Wer war Rosa Parks?

Eine Busfahrt, die die USA veränderte

Rosa Parks und Martin Luther King um 1955 | [Public domain], via Wikimedia Commons
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Rosa Parks war eine amerikanische Bürgerrechtlerin und Afroamerikanerin. Als sie sich 1955 weigerte ihren Sitzplatz für einen weißen Fahrgast frei zu machen, löste sie den sogenannten Montgomery Bus Boykott aus. Dies war letztlich der Start für eine bisher nie da gewesene afroamerikanische Bürgerrechtsbewegung („Civil Rights Movement“) unter Martin Luther King.

Zwei Polizisten betraten den Bus und fragten mich, ob der Fahrer mich auf meine Pflicht, aufzustehen hingewiesen habe. Ja, hatte er, denn er fragte mich, warum ich sitzen und nicht stehen würde. Ich denke, ich sollte nicht aufstehen, sagte ich zu dem Busfahrer und fragte ihn und die Polizisten, warum sie uns so herumstoßen würden. Daraufhin erwiderte einer der Polizisten: Ich weiß auch nicht warum, aber Gesetz ist nun einmal Gesetz und Sie sind verhaftet“.

Mit dieser Meinungsverschiedenheit zwischen Rosa Parks, dem Busfahrer und den Polizisten begann die Geschichte einer schwarzen couragierten Frau, die sich mutig gegen die Diskriminierung der schwarzen Bevölkerung in den USA stellte und damit negative persönliche Konsequenzen bewusst in Kauf nahm.

Steckbrief: Rosa Parks

  • Rosa Parks und Martin Luther King um 1955
    Rosa Parks und Martin Luther King um 1955 | [Public domain], via Wikimedia Commons
    Name: Rosa Louise Parks
  • Geburtsdatum: 4. Februar 1913
  • Geburtsort: Tuskegee, Alabama
  • Ehepartner: Raymond Parks (verh. 1932 – 1977)
  • Eltern: Leona McCauley, James McCauley
  • Geschwister: Sylvester McCauley
  • Sternzeichen: Wassermann
  • Beruf: Schneiderin, Sekretärin, Aktivistin
  • Todesdatum: 24. Oktober 2005
  • Sterbeort: Detroit, Michigan

„Separate but equal“

Diese Szene spielte sich am 1. Dezember 1955 in einem Bus in Montgomery, einer kleinen Stadt im tiefen Süden der USA ab. Die mutige Frau war die schwarze 42-jährige Bürgerrechtlerin Rosa Parks.

Warum diskutierten die Frau und der Busfahrer darüber, ob Rosa Parks nun sitzt oder steht? Ganz einfach, der Polizist hatte schon recht, als er Rosa auf ihre gesetzliche Pflicht ihren Sitz für einen weißen Fahrgast freizumachen hinwies. Das Gesetz diskriminierte die schwarze Bevölkerung in allen Lebensbereichen ganz offen. Es bestand zwar der Grundsatz „separate but equal“, was so viel heißt wie „getrennt aber gleichwertig“, allerdings war dieser Ausspruch nicht das Papier wert, auf dem er gedruckt war.

Tatsache war jedoch, dass die schwarze Bevölkerung in allen Lebensbereichen unter der strengen Rassentrennung zu leiden hatte. Die Infrastruktur in den Stadt- und Landesteilen, in denen sie lebten, war deutlich schlechter als in den weißen Wohngebieten, schwarze Kinder mussten häufig kilometerlange Wege zu schlecht ausgestatteten Schulen hinnehmen. Schwarzen Kindern war der Besuch von Universitäten verboten, beruflich hatten sie kaum Perspektiven, denn der Zugang zum Bildungssystem ließ einiges zu wünschen übrig.

Allerdings hatte die weiße Mehrheit im Land auch ein Interesse daran, die Bildung der Schwarzen so gering wie möglich zu halten, denn je weniger sie wussten, desto eher würden sie sich mit ihren nachteiligen Lebensumständen zufriedengeben. Mehr Bildung würde automatisch erhöhte Ansprüche nach sich ziehen und die Forderung nach gleichwertigen Lebensbedingungen für die schwarze Bevölkerung.

