San Francisco Cable Cars

Cable Cars – ein markantes Wahrzeichen San Francisco

Cable Car in San Francisco
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Die Cable Cars gehören zum Stadtbild San Franciscos wie die Golden Gate Bridge. Die Wagen dieser historischen Zugseilbahn erinnern an die Wagen in den kalifornischen Goldminen des 19. Jahrhunderts. So ganz fern liegt das auch nicht, denn die Zugseiltechnik wurde tatsächlich der Technik in den Goldminen nachempfunden, ebenso wie die Optik der einzelnen Wagen. 

Ursprünglich waren mehr als 600 Cable Cars mit 21 Linien in der Stadt unterwegs. Heute werden noch drei Linien mit 50 Wagen bedient. Die meist genutzte Linie ist die am Besucherzentrum startenden Powell/Hyde. Generell sind Fahrten mit dieser historischen Zugseilbahn jedoch sehr beliebt, sodass Besucher mit einem erhöhten Zeitaufwand beim Ticketkauf rechnen müssen.

Es ist wohl eine Ausnahme, dass in unserer schnellen, digitalisierten Zeit diese historische Zugseilbahn überhaupt noch in Betrieb ist. Die liebevoll restaurierten Wagen bahnen sich ihren Weg über steile Hügel, unbeirrt bergauf und bergab und durch scharfe Kurven. Es kann durchaus sein, dass der Fahrer unterwegs keine Fahrgäste mehr zusteigen lässt. Dieses Verhalten ist jedoch nicht auf Unhöflichkeit zurückzuführen, sondern auf Umsicht, denn die einzelnen Wagen dürfen ein bestimmtes Gewicht nicht überschreiten, um auch bergab das sichere Abbremsen zu garantierten.

Die einzige Kabel-Straßenbahn der Welt

Die Cable-Cars muten an wie Relikte aus einer anderen Zeit, und dieses historische Vehikel in San Francisco ist in der Tat auf der Welt die einzig noch existierende Kabel-Straßenbahn mit entkoppelbaren Wagons. Um die Hügel der Stadt zu überwinden, bedurfte es beim Betrieb der Cable-Cars einer Antriebshilfe. Sie verläuft in Form eines Seils in einem Graben unter den jeweiligen Straßen. Die Wagen werden also, unterstützt von Spannklauen, nach oben gezogen. Zur Rückfahrt werden sie auf einer Art Drehscheibe neu ausgerichtet.

Sechzig Passagiere werden so befördert – allerdings ist das Streckennetz relativ klein und heute vor allem eine Attraktion für Touristen. Die Cable-Cars verkehren auf den Linien Powell-Mason, Powell-Hyde und California Street. Für alle Besucher, die das erste Mal ein derartiges Transportmittel benutzen, sind die Fahrten durch die hügelige Millionenstadt ein unvergessliches Erlebnis.

Glockensignale für Bremser und Gripman

Da der Strom touristischer Gäste in San Francisco stets gewaltig ist, sollte man sich auf Wartezeiten an den Haltepunkten der Cable-Cars einstellen. Die Seile haben im übrigen eine Länge von bis zu 21.500 Fuß, und die fotogenen Drehscheiben gibt es noch an vier Stellen des Streckennetzes. Und zwar an den End-Haltestellen Powell/Main, Taylor/Bay, Hyde/Beach und im Depot der Straßenbahnen an der Kreuzung Mason/Washington. Sonderbar muten auch die Glockenzeichen an, die der Bremser auslöst und mit unterschiedlichen Intervallen den sogenannten Gripman informiert, der die Steuerhebel bedient.

Das einfache Läuten bedeutet, dass jemand aussteigen möchte. Beim zweifachen Läuten gehen Bremser und Gripman davon aus, dass alle Passagiere fahrbereit sind. Beim dreifachen Läuten sollte die Bahn sofort stoppen. Die Gripmen sind im übrigen stets von kräftiger Statur, denn das Bedienen der Hebel setzt körperliche Fitness voraus.

Tickets, Fahrzeiten und Preise

Die Powell/Hyde-Station ist zu den Stoßzeiten zwischen 08:00 und 18:00 Uhr meistens sehr gut frequentiert, denn nicht nur Touristen, sondern auch Einwohner nutzen diese Straßenbahn gerne, um sich das mühsame Laufen durch die hügeligen Straßenzüge zu ersparen. Fahrgäste müssen durchaus mit einer Stunde Wartezeit rechnen. An den Turntables fährt die Cable Car nicht voll besetzt los, um ausreichend Platz für zusteigende Gäste auf den Routen zu haben.

