Alcatraz

Alcatraz: die Insel der Tölpel

Alcatraz Gefängnisinsel von Außen
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Die Gefängnisinsel Alcatraz vor San Francisco wurde 1934 als Bundesgefängnis in Betrieb genommen. Alcatraz war von Anfang an für ihre harten Haftbedingungen bekannt, die nicht weniger hart waren als so mancher der Insassen. Wiederholt wagten Delinquenten während der Betriebszeit die Flucht. Von den meisten hat man die sterblichen Überreste nie gefunden.

Die Voraussetzungen, aus dieser Insel ein Bundesgefängnis zu machen, waren denkbar gut, denn bereits im 19. Jahrhundert war hier ein Militärhospital einschließlich Militärgefängnis untergebracht. Besonders begehrt war der Zellenblock D. Hier verbüßten „renommierte“ Gangster wie Al Capone ihre Haftstrafen. Wer hier landete, hatte es in seiner Eigenschaft als Staatsfeind besonders weit gebracht.

Dieses Hochsicherheitsgefängnis ist aufgrund seiner felsigen Beschaffenheit auch als „The Rock“ bekannt. Insgesamt konnten hier 250 Gefangene untergebracht werden. Eine separate Infrastruktur stand für die Gefängniswärter und ihre Familien zur Verfügung.

Der Name geht zurück auf die hier bereits seit dem 18. Jahrhundert ansässigen großen Tölpel-Kolonien. Daher bezeichnete der spanische Forscher Juan Manuel de Ayala diese Felseninsel als „Isla des Alcatraces“.

Alcatraz Außenansicht vom Wasser aus
Außenansicht der Gefängnisinsel Alcatraz vom Wasser aus.

Der legendäre Fluchtversuch von 1962

Infrastruktur einschließlich Telefon und einer Krankenstation waren auf dem modernsten Stand der Technik. Dennoch mussten Nahrungsmittel und Wasser regelmäßig vom Festland auf die Gefängnisinsel gebracht werden. Aufgrund der harten Haftbedingungen, die immer wieder in die Kritik gerieten, versuchten 35 Insassen während der Betriebszeit die Flucht. Nur wenige waren erfolgreich wie Frank Lee Morris 1962.

Clint Eastwood verkörperte Morris in dem 1979 gedrehten Film „Flucht von Alcatraz“. In der Regel endete die Flucht der Insassen jedoch im eiskalten Wasser der Bucht von San Francisco. Insgesamt waren 35 Insassen in 14 Fluchtversuchen der Gefängnisinsel entkommen. 25 wurden gefasst, sechs erschossen und vier erhängten sich.

Um die Fluchtgeschichte von Frank Lee Morris zusammen mit den beiden Brüdern Clarence und John Anglin ranken sich bis heute viele Legenden. Am 11. Juni 1962 verschwanden die drei Männer durch einen selbst gegrabenen Tunnel hinter den Belüftungsgittern. Das Mauerwerk war zu diesem Zeitpunkt bereits ziemlich marode. Damit war es nicht schwierig, mit in die Zellen geschmuggeltem Essbesteck die Mörtelschicht aufzukratzen.

Die Männer hatten ein Schlauchboot aus Regelmänteln und Klebstoff gefertigt, mit dem ihnen die Flucht von Alcatraz gelang. Ihr Verschwinden wurde erst neun Stunden später am nächsten Morgen bemerkt, zu spät, um die Flüchtigen wieder dingfest zu machen.

Teile der Schwimmhilfen und des Schlauchbootes wurden später an Land gefunden, von den Geflüchteten fehlte jedoch jede Spur. Man geht davon aus, dass die Männer mit der starken Strömung auf das offene Meer getrieben wurden. Ihre Leichen wurden jedoch nie geborgen.

Das Gerücht der erfolgreichen Flucht hält bis heute

Daher hält sich bis heute das Gerücht einer erfolgreichen Flucht. Obwohl Block D ein besonderes Renommee genoss, weil hier die besonders schweren Jungs wie Al Capone einsaßen, waren die Dunkelzellen gefürchtet. Diese waren wenig komfortabel mit nur wenig Tageslicht. Daher wurden diese Zellen auch als „Loch“ bezeichnet.

Alcatraz lieferte wiederholt Stoff für Hollywood. Beispielsweise für den Film „Birdman of Alcatraz“ aus dem Jahr 1962. In diesem verkörperte Burt Lancaster den wegen Mordes zur lebenslangen Haft verurteilten Robert Stroud. Stroud wurde als „Vogelmann von Alcatraz“ bekannt, da er sich während seiner Haft zu einem renommierten Vogelkundler entwickelte, dessen Rat auch aus der Haft heraus gefragt war.