Ein Blick zurück in die Geschichte

Wer diesen Konflikt verstehen will, muss eine Zeitreise bis in die Anfänge der Vereinigten Staaten von Amerika unternehmen. Die Gründerväter um Thomas Jefferson zeichneten für die Verfassung der neu gegründeten Vereinigten Staaten von Amerika verantwortlich, die als die erste und weitreichendste demokratische Verfassung der Neuzeit gilt. Sie war und ist für viele ein Vorbild an gelebter Demokratie und die Chance eines jeden einzelnen amerikanischen Bürgers, nach Glück zu streben und sein Leben so zu gestalten, wie es ihm beliebt.

Die Gründerväter betonten im Text ihrer Verfassung, dass alle Menschen in Amerika vor dem Gesetz gleich sind. Die Verfassung der USA sieht den Schutz aller amerikanischen Bürger durch den Rechtsstaat vor. Die Schwarzen waren seit ihrer Befreiung nach Ende des amerikanischen Bürgerkriegs 1865 nicht mehr rechtlose Sklaven, sondern amerikanische Staatsbürger.

Frei waren sie allerdings ganz bestimmt nicht, denn sie standen jetzt plötzlich auf eigenen Beinen, die meisten konnten nicht lesen und schreiben und stießen überall auf Diskriminierung und Ablehnung, im Süden noch mehr als im Norden der USA. Für die ehemaligen Sklaven blieben nur einfache, harte und schlecht bezahlte Jobs als Landarbeiter und in den Fabriken, alles Jobs, für die sich selbst die arme, weiße Unterschicht häufig zu fein war.

Soziale Ausgrenzung und prekäre Lebensumstände

Fortan lebten die Schwarzen sozial ausgegrenzt in prekären Lebensumständen, denen der Zugang zum Bildungssystem lange Zeit ganz und anschließend nur sehr beschränkt zugänglich gemacht wurde. Im Süden der USA hatte sich nach dem verlorenen Bürgerkrieg ein tiefer Hass auf die ehemaligen Sklaven und später auf deren Nachkommen herausgebildet.

Mit dem Niedergang und Verbot des lukrativen Sklavensystems hatten die aristokratischen wohlhabenden Plantagenbesitzer ihr auf der Ausbeutung der Sklaven gegründetes Geschäftsmodell verloren. Im Gegensatz zu den Nordstaaten, die die Neuerungen des aufkommenden Industriezeitalters für sich zu nutzen wussten, waren die Südstaaten fast ausschließlich landwirtschaftlich geprägt und stark rückwärtsgewandt.

Die weißen Pflanzerfamilien verließen sich ausschließlich auf den gewinnbringenden Export von Baumwolle und anderen landwirtschaftlichen Produkten, die hohe Gewinne abwarfen. Diese hohe Gewinnspanne war jedoch nur aufgrund des lukrativen Sklavensystems möglich. Hätten die Baumwollpflanzer reguläre Arbeiter bezahlen müssen, wäre der große Reichtum vieler Plantagenbesitzer nicht möglich gewesen.

Moralische Bedenken gab es nicht, denn die Schwarzen, auch abfällig als Nigger bezeichnet, wurden nicht als Menschen und gleichberechtigte Bürger angesehen, sondern als minderwertige Rasse, die man ganz gezielt von jeder Bildung fernhielt. So war es den Sklaven verboten, lesen und schreiben zu lernen. Auf diese Weise wollten die weißen „Herrenmenschen“ ein mögliches Aufbegehren der Sklaven und die Forderung nach gleichwertigen Bürgerrechten verhindern.

Die Sklavenfrage entfacht den Amerikanischen Bürgerkrieg

Es war schließlich Präsident Abraham Lincoln, der Anfang der 1860er-Jahre ein politisches und gesetzliches Umdenken durchsetze. Durch die Sklavenfrage entbrannte schließlich ein vier Jahre langer, blutiger und verlustreicher Krieg, bis die Unionsstaaten diesen militärischen Konflikt schließlich für sich entscheiden konnten.