Zudem ist eine Fahrt mit den historischen Cable Cars nicht gerade günstig. Eine einfache Fahrt kostet 6 USD, mit Rückfahrt 12 USD. Wer unterwegs aussteigt und anschließend in dieselbe Richtung weiterfahren möchte, muss erneut ein Ticket lösen. Für Kinder unter vier Jahren ist die Fahrt frei. An allen Stationen der Cable Cars sind Ticketautomaten vorhanden, gezahlt wird bar oder mit Kreditkarte. Alternativ kann ein Ticket beim Fahrer gekauft werden.

An den Wendepunkten der Cable Car gibt es Kioske, die Tickets verkaufen. Wer länger in der Stadt bleibt, sollte den City Pass oder den Muni Visitor Passport nutzen, die Vergünstigungen hinsichtlich der Fahrpreise bieten. Die Tickets sind beim Einstieg unaufgefordert vorzuzeigen.  Auch wenn diese historische Straßenbahn die hügeligen Straßenzüge mit gemütlichen 15,3 km/h bewältigt, darf während der Fahrt nicht auf- und abgesprungen werden. Aufgrund dieser hügeligen Steigungen und Gefälle befinden sich die Haltestellen häufig in Kreuzungsbereichen. Daher müssen Fahrgäste auf kreuzende Fahrzeuge achten. Taschendiebe sehen hier häufig gute Aufnahmevoraussetzungen.

Die drei Strecken der Cable Car

Linie 60 – Powell Hyde mit (dunkelrot-braun)

Diese meist genutzte Strecke sollten Urlauber früh morgens oder spät nutzen, denn hier herrscht immer reger Andrang und die Wartezeit kann bis zu einer Stunde betragen. Diese Cable Car beginnt ihre Fahrt an der Ecke Market/Powell in der Nähe des Besucherzentrums. Von hier aus startet noch eine andere Straßenbahn, die Powell Mason. Um in die richtige Straßenbahn einzusteigen, sollten Fahrgäste auf die Schilder achten. Während die Cable-Car-Strecke Powell/Hyde dunkelrot-braune Schilder aufweist, fährt die Powell Mason mit dem gelben Schild.

Die Fahrt mit der Cable Car geht zunächst steil aufwärts, geht dann wieder bergab, um anschließend erneut über zwei Steigungen zu fahren. Ferner bewältigt die Cable Car auch noch zwei 90-Grad-Kurven. Auf dieser Route haben die Fahrgäste einen Ausblick auf Alcatraz und die Golden Gate Bridge. Die Endstation befindet sich am Aquatic Park. Von hier aus ist es nicht weit zum Ghiradelli Square und dem maritimen Stadtviertel Fisherman’s Wharf mit Pier 39. Die Strecke Powell-Hyde ist 3,38 Kilometer lang.

Linie 59 Powell-Mason (Gelb)

Die Cable-Car-Linie startet ab Powell ist damit im ersten Teil gleich mit der Linie Powell-Hyde. Ab Mason Street fahren diese beiden Cable Cars jedoch getrennte Wege. Die Powell Mason biegt in Richtung Pazifik ab. Auf der Höhe der Columbus Street nimmt die Cable Car noch eine Links-Rechts-Kurve und fährt bis zur Endstation Bay Street und Mason Street. In direkter Nachbarschaft, etwa sechs Häuserblocks entfernt befindet sich Fisherman’s Wharf. Die Linie 59 hat auf ihrer 2,5 Kilometer langen Strecke durch die Stadt steile Erhöhungen zu bewältigen. Diese Cable Car ist seit 1888 in Betrieb und damit die älteste noch aktive Verbindung weltweit. Früher führte diese Linie direkt bis zum Meer. Heute ist dieses jedoch aufgrund von Landaufschüttungen bis zu drei Häuserblocks entfernt. Hier befindet sich auch die Ablegestelle nach Alcatraz, Pier 33.

Linie 61 California (Blau)

Namensgeber der Linie 61 ist die California Street, denn die Fahrt mit dieser Cable Car führt entlang dieser Straße und Van Ness Avenue bis zum Financial District und Waterfront Embacadero. Diese Cable Car wird am meisten der drei historischen Linien durch die Einheimischen genutzt. Wer vom Financial District nach Fisherman’s Wharf möchte, nimmt im Anschluss am besten die F- Linie. Da die California Cable Car an jeder Seite mit einem Fahrerhaus ausgestattet ist, hat sie keine bekannten Drehpunkte wie die anderen beiden Cable Car-Linien. Die Strecke ist 2,3 Kilometer lang.

