Die Amish in den USA

Die Amish in den USA - eine Zeitreise ins Mittelalter

Amish in den USA
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Die Amish oder Amischen sind eine täuferisch-protestantische Glaubensgemeinschaft, die ihre Wurzeln in Mitteleuropa, vor allem der Schweiz und Süddeutschland hat. Inzwischen leben etwa 300.000 Amische in 32 Bundesstaaten der USA (Stand 2015)¹.

Deutsch ist ihre Muttersprache, doch die Heimat ihrer Vorfahren haben sie seit Jahrhunderten nicht gesehen. Sie sind Getriebene ihres Glaubens und sie leben abseits der Highways in den Tälern zwischen den Hügeln Pennsylvanias.

Amish in den USA
Amish in den USA

Ganz bewusst suchen die Menschen, die sich zu den Thesen der Amish bekennen, die Distanz zu allen Facetten des Fortschritts. Vielmehr erhoffen sie sich die Erfüllung in der Abgeschiedenheit ihres amerikanischen Zuhause und im Zusammenhalt ihrer Familien.

Das Land, das sie ernährt, erfährt Tag für Tag ihre Verehrung, denn sie sind davon überzeugt, dass sie den von ihren Vätern geerbten Boden letztlich nur von ihren Kindern geliehen haben.

Die Amish wachsen auf inmitten einer natürlichen Umgebung, und mehr als 300.000 Anhänger dieser radikalreformatorischen Gemeinschaft leben in den Vereinigen Staaten – verteilt in 32 Bundesstaaten. Die meisten von ihnen beackern ihre Scholle in Pennsylvania, und die Bibel ist dabei der Leitfaden ihres Denkens und Handelns.

Geschichte der Amish

Auf den Spuren der historischen Quäker

Wer ein Dorf der Amish besucht, der begibt sich auf eine Reise zu den Wurzeln und damit zu den historischen Anfängen der Vereinigten Staaten. Die Region zwischen New Jersey und Ohio, die einst durch den Indianerstamm der Irokesen beherrscht wurde, war zu diesen Zeiten das Einflussgebiet der Quäker.

Sie waren auf Geheiß von Karl II, dem englischen König, im 17. Jahrhundert nach Pennsylvania gekommen und verstanden ihre Missionstätigkeit als „heiliges Experiment“. Allerdings erfreute sich das Land einer gewissen Religionsfreiheit, was zahlreiche Menschen links und rechts des Rheins ermunterte, sich eine neue Heimat in der Neuen Welt zu suchen.

Die Täufer und das „wahre Christentum“

Die sogenannten „Amischen“ leiten diesen Namen von einem gewissen Jakob Ammann ab, der aus dem Simmental im Berner Oberland stammte und ein Prediger der Schweizer Brüder war. Dabei handelte es sich um eine Täuferbewegung, die von sich behauptete, nach dem „wahren Christentum“ zu leben.

Doch die Anhänger dieser reformatorischen Glaubenslehre wurden von der jeweiligen Obrigkeit verfolgt und in vielen Fällen wegen „Hochverrats“ geächtet und getötet. Das führte zu einer Auswanderungswelle und zur Abspaltung der Amish von den Mennoniten. Ammann bekannte sich zu einem demütigen Lebenswandel und galt als rigoroser Verfechter der Einhaltung von Regeln.

500 Neu-Amerikaner aus der Pfalz

Zu den von dem Amish-Begründer Jakob Ammann verordneten Grundsätzen zählte eine strenge Kleiderordnung und für die männlichen Mitglieder der Gemeinde das Tragen von Bärten. Der „Vater“ aller Amischen erlebte die Auswanderungswelle seiner Glaubensbrüder nach der Französischen Revolution nicht mehr.

Es waren vor allem Landwirte und Handwerker aus der Pfalz, die sich in Richtung Amerika aufmachten. Es sollen etwa fünfhundert Menschen aus hundert Familien gewesen sein, die somit den Stamm der heutigen Amish-Gemeinde in Pennsylvania gründeten und damit auch die deutsche Kultur exportierten. Ihre Sprache nennt man bis heute „Pennsylvania Dutch“.