Die meisten Plantagenbesitzer hatten durch den Bürgerkrieg alles verloren und machten nun die ehemaligen Sklaven für ihre schlechte Ausgangssituation nach dem Krieg verantwortlich. In den nächsten Jahrzehnten schwelte der Hass vieler Südstaatler auf die Schwarzen und das neue politische System weiter an. Sie sahen sich als Menschen an, die für eine edle Sache gekämpft und diese zu Unrecht verloren hatten.

Während die befreiten Schwarzen in den Nordstaaten zwar auch kein gutes Leben hatten, wurden sie in den Südstaaten offen diskriminiert. Viele Weiße hetzten die Bevölkerung gegen die „Nigger“ auf. Neben der offenen Diskriminierung im sozialen Bereich und im Alltagsleben waren Lynchjustiz und ungerechtfertigte Verfolgung der Schwarzen durch Polizei und Gerichtsbarkeit an der Tagesordnung.

Strafprozesse aufgrund falscher Anschuldigungen

Häufig wurden Strafprozesse aufgrund falscher Anschuldigungen in die Wege geleitet, deren Ausgang von Anfang an feststand. Schwarze Männer wurden vielfach als Gesetzesbrecher dargestellt, die Liste ihrer angeblichen Verfehlungen war genauso lang wie die nachfolgenden langen Haftstrafen. Obwohl Schwarze auf dem Papier dieselben Bürgerrechte besaßen wie die Weißen, wurden in den Südstaaten immer neue Gesetze erlassen, um dieser Minderheit das Leben schwer zu machen. Der neueste Auswuchs waren die sogenannten „Jim-Crow-Gesetze“, die schwarze Bürger vielfach daran hinderte, ihr Wahlrecht auszuüben.

Vom Obersten Gerichtshof nicht gehindert, verschärfte sich die Lage für die schwarze Bevölkerung in den Südstaaten immer mehr. Dort verhinderte der Gesetzgeber fast jeden Kontakt zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen. Von der Wiege bis zur Bahre zog sich die Rassendiskriminierung durch das Leben der schwarzen Bevölkerung. Schwarze besuchten nicht nur andere Schulen und Kirchen als Weiße, sie spielten auf anderen Spielplätzen, speisten in anderen Restaurants, lebten in anderen Stadtteilen. Nach dem Tod wurden sie anderen Räumlichkeiten aufgebahrt und auf separaten Friedhöfen beerdigt. Selbst ihr Ableben wurde in einem anderen Teil der Zeitung bekannt gegeben.

1913 bis 1930: Kindheit und Schulbesuch

In diese menschenverachtenden Umstände wurde Rosa Louise McCauley am 14. Februar 1913 in Tuskegee, Alabama, hineingeboren. Ihre Mutter war Lehrerin und ihr Vater hatte als Zimmermann ein regelmäßiges Einkommen vorzuweisen. So konnte sie im Gegensatz zu vielen ihrer Altersgenossen regelmäßig die Schule besuchen.

1915 zog sie mit ihrer Mutter und ihrem Bruder Sylvester auf die Farm ihrer Großeltern in Pine Level, Alabama. Auch dort entwickelte sich das Leben des jungen Mädchens im Vergleich zu anderen schwarzen Kindern recht gut. 1923 konnte sie aufgrund der Förderung liberal gesinnter Frauen aus den Nordstaaten die Montgomery Industrial School for Girls in der gleichnamigen Stadt besuchen. Der Besuch einer weiterbildenden Schule war für schwarze Kinder in den Südstaaten undenkbar, denn einen uneingeschränkten, freien Zugang zum Bildungssystem gab es für sie nicht.

Wenn sie Glück hatten, konnten sie die sogenannten Elementary Schools für Schwarze besuchen. Die meisten schwarzen Kinder besuchten die Schule jedoch nur unregelmäßig, denn häufig wurden sie von ihrer Familie gebraucht, um schon früh zum Lebensunterhalt beizutragen. Daher waren schwarze Kinder eher in schlecht bezahlten Jobs zu finden als auf der Schulbank.