F-Linie

Wer mit der F-Linie fährt, muss 2 USD passend in die Farebox einwerfen, da kein Wechselgeld herausgegeben wird. Obwohl diese Linie gleichfalls historisch ist, gehört sie jedoch nicht zu den Cable Cars. Wer mit dieser Linie fährt, kann innerhalb von 90 Minuten ein- und aussteigen, ohne erneut zu bezahlen. Daher wird es hier insbesondere während der beruflichen Spitzenzeiten etwas voller. Die Möglichkeit zum kostenlosen Zwischenstopp spart ferner Geld. Überschneidungen mit den Cable Cars gibt es bei Fisherman’s Wharf, California & Market sowie Powell.

Cable Car in San Francisco
Cable Car in San Francisco

Die Geschichte der Cable Cars

Der Erfinder der Cable Cars

Die Cable Cars sind schon lange unterwegs in San Francisco. Als Vater dieser damals bahnbrechenden neuen Technik gilt Andrew Smith Hallidie, der Inhaber einer Drahtseilfabrik.

Die Initialzündung für diese innovative Erfindung war eine Beobachtung, die Hallidie in den Straßen von San Francisco machte. 1869 setzte man noch immer auf Pferdestärken. Straßenbahnen gab es zwar schon, diese liefen jedoch nicht mittels Zugseile oder gar Motor, denn diese Erfindungen lagen noch in naher beziehungsweiser ferner Zukunft.

Die Straßenbahnen wurden daher nach wie vor von Pferden gezogen und die hatten im doppelten Sinne eine ganz schöne Last zu ziehen. Die Vierbeiner mussten die Waggons mit den Insassen ziehen und außerdem die steil ansteigenden und abfallenden Straßen der Stadt bewältigen. Eines Tages beobachtete Hallidie, wie die Pferde diese Aufgabe nicht mehr bewältigen konnten und die Straßenbahn samt Vierbeinern einen steil abfallenden Hügel abrutschte. Dieser Unfall kostete fünf der Zugpferde das Leben.

Aufgrund seiner beruflichen Erfahrung mit dem Ziehen von Wagen in den verschiedensten Situationen, unter anderem in den kalifornischen Goldminen, beschloss Hallidie, eine Straßenbahn in San Francisco zu bauen, die genau mit dieser Zugseiltechnik unterwegs sein würde.

1873 testete er auf einer ersten kurzen Strecke die neuartige Kabelbahn. Der Test verlief erfolgreich und so wurde am 1. September 1873 die Clay-Street-Linie in Betrieb genommen, die über California Street verlief und noch bis heute in Betrieb ist.

Die moderne Zugseiltechnik erobert San Francisco

Diese neue Zugseiltechnik eroberte schnell die Stadt, denn in den nächsten Jahren kamen immer mehr Linien hinzu, bis schließlich 21 Cable Cars mit insgesamt 600 einzelnen Wagen in Betrieb waren. Ganz allmählich erkannte man den Vorteil moderner Technik wie Dampfmaschine oder Zugseil und wendete sich vermehrt vom Pferdeantrieb ab.

Die Cable Cars wurden allerdings von verschiedenen Betreibergesellschaften unterhalten. 1890 betrieben acht verschiedene Unternehmen die Cable Cars mit mehr als 52 Meilen Schienennetz. Jede Betreibergesellschaft hatte ihr eigenes Streckennetz. Ferner wiesen die Waggons und Schienen unterschiedliche Bauweisen auf, sodass die Unternehmen jeweils nur ihre eigenen, nicht jedoch die Strecken ihrer Mitbewerber befahren konnten.

Obwohl diese Straßenbahn bis heute unter der Bezeichnung Cable Cars, also Kabelbahn, fahren, wurden sie bereits zur Jahrhundertwende auf elektrische Systeme umgestellt, da diese wesentlich effizienter als die Zugseiltechnik arbeiteten. Durch das große Erbeben von San Francisco 1906 wurden fast alle Straßenbahnlinien zerstört. Im Rahmen des Wiederaufbauprogramms blieben nur wenige Linien der Straßenbahn erhalten.