Traditionalisten und Reformer

Im 19. Jahrhundert kristallisierten sich zwei Gruppierungen innerhalb der Amish-Glaubensgemeinschaften heraus: Die Traditionalisten und die Reformer. Die Mehrzahl der Einwanderer bekannte sich zu einer modernen Lebensauffassung, und der „alten Ordnung“ vertrauten fortan nur noch sieben Prozent der Amish. Diese bedienten sich eines Kauderwelsch ähnelnden Slangs ihrer alten Heimat. „Swiss Amish“ nennt man in den Vereinigten Staaten diesen nur noch selten gesprochenen Dialekt.

Doch die Traditionalisten und die Vertreter der christlichen Reformen eint noch immer das Evangelium. Das Neue Testament ist für alle die Richtschnur für ihr Leben in einer allerdings unterschiedlich praktizierten Enthaltsamkeit.

Die gelebte Theologie der Amishen

Wer sich der Amishen Kultur in Pennsylvanien nähert, der stößt zunächst auf die äußerlichen Unterschiede zu den Menschen anderer Religionsformen. Doch die Werte, die das Testament vermittelt, trafen und treffen dort auf offene Ohren. Die Anhänger dieser religiösen Variante sind der gelebten Theologie hautnah verbunden und sehen in ihrem Gebetbuch das äußere Zeichen einer „ernsthaften Christenpflicht“.

Während die Hutterer in Alberta, British Columbia, Manitoba und Saskatchewan fast ausschließlich in sogenannten „Bruderhöfen“ oder Kolonien wohnen, haben sich die Amishen gegen geschlossene Wohnsiedlungen entschieden. Vielmehr praktizieren sie eine gute Nachbarschaft zu ihren andersgläubigen Mitmenschen.

Hügeliges Land mit vielen Laubbäumen

Pennsylvania im Nordosten der Vereinigten Staaten erhielt den Namen von William Penn, der als Quäker kam und sich stets bemühte, vor allem Aussiedler aus Deutschland in die Neue Welt zu locken. Der Bundesstaat spielt in der Geschichte der USA eine wichtige Rolle, denn in der Metropole Philadelphia wurde im Jahr 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung unterzeichnet.

Amish Farm in Pennsylvania
Amish Farm in Pennsylvania

Hier, in der hügeligen Landschaft mit seinen vielen Laubbäumen und weiten Ackerflächen, fühlten sich die Anhänger der Amishen von Anfang an sehr wohl. „Amish People“ nannten die Amerikaner die Sympathisanten dieser religiösen Bewegung, die bis in die heutige Zeit nach den Traditionen ihrer Vorfahren leben und alle Fortschritte im technischen Bereich so gut es geht verpönen.

Wesentliche Merkmale der amischen Kultur

Mit der Pferdekutsche zur Kirche

Amish Männer mit Hut
Amish Männer mit Hut

In den modischen Shops von Philadelphia im Lancaster County wird man die Anhänger der Amishen so gut wie nie antreffen. Die Art der Bekleidung spielt für sie offensichtlich eine untergeordnete Rolle, denn die männliche Bevölkerung entscheidet sich fast immer für dunkle Farben und schlichte Formen.

Und alle bekleiden sich beim Gang zur Kirche oder in der Freizeit mit einem Hut – die Frauen sind häufig mit einer Haube unterwegs. Das verbreitetste Transportmittel ist seit jeher die Pferdekutsche und dank der fruchtbaren Felder und ihrer Tiere in den Höfen und auf den Weiden steht die Landwirtschaft fast überall hoch im Kurs.

Kein Auto und kein Strom aus der Steckdose

Amish Mädchen mit Kopfbedeckung
Amish Mädchen mit Kopfbedeckung

Die Brunnen auf den Bauernhöfen sind vielerorts von Hand gegraben. Das so gewonnene Wasser gelangt durch Zisternen in die Wohnhäuser. Im Bestreben, sich selbst und die Familie zu versorgen, spielt der eigene Garten mit Obst und Gemüse bei den Amishen noch immer eine überragende Rolle. Und wenn die kalte Jahreszeit beginnt, füllen stets unzählige Gläser mit Gemüsen und mit Früchten die Weckgläser.