Das Lernkonzept der Schule passte zu der Lebensphilosophie von Rosas Mutter, denn es war darauf ausgerichtet, den Mädchen Selbstachtung, Selbständigkeit und damit ein entsprechendes Selbstwertgefühl beizubringen. Leona McCauley hatte ihrer Tochter geraten, die Gelegenheiten, die das Leben bot, zu nutzen, auch wenn diese nur selten in Erscheinung traten. Die Aussichten für die junge Rosa waren in der Tat nicht besonders gut.

„Die Zeiten waren schwer, denn wir hatten keinerlei Bürgerrechte. Es war lediglich eine Sache des Überlebens, wir lebten nur von einem Tag zum anderen. Ich erinnere mich, dass ich eines Abends, kurz vor dem Schlafengehen, den Ku-Klux-Klan hörte, der gerade jemanden lynchte. Ich hatte Angst, sie würden unser Haus abbrennen“,

erinnerte sich Rosa Parks in einem späteren Interview.

Dieses Schlüsselerlebnis und die prekären Umstände, in denen sie und ihre Familie leben mussten, gab sie auch als Grund für ihre spätere unerschrockene Zivilcourage während des Busboykotts in Montgomery an: „Ich hatte keine Angst. Da war mehr die Erleichterung zu wissen, ich war nicht alleine“. Die junge Rosa hatte jedoch weiterhin das Glück, gefördert zu werden, dann nach Abschluss an der Montgomery Industrial School for Girls besuchte sie die staatliche Lehrerschule in Alabama, das Alabama State Teachers College.

1954: Aufhebung der Rassentrennung in den Schulen durch den Obersten Gerichtshof

Der Ku-Klux-Klan, die ultrarassistische Vereinigung weißer Männer aus den Südstaaten mit den charakteristisch weißen Kapuzen hatte sich 1944 offiziell aufgelöst, nachdem sich landesweit die Proteste gegen die rassistischen Gewalttaten verstärkten. Diese arteten soweit aus, dass die Klansmänner im gutbürgerlichen Milieu kaum noch Unterstützung fanden und Politiker sich eine Unterstützung dieses Geheimbundes aus Imagegründen nicht mehr leisten konnten.

Auch wenn sich kaum einer öffentlich positiv über den Klan und seine Gewalttaten äußerte, hatte eine Mehrzahl von 80 Prozent kein Problem mit der strikten Rassentrennung und die dadurch resultierende Ungleichheit und Probleme. Kaum einer störte sich an den prekären Lebensumständen der schwarzen Bevölkerung, ganz im Gegenteil, man wollte nichts damit zu tun haben und war der Meinung, den ungebildeten und dummen „Niggern“ stünde kein anderes Leben zu, schon gar nicht ein gleichberechtigtes Leben an der Seite der Weißen.

Weiße Schläger und Volksverhetzer belebten spätestens Mitte der 1950er-Jahre den Ku-Klux-Klan wieder, der im tiefen Süden der USA nach dem aktuellen Urteil des Supreme Courts erneut eine große Akzeptanz erfuhr.

Supreme Court erklärt Rassentrennung an Schulen für verfassungswidrig

Die obersten Richter des Landes hatten es gewagt, die Rassentrennung an den Schulen für verfassungswidrig zu erklären. In dem 1954 vor dem Obersten Gerichtshof verhandelten Fall ging es um die Ungleichbehandlung schwarzer Kinder, die eigens für sie eingerichtete Schulen zu besuchen hatten, auch wenn sich diese weit weg von ihrem Wohnort befanden und selbiges einen langen Schulweg mit dem Bus oder sogar zu Fuß bedeutete. Das Präzedenzurteil ist als Brown vs. Board of Education ein die Geschichte eingegangen.

Hinter dieser Entwicklung stand die National Association for the Advancement of Coloured People, einer schwarzen Bürgerrechtsbewegung, der auch Rosa Park angehörte. Anwalt für die NAACP war Thurgood Marshall und später der erste schwarze Richter am Supreme Court. Das Präzedenzurteil stufte nach Rassen getrennte Bildungseinrichtungen als Diskriminierung der betroffenen Bevölkerungsgruppe ein.

