Vom Glücksspiel-Boom zur Krise: Was aus Atlantic City geworden ist

Neben Las Vegas ist auch Atlantic City ein beliebtes Ziel für Glücksspieler
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Atlantic City liegt am Atlantik, und noch immer führt kaum ein Weg an seinem Boardwalk vorbei. Dahinter ragen die großen Casinohotels auf, am Strand stehen die Fahrgeschäfte des Steel Pier, dazu kommen Restaurants, Konzerte und Veranstaltungen. Neun Casinohotels gibt es heute in der Stadt. Das Glücksspiel ist geblieben, doch Atlantic City ist längst mehr als eine Ansammlung von Spielsälen. Die Häuser verbinden Hotel, Gastronomie und Unterhaltung, während der Boardwalk weiterhin das Bild des einstigen Seebads prägt.

Die heutige Stadt ist damit das Ergebnis eines tiefen Wandels. Aus einem traditionsreichen Badeort wurde zunächst eine Glücksspielmetropole, dann eine Stadt, die nach dem Ende ihres Casino-Monopols ein neues Geschäftsmodell finden musste.

Vom Casino-Boom zum neuen Glücksspielmarkt

Atlantic Citys große Casinoära endete nicht, weil das Interesse am Glücksspiel verschwand. Die Konkurrenz kam näher. Pennsylvania und weitere Bundesstaaten eröffneten eigene Spielangebote und nahmen der Stadt ihren früheren Vorsprung. Was zunächst ein regionales Monopol gewesen war, wurde zu einem umkämpften Markt. Die Einnahmen der stationären Casinos gingen zurück, mehrere Häuser mussten schließen.

Während sich die Casinoetagen verkleinerten, öffnete sich das Geschäft für neue Formen des Glücksspiels. New Jersey erlaubte 2013 Online-Casinos und 2018 Sportwetten. Beide Märkte sind staatlich reguliert und an das bestehende Lizenzsystem gebunden. Online-Casinos werden von lizenzierten Casinoanbietern betrieben oder gemeinsam mit zugelassenen Partnern angeboten; auch Sportwetten im Internet laufen über entsprechende Lizenzen von Casinos und Rennbahnen.

In vielen Ländern wird Glücksspiel inzwischen über stationäre und digitale Angebote zugleich organisiert, wobei die gesetzlichen Modelle stark voneinander abweichen. Während einige Märkte, wie sie von Casino Groups und anderen Experten beschrieben werden, Online-Casinos und Sportwetten früh in ein staatliches Lizenzsystem integriert haben, werden sie andernorts erst nach und nach reguliert oder bleiben verboten. Besonders in Europa hat sich das Internet zu einem festen Teil des Glücksspielmarktes entwickelt; auch diese Lizenzmodelle werden von Casino Groups erklärt. Der Trend geht damit nicht einfach vom Casino ins Netz: Entscheidend ist, wie die einzelnen Länder digitale Angebote zulassen, kontrollieren und in ihre bestehenden Glücksspielsysteme einbinden. 

Für Atlantic City bedeutete das eine Ausweitung des Geschäfts über die Stadtgrenzen hinaus. Ein Teil des Glücksspielangebots ist inzwischen digital erreichbar, während die Casinohotels stärker auf Übernachtungen, Restaurants, Shows und Veranstaltungen setzen. 2024 erzielten die neun Casinos zusammen 5,70 Milliarden Dollar Glücksspielerlöse – so viel wie nie zuvor. Rund 2,82 Milliarden Dollar entfielen auf das stationäre Casino-Geschäft, 2,39 Milliarden auf Internet-Gaming und knapp 493 Millionen auf Sportwetten.

Die Grundlage für diesen Rekord unterscheidet sich deutlich von der des Jahres 2006. Damals erwirtschafteten die stationären Casinos allein rund 5,21 Milliarden Dollar. Das Glücksspielgeschäft verteilt sich inzwischen auf mehrere Kanäle und ist längst nicht mehr allein an die Casinoetagen von Atlantic City gebunden.

Eine Stadt setzt auf Glücksspiel

Der heutige, breiter aufgestellte Glücksspielmarkt ist das Ergebnis einer Entwicklung, die Atlantic City stärker verändert hat als viele andere Glücksspielstandorte. Denn die Stadt hatte ihr wirtschaftliches Schicksal über Jahrzehnte eng mit den Casinos verknüpft.