Honig, Ahornsirup und Marmelade lagern in den kühlen Vorratsräumen. Die Menschen benötigen in ihrer Abgeschiedenheit keine Autos, und viele lehnen sogar den Strom aus der Steckdose als Bequemlichkeit der unerwünschten Zivilisation ab. Ihr Streben gilt allein dem Bestellen der kostbaren Felder vor ihren Haustüren.

Ein Leben in Strenge und Einfachheit

Strenge und Einfachheit sind die Elixiere eines Lebens in der Gemeinschaft der Amishen. Jene, die ihren Glauben ohne Wenn und Aber verinnerlicht haben, sehen in ihrem Familienverbund und in ihrer Gemeinde so etwas wie den Vorhof zum Paradies. Für sie ist dieser ihren Traditionen zugewandte Lebensstil alles andere als ein Auslaufmodell, und ihre eher „unamerikanische“ Philosophie erfreut sich mittlerweile in einigen Bundesstaaten eines unerwartet starken Zulaufs.

In einem Gebiet von Ohio bekennen sich offiziellen Angaben zufolge 42 Prozent der Einwohner zu den Ritualen und Überzeugungen der Amish. Segnungen der Zivilisation, wie Fernsehen, Kinos, Telefon, Musik oder Radio lehnen so gut wie alle ab.

Besitz eines Autos ist ein Statussymbol

Automobile werden seit jeher von den Anhängern des Amish-Glaubens verpönt. Für sie ist der Besitz eines solchen nicht mehr als ein Statussymbol. Kutschen, von Pferden gezogen, sind statt dessen ihr traditionelles Mittel zur Fortbewegung. Allerdings führt die Abneigung gegenüber Autos nicht so weit, dass auch das Mitfahren für sie verboten wäre.

Kutschen sind das traditionelle Fortbewegungsmittel der Amish People
Kutschen sind das traditionelle Fortbewegungsmittel der Amish People

Und wer in den Amish-Gemeinden in Lancaster County im Bundesstaat Pennsylvania aus dringenden Gründen ein Telefon benutzen oder sich im Internet informieren möchte, der schaut mal eben beim englisch-sprachigen Nachbarn vorbei. Also kennt auch das Leben im Amish-Verbund hier und da Kompromisse.

Demut vor den göttlichen Geboten

Der Tag eines Amish nordamerikanischer Prägung beginnt im häuslichen Rahmen fast immer mit dem Morgengebet. Zwar ist das tägliche Studium der Bibel eher die Ausnahme von der Regel, doch der Besuch von Gottesdiensten ist für alle Gemeindemitglieder obligatorisch.

Fällt eine sonntägliche Andacht aus, widmen sich die Menschen ihren Freunden und den Verwandten und unterscheiden sich in ihren Gepflogenheiten kaum von ihren Nachbarn.

Haartracht und Kleidung der Amishen sollen vor allem eines sein: Äußere Zeichen ihrer Bescheidenheit und Demut vor den göttlichen Geboten. Die Schuhe sind ausnahmslos flach, und die Kinder gehen im Sommer barfuß zur Schule.

Lange Bärte und eine Kopfbedeckung

Amish Mann mit Bart
Verheiratete Männer sind angehalten einen Bart zu tragen

Verheiratete Männer sind nach den historischen Regeln der Amishen angehalten, einen Bart zu tragen. Und je länger diese Bärte sind, um so konservativer ist die Gemeinde, zu denen sich deren Besitzer zugehörig fühlen. Frauen verlassen ihre Häuser niemals ohne eine Kopfbedeckung und schon die Teenager bekleiden sich mit einer Haube.

Über einen sehr langen Zeitraum der Geschichte dieser Glaubensgemeinschaft wurden sämtliche Kleidungsstücke mit den heimischen Nähmaschinen produziert. Mittlerweile gibt es in den Vereinigten Staaten aber Firmen, die sich auf die Fertigung von Amishen-Konfektion spezialisiert haben.

Spenden und Hilfe von Freunden

Der Abschluss von Versicherungen spielt für die Amishen eine nebensächliche Rolle. Vielmehr vertrauen sie auf den Zusammenhalt innerhalb der Gemeinde. Wer in Not ist, darf darauf hoffen, Hilfe von Freunden zu erhalten. Nicht selten ruft der Diakon einer Gemeinde nach einem Gottesdienst die Mitglieder zu Spenden auf.