Der Vorsitzende Richter Earl Warren setzte dabei weniger auf die juristische Betrachtung der Rassentrennung, sondern mehr auf große Bedeutung von Bildung und den gleichen Zugang zu Bildungseinrichtungen für alle Bürger des Landes, also Schwarze und Weiße.

Ein Präzedenzfall führt zu Rassenunruhen im tiefen Süden

Dieses Präzedenzurteil zog große Rasseunruhen in den Südstaaten nach sich. Weiße Demonstranten bezeichneten die Gleichstellung der Schwarzen als Kommunismus und prangerten die „Missstände“ der Rassenvermischung an. Politiker setzten den Richterspruch mit etlichen Verzögerungstaktiken um und zogen in anderen gesellschaftlichen und sozialen Bereichen, in denen noch niemand gegen die Missstände der Rassentrennung geklagt hatte, die Daumenschrauben an.

Seit 1954 wirkte ein aufstrebender, wortgewandter schwarzer Pastor namens Martin Luther King in der schwarzen Gemeinde Montgomerys, dort wo auch Rosa Parks zuhause war. Die Schwarzen sahen in dem 1929 geborenen charismatischen King die ideale Führungsfigur für ihr Anliegen, durch eine Bürgerrechtsbewegung ihre Lebensbedingungen endlich zu verbessern. King zögerte jedoch noch eine Weile, sich von der NAACP vereinnahmen zu lassen. Noch sah er seinen Wirkungskreis mehr als Vertreter Gottes auf der Kanzel seiner Kirche.

Rosa Parks führte mit ihrem Mann ein für die schwarze Bevölkerung typisch bescheidenes und arbeitsames Leben. Am 1. Dezember 1955 weigerte sie sich, ihren Sitzplatz in der städtischen Buslinie Montgomerys für einen weißen Fahrgast zu räumen und sich hinzustellen. Nach einem kurzen Wortgefecht mit dem Busfahrer wurde sie von der Polizei verhaftet. Dieses Ereignis machte schnell die Runde und die NAACP, in der Rosa Parks seit Anfang der 1940er-Jahre ein aktives Mitglied war, stellte sich hinter sie, indem sie ihre Freilassung gegen Kautionsauflagen erreichte.

Seit 1943: aktives Mitglied in der NAACP

Ihr Mann Raymond hatte versucht, sie von dieser Mitgliedschaft und aktiven Betätigung aus Sorge um ihre Sicherheit abzuhalten, jedoch ohne Erfolg. Dort arbeite Rosa Parks ab 1943 als Sekretärin und eine Art Sozialarbeiterin, denn sie setzte sich im Bereich der Strafrechtspflege ein. Sie bearbeitete Fälle von schwarzen Männern, denen zu Unrecht Straftaten wie Vergewaltigung weißer Frauen, Einbruch und Diebstahl zur Last gelegt wurden und die nicht selten Opfer von Lynchjustiz zu werden drohten.

Auch schwarze Frauen waren von der gesetzlichen Ungleichbehandlung durch die weiße Justiz betroffen, wie die 24 Jahre alte Recy Taylor, die 1944 Opfer einer durch sieben weiße Männer begangenen gemeinschaftlichen Vergewaltigung wurde, die jedoch durch trotz Zeugen von den Justizbehörden vor Ort in Abbeville, Alabama nicht verfolgt wurde, da man sich weigerte, die sieben Männer anzuklagen.

Die NAACP setzte sich für Taylor ein und schickte Rosa Parks vor Ort, um sich über diesen Fall zu informieren. Der örtliche Sheriff bezeichnete sie jedoch als Ruhestörerin, was Parks jedoch nicht von einer Einmischung in den Fall abhielt. Mit ihren Informationen kehrte sie nach Montgomery zurück. Obwohl die NAACP erreichte, dass der Fall Racy Taylor landesweit Schlagzeilen machte, wurde er Fall jedoch zu den Akten gelegt und die sieben Männer nie angeklagt.

