Amerikanische Hochzeit

Amerikanische Hochzeiten: je größer, desto besser

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Heiraten im Schnellverfahren in kitschig bunten als Weddig Chappels bezeichneten Kapellen in Las Vegas, so stellen wir uns eine amerikanische Hochzeit vor. Diese Art der Hochzeitsvermarktung erweckt jedoch einen falschen Eindruck, denn Amerikaner heiraten gerne traditionell, aufwendig und stilvoll. Wer als Nichtamerikaner einmal das Glück hatte, diesem schicken Anlass beizuwohnen, wird diesen Tag nicht so schnell nicht wieder vergessen.

Amerikaner lassen sich gerne auf das Abenteuer Ehe ein

Viele Amerikaner heiraten in jungen Jahren mit Anfang bis Mitte zwanzig. Amerikanische Hochzeiten sind meistens aufwendiger und pompöser als vergleichbare Feiern in Deutschland. Das hängt auch mit der amerikanischen Kultur zusammen. Während Amerikaner sich nicht scheuen, ihren Wohlstand zu zeigen, setzt man in Deutschland auf Understatement. Wohlstand und Reichtum offen zu zeigen, gilt als unangemessen und neureich.

Amerikanische Hochzeitsfeier
Amerikanische Hochzeitsfeiern sind häufig viel pompöser als in Deutschland

Allerdings inszenieren nicht nur wohlhabende Amerikaner diesen Tag in einem ganz besonderen Rahmen. Selbst finanziell weniger gut gestellte Hochzeitspaare bemühen sich um eine unvergessliche und aufwendige Feier. Um dieses Ziel zu erreichen, ist man gerne bereit, Einsparungen an anderer Stelle vorzunehmen.

Trauzeuge und Ehrendame

Für den Bräutigam ist die wichtigste Person auf einer amerikanischen Hochzeit der „Best Man“, der Trauzeuge, nach der Braut natürlich. Dem Trauzeugen kommt eine wichtigere Rolle zu wie bei deutschen Hochzeiten. Während sich die Rolle des deutschen Trauzeugen eher auf die offizielle Funktion der Unterzeichnung der Heiratsurkunde beschränkt, organisiert der amerikanische Trauzeuge das Fest, bezahlt den Geistlichen und verwahrt die Traurringe.

Darüber hinaus agiert er als Stimmungsmacher, hält die Hochzeitsansprache, kümmert sich um die Gäste und sorgt für das seelische Gleichgewicht des Bräutigams, das unter dem Stress ganz schön leiden kann. Ganz nebenbei unterzeichnet er natürlich die Heiratsurkunde.

Die wichtigste Person für die Braut neben ihrem künftigen Gatten ist die Braid’s Maid, auch als Maid of Honor bezeichnet. Diese ist nicht mit den deutschen Brautjungfern zu vergleichen. In Amerika wird diese wichtige Person als Ehrendame bezeichnet, die diese Stellung nur dann einnehmen kann, wenn sie verheiratet ist.

Meistens ist die Ehrendame eine Schwester oder Freundin der Braut. Sie schreibt die Einladungen an die Gäste und hilft der Braut bei ihrer Garderobe. Einen Monat vor dem großen Tag organisiert sie den Bridal Shower, zu dem nur die weiblichen Hochzeitsgäste eingeladen sind. Die Braut wird geradezu mit nützlichen Geschenken „geduscht“, daher der Name.

Für diese Zuwendungen revanchiert sie sich am Tag vor der amerikanischen Hochzeit mit dem Bridal Brunch und dem abendlichen Rehearsal Dinner, in dem der Hochzeitsablauf geprobt wird. Anschließend feiern die Damen den Abschied vom Junggesellinnendasein.

Der Bräutigam darf sich natürlich auch ein letztes Mal als freier Mann amüsieren. Sein Abschied von Junggesellendasein in Begleitung seiner Brüder, Freunde und Kollegen wird als Stag Party, Hirschbockparty oder Bachelor Party bezeichnet. Meistens treten Partystripper und/oder Go Go Tänzer auf.

Unterschiedliche Hochzeitstraditionen

Abhängig vom Wohnort fallen amerikanische Hochzeiten sehr unterschiedlich aus. Von der Westernhochzeit im Grünen bis zur luxuriösen Party in den Großstädten wie New York City ist alles möglich.

Während man es auf dem Lande etwas rustikaler und traditioneller liebt, sind Hochzeiten in den Metropolen durchaus kosmopolitisch ausgerichtet. Beliebt sind Gospelchöre, die das typische „Oh happy Day“ anstimmen, nostalgischer Rock in der Tradition von Elvis Presley. Jazz Musik mit Dixie Land Bands sind gerne gesehene Begleiter im Süden der USA.

Gerne wird auch ein Hochzeitsmotto vorgeben, zum Beispiel die 1920er- oder 1950er-Jahre. Nicht nur die Hochzeits-Location wird im Stil dieser Zeit gehalten, sondern Brautleute und Gäste kleiden sich gleichfalls entsprechend.

Kirchliche Hochzeit, Hochzeitstorte, Essen und Geschenke

Im Gegensatz zu Deutschland ist die standesamtliche Eheschließung in den USA kleine Pflicht. Wedding Chappels sind kleiner als Kirchen und gehen weniger auf einen sakralen Hintergrund zurück. Sie stehen eher für eine etwas formlosere Hochzeit als in der Kirche. Die meisten Brautleute heiraten ausschließlich kirchlich, eine Doppelhochzeit wie bei uns ist komplett unbekannt.