Die Cable Cars und das Erdbeben von 1906

Beim Großen Erdbeben von San Francisco 1906 wurden jedoch sämtliche Cable Car-Linien zerstört und in der Folgezeit lediglich acht Linien wieder in Betrieb genommen. Bis 1964 wurden fünf davon geschlossen, sodass lediglich die drei noch heute in Betrieb befindlichen Cable Car-Linien übrig blieben.

Die Antriebstechnik dieser historischen Straßenbahn ist gut durchdacht. Unterhalb der in den Straßen eingelassenen Schienen befindet sich ein mit 15 km/h bewegendes Drahtseil und ein Gripman mit Hebel und einer Art Klaue, mit der vom Wagen aus auf das Drahtseil zugreift. Dieser Hebel mit Klaue weist drei Stellungen auf. Diese unterschiedlichen Stellungen ermöglichen das Fahren, Anhalten und Bremsen der einzelnen Wagen.

An den Endstationen gibt es jeweils Drehpunkte, an denen die Wagen in Fahrtrichtung gewendet werden. Eine Ausnahme bildet die Linie 61 California, die an jeder Seite jeweils ein Fahrerhaus hat und daher auf einen Richtungswechsel verzichten kann. Die Fahrer wechseln lediglich den Fahrerstand.

Cable Cars am Union Square von San Francisco
Cable Cars am Union Square von San Francisco, by Mariordo (Mario Roberto Durán Ortiz) [CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)]

Eine Volksabstimmung brachte die Rettung

1944 fuhren nur noch zwei Linien der Powell Street Line und drei Verbindungen der California Street Line. 1947 beabsichtigte der Bürgermeister, die letzten Linien der Straßenbahn aus Kostengründen abzuschaffen und durch günstigere und modernere Transportmöglichkeiten zu ersetzen.

Mit der fortschreitenden Motorisierung gab es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der Metropole am Pazifik zahlreiche Stimmen, die dafür plädierten, die Straßenbahnen durch Busse zu ersetzen.  Doch Befürworter ernteten lautstarken Widerspruch, was zur Gründung einer Bewegung namens „Citizens‘ Committee to Save the Cable Cars“ führte.

Eine betagte Bürgerin San Franciscos, die achtzigjährige Friedel Klussmann, hatte es verstanden, 27 lokale Fraueninitiativen für sich und für die Erhaltung der Cable Cars zu gewinnen. Sie gründete das Komitee „Citizens Committee to Save the Cable Cars“ und sammelte 50.000 Unterschriften von Bürgern der Stadt, die ihr Vorhaben unterstützten.

Bei einer Volksabstimmung sprach sich die Mehrheit der Bevölkerung mit großer Mehrheit für den Fortbestand der Cable Cars aus. Das Referendum führte schließlich zum Erhalt der Cable Cars, die 1964 zum National Historic Landmark erklärt und unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Damit würdigen die Vereinigten Staaten herausragende Beispiele für Gestaltung und Bau. Offenbar ist es die Einfachheit des Antriebssystems, das den Reiz dieser Bahn ausmacht, und die Menschen in San Francisco sind allem Anschein nach bereit, mit Althergebrachten ihren Alltag zu gestalten und sich gegen den Wandel zu stemmen.

1997 wurde die Drehscheibe des äußeren Terminals der Powell-Hyde-Line als Friedel Klusmann Memorial Turnaround eröffnet.

Cable-Car-Museum im Stadtteil Nob Hill

Die Geschichte der Cable Cars spiegelt sich in einem interessanten Museum wider. Im kleinen Stadtteil Nob Hill, dem Schauplatz zahlreicher Spielfilme, sind einige historische Bahnen zu besichtigen. Sie stammen aus den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts, und in Schaukästen wird die Historie des einzigartigen Fortbewegungsmittels von San Francisco lebendig.

Der Eintritt zum Museum ist kostenlos. Ein gewisser Leland Stanford löste mit der Inbetriebnahme der historischen Linie auf der California Street jene Fahrzeuge ab, die bis zum Jahr 1877 von Pferden unter großen Mühen die Hügel hinauf gezogen wurden. Das Erdbeben von 1906, das San Francisco verwüstete, zerstörte auch die Hoffnungen der Cable-Car-Sympathisanten auf eine Weiterentwicklung des Systems. Nach dem Wiederaufbau verkehrten die von Seilen unterstützten Straßenbahnen nur noch an den steilsten Strecken der Stadt.

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