Die historische Busfahrt von Montgomery

Der Bus Nr. 2857, in dem Rosa Parks festgenommen wurde; ausgestellt im Henry-Ford-Museum
Der Bus Nr. 2857, in dem Rosa Parks festgenommen wurde; ausgestellt im Henry-Ford-Museum (CC BY-SA 3.0)

Ihre jahrelangen Erfahrungen als aktives Mitglied der NAACP hatten Rosa Parks geprägt, als es schließlich zu dem historischen Vorfall in dem Bus in Montgomery kam. Zudem kannte sie den Busfahrer James Blake bereits seit 1943. In diesem Jahr hatten die beiden eine Auseinandersetzung, nachdem sich Parks nach Bezahlung ihrer Fahrkarte geweigert hatte, den Bus durch die für schwarze Fahrgäste vorgesehene Hintertür zu betreten. Seitdem achtete sie darauf, nicht wieder in einen von Blake gefahrenen Bus einzusteigen.

An jenem 1. Dezember 1955 blieb sie jedoch nicht sitzen, weil sie nach einem langen Arbeitstag erschöpft war, wie viele behaupteten, sondern weil sie einfach der demütigenden Behandlung der Schwarzen durch die weiße Mehrheit müde war. Ferner hatte sie keine Absicht, dieses Ereignis zu provozieren, denn sie hatte nicht bemerkt, dass James Blake der Busfahrer war. Wäre dem so gewesen, so Parks, hätte sie auf einen anderen Bus gewartet.

Für die schwarze Bürgerrechtsbewegung war Rosa Parks das ideale Aushängeschild, eine sympathische, fleißige Arbeiterin, mit der sich andere Schwarze leicht identifizieren konnten. Dieses historische Ereignis führte zu einem weiteren gerichtlichen als Präzedenzfall eingestuften Urteil, das die Rassentrennung in den Bussen für verfassungswidrig erklärte und damit aufhob.

1955 bis 1977: Busboykott, erneute Verhaftung, Umzug nach Detroit, Freedom Path

Diesem Urteil war zuvor der gleichfalls in die Geschichte eingegangene Busboykott von Montgomery vorangegangen. Die schwarzen Bürger Montgomerys weigerten sich nach der Verurteilung Rosa Parks, weiterhin mit der städtischen Buslinie zu fahren. Schwarze machten jedoch 70 Prozent der Fahrgäste und damit 70 Prozent der Einnahmen aus. Der städtischen Buslinie drohte das wirtschaftliche und finanzielle Aus. Schließlich musste sie sich dem Protest und dem neuen Urteil beugen und die Rassentrennung in ihren Bussen aufheben.

Als Rosa Parks medienwirksam auf einem Platz in dem Bus, der früher nur den weißen Fahrgästen vorbehalten war abgelichtet wurde, war James Blake wieder der Busfahrer. Diese Entwicklung setzte wiederum neue Proteste der weißen Bevölkerung in Gang. Martin Luther King war mittlerweile zu einer eloquenten und landesweit bekannten Figur des schwarzen Protestes geworden, der sich jedoch ausschließlich für gewaltfreie Aktionen einsetzte. Wie King erhielt auch Rosa Parks regelmäßig Morddrohungen.

Die Regierungen der Südstaaten ließen sich viel einfallen, um die Integration der Schwarzen zu verhindern. Zahlreiche Gesetze umgingen die Bestimmungen der Urteile zur Aufhebung der Rassentrennung in „kreativer“ Art und Weise. Präsident Eisenhower schickte etwa die Luftlandedivision nach Little Rock, Arkansas, nachdem Gouverneur Orval Farbus neun schwarzen Schülern den Zugang zur Highschool der Stadt verwehrt hatte.

Kennedy tritt die Nachfolge von Eisenhower an

Sein Nachfolger John F. Kennedy fand sich zwischen den Stühlen wieder, denn als Demokrat musste er auf der einen Seite die schwarzen Wähler für sich gewinnen, war auf der anderen Seite jedoch auf die Unterstützung seiner Parteikollegen aus den Südstaaten angewiesen. Seine Wahlversprechen für mehr Unterstützung der schwarzen Bürgerrechtsbewegung setzte er nur zögerlich, wenn überhaupt und mit starken Zugeständnissen für die südlichen Bundesstaaten um.

