Bodie Ghost Town

Bodie Ghost Town – die Erinnerung an Lust und Leiden

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In den heutigen Geisterstädten der USA wurde amerikanische Geschichte geschrieben. Es waren nicht immer erfreuliche Geschichten, denn die Zeiten, in denen in oft trostlosen Gegenden Häuser gebaut und Saloons eröffnet wurden, waren rau. Das war in Bodie am Yosemite Nationalpark nicht anders. Dort, wo es heute den Highway mit der Nummer 395 gibt, wurde eine kleine Stadt aus dem Boden gestampft, als dort im Jahr 1885 die Kunde von Gold- und Silber-Vorkommen die Runde machte. Von den etwa einhundertfünfzig Häusern, die in dieser Aufbruchstimmung entstanden, sind noch etliche zu besichtigen.

Nach jedem Mord läuteten die Glocken der Feuerwehr…

Bodie State Historic Park
Bodie State Historic Park

Dort, wo heute der Bodie State Historic Park die Hinterlassenschaften einer verlorenen Generation verwaltet, lebten einst bis zu zehntausend Menschen. Sie vergnügten sich in sechzig Saloons und Tanzhallen, freuten sich über die Existenz von immerhin drei Brauereien, eröffneten zwei Banken und auch Schulen.

Ihren Bedarf an Informationen deckten die Einwohner von Bodie durch einige in der kleinen Stadt gedruckten Zeitungen. Eigentlich fehlte den Menschen in dieser Einöde so gut wie nichts. Wären da nicht die Glocken der Feuerwehr gewesen, die unentwegt zu vernehmen waren. Sie läuteten immer dann, wenn einer der Einwohner durch die Kugeln eines Revolvers gestorben war und auf dem Friedhof zu Grabe getragen wurde.

In Bodie tobten Kleinkriege und wurden Kutschen überfallen

Bodie Ghost Town galt als eine Stadt, in der die Gesetze nicht galten und die Sheriffs nur den Stern an der Brust aber selten Verantwortung trugen. Schießereien waren an der Tagesordnung, nachdem ein Mann namens Waterman S. „William“ Bodey im Jahr 1859 in den Hügeln nördlich des Mono Lake kleinere Mengen Gold gefunden hatte. Sein plötzliches Glück konnte er allerdings nicht genießen, weil er schon kurz darauf das Zeitliche segnete. Dafür bedienten sich die Mitglieder seiner Familie an seinem abgesteckten Claim und wurden reich.

In Bodie tobten allerdings schon bald tagtäglich kleinere Kriege unter rivalisierenden Banden. Immer wieder wurden in der Gegend Postkutschen überfallen. In dieser Stadt fanden sich all‘ jene Klischees, die man später in den Wild-West-Filmen zum Leben erweckte.

„Goodbye God – we are going to Bodie…”

Bodie State Historic Park, Ghost Town
Bodie State Historic Park

Im heutigen Bodie State Historic Park wird immer wieder aus einem Tagebuch-Eintrag eines jungen Mädchens zitiert. Die soll im ausklingenden 19. Jahrhundert geschrieben haben: „Goodbye God – we are going to Bodie…“ Das wollten spätere Generationen so nicht gelten lassen, und ein Zeitungsreporter bemühte sich, das historische Zitat zu begradigen. Danach soll das Mädchen geschrieben haben: „Gut, bei Gott – wir gehen zu Bodie“. Wie dem auch sei – die Zeiten waren in dieser nunmehr zum Ghost Town verkommenen Ort alles andere als friedfertig. Vielmehr galt der Ort, den heute so viele Touristen aufsuchen, ein Sünden-Babel – als Stätte von Lust und Leiden.

Ein Elektrizitätswerk versorgte die Stadt mit Strom

Zwölf Meilen vor den Toren der Stadt entstand im Jahr 1893 ein Elektrizitätswerk. Zwar wurde Bodie fortan endlich mit Strom versorgt, doch fast gleichzeitig versiegte der Ertrag aus den ehemals ergiebigen Minen. Immerhin wurde dort in den zwanzig Jahren Gold im Wert von rund hundert Millionen Dollar gefördert.

Doch nach und nach verblasste der Ruhm des Ortes und die ersten Bewohner zogen ab. Auch die Arbeiter aus Chinatown, die in den Stollen geschuftet hatten. Selbst das Bordell von Bodie war bald verwaist. Einige der Bewohner blieben bis zum Jahr 1930, doch als zwei Jahre später ein Feuer fast alles zerstörte, was aus der Blütezeit des Goldbooms übriggeblieben war, gingen die letzten.

Alte Autos im Sand – ein interessantes Fotomotiv

1942 wurde in der heutigen Geisterstadt die letzte aller Minen geschlossen. Sie ist heute im Rahmen einer Führung zu besichtigen. Sehenswert ist für Besucher auch der historische Friedhof, der in drei Bereichen aufgeteilt wurde und in dem heute 140 der insgesamt 180 Gräber eindeutig zugeordnet werden konnten.

Oldtimer im Sand
Oldtimer im Sand

Ehe der Ort im Jahr 1962 zum State Historic Park erklärt wurde und damit unter der Verwaltung der California State Parks stand, waren mutwillige Zerstörungen der alten Gebäude an der Tagesordnung. Überall in der Gegend liegen alte Autos im Sand und bilden ein interessantes Fotomotiv.

