Paradies für Koffeinjunkies? Amerika und seine Kaffeekultur

Hier gibt es den besten Koffeinkick

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Kaffeejunkies gibt es überall. Das dunkelbraune Heißgetränk hat auf dem gesamten Globus viele glühende Anhänger. Natürlich lieben auch Amerikaner ihre Tasse genussvoller Energieschub, und das 24 Stunden am Tag. Im weltweiten Vergleich landen die amerikanischen Kaffeejunkies allerdings überraschenderweise nur auf Platz 18.

4,43 Kilogramm trinkt der durchschnittliche Amerikaner pro Jahr, so eine Prognose von Statista, die zusammen mit vielen anderen interessanten Fakten zum Thema weltweiter Kaffeekonsum auf dem Internetportal coffee-perfect.de zu finden ist.

Auch wenn die Amerikaner damit längst nicht die größten Kaffeejunkies auf der Welt sind, einen Trend in Sachen Kaffeegenuss haben wir ihnen auf jeden Fall zu verdanken: den Coffee To Go. Der durchschnittliche Amerikaner ist ständig busy und eigentlich immer irgendwie auf dem Sprung. Kein Wunder, dass der Kaffeebecher eigentlich immer mit auf Reisen muss. Auch zu uns ist dieser Trend längst über den großen Teich herübergeschwappt. Der Coffee To Go wird auch hierzulande immer beliebter und ist fast überall erhältlich, wo es Kaffee zu kaufen gibt. In Sachen Fassungsvermögen der tragbaren Kaffeebecher können wir uns von den Amis allerdings noch eine ganze Menge abschauen. Ganz nach dem Motto „think big“ gibt es drüben nämlich Coffee To Go Becher, die einen halben Liter oder sogar bis zu einem Liter Kaffee fassen. Damit ist man dann wohl eine Weile versorgt.

Wie trinken Amerikaner ihren Kaffee?

Eigentlich trinken Amerikaner den ganzen Tag hindurch Kaffee, auch wenn er längst nicht so stark konsumiert wird wie zuckerhaltige Softdrinks. Vor allem zum reichhaltigen und oft deftigen Frühstück der Amerikaner gehört literweise Kaffee. Über einen Koffeinschock müssen sich amerikanische Kaffeetrinker allerdings wenig Sorgen machen, denn sie trinken ihren Kaffee ziemlich dünn. Im Vergleich zu den Kaffeegewohnheiten anderer Länder der Erde, insbesondere der europäischen Kaffeenationen, dürfte man den amerikanischen Kaffee wohl eher als gefärbtes Wasser bezeichnen.

Amerikaner lieben Kaffee, aber eine Kaffeekultur haben sie, sehr zum Leidwesen kaffeeliebender Touristen, eher nicht. Wenn es um Kaffee geht, lieben Amerikaner es reichlich aber ohne viel Aufwand. In Büros gibt es große aber einfach Filtermaschinen, in denen der Kaffee eigentlich ständig durch läuft und dauerhaft warm gehalten wird. Viel Aroma bekommt man so natürlich nicht. In privaten Haushalten sind ebenfalls vor allem einfache Filterkaffeemaschinen vorhanden. Auf die richtige Dosierung achten die meisten typischen Amerikaner eher nicht. Sie trinken ihren Kaffee eher um des Kaffeetrinkens willen, weniger wegen des dezidierten Genusses. Vor diesem Hintergrund mag es auch kaum verwundern, dass löslicher Kaffee in Granulatform in amerikanischen Haushalten ebenfalls häufig anzutreffen ist. Was europäischen Kaffeegenießern oder auch kolumbianischen Kaffeebauern bereits beim bloßen Gedanken einen Schauer über den Gaumen jagt, ist in Amerika aufgrund seiner Praktikabilität Gang und Gäbe. Löslicher Kaffee ist jederzeit schnell verfügbar und deshalb bei Amerikanern besonders beliebt.

Natürlich gibt es in den USA Koffeinfeinschmecker, die sich für den heimischen Kaffeegenuss einen Kaffeevollautomaten gönnen, um sich die klassischen Kaffeespezialitäten zubereiten zu können. Auch das Straßenbild in amerikanischen Großstädten zeigt, dass eine etwas auserlenere Kaffeekultur durchaus hip und angesagt ist. Hochwertige Kaffeeröstereien sind vor allem in Metropolen wie New York City oder San Francisco häufiger anzutreffen. Allerdings haben Erhebungen der letzten Jahre gezeigt, dass nicht einmal 10 Prozent der Amerikaner auf den Kaffeegenusszug aufspringen. Ganze Bohnen zum Selbermahlen haben einen gewissen Kultstatus, die breite Masse der amerikanischen Bevölkerung verzichtet aber vor allem im heimischen Umfeld aus Gründen der Bequemlichkeit und des Zeitmangels auf dieses Stückchen Kaffeekultur aus anderen Teilen der Welt. In Amerika muss Kaffee eben vor allem zwei Eigenschaften haben: er muss günstig und jederzeit reichlich verfügbar sein.