Berühmte Insassen von Alcatraz

Die auch als Höllenknast bekannte Insel Alcatraz ist das wohl bekannteste und sagenumwobenste Gefängnis der Welt. Nach dem Umbau des ehemaligen Militärgefängnisses in eine Hochsicherheitsstrafanstalt bezogen die ersten 53 Insassen aus dem Staatsgefängnis von Atlanta hier ihr „Quartier“. Da die Wärter hier mit ihren Familien lebten, wohnten auf der Gefängnisinsel 300 Zivilisten, 80 davon Kinder. Auf diesem Felsen saßen die übelsten Gangster ein, die meisten von ihnen als Staatsfeinde eingestuft. Der wohl berühmteste Insasse war Al Capone, der tatsächlich jedoch nicht wegen seiner Verbindungen zur Mafia und als Staatsfeind Nr. 1 hier einsaß, sondern wegen Steuerhinterziehung.

Alcatraz Innenraum mit Zellen
Alcatraz Innenraum mit Zellen

Ein anderer „Kollege“ auf Alcatraz war George F. Barnes jr., besser bekannt unter seinem Spitznamen Machine Gun Kelly. Ein weiterer berühmter Insasse war Mickey Cohen. Er saß hier jedoch genauso wie Al Capone nicht als Gangster der Mafia ein, sondern wegen Steuerhinterziehung. Cohen war aufgrund seiner exzellenten Vernetzung in Hollywood bekannt und unter anderem mit Stars wie Judy Garland und Franks Sinatra befreundet. Alvin Karpis war der Verbrecher, der am längsten in Alcatraz einsaß, 26 Jahre wegen Raubüberfällen, Mord und Entführung. Sein Markenzeichen war sein finsteres Lächeln, das ihm den Spitznamen „Creepy“ eingebracht hatte. Auch ein Deutscher hatte die Ehre, in Alcatraz einzusitzen: der Spion Erich Gimpel.

Ein Felsen wie gemacht als Hochsicherheitszone

Die 8,5 Hektar große Gefängnisinsel Alcatraz befindet sich in der Bucht von San Francisco. Die felsenartige Festung ist ca. 500 Meter lang und 41 Meter hoch. 1854 wurde hier der erste Leuchtturm an der Westküste errichtet. Ursprünglich wurde die Felseninsel als Fort genutzt, ab 1861 jedoch auch als Militärgefängnis. Ihren legendären Ruf als Höllenknast und Bundesgefängnis verdankte Alcatraz dem seit 1932 im Amt befindlichen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und Staatsanwalt Homer Cummings, die der Mafia und ihren legendären Gangsterbossen wie Al Capone den Krieg erklärt hatten. Sie suchten ein besonders sicheres Gefängnis, das diesen häufig als Staatsfeinde eingestuften schweren Jungs gerecht wurde. Mit der Felseninsel in der Bucht von San Francisco wurde man schließlich fündig.

Alcatraz Nahaufnahme Außenansicht
Alcatraz Nahaufnahme Außenansicht

Diese schien für die Unterbringung der schwersten Verbrecher des Landes wie geschaffen zu sein. Mehr als zwei Kilometer vom Festland entfernt, umgeben vom eiskalten Wasser der Bucht von San Francisco mit starker Strömung und häufigem Nebel galten gefürchtete Fluchtversuche der Insassen als unmöglich. Wer es dennoch versuchte, endete entweder als Wasserleiche oder wurde wieder dingfest gemacht. Außerdem wurde die Geschichte von menschenfressenden Haien in dem Gewässer rund um den Gefängnisfelsen verbreitet. Tatsächlich tummelten sich hier jedoch lediglich kleine und harmlose Katzenhaie.

Gefürchtete Haftbedingungen zermürbten sogar die härtesten Ganoven

Seit der Inbetriebnahme 1934 bis zur Schließung 1963 beherbergte Alcatraz die schlimmsten Verbrecher der USA. Als unverbesserlich geltende Straftäter aus anderen Gefängnissen wurden gleichfalls gerne hierher verlegt. In diesem Gefängnis hatte man keine erfolgreichen Fluchtversuche zu befürchten. Während der 29 Jahre Betriebszeit saßen hier insgesamt 1.545 Häftlinge ein, jedoch nie mehr als 250 zur gleichen Zeit. Auf America’s Devil Island, wie Alcatraz auch genannt wurde, herrschte im wahrsten Sinne des Wortes Totenstille. Obwohl die Insassen als harte Jungs galten, die einiges gewöhnt waren, zermürbten das Redeverbot und die Isolation so manchen von ihnen. Einige fielen dem Wahnsinn anheim, andere setzten ihrem Leben freiwillig ein Ende.