Die Braut wird am Arm ihres Vaters zu den Klängen des traditionellen Hochzeitsmarsches in die Kirche geführt und dem Bräutigam übergeben. Ähnlich wie in Deutschland tritt die Braut in den meisten Fällen mit einem weißen Kleid und der Bräutigam mit einem dunklen Anzug vor den Altar.

Brautpaar USA
Dunkler Anzug und weißes Hochzeitskleid sind auch für amerikanische Hochzeiten typisch

Und dann ist da noch die Hochzeitstorte. Auch in den USA kennt man wie in Deutschland den Brauch, dass die Brautleute die Hochzeitstorte anschneiden. Auch in den USA eröffnet das Brautpaar anschließend die Feier mit einem Hochzeitswalzer. Allerdings fällt die amerikanische Hochzeitstorte wie alles andere deutlich aufwendiger aus als ihr deutsches Gegenstück.

In Amerika ist es nicht verpönt, Wohlstand zu zeigen, denn schließlich hat man sich diesen hart erarbeitet. Daher sehen sich Angehörige der Oberschicht wie zum Beispiel Politiker, Künstler oder Unternehmer auch nicht so massiver Kritik ausgesetzt wie wohlhabende Menschen in Deutschland. Die meisten Amerikaner leben daher nach dem Motto „the bigger the better“, „je größer, desto besser“. Das gilt auch für die Hochzeitstorte, die häufig mehr als fünf „Stockwerke“ und unzählige Dekorationsdetails umfasst.

Neben Tänzen und geselligen Hochzeitsspielen gibt es reichlich zu Trinken und Essen, meistens in Form eines opulenten Buffets. Die Hochzeitsfeier selbst fällt kürzer als in Deutschland, da in den Tagen zuvor ja schon reichlich gefeiert wurde. Die amerikanische Braut schmeißt ihren Brautstrauß gleichfalls in die Hochzeitsgesellschaft, in der Hoffnung, dass eine der Damen in heiratsfähigem Alter diesen auffangen.

Brautstrauß amerikanische Hochzeit
Das Fangen des Brautstraußes gehört auch auf amerikanischen Hochzeiten zur Tradition

Viele dieser Feste finden nach dem Eröffnungstanz ohne das Brautpaar statt, was bei uns undenkbar wäre, denn frisch gebackene amerikanische Ehepaare machen sich früh in die Flitterwochen auf, um sich von dem Stress zu erholen. Nicht selten umfasst eine solche Hochzeitsfeier mehr als 150 Gäste, Geschenke und Geld gibt es reichlich. Allerdings ist es verpönt, die Hochzeitsgäste um Geld anstatt um Geschenke zu bitten, den das drückt nach Meinung vieler mangelnden Respekt aus. Die Gabe von Geldgeschenken muss freiwillig erfolgen.

Marriage Licence und Marriage Certificate

Heiratswillige Paare benötigen eine Marriage Licence. Diese Lizenz zum Heiraten entspricht dem deutschen Ehefähigkeitszeugnis. Die zukünftigen Ehepartner erscheinen bei der zuständigen Behörde (Bureau of Marriage) und beurkunden, dass die Hochzeit freiwillig erfolgt. Sie geben eine eidesstattliche Versicherung (Affadavit) ab, dass alle Angaben, die zur Ausstellung der Heiratserlaubnis führen, der Wahrheit entsprechen.

Nach der Trauung vor einem Friedensrichter, eines Standesbeamten (Commissioner of Civil Marriages) oder in einer Kirche durch einen Pfarrer (Minister), erhalten die Brautleute das Marriage Certificate, die Heiratsurkunde. Das gesetzliche Mindestalter beträgt 18 Jahre, heiratswillige unter dieser Altersgrenze benötigen die Zustimmung ihrer Erziehungsberechtigten. Eheschließungen unter Cousinen und Cousins ersten Grades sind nicht gestattet. Personenstandsurkunden wie in Deutschland sind nicht einzureichen, ein Aufgebot ist nicht notwendig.

Bluttest vor der Heirat

Grund für den Bluttest ist eine häufig in der amerikanischen und afrikanischen Bevölkerung nachweisbare Erbkrankheit. Dieser Gendeffekt wird als Sichelzellkrankheit oder Sichelzellanämie bezeichnet, die eine chronische Erkrankung der roten Blutzellen verursacht, die die Patienten ihr ganzes Leben begleitet. Die Lebenserwartung der Betroffenen ist meistens deutlich herabgesetzt, häufig sterben sie bereits im Kindesalter oder in jungen Jahren. Wird die Krankheit frühzeitig erkannt und entsprechend behandelt, ist die Prognose günstiger, viele Patienten erreichen das Erwachsenenalter.

Viele Menschen sind Träger dieses Gendeffekts, ohne jedoch selbst erkrankt zu sein. Sie geben diese Erbkrankheit unwissentlich an das Kind weiter, bei dem diese Krankheit trotz gesunder Eltern ausbrechen kann. Mit dem gesetzlich vorgeschriebenen Bluttest will der Gesetzgeber die zukünftigen Eltern über diese Krankheit aufklären und vor den häufig schwerwiegenden Folgen schützen. Sinn und Zweck ist es daher nicht, eine Heirat bei Feststellung dieses Gendeffekts zu verbieten, sondern schlimmeres zu verhindern. Trotz dieser gesetzlichen Aufklärungspflicht ist dieser Bluttest jedoch nicht mehr in jedem Bundesstaat verpflichtend, so zum Beispiel in Arizona.

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