Ursprünglich lebte Atlantic City vom Bade- und Erholungstourismus. Der ab 1870 errichtete Boardwalk wurde zum Wahrzeichen der Stadt, gesäumt von Hotels, Geschäften, Restaurants und Vergnügungsangeboten. Doch nach dem Zweiten Weltkrieg geriet das klassische Seebad unter Druck. Andere Urlaubsziele wurden attraktiver, das Auto veränderte die Reisegewohnheiten, und Atlantic City verlor an Besuchern.

Die Legalisierung des Glücksspiels sollte den Abwärtstrend stoppen. 1976 stimmten die Wähler in New Jersey dafür, Casinos in Atlantic City zuzulassen. Zwei Jahre später eröffnete mit Resorts International das erste Haus. Was als wirtschaftlicher Neustart für die angeschlagene Küstenstadt gedacht war, entwickelte sich zu einem enormen Wachstumsschub. Weitere Casinos folgten, große Hotelanlagen entstanden, und rund um das Glücksspiel wuchs eine ganze Dienstleistungsbranche.

Atlantic City wurde damit zu einer Stadt, deren wirtschaftliche Entwicklung eng mit dem Erfolg ihrer Casinohotels verbunden war. Die Häuser brachten nicht nur Spieler an die Küste, sondern auch Beschäftigung, Investitionen und neue touristische Angebote. Mit dem Borgata kam 2003 ein modernes Resort hinzu, das den Wettbewerb innerhalb der Stadt noch einmal veränderte. 2006 erreichte die klassische Casinoära ihren Höhepunkt.

Als der Erfolg zum Problem wurde

Gerade die starke Ausrichtung auf das Glücksspiel machte Atlantic City anfällig, als sich die Rahmenbedingungen änderten. Die Konkurrenz anderer Bundesstaaten und die Finanzkrise trafen eine Stadt, deren wirtschaftliche Struktur stark auf die Casinoindustrie zugeschnitten war. Sinkende Einnahmen der Häuser wirkten sich deshalb weit über die Spielsäle hinaus aus.

Arbeitsplätze gingen verloren, Immobilienwerte sanken und die kommunalen Finanzen gerieten zunehmend unter Druck. Die Schwierigkeiten waren schließlich so groß, dass New Jersey direkt in die Verwaltung der Stadt eingriff. Aus der Krise einer Branche war eine Krise der gesamten Stadt geworden.

Am deutlichsten zeigte sich der Einschnitt bei den Casinohotels selbst. 2014 schlossen Atlantic Club, Showboat, Revel und Trump Plaza. 2016 folgte das Trump Taj Mahal. Innerhalb weniger Jahre verlor Atlantic City damit fünf Häuser, die noch kurz zuvor zum festen Bild der Casino-Stadt gehört hatten.

Besonders spektakulär verlief die Geschichte des Revel. Das Resort war 2012 nach einer Investition von rund 2,4 Milliarden Dollar eröffnet worden und sollte mit moderner Architektur, Hotelbetrieb und Unterhaltung neue Maßstäbe setzen. Doch schon 2014 musste das Haus wieder schließen. Die Größe der Investition konnte die veränderte wirtschaftliche Lage nicht ausgleichen.

Mit den Schließungen veränderte sich auch das Stadtbild. Einige Gebäude standen zunächst leer, andere erhielten neue Betreiber oder Nutzungen. Das frühere Trump Plaza wurde schließlich 2021 abgerissen.

Ein Neustart mit weniger Casinos

Nicht alle der aufgegebenen Häuser verschwanden. Das ehemalige Taj Mahal wurde 2018 als Hard Rock Hotel & Casino wiedereröffnet, aus dem Revel entstand das Ocean Casino Resort. Das Showboat blieb als Hotel erhalten, kehrte jedoch nicht ins Casinogeschäft zurück.

Die verbliebenen Häuser sind heute stärker als Resorts angelegt. Übernachtungen, Restaurants, Konzerte, Shows, Tagungen und andere Veranstaltungen gehören zum Geschäftsmodell. Atlantic City hat damit weniger Casinohotels als auf dem Höhepunkt des Booms, aber ein breiteres Angebot rund um die bestehenden Häuser. Der Wandel ist auch außerhalb der Resorts sichtbar. Der Boardwalk, der Strand und die Vergnügungsangebote sind wieder stärker Teil des Gesamtbildes. Atlantic City lebt weiterhin vom Glücksspiel – doch die Stadt muss ihre Zukunft nicht mehr allein an der Entwicklung ihrer Casinoetagen festmachen.

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