Alcatraz von Innen - Aufenthaltsbereich
Alcatraz von Innen – Aufenthaltsbereich

Die Verbrecher waren in kleinen 1,52 Meter breiten und 2,74 breiten Zellen mit Toilette, Waschbecken und Bett untergebracht. Die Atmosphäre war so trübe, dass sie als Loch bezeichnet wurden. Die Knast-Hierarchie war gnadenlos, geredet werden durfte nur in der Kantine und am Arbeitsplatz. Arbeitseinsätze galten bereits als Hafterleichterung. Frei bewegen durfte sich keiner der Delinquenten auf dem Gelände, denn sie standen stets unter lückenloser Bewachung. Die Briefe wurden zensiert und das Licht brannte selbst in der Nacht. Regelverstöße zogen noch härtere Haftbedingungen nach sich, nämlich einen Aufenthalt in den Kerkern (Dungeons) von Block A und D oder alternativ Isolationshaft in der Nacktzelle.

Warme Duschen aus Eigennutz

Wie fortschrittlich die Infrastruktur auf Alcatraz war, zeigte sich in den Warmwasserduschen, welche zu dieser Zeit noch lange keine Selbstverständlichkeit in durchschnittlichen amerikanischen Haushalten waren. Diese hatten manchmal selbst kein fließendes Wasser und Badezimmer hatten. Fragt sich nur, warum die Gangster in den Genuss eines solchen Luxus kamen, obwohl die Haftbedingungen doch sonst so hart waren, dass die Menschen die Häftlinge regelrecht bedauerten.

Die Warmwasserduschen waren nicht etwa dazu gedacht, den Häftlingen das Leben zu erleichtern und ihnen doch noch eine Wohltat angediehen zu lassen, sondern einzig und alleine dazu, eine Gewöhnung an kaltes Wasser zu vermeiden, was eine Flucht erleichtern würde. Schon während der Betriebszeit faszinierte Alcatraz die Öffentlichkeit und die Insassen wurden noch berühmter als zu ihrer Zeit in Freiheit. Regelmäßig war die Gefängnisinsel in den Schlagzeilen der Tageszeiten und Boulevardblätter. Die Insassen erhielten regelmäßig Post aus dem ganzen Land. Nicht selten waren auch Anfragen nach Presseterminen und Interviews dabei, die jedoch nicht gewährt wurden.

Das Ende eines Supergefängnisses

Letztendlich führten Baufehler zum Ende des Supergefängnisses. Das salzige Wasser und die nicht minder salzige Luft setzten dem Gefängnisfelsen zu und zersetzten nicht nur die sanitären Anlagen. Die Betriebskosten der Gefängnisinsel mit Blick auf die Golden Gate Bridge schnellten schließlich derart in die Höhe, dass das Kosten-Nutzen-Verhältnis aus den Fugen geriet. Die letzten 27 Gefängnisinsassen wurden am 21. März 1963 in andere Bundesgefängnisse auf dem Festland verlegt.

Die Faszination, die von der ehemaligen mit entsprechenden Schildern gekennzeichneten Hochsicherheitszone ausgeht, ist jedoch geblieben. Heute ist Alcatraz ein beliebtes Ausflugsziel für Touristen. In den 1960er- und 1970er-Jahren geriet die ehemalige Gefängnisinsel noch einmal in die Schlagzeilen. Indianer führten hier Besetzungsaktionen durch, um auf ihre nachteilige Lage als Ureinwohner der USA aufmerksam zu machen. Zuerst bestanden Pläne, Alcatraz in ein Casino umzuwandeln, die jedoch schnell wieder aufgegeben wurden.

Alcatraz als Touristenattraktion

Als Teil des Golden Gate National Seashore ist Alcatraz Anziehungspunkt für mehr als eine Million Besucher pro Jahr. Der Besuch ist kostenlos, allerdings sind Tickets für die Überfahrt mit der Fähre zu erwerben, die Alcatraz alle dreißig Minuten von San Francisco aus anfährt.

Die ehemalige Gefängnisinsel ist täglich außer Weihnachten und Neujahr geöffnet, im Sommer bis 18:00 Uhr, sonst bis 16:00 Uhr. Die Audiotour steht auch in deutscher Sprache zur Verfügung, die Originalaufnahmen der Zeitzeugen jedoch ausschließlich Englisch.

Alcatraz Gefängnis - Innenbereich heute
Alcatraz Gefängnis – Innenbereich heute

Im Unterkunftsblock der Wachen ist eine Gefängnisausstellung untergebracht, die auch ein Modell von Fort Alcatraz im 19. Jahrhundert beinhaltet. Das Wetter in der Bucht von San Francisco ist oft nebelig und unvorhersehbar. Noch extremer sind jedoch die Wetterbedingungen auf Alcatraz selbst. Wer San Francisco bei warmem und sonnigem Wetter verlässt, kann durchaus auf kaltes, nebeliges und stürmisches Wetter auf Alcatraz stoßen. Warme Kleidung sollte daher mitgeführt werden.

Auf der Insel selbst gibt es keine Gelegenheiten zum Essen. Besucher dürfen mitgebrachtes Essen in den ausgewiesenen Picknickbereichen und in den Bereichen der Docks verzehren. Hier ist auch das Rauchen gestattet.

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