Calico Ghost Town

Auf den Spuren der Glücksritter

Ghost Town Calico
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Es muss wohl die Hoffnung auf einen Glücksfund gewesen sein, der die Pioniere des amerikanischen Westens in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts antrieb, als sie sich in Gegenden begaben, wo sie kaum mehr vorfanden, als die Weiten der Steppe. Wo auch immer sich die Kunde verbreitete, dass Goldgräber einen kleinen Klumpen des Edelmetalls dem Boden entrissen hatten, setzte ein Boom von Glücksrittern ein. Sie zogen in die Wildnis, sammelten Bretter und bauten sich ein bescheidenes Zuhause. Als sie eines Tages wieder abzogen, hinterließen sie Ruinen, die dann zu Geisterstädten verkamen und heute touristische Ziele sind. Zu ihren zählt auch das kalifornische Calico.

Die Kunde von einer reichen Silber-Ader

Ghost Town Calico, Hotel
Ghost Town Calico, Hotel

In Calico war es nicht das Gold, das die Menschen im Jahr 1881 antrieb. Vielmehr wurde in dieser Gegend, zwanzig Kilometer vor den Toren des kleinen Ortes Barstow, Silber gefunden. Und es sprach sich rasch herum, dass diese Silberader riesig sei. Zunächst waren es vierzig Männer, die in den umliegenden Bergen schürften, doch ein halbes Dutzend Jahre später bevölkerten schon 1.200 Menschen diesen Ort im Wilden Westen. Es müssen bewegte Zeiten gewesen sein, denn die Häuser des heutigen Ghost Towns wurden in Windeseile errichtet, und in den 22 Saloons floss das Bier in Strömen.  Es gab auch drei Hotels, fünf Gemischtwarenhandlungen, eine Schule und mehrere Bars.

Saloons, „Chinatown“ und ein Rotlicht-Viertel

Im Laufe der Zeit entstand in Calico sogar ein eigener Stadtteil, der sich „Chinatown“ nannte, weil dort in erster Linie asiatische Arbeiter wohnten. Aber es blühte im Laufe der Zeit auch die Prostitution, und in den Bordellen des Rotlichtviertels von Calico ließ so mancher am Abend seine Silberlinge, die er tagsüber in einer mühseligen Schufterei verdient hatte.

Doch einige Männer, die ihre Einnahmen zusammen hielten, verließen nach einigen Jahren recht wohlhabend diese einsame Gegend in der unwirtlichen Mojave-Wüste. Immerhin gab der karge Boden dieser Gegend nach heutigem Wert immerhin Silber in Höhe von 86 Millionen Dollar frei.

Der Wert pro Unze Silber sank immer mehr

Silbermine in der Ghost Town Calico
Silbermine in der Ghost Town Calico

Doch so mancher hatte seine Rechnung gemacht, ohne darauf zu achten, ob der Preis für Silber stabil bleiben würde. Und als dann dieses Edelmetall an Wert verlor, verließen die Arbeiter die meisten der insgesamt fünfhundert Silberminen, in denen sich fleißige Hände in Stollen und in die Berge gegraben hatten.

Als schließlich der Preis von 1,31 Dollar pro Unze auf nur noch 0,63 Dollar pro Unze fiel, gaben die Silber-Schürfer auf und machten Calico zu einer Geisterstadt. Zwar wurde in der Gegend auch das Mineral Borax gefunden, das schon in der Antike für Glasuren benutzt wurde und noch heute zur Herstellung von Glas und Keramik benötigt wird, doch auch diese Vorkommen versiegten nach und nach.

Die Besucher spüren den Atem des Wilden Westens

Im 20. Jahrhundert verfiel Calico immer mehr, und erst im Jahr 1951 fanden sich Investoren, die die verfallenen Häuser aufbereiteten und aus dem gesamten Areal eine kleine Stadt machten, wo sich der Wilde Westen heute nachhaltig in Szene setzt. Ein gewisser Walter Knott kaufte das gesamte Gelände und baute die Häuser anhand alter Fotos wieder auf.

Wer heute durch diese Geisterstadt bummelt, der fühlt sich in vergangene Zeiten versetzt. Es waren jene Epochen, in denen längst nicht immer in den kleinen Orten am Rande der Gold- und Silberminen Recht und Ordnung herrschten. Dort, wo nun die Besucher den Atem des Wilden Westens spüren, wurden einst Postkutschen überfallen und Banken ausgeraubt.