Da das amerikanische Gesundheitssystem große Lücken aufweist, haben sich Selbsthilfe-Organisationen gebildet, aus deren Fonds eventuelle Krankheitskosten beglichen werden. Heilverfahren der Homöopathie stehen vielerorts hoch im Kurs.

Amish Gemeinden in Deutschland

Für das Leben in einer religiösen Außenseiterrolle haben sich ehemals auch Menschen in Deutschland entschieden. Die letzten Amishen verließen bereits vor hundert Jahren Mitteleuropa in Richtung Vereinigte Staaten von Amerika. Doch noch heute findet man in Bayern in einigen Dörfern Mennoniten.

Zu den Merkmalen ihrer Religionsausübung gehört die Tatsache, dass sie sich erst taufen lassen, wenn sie erwachsen sind. Die Gottesdienste dieser Glaubensgemeinschaften finden in Ermangelung von Kirchen fast ausschließlich in privaten Wohnhäusern statt. Im übrigen gibt es in Deutschland keine Amishen, die den religiösen Gepflogenheiten der amerikanischen Gemeinden ähneln.

Eine tief verwurzelte Frömmigkeit

Überliefert ist, dass es bis zum Jahr 1937 eine amische Gemeinde in Inxheim gab. Deren Mitglieder schlossen sich dann allerdings den Mennoniten an. Sie ähnelten auch jener Gruppierung, die sich in Luxemburg inmitten des Zweiten Weltkriegs auflöste.

Im schwäbischen Böblingen hat sich eine Gemeinschaft niedergelassen, die den Amishen in ihrer Abkehr von allen Errungenschaften der Zivilisation recht nahe kommt. Allerdings entstanden die „Hahn’schen Brüder“ nicht aus der Täuferbewegung sondern aus dem Pietismus und damit dem Streben nach einer tief verwurzelten Frömmigkeit.

Urlaub bei den Amish: Eine Zeitreise in die Vergangenheit

Wer den urbanen Lebensraum und den Alltag der Amishen studieren möchte, der sollte sich für einen Urlaub im Kreise einer traditionellen Familie in den USA entscheiden. In manchen Bauernhöfen werden Ferienwohnungen angeboten, und die Atmosphäre eines Aufenthalts beim abendlichen Schein der Laternen und dem Verzicht auf eine Verbindung mit dem Handy kann faszinierend sein.

Dies ist für jene, die sich für diesen Urlauber der etwas anderen Art begeistern können, eine Zeitreise in die Vergangenheit und das Eintauchen in die Traditionen von Menschen, die ihren Gästen mit großer Toleranz und Aufgeschlossenheit begegnen.

Häufige Fragen und Antworten

Wo leben die meisten Amish?

Das Herzland der Amish ist der amerikanische Bundesstaat Pennsylvania. Insgesamt leben in den Vereinigten Staaten rund 300.000 Amish.

Wie viele Amish leben in Deutschland?

Darüber gibt es keinerlei Angaben und Statistiken. Auch deshalb nicht, weil sich im Laufe der Zeit alle Amish-Gemeinden in Deutschland aufgelöst haben.

Wo leben Amish in Pennsylvania?

Die sogenannten „Amish People“ sind vor allem im Lancaster County zu finden. Dort gibt es die meisten Dorfgemeinschaften.

Welche Sprache sprechen die Amish?

Sie sprechen Hochdeutsch mit einem pfälzischen Dialekt. Die englische Sprache benutzen sie nur dann, wenn sie mit der Außenwelt kommunizieren müssen.

Wie kann man Amish werden?

Wer in den USA lebt und bereit ist, sich den Grundsätzen der Amish zu unterwerfen, kann in Ausnahmefällen einem Familienverbund beitreten. Für Deutsche ist das ohne eine Greencard allerdings fast unmöglich.

Welche Religion haben die Amish?

Die Glaubensrichtung der Amish basiert auf die reformatorische Täuferbewegung des Mittelalters.

Quellen:

  1. Amish Population Change 2010 – 2015

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