol eine lukrative Einnahmequelle. Hunderte von Toten wurden durch Schießereien konkurrierender Banden gefordert. In den 20er Jahren erlangte Chicago aufgrund von Al Capone zu einer traurigen Berühmtheit beim organisierten Verbrechen. Im Verlauf des Bandenkriegs zwischen kriminellen Banden kam es am 14. Februar 1929 zum Valentinstags-Massaker. Eine fünfköpfige Bande, getarnt als Polizisten, erschoss Mitglieder einer anderen Bande.

Polizei in Chicago mit der Waffe eines erschossenen Verbrechers
Polizei in Chicago mit der Waffe eines erschossenen Verbrechers, by Bundesarchiv, Bild 102-12719 / CC-BY-SA 3.0 / CC BY-SA 3.0 DE (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en)

Al Capone kontrollierte die Unterwelt von Chicago und konnte Reichtum anhäufen. Er steht sogar aufgrund seiner Leistungen im Guinness-Buch der Rekorde. Kein Privatmann konnte in einem einzigen Jahr nicht so viel Reichtum erzielen wie Al Capone 1927. Schon damals verdiente er 105 Millionen Dollar.

Die Auswirkungen der großen Depression machten sich in Chicago in den 1930er Jahren bemerkbar. Es kam zu Bankrotten vieler Unternehmen und zu Massenentlassungen. Das führte zu verstärkten sozialen Spannungen.

Bürgermeister Richard J. Daley

Seinen bisherigen Bevölkerungshöchststand erreichte Chicago 1950. Die Stadt zählte mehr als 3,6 Millionen Einwohner und war damit die bevölkerungsreichste Stadt in den USA. Vorstädte entstanden, da große Teile der Mittelschicht abwanderten.

Richard J. Daley, genannt „DaBoss“, wurde 1955 Bürgermeister und regierte bis 1976 mit harter Hand. Soziale Proteste ließ er mit Waffengewalt unterdrücken.

Viele Neubau- und Umstrukturierungsmaßnahmen fanden unter seiner Führung statt. Einige traditionelle Viertel mussten weichen.

Projekte des sozialen Wohnungsbaus und der Straßenbau schotteten die von verschiedenen Ethnien bewohnten Stadtteile ab. Das Ergebnis war soziale Trennung. Noch heute sind die Folgen dieser Politik spürbar.

Chicago war in den 1960er und 1970er Jahren Schauplatz von Protesten schwarzer Bürgerrechtler. Eine wichtige Rolle spielten Jesse Jackson und Martin Luther King.

Chicago wuchs in den 1990er Jahren weiter. Zu dieser Entwicklung trugen vor allem Einwohner aus Asien und Lateinamerika bei. Heute hat Chicago mehr als 2,7 Millionen Einwohner.

Eine wichtige Rolle spielt Chicago beim Jazz. Zu einer Jazzmetropole entwickelte sich die Stadt ab 1922.

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