Bretterbuden könnten zu Film-Kulissen dienen

Route 66
um nach Calico zu kommen, muss man von der Route 66 abbiegen

Nach Calico biegt so mancher von der legendären Route 66 ab, denn diese Geisterstadt liegt auf dem halben Wege zwischen Las Vegas und Los Angeles. Das gesamte Gelände hat heute den Status eines „historischen Parks“ und die Bretterbuden könnten auch als Kulisse eines Films dienen.

Zwar heißt es, dass manche dieser Häuser in der jüngeren Vergangenheit wieder aufgebaut und dann auf „alt“ getrimmt wurden, doch das stört nur wenige Besucher. Vor allem Kinder finden an dieser Art, vergangene Zeiten darzustellen, Gefallen. Und nicht nur für sie fährt die altertümliche Odessa Railroad über eine kurze Distanz zwischen den staubigen Bergen.

Beklemmende Gefühle in engen Stollen

Wer Spaß daran hat, an einem Kurs nach Art der früheren Goldwäscher teilzunehmen, der kann dies in Calico tun, und die historische Maggie Mine steht allen zur Besichtigung offen. Allerdings ist es dort nur schwer zu verstehen, warum diese Goldfunde einst einen regelrechten Rausch auslösten.

Manches wirkt hier düster, und wer sich zwischen den Besucherströmen durch die Stollen zwängt, wird zuweilen von einem beklemmenden Gefühl heimgesucht. Zum Angebot der Betreiber dieses altertümlichen Freizeitparks zählt auch ein Wettschießen. Wer mit einem Colt aus der Hüfte ins Ziel trifft, erhält eine Belohnung.

Wallende Gewänder und eine Country-Band

Auf den staubigen Straßen bummeln Damen in den wallenden Gewänder der alten Zeiten, und unter dem vor der Sonne schützenden Dach eines einstigen Saloons intoniert eine Country-Band bekannte Melodien. Shows gehören in Calico zur Tagesordnung, und dabei wird auch der Überfall auf einen Zug nachgestellt.

Dies alles ist touristisch aufbereitet, doch wer diese Art von Vergangenheits-Bewältigung mag, der wird daran sicherlich Gefallen finden. Hier und da erliegen die Besucher in dieser Wildwest-Stadt optischen Täuschungen. Zum Beispiel dann, wenn sie sich nicht erklären können, warum hier Wasser nach oben und nicht nach unten fließt und warum ein Besen die Gabe hat, ohne offensichtliches Zutun eines Menschen plötzlich zu stehen…

Die Häuser überstanden den Brand von 2001

Einige der restaurierten Häuser brannten im übrigen im Jahr 2001 nieder. Irgendwo hatte es offenbar einen Kurzschluss gegeben. Dass sich dies nicht zu einer Katastrophe ausweitete und andere Gebäude in Mitleidenschaft gezogen wurden, verdankten die Betreiber der Tatsache, dass es bereits im 19. Jahrhundert üblich war, die Häuser mit Lehm zu errichten. Und Lehm hat die Eigenschaft, schwer entflammbar zu sein.

In einem kleinen Museum befinden sich etliche Haushaltsgegenstände aus alten Zeiten. Außerdem sind hier historische Bergbaumaschinen untergebracht. In einem Saloon werden Burger und Hotdogs serviert, und wer Interesse an einem Souvenir hat, der wird sicherlich ein einem der Shops fündig.

Ghost Town Calico
die Ghost Town Calico

Alte Häuser – ausgestattet mit einer Klimaanlage

Etliche Gebäude stammen aus der Zeit der Silber-Funde, und wenn die meisten Häuser in Calico Ghost Town über eine Klimaanlage verfügen, sehen die meisten Besucher auch darüber stillschweigend hinweg. Die interessantesten Gebäude des ungewöhnlichen Ortes sind Lil’s Sallon, das Calico Park Office, Lucy Lane’s House sowie die Zenda Mining Company.

Geöffnet ist Calico täglich von acht Uhr bis zur Dämmerung. Shops und Attraktionen öffnen zwischen neun Uhr und 17 Uhr. Der Eintritt in die Geisterstadt kostet pro Person zehn amerikanische Dollar. Wer auch noch die alte Mine besichtigen möchte, ist mit weiteren drei Dollar dabei. Besucher sollten in den Morgenstunden kommen. Denn dann brennt die Sonne noch nicht so unbarmherzig in der Mojave-Wüste vom Himmel.

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