Im Winter ist Bodie nur mit Skiern oder Schneeschuhen erreichbar

Bodie ist mit 2.560 Metern eine der höchstgelegenen Geisterstädte der Vereinigten Staaten. Die Winter sind dort bitterkalt, und auch im Sommer sind die Temperaturschwankungen enorm. Auch das veranlasste die Menschen, die hier einst lebten und arbeiteten, Boomtown Bodie den Rücken zu kehren.

Wer in der kalten Jahreszeit den Ort besuchen möchte, muss sich darauf einstellen, dass er Ski oder Schneeschuhe benötigt, um dorthin zu gelangen. Angeboten werden dann aber auch Fahrten mit einem Schneemobil. Angenehmer sind allerdings Touren im Sommer. Sie dauern rund eine Stunde und beginnen an der noch immer intakten Stamp Mill.

170 Häuser überstanden den großen Brand von 1932

Während ihrer Besichtigung von Bodie werden die Besucher einer Tour unter anderem darüber aufgeklärt, wie das Gold aus Quarz gewonnen und in Goldbarren umgewandelt wurde. Zu sehen sind bei der sogenannten Stamp-Mill-Tour eine Maschinenwerkstatt, einige historische Amalgantische und seltene Briefmarken.

Dank der geringen Luftfeuchtigkeit in dieser großen Höhe blieben in der verlassenen Siedlung der Goldgräber etliche Gerätschaften, Gebäude und Autos gut erhalten. Weitgehend unversehrt sich noch immer rund 170 Häuser, die der große Brand des Jahres 1932 verschonte. Zu ihnen zählt auch die geschichtlich interessante Kirche der Methodisten, eine Schule und ein Bankgebäude, das aus Ziegelsteinen errichtet wurde.

unversehrte Gebäude in der Ghost Town Bodie
unversehrte Gebäude in der Ghost Town Bodie

Nichts wird restauriert, doch alles bleibt verwahrt

Bodie Ghost Town, verlassenes Casino
Bodie Ghost Town, verlassenes Casino

Die Parkverwaltung, die über ihre Geisterstadt wacht, legt im übrigen Wert darauf, dass sie keineswegs Häuser restauriert sondern lediglich bewahrt. Das verwitterte Erscheinungsbild von Bodie soll für eine möglichst lange Zeit und damit für die Nachwelt erhalten bleiben. Die alten Saloons sind Relikte des Gold-Booms, und wenn sie sprechen könnten, würden sie wohl davon berichten, dass die Bergleute dort ihren mühsamen Lohn an den Theken und Spieltischen ließen. Für nicht wenige war die Mischung aus Gold, Geld und Alkohol am Ende tödlich. Bodie ist heute eine staubige Erinnerung an alte und wohl auch verruchte Zeiten.

Daniel Boone – Hinterwäldler und Kämpfer gegen die Indianer

In einigen der verlassenen Häuser blieb sogar das Inventar weitgehend erhalten. In den Stores lagern unter anderem originale Edison-Glühbirnen, von denen heißt, dass sie noch heute funktionieren. Und im Schaufenster des Warehouse an der Ecke zur Main Street sehen die Besucher mit sichtlichem Erstaunen bekannte Marken wie Aspirin, Colgate oder Kellogg’s.

erhaltene Stube in der Ghost Town Bodie
erhaltene Stube in der Ghost Town Bodie

Hier und da lagern auf den Tresen und in den Regalen dann auch Kondome der Marke „Trojan“. Eine der besonders gut erhaltenen Geschäfte trägt den Namen des Harvey Boone. Er war ein Nachfahre des legendären Daniel Boone, der in den Geschichtsbüchern des Wilden Westens als Hinterwäldler und Indianerkämpfer einen festen Platz bekam.

In der historischen hölzernen Schule steht noch eine Orgel

Auch die früheren Hotels sind in Bodie in einem erstaunlich guten Zustand. Unter anderem das Wheaton and Hollis-Hotel an der nördlichen Peripherie der Green Street. Ab 1886 diente es als Domizil des United States Lands Office. Hier wurden öffentliche Mittel vergeben, und aus alten Urkunden der Geisterstadt erfahren die Besucher, dass der erste Beamte dieser Behörde ein gerissener Betrüger war.

Von diesem Hotel aus hat man einen sehr guten Blick auf die historische Standard Mine and Mill am Fuße des Bodie Bluff. Allerdings sind diese Stollen einsturzgefährdet und deshalb für Besucher nicht passierbar. In der alten Schule, einem zweistöckigen Holzhaus mit Turm, steht noch eine Orgel. Und an der Wand wird eine Landkarte die Besucher schmunzeln lassen, denn deren Einordnungen sind längst überholt.

Bodie – ein sehenswertes Stück der kalifornischen Geschichte

So, wie so manches in der Geisterstadt Bodie zweifellos überholt ist. Hier geriet im Laufe der Zeit so manches aus den Fugen und ist nunmehr windschief. In einigen Häusern findet man Betten, die offenbar von Tieren aufgerissen wurde, die aber ebenso im Originalzustand erhalten blieben. Das gilt auch für die meisten Tapeten an den Wänden. Draußen heult zuweilen der Wind um alle Ecken und trägt dazu bei, dass nicht wenige Besucher in dieser verlassenen Welt von einem heiligen Schauer heimgesucht werden. Bodie ist ein besonders sehenswertes Stück der kalifornischen Geschichte.

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