Was sich am amerikanischen Markt allerdings langsam durchsetzt, sind Kapselmaschinen und die damit einhergehende Vielfalt an Kapselsorten. Seit die ersten Kapselmaschinen 2005 auf den weltweiten Markt kamen, hat sich der Verbrauch an Kaffeekapseln in den USA um sagenhafte 138.324 Prozent erhöht, so eine Studie zum amerikanischen Kaffeekonsum von Euromonitor. Und die Begeisterung der Amerikaner für Kaffeekapseln steigt weiter, jährlich sogar um stolze 30 Prozent. Kaffeegenuss aus der kleinen bunten Kapsel verbindet eben perfekt den Convenience-Gedanken mit echtem Kaffeegenuss und der bunten Vielfalt, die Amerikaner als Melting Pot der Kulturen so lieben.

Amerikanische Coffee Shops: The closest to coffee culture you can get

Dass Amerikaner zwar gerne Kaffee trinken, aber keine echte Kaffeekultur haben, mag uns verwundern, stolpern wir doch in nahezu jeder Stadt über mindestens eine Starbucks-Filiale. Die großen amerikanischen Coffee-Shop-Ketten sind in ganz Europa weit verbreitet und suggerieren uns, dass vielfältiger Kaffeegenuss in Amerika großgeschrieben wird. Tatsächlich lieben auch die Amerikaner ihren Kaffee mit Sirup, fünf verschiedenen Röststärken und kleinen bunten Streuseln oder Marshmallows.

Starbucks Becher
2 Starbucks Becher

Das amerikanische Franchise-Konzept Starbucks, das inzwischen in 24 Ländern der Welt vertreten ist, hat in Sachen Coffee Shop immer noch die Nase vorn. Insider bezeichnen die Produkte, die bei Starbucks aus der Kaffeemaschine fließen, scherzhaft als den „American Way of Coffee“. Inzwischen steht Starbucks natürlich für viel mehr als nur Kaffee in allen möglichen und unmöglichen Variationen. In den Starbucks-Filialen auf der ganzen Welt gibt es typisch amerikanische Gebäckvarianten für den süßen Genuss, aber auch andere Snacks wie Sandwiches und Fingerfood in verschiedensten Geschmacksrichtungen. Medienberichten zufolge will die Franchise-Kette sogar Sushi in ihr Sortiment aufnehmen, um ihre Zielgruppe erweitern zu können.

Noch vor einigen Jahren sah es gar nicht gut aus für das Flaggschiff der amerikanischen Coffee Shops. 2008 mussten in den USA etliche Starbucks-Filialen geschlossen werden und auch hierzulande ging es den Franchise-Unternehmern alles andere als rosig. Seit 2011 schreibt das Unternehmen aber wieder schwarze Zahlen und kann es sich wieder leisten, in neue Projekte zu investieren. Frozen-Coffee-Spezialitäten sind schon länger in den Starbucks-Filialen erhältlich, wenn auch in Deutschland eher saisonal begrenzt. Nun soll auch das in Amerika schon so erfolgreiche Drive-Thru-Konzept von bekannten Fast-Food-Ketten auf Starbucks-Filialen erweitert werden. Vor allem in städtischen Ballungsräumen sollen auch deutsche Autofahrer sich also ihren Starbucks-Kaffee mittelfristig im Vorbeifahren genehmigen können. Typisch Amerikaner, könnte man sagen, denn Essen und Trinken im Vorbeigehen gehört nun einmal zu den amerikanischsten Trends, die wir aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten übernommen haben.

Ob sich der fliegende Kaffeegenuss allerdings auch in Deutschland etablieren wird, bleibt abzuwarten. Denn im Gegensatz zu den Amerikanern pflegen wir hierzulande durchaus eine Kaffeekultur, die sich eher an europäischen Vorbildern wie Italien oder Österreich orientiert. Einen fähigen Barista und ein edles Tröpfchen aus besten frisch gemahlenen Bohnen wissen die Deutschen durchaus zu schätzen, und zwar ebenso wie einen richtig guten amerikanischen Burger und ein spannendes Football-Spiel.

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