In den Medien wusste er jedoch erneut mit starken Reden zu überzeugen und sagte mit Hinweis auf Rosa Parks: „Es gehört zur amerikanischen Tradition, für seine Rechte aufzustehen, auch wenn man sich hierfür neuerdings hinsetzen muss“. Die schwarze Bürgerrechtsbewegung und Rosa Parks mussten noch viele Jahre auf die Abschaffung der Rassendiskriminierung in allen Lebensbereichen warten.

Die schwarze Protestbewegung radikalisierte sich in den 1960er-Jahren immer mehr und auch Martin Luther King setzte nun nicht mehr nur auf gewaltfreie Proteste. Nach dem Busboykott und ihrer erneuten Verhaftung in Verbindung mit diesem Ereignis zog Rosa Parks mit ihrem Ehemann und ihr Mutter nach Detroit, Michigan, nachdem sie ihre Arbeit als Näherin in einem Kaufhaus verloren und Raymond seinen Job aufgrund unterschiedlicher Repressalien gekündigt hatte.

In Detroit konnte sie ihre politischen Aktivitäten fortsetzen, indem sie im Stab des schwarzen Kongressabgeordneten John Conyer jr. arbeitete. Nach dem Tod ihres Ehemanns Raymond 1977 gründete sie das Rosa Parks Institut „Freedom Path“, das sich für die Förderung Jugendlicher und Kenntnisse im Bereich der Bürgerrechtsbewegung einsetzt.

1996 bis 2005: Ruhestand, Auszeichnungen und Ehrungen

Rosa Parks mit Bill Clinton
Rosa Parks mit Bill Clinton

1996 wurde Rosa Parks von US-Präsident Bill Clinton mit der Medal of Freedom ausgezeichnet. 1999 erhielt sie die Congressional Gold Medal. Zu diesem Anlass wurde sie gefragt, ob sie ein glückliches Leben im Ruhestand führe. Sie antwortete darauf mit folgenden Worten:

„Ich tue mein Bestes, um das Leben optimistisch und hoffnungsvoll zu sehen und freue mich auf bessere Tage. Ich glaube nicht, dass es so etwas wie komplettes Glück gibt. Es ist schrecklich, dass der Ku-Klux-Klan noch immer aktiv ist und dass es nach wie vor Rassismus gibt. Wenn jemand glücklich ist, gibt es nichts mehr, was man braucht und sich wünscht. An diesem Punkt meines Lebens bin ich bis jetzt noch nicht angekommen“.

Rosa Parks starb am 24. Oktober 2005 im Alter von 92 Jahren. Die US-Regierung verneigte sich vor ihr, indem ihr Sarg im US-Kapitol aufgebahrt wurde, eine Ehre, die sonst nur Staatsmännern und Militärangehörigen zuteil wird. 30.000 Menschen nahmen dort Abschied von der Ikone der schwarzen Bürgerrechtsbewegung.

Am 50. Jahrestag ihrer Verhaftung ordneten die Behörden vieler amerikanischer Städte an, die Sitze hinter dem Busfahrer nicht zu besetzen, um an den Akt der Zivilcourage zu erinnern, der Rosa Parks über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht hatte.

Häufige Fragen und Antworten

Wer war Rosa Parks?

Rosa Parks war eine amerikanische Bürgerrechtlerin und Afroamerikanerin.

Wie wird an Rosa Parks erinnert?

An Rosa Parks wird unter anderem durch die Benennung diverser öffentlicher Einrichtungen mit dem Namen Rosa Parks erinnert.

Wie sah das Leben von Rosa Parks später aus?

Rosa Parks erhielt unter anderem 1996 die Medal of Freedom durch den US-Präsidenten Bill Clinton. Außerdem wurde Rosa Parks Instituts „Feedom Path“ gegründet und sie 1999 mit der Congression Gold Medal eine weitere Auszeichnung durch die US-